01.09.2020

Verjährung des Architektenhonorars: Fristen und Handlungsempfehlungen

Der Architekt plant, zeichnet und leitet die Baustelle, doch der Auftraggeber bzw. Bauherr leistet kein Architektenhonorar.

Von: Matthias Streiff  DruckenTeilen 

Dr. iur. Matthias Streiff

Matthias Streiff ist Rechtsanwalt und führt die auf Immobilien- und Baurecht spezialisierte Kanzlei „Streiff Rechtsanwälte AG“ in Wetzikon (www.this-law.ch). Er ist seit 1993 in der Immobilienbranche operativ, forensisch und beratend tätig. Er publizierte z.B. zum Werk- und Maklervertrag, dem Bauhandwerkerpfandrecht, zum Stockwerkeigentum oder den Grundstückgewinnsteuern. Er ist Herausgeber des WEKA BauRechtPraxis Online Portals sowie Dozent bei Fachhochschulen/privaten Lehrinstituten.

Architektenhonorar

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Wie lange beträgt die Verjährungsfrist für die Forderung des Architektenhonorars?

Da weder im Auftrags- noch im Werkvertragsrecht eine spezifische Verjährungsfrist für Architektenhonorare aufgeführt ist, ist die Verjährungsfrist des Allgemeinen Teils Obligationenrecht anzuwenden. Gemäss Art. 127 OR beträgt die allgemeine Verjährungsfrist zehn Jahre. Eine Ausnahme davon ergibt sich durch Art. 128 Ziff. 3 OR, welcher besagt, dass die Verjährung auf fünf Jahre gekürzt wird, wenn es sich um Handwerksarbeit handelt. Handwerksarbeit umfasst sämtliche manuellen Arbeiten, bei welchen die körperliche Komponente deutlich stärker ist als die geistige. Diese Ausnahmeregelung ist für die Architektenlohnforderung nicht anwendbar, da die Leistung des Architekten keine Handwerksarbeit darstellt. Somit bleibt die zehnjährige Verjährungsfrist von Art. 127 OR anwendbar.

Wann beginnt die Verjährungsfrist für die Forderung des Architektenhonorars?

Der Beginn der Verjährungsfrist bestimmt sich nach den Regeln des Allgemeinen Teils des Obligationenrechts. Grundsätzlich beginnt die Verjährung gemäss Art. 130 Abs. 1 OR zu laufen, sobald die Forderung fällig ist. Eine Mahnung ist nicht notwendig und hätte nichts mit der Verjährung zu tun. Bei vereinbarten Ratenzahlungen verjährt jede Rate selbstständig.

Welche Ursachen führen zu einer Hemmung oder Unterbrechung der Verjährungsfrist für die Forderung des Architektenhonorars?

Die Unterbrechung der Verjährung bewirkt, dass die laufende Verjährungsfrist angehalten wird und neu zu laufen beginnt. Damit beginnt die zehnjährige Verjährungsfrist von Neuem, was von vitalem Interesse für einen Architekten sein kann.

Die Unterbrechungsgründe sind in Art. 135–138 OR (teilweise revidiert per 1. Januar 2020) geregelt.

Im Wesentlichen:

  1. Forderungsanerkennung durch den Besteller bzw. Auftraggeber (Art. 135 Ziff. 1 OR)
  2. Schuldbetreibung, Schlichtungsgesuch, Klage, Einrede vor Gericht oder Schiedsgericht, Eingabe im Konkurs (Art. 135 Ziff. 2 OR)

Durch Hemmung beginnt die Verjährungsfrist gar nicht zu laufen, oder sie steht während des Bestehens des Hemmungsgrunds still. Sobald der Hemmungsgrund wegfällt, beginnt die Verjährungsfrist zu laufen oder wird – falls sie stillstand – fortgesetzt. Nach einer Hemmung beginnt – anders als bei der Unterbrechung – keine neue Verjährungsfrist zu laufen, sondern die bisherige wird fortgesetzt. Hemmungen sind in der Praxis selten. Art. 134 Abs. 1 OR enthält eine abschliessende Liste von Hemmungsgründen.

Wie kann sich der Architekt sein Honorar sichern?

Werden die Ratenforderungen des Architekten bereits während der Leistungserbringung nicht bezahlt, so erkennt der Architekt rasch, dass sein Honorar im Risiko steht.

Aus Auftragsrecht steht dem Architekten (wie dem Bauherrn) ein jederzeitiges Kündigungsrecht zu. Wird zur Unzeit gekündigt, so führt das zu Schadenersatzansprüchen. Ist der Bauherr (unberechtigterweise) mit Honorarleistungen im Rückstand und im Verzug, so wird eine Kündigung kaum je als zur Unzeit qualifiziert werden. Geringfügiger Verzug (terminlich oder betragsmässig) rechtfertigt jedoch kaum je eine Kündigung zur Unzeit. Gesundes Augenmass ist auch da gefordert.

Aus den allgemeinen Regeln des OR folgt, dass bei zweiseitigen Verträgen jeder den anderen nur dann zur Leistung anhalten kann, wenn er selber bereits vertragskonform geleistet hat. Art. 82 OR gibt dem Architekten, der offene Honorarforderungen hat, ein Leistungsverweigerungsrecht. Das ist keine Kündigung, sondern das Aussetzen einer Leistung, bis eine vertragliche Forderung beglichen wird. Aber Achtung: Die Leistungsverweigerung über Art. 82 OR ist entweder gerechtfertigt, wenn fällige Schulden nicht bezahlt werden, oder aber ungerechtfertigt, wenn die Forderung selber noch nicht fällig ist. Eine ungerechtfertigte Leistungsverweigerung wiederum führt zu (teurem) Schadenersatz. Es ist sinnvoll und wird empfohlen, die Leistungsverweigerung nach Art. 82 OR vorgängig mit einem Spezialisten (Anwalt) zu besprechen.

Der Architekt kann jederzeit eine Betreibung anheben und den Auftraggeber mit seiner Forderung konfrontieren.

Empfehlung

Architektenhonorare im Risiko sind tägliche Realität. Oft weisen Bauherren begründete oder unbegründete Gegenforderungen vor, welche verrechnungsweise Honorarforderungen tilgen. Bevor eine Mandatskündigung, Leistungsverweigerung oder eine Betreibung vorgenommen wird, sollten Forderungstitel, Umfang, Bestand und Fälligkeit selbstkritisch geprüft werden. Einmal ausgesprochene Gestaltungserklärungen sind unwiderruflich und können zu Schadenersatzansprüchen führen.

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