04.08.2015

Bauingenieur: Was gehört in den Vertrag für Bauspezialisten?

Ein Hochbau wird normalerweise von einem Architekten als Gesamtprojektleiter geleitet. Die Kenntnisse eines Architekten sind aber nicht so allumfassend, dass er sämtliche Arbeiten betreuen kann, ohne dass er einen Ingenieur oder andere Spezialisten für seine Arbeiten beiziehen muss.

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Bauingenieur

Einleitung

Die nachfolgenden Ingenieure werden oft bei kleineren und grösseren Bauvorhaben benötigt:

  • Bauingenieur (Statik, Baugrundbeurteilung, Baugrundsicherung, Beurteilung von Nebengebäuden usw.)
  • Elektroingenieur für die gesamten Elektroinstallationen
  • Heizungsingenieur für die Berechnung der Heizungsanlage und deren Auslegung
  • Lüftungsingenieur für die Berechnung erforderlicher Lüftungsanlagen (erlangt bei neuen Hochbaugebäuden zunehmend Bedeutung)
  • Sanitäringenieur, insbesondere bei grösseren Anlagen mit komplexen Sanitärleistungen wie Industrieanlagen, Grossküchen usw. wird ein solcher Ingenieur eingesetzt werden müssen
  • Akustikspezialist für die Belange des Schallschutzes und der Schallisolation
  • Geometer
  • Bauphysiker
  • Garteningenieur
  • Weitere Spezialisten für Abdichtung, Materialtechnologie usw.

Zielsetzung

Die Zielsetzung des Abschlusses eines Vertrages mit dem Spezialisten, sei es ein Bauingenieur, sei es ein anderer Spezialist, ist eindeutig das Verfügbarmachen und Berücksichtigen von Spezialkenntnissen für die Planung und anschliessend für die Realisierung des entsprechenden Baus.

Wichtig
Im Rahmen des Vertragsabschlusses muss daher auch klar definiert werden, welche Leistungen der entsprechende Spezialist effektiv erbringen muss.

Vertragsformular

Wie bei den Architektenverträgen bestehen auch im Rahmen der Verträge mit den Spezialisten vorbereitete Vertragsformulare des SIA und anderer Verbände. Es lohnt sich, auch dieses Formular sorgfältig auszufüllen, denn damit reduziert man das Risiko, dass einzelne wesentliche Punkte vergessen werden.

Aufgaben vom Bauingenieur

Im Rahmen eines Hochbauprojektes ist der Bauingenieur normalerweise nicht die zentrale Person im Rahmen einer Bauabwicklung, sondern er muss mit seinen Spezialkenntnissen dazu beitragen, dass der Gesamtprojektleiter - oft ein Architekt - die dem Bauherrn gegenüber versprochene Leistung effektiv realisieren kann. Von einem Gesamtprojektleiter, z.B. einem Architekten, kann aber nicht erwartet werden, dass er über sämtliche Kenntnisse auf dem Gebiete des Bauingenieurwesens, des Elektroingenieurwesens usw. selber verfügt. Die SIA-Honorarordnung 102 sagt in diesem Rahmen klar und unmissverständlich, der Architekt sei in diesem Fall berechtigt, dem Bauherrn den Beizug eines entsprechenden Spezialisten zu beantragen.

Achtung
Der Architekt ist normalerweise nicht berechtigt, diesen Spezialisten einfach aus eigenen Stücken beizuziehen und anschliessend die Rechnung dem Bauherrn zuzustellen. Dadurch entsteht für den Bauherrn eine vertragliche und finanzielle Verpflichtung. Deshalb muss der Bauherr der Wahl resp. dem Beizug vom einem entsprechenden Ingenieur oder Spezialist zustimmen.

Auswirkungen auf Haftung des Gesamtprojektleiters

Sollte die Bauherrschaft nicht bereit sein, dem Rat des Gesamtprojektleiters zu folgen und einen entsprechenden Spezialisten beizuziehen, kann dies dazu führen, dass der Gesamtprojektleiter - sollte es wegen des Fehlens dieser Spezialkenntnisse zu einem Schaden kommen - für die Schadensfolgen nicht herangezogen werden kann. Allerdings ist dann der Architekt resp. der Gesamtprojektleiter verpflichtet, dieses Verhältnis gegenüber der Bauherrschaft ordnungsgemäss abzumahnen und die Bauherrschaft ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, der Verzicht auf den Beizug eines Spezialisten könne dazu führen, dass am Bauwerk Schäden entstehen.

Achtung
Sollte der Gesamtprojektleiter allerdings die Meinung vertreten, durch den Verzicht auf den Beizug eines Spezialisten könnten Leib und Leben Dritter oder Sachen Dritter wesentlich gefährdet werden, dann ist er sogar verpflichtet, sein Mandat niederzulegen.

Konsequenz bei nicht richtiger Erfüllung

Die SIA-Honorarordnung sagt dann klar und unmissverständlich, dass der Architekt resp. der Gesamtprojektleiter in diesem Falle nur für die sorgfältige Auswahl vom beauftragten Ingenieur haftet, nicht aber dafür, dass der beigezogene Spezialist seine Aufgabe richtig erfüllt. Die Aufgabe muss vom Spezialisten selber erfüllt werden und, sollten sich daraus Schwierigkeiten oder Fehler ergeben, muss der Spezialist selber dafür eintreten.

Wahl des Spezialisten

Im Rahmen der Wahl des Spezialisten ist der Architekt resp. der Gesamtprojektleiter verpflichtet, sehr sorgfältig vorzugehen. Kennt er den Spezialisten nicht, ist er verpflichtet, sich zu erkundigen, ob dieser entsprechende Ingenieur effektiv in der Lage ist, die von ihm verlangte Aufgabe zu lösen. Dabei ist es selbstverständlich, dass je nach Aufgabe andere Anforderungen an den Spezialisten gestellt werden müssen. Sollte der Architekt im Rahmen dieser Abklärungen nicht sorgfältig vorgehen, die entsprechenden Erkundigungen nicht einziehen, dann würde er - sollte es dann zu einem Schaden kommen - zusammen mit dem Spezialisten zur Schadenstragung herangezogen.

Leistungsbeschreibung

Die Definition der zu erbringenden Leistungen ist einer der zentralen Punkte im Rahmen des entsprechenden Vertragsabschlusses. Hier muss sowohl vom Gesamtprojektleiter resp. dem Architekten wie auch vom beigezogenen Spezialisten erwartet werden, dass sie diesbezügliche Vorschläge machen. Je nach sich stellendem Problem sind die vom Ingenieur resp. von den Spezialisten zu erbringenden Leistungen verschieden und müssen anders definiert werden.

Honorierung

Zwischen Bauherrschaft und Spezialist sollte das Honorar vor Vertragsabschluss klar abgesprochen werden. Auch hier bestehen von den verschiedenen Verbänden, sei es vom SIA, sei es von anderen Fachverbänden, verschiedene Empfehlungen.

Risiken bei Verzicht auf Spezialisten

Immer wieder besteht die Tendenz der Bauherrschaft, die vom Spezialisten zu erbringenden Leistungen zu beschränken, d.h. zu versuchen, das Projekt mit einem Minimum an Leistungen von Spezialisten zu realisieren.

Praxis-Beispiel
Typisches Beispiel ist der Verzicht des Beizuges des Spezialisten im Rahmen der Fachbauleitung. Dort ist man der Meinung, dass man weder den Heizungs- noch den Sanitär- noch den Lüftungs- noch den Elektro- Ingenieur im Rahmen der Fachbauleitung benötige, da der Architekt oder Gesamtbauleiter ja sicher problemlos in der Lage sei, die einmal vom Spezialisten definierte Leistung zu kontrollieren und zu überprüfen, ob der Unternehmer die Leistung gemäss Ausschreibung erbracht hat.

Gerade hier muss immer wieder festgestellt werden, dass Architekten und Gesamtbauleiter bei den Kontrollen überfordert sind. Ihnen fehlen die nötigen technischen Spezialkenntnisse, die nötige Erfahrung, wo besondere Risiken liegen, und sie sind letztendlich nicht in der Lage zu kontrollieren, ob der Unternehmer seine Leistung ordnungsgemäss erbracht hat.

Praxis-Tipp
Es ist unbestritten, dass der Beizug eines entsprechenden Spezialisten für die Bauherrschaft mit Kosten verbunden ist. Aus Erfahrung kann hier aber festgehalten werden, dass diese Kosten im Verhältnis zu den Einsparungen und im Verhältnis zur Qualitätsverbesserung, die durch diesen Beizug vom Bauingenieur erreicht wird, gering sind.  

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