03.07.2017

BIM: BUILDING INFORMATION MODELING

BIM, «Building Information Modeling», soll als neue Arbeitsmethode den Informationsfluss zwischen Architekten, Bauingenieuren, Fachplanern und Herstellern optimieren durch Vernetzung und Transparenz. BIM ist ein Planungsprozess. In einem Satz: erst digital, dann real.

Von: Matthias Streiff   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. iur. Matthias Streiff

Matthias Streiff ist Rechtsanwalt in Wetzikon (ZH) und vorwiegend im Bereich Immobilienrecht tätig (www.this-law.ch). Vormals führte er während mehrerer Jahre die Rechtsdienste der Immobiliengesellschaften Mobimo (Küsnacht) und Allianz Suisse Immobilien AG (Volketswil). Seit Herbst 2004 ist er zudem Dozent beim Nachdiplomstudium der HWZ (Zürich) für den ‹Master of Advanced Studies in Real Estate Management MREM› sowie seit 2008 Dozent am IFZ Zug für den Master in Immobilienmanagement.

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BIM

Definition

Building Information Modeling steht für eine Planungsmethode im Bauwesen. Sie umfasst die tatsächliche Planung, aber auch die Ausführung und die Bewirtschaftung von Gebäuden. Damit ist auch der Konnex zum Facility Management (LINK) gegeben. BIM basiert auf erweiterten CAD Strukturen und ist somit ausschliesslich Software-gestützt.

Mit BIM wird versucht, sämtliche gebäuderelevanten Daten zu erfassen und zu vernetzen; ein integrales Gebäude-Modell als Ziel. Ein Ausdruck davon kann das geometrisch visualisierte Gebäudemodell sein – davon handeln die werbewirksamen Bilder des BIM. In der täglichen Arbeit werden Listen prägend sein wie zum Beispiel Bauteillisten. Mit der Verknüpfung der Pläne, in 3D, mit Daten, wie zum Beispiel Fabrikat, Baujahr und Betriebsstunden, werden strukturierte - quasi «intelligente» Informationen aufbereitet.  Die digitale Darstellung mitsamt den physikalischen und funktionalen Eigenschaften eines Bauwerks können so abgebildet werden. BIM ist im Wesentlichen das Bauwerksmodell basierend auf einer Informationsdatenbank rund um das Bauwerk.

Building Information Modeling (BIM) beschreibt folglich eine Methodik, bei welcher die verschiedenen Baubeteiligten ihre Informationen in 3D-Modellen einspeisen. Diese werden dann kontinuierlich miteinander abgeglichen und verknüpft. Ändert der Architekt bspw. in seinem Modell den Entwurf, so werden automatisch alle relevanten Parameter angepasst und bei den Modellen der entsprechenden Fachplanern aktualisiert. Optimierung und Zeitersparnis beim Planungsprozess sind Ziele des BIM.

Das Gebäude wird noch vor dem ersten Spatenstich im virtuellen Raum geplant. Das akkurate und detailgetreue Gebäudemodell soll den gesamten Planungsprozess vom ersten Entwurf bis zu den Plänen auf der Baustelle (in der Bauausführung) unterstützen. Schliesslich sollen die digitalen Gebäude nahtlos ins FM übertragen und übernommen werden und dadurch einen effizienten Betrieb ermöglichen.

Was technisch möglich ist, muss noch nicht alltagstauglich sein. BIM als Fortentwicklung der CAD Programme bewegt Unmengen von Daten. BIM-Planung sprengt heutige E-Mail Kapazitäten und wird daher auf externen Servern mit Zugriffsrechten aller Beteiligter vorgenommen. BIM ist aus heutiger Sicht eine hochtechnische Angelegenheit. Wenn BIM zum Ziel hat, eine Effizienzsteigerung im Hinblick auf Zeit-, Kosten- und Ressourcenplanung zu erreichen, dann muss die Software und müssen die Anwendungsmöglichkeiten effektiv bleiben – nach KIS: «keep it simpel». Ineffektiv wäre ein BIM, das von den Planern nicht betreiben werden kann.

Funktionsweise BIM

BIM wird vom Planer bearbeitet. Es ist sein neues Werkzeug. In der praktischen Anwendung wird der Planer strukturierte Datensätze und «Attribute» oder «Parameter» bewirtschaften. Es werden Grundlagen automatisiert.

Die BIM-Methode erfordert, dass der Besteller des Gebäudes die BIM-Ziele je Phase definiert, da es noch kein Standard BIM-Paket gibt. Ohne Definition der Simulationsthemen und der zu erreichenden Leistungsfähigkeit weiss kein Planer, welche Daten welche Qualität aufweisen müssen.  Nachdem die BIM-Ziele definiert wurden, können Planer nun ihre Datensätze mit den entsprechenden Attributen füllen, sodass die jeweiligen Ziele umgesetzt werden können.

