22.07.2014

Bauprojektmanagement: Welche Ziele müssen erreicht sein?

Der Begriff "Projektziel" im Bauprojektmanagement kann folgendermassen definiert werden: "Ein Projektziel ist ein nachzuweisendes Ergebnis und/oder eine vorgegebene Realisierungsbedingung der Gesamtaufgabe eines Projekts." Finden Sie hier die benötigte Information mitsamt Merkblatt.

Teilen   Drucken

Bauprojektmanagement

Projektziele beschreiben den Zustand, der am Ende des Projekts erreicht werden soll. Unklare Projektziele sind eine der wichtigsten Ursachen für das Scheitern von Projekten. In der Phase der Projektentwicklung werden die Ziele des Projekts im Hinblick auf Nutzung, Funktion, Flächen- und Raumbedarf, Gestaltung und Ausstattung, Budget und Zeitrahmen erarbeitet. Sie stellen den definierten Auftrag des Bauherrn dar.Eine sinnvolle Projektorganisation gewährleistet, dass die Projektziele

  • erarbeitet,
  • festgelegt,
  • verbreitet und
  • umgesetzt werden.

Projektziele erfüllen dabei für alle am Projekt Beteiligten drei Funktionen:

  1. Orientierungsfunktion
  2. Kontrollfunktion
  3. Motivationsfunktion

Orientierungsfunktion der Projektziele

Ziele des Bauprojektmanagement dienen zunächst der Orientierung der Projektbeteiligten:

  • Die Zielvorgaben sind Ausgangspunkt der gesamten Planung und Projektorganisation. Aus den Zielvorgaben leiten sich sämtliche Leistungen ab, die im Rahmen des Projekts erbracht werden müssen.
  • Zielvorgaben dienen den Projektbeteiligten als Richtschnur, um ihre eigenen Arbeitsschritte auf das Gesamtprojekt abzustimmen.
  • Aussagekräftige Zielvorgaben dienen als Gradmesser für die Bewertung des Gesamtprojekts. Welche Ziele wurden erreicht, welche nicht, und welche Erfahrungen resultieren daraus?

Kontrollfunktion der Projektziele

Eine Leistung kann nur bewertet werden, wenn vorher festgelegt wurde, wie sie auszusehen hat. Ein Soll-Ist-Vergleich ist nur möglich in Kenntnis des Solls:

  • Anhand der Vorgaben für Grösse, Funktion und Ausstattung des Gebäudes kann die Planung kontrolliert werden.
  • Anhand der Vorgaben für Kosten und Termine ist es möglich, die Einhaltung der Vereinbarungen zu überprüfen und evtl. notwendige Steuerungsmassnahmen zu ergreifen.

Motivationsfunktion der Projektziele

Ziele haben eine nicht zu unterschätzende Motivationsfunktion auch jenseits der rein sachlichen Argumente:

  • Klare Zielstellungen ergeben klare Orientierungspunkte der Zusammenarbeit und erleichtern die gemeinsame Lösungsfindung bei Problemen. Das Entstehen eines "Wir-Gefühls" wird gefördert.
  • Ziele stellen eine "Messlatte" dar, an der das Erreichte bewertet werden kann. Sie erleichtern die Anerkennung der geleisteten Arbeit.

Die folgenden Anforderungen werden an ein gut formuliertes Projektziel im Bauprojektmanagement gestellt:

  • erreichbar: Die Erreichung des Projektziels muss möglich sein.  
  • vollständig: Alle wichtigen Aspekte sind enthalten.
  • widerspruchsfrei: Die Beschreibung des Ziels beinhaltet keine Widersprüche in sich.
  • eindeutig: Das Ziel kann nicht verschieden interpretiert werden.
  • lösungsneutral: Nur das Ziel wird vorgegeben, nicht der Weg dorthin!
  • messbar: Die Zielerreichung kann nach geeigneten Kriterien gemessen bzw. überprüft werden.
  • abgestimmt: Das Ziel ist zwischen Projektleiter und Auftraggeber abgestimmt und dokumentiert.

In Ausnahmefällen ist eine genaue und endgültige Zieldefinition im Bauprojektmanagement nicht möglich oder nicht sinnvoll, z.B. bei sehr innovativen Bauwerken. In diesen Fällen erstreckt sich der Prozess der Zielformulierung über die gesamte Projektlaufzeit. Die kontinuierliche Abstimmung der Projektziele, die Verwendung von Negativkatalogen und die Anpassung der Ziele gemäss dem jeweiligen Kenntnisstand schaffen kreative und innovative Spielräume, die bei derartigen Projekten von grosser Bedeutung sind.