Softwareanbieter offerieren über verschiedene Bezeichnungen verschiedene Formen des BIM. Es haben sich noch keine Standards herausgebildet.

Zulieferer, insbesondere Baustofflieferanten, haben ihre Angebote bereits digitalisiert und bieten ihre Bauteile über digitale Bibliotheken an. Der Architekt kann folglich aus den Bibliotheken konforme Bauteile auswählen und einsetzen.

Aus dieser Vorgabe geht hervor, dass der BIM-Prozess noch nicht definiert ist. Die SIA hat sich dem Thema angenommen und wird es hoffentlich / mutmasslich in ein praxistaugliches Modell überführen. Dabei kann das BIM nicht gesondert betrachtet werden. Es wird Auswirkungen zur SIA Norm 118 und zu allen Planer-Normen geben (wie z.B. SIA Ordnungen 102, 103 105, 108 und 110).

BIM im Kontext des Bauwesens

BIM als Planungsprozess hat verschiedene neue Bezüge in die Bauwirtschaft, die zu beachten sind. Einige sollen hier vorausschauend aufgelistet werden. Die Prognose ist weder vollständig, noch abschliessend oder gar gefestigt über die Rechtsprechung. Letztere wird als Letzte die Folgen dieser neuartigen Planungsprozesse Verdikte sprechen.

  • Koordination und Hierarchie der Planer: Planungs- und Änderungsrechte am konkreten Projekt sind Messerscharf zu definieren, da jeder der am Planungsprozess etwas einbringt, das ganze Modell (über die Vernetzung) beeinflusst. Danach wird sich auch die Verantwortung richten.
  • Die Ressourcen-Anforderungen für einen BIM – Planungsprozess sind hoch, weshalb nur noch grössere Anbieter mit starken EDV Strukturen mithalten können. Das schränkt den Wettbewerb ein.
  • BIM Planung findet auf externen Rechnern statt. Die Planer und Dritte haben dazu Zugriffsrechte (nur «Einsicht», auch «Änderungen»). Die Erfordernisse an © und Datensicherheit werden erhöht werden. Unberechtigte Zugriffe müssen ausgeschlossen werden können. Die Anfälligkeit derartig vernetzter und digitaler Projekte liegt auf der Hand.
  • Gemäss SIA Norm 118 Art. 7 ff. ist heute vorgesehen, dass die Ausschreibung Pläne und Leistungsverzeichnis oder Baubeschrieb umfasse. BIM umfasst je nach Detaillierung alles in einem Modul. Das wird Anpassungen in der Ausschreibung geben.
  • Die SIA Norm 118 sieht in Art. 84 ff. Änderungsmodi vor während der Bauphase. BIM ist per Definition agil und verarbeitet Änderungen schnell, weshalb BIM-Projekte tendenziell auch mehr Änderungen verzeichnen werden. Das Nachtragswesen wird noch mehr Bedeutung erlangen.
  • Die SIA Ordnung 102 sieht in der Gewichtung der Teilleistungsprozente (Ziffer 7.9) für die Ausschreibungspläne 10 %, für die Ausschreibung (und Vergabe) weitere 8 % sowie für die Ausführungspläne 15% vor. Diese Teilleistungen sind Teil des BIM und fallen wohl früher an. Unter Umständen fallen die BIM-Planungskosten bereits für das Bewilligungsverfahren (Ziffer 7.9 Teilphase 4.33) an. Dementsprechend werden BIM-Planungsprozesse eine eigene auf das konkrete Projekt gemünzte Teilleistungsverteilung erforderlich machen.
  • Für Bestandes-Liegenschaften ist das BIM aufgrund der fehlenden Datengrundlagen kaum je geeignet für Umbauprojekte oder das FM.
  • Vorgefertigte Attribute, wie «Brandschutz» oder z.B. «Retention bei Entwässerung», sind in der Regel nicht tel quel einsetz- und verwendbar, sondern erst durch die intelligente und erfahrene Anwendung des planenden Architekten einzuarbeiten. Automatismen verleiten zu unreflektierten Arbeiten. Wenn der Einsatz der Attribute die planende Kraft des Architekten und Ingenieurs ausschaltet, dann  übernimmt faktisch die EDV die Verantwortung für das Bauvorhaben. Augenmerk ist daher auf die vernunftbasierte und konkret überlegte  Anwendung zu richten.

BIM - Prognose

BIM scheint die «Blaupause» zu verdrängen, mittelfristig, jedenfalls bei Grossprojekten.

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