Das Zieldreieck des Bauprojekts

Bei Bauprojekten haben wir es mit einer Vielzahl von Zielen, mit einem ganzen Zielbündel zu tun. Dieses Zielbündel kann aber immer in drei Zielbereiche zusammengefasst werden:

  • Qualitäten/Mengen
  • Kosten
  • Termine

Qualitäten/Mengen

Der Zielbereich Qualitäten und Mengen im Bauprojektmanagement ist die eigentlich massgebende Grösse eines Bauprojekts. Aus ihr leiten sich die beiden anderen Zielbereiche ab, also Kosten und Termine. Die gewünschten Qualitäten und Mengen müssen vom Auftraggeber in seiner Aufgabenstellung definiert werden. Qualitäten und Mengen ergeben sich als Antwort auf die Frage, in welchen Grössen und Arten Leistungen geplant und erbracht werden sollen: Der Auftraggeber wünscht ein Bauwerk für eine bestimmte Nutzung und hat dafür seinen Bedarf an Planungs- und Bauleistungen festzulegen. Ein unerfahrener Bauherr, wie er häufig vorkommt, kann sich bei der Festlegung seiner Mengen- und Qualitätsziele der Hilfe Dritter bedienen. Die Aufgabenstellung des Bauherrn ist in jedem Fall ein Dokument. Häufig wird es als Raum- und Funktionsprogramm bezeichnet, bisweilen auch als Nutzerbedarfsprogramm (NBP). Dieses Dokument bestimmt das angestrebte Ziel eindeutig und bildet die Messlatte, die im Laufe des Projekts Auskunft gibt, ob und wie weit die Ergebnisse der Planung und Ausführung alle Ansprüche des Bauherrn erfüllen. Die erforderliche Qualität eines Bauwerks bestimmt der Bauherr, der ja auch die Kosten der Qualität tragen muss. Entscheidet sich der Bauherr für eine mindere Qualität, etwa für eine billige Konstruktion mit nur kurzer Lebensdauer, so ist die Planung einer besseren und damit teureren Qualität falsch und bedeutet: Ziel verfehlt!

Kosten

Die Zielvorgaben im Bauprojektmanagement zu den Kosten sind grundsätzlich abgeleitete Grössen und ergeben sich aus den Vorgaben und Anforderungen an Qualitäten und Mengen. Viele Bauherren drehen dieses Verhältnis jedoch um: Sie geben ein festes Budget vor, nach dem sich die Qualität zu richten hat. Dies bedingt eine umgekehrte Vorgehensweise, die man "Zielkostenplanung" nennt. Es ist in diesem Fall zu überprüfen, ob die aus dem Budget resultierenden Qualitäten und Mengen den Erwartungen des Bauherrn gerecht werden können. Das Ergebnis dieser Überprüfung erfordert meist ein mehrstufiges Näherungsverfahren bis zur endgültigen Klärung des Bedarfs.

Termine

Was für Kostenziele gilt, gilt auch für Terminziele: Terminziele im Bauprojektmanagement sind grundsätzlich eine Grösse, die aus den Zielen für Qualitäten und Mengen abgeleitet ist. Andererseits ist es natürlich auch hier möglich, den umgekehrten Weg zu gehen, nämlich die Qualitäten an die gewünschten Termine anzupassen. Es gibt Terminziele, die vorgegeben sind und über Erfolg oder Misserfolg des Projekts entscheiden. In diesem Fall sind Kosten und Qualitäten dem Terminziel untergeordnet. Muss mit höherer Geschwindigkeit gearbeitet werden, um einen bestimmten Termin zu halten, so ist dies zumeist mit einem erhöhten Kostenaufwand verbunden.

Es gilt der Grundsatz: "wenig Zeit = hohe Kosten"

Entscheidend für die Terminziele ist, die Terminvorgaben im Rahmen der Projektorganisation in die Gestaltung der Verträge für Planer und ausführende Firmen einfliessen zu lassen. Dies gilt speziell für die Ausschreibungs- und Vergabephase eines Bauprojekts. Die frühzeitige, verbindliche und rechtlich einwandfreie Vorgabe der Ausführungsfristen ist ein wesentlicher Bestandteil des Werkvertrags mit den ausführenden Firmen.

Fazit

Bei der Diskussion der Projektziele mit dem Bauherrn im Rahmen vom Bauprojektmanagement muss dieser seine Prioritäten setzen und bereit sein, die Konsequenzen daraus zu tragen:

  • Ein Bauwerk hoher Qualität und kurzer Bauzeit kann nicht kostengünstig sein.
  • Ein kostengünstiges Bauwerk ordentlicher Qualität erfordert mehr Bauzeit, aber vor allen Dingen mehr Planungszeit als das gleiche Bauwerk mit höherem Budget.
  • Ein schneller, billiger Bau kann keine hohe Qualität haben.  

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Bau- und Immobilienrecht

    Newsletter Bau- und Immobilienrecht

    Aktuelle Themen. Kommentierte Entscheide. Praxisfälle.

    CHF 98.00

  • Baudetail-Atlas Hochbau

    Baudetail-Atlas Hochbau

    Praxisgerechte und sofort einsetzbare Konstruktionsdetails.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Baumängel und Bauversicherungen

    Mängel effizient abwickeln und Versicherungsschutz optimieren

    Nächster Termin: 23. August 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Bauwerkvertrag nach SIA und OR

    Senken Sie Aufwand und Kosten dank besseren Verträgen

    Nächster Termin: 05. September 2018

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos