14.07.2014

VVG: Übersicht über Risikomanagement und Versicherungsarten aus dem Versicherungsvertragsgesetz

Tagtäglich erleben wir, dass Sicherheit ein nie abgeschlossenes Thema darstellt. Die innerbetrieblichen Gesamtmassnahmen sollen darauf abzielen, dass ein Risikokonzept vorhanden ist und im Auge behalten wird. Hier werden Begriffe erläutert und häufige Fragen im Risikomanagement beantwortet. Darunter hierunter Sie sodann eine Checkliste zur Risikoanalyse im Zusammenhang mit Versicherungen.

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VVG

Risikoanalyse und Risikomanagement

Der Versicherungsaspekt (VVG) soll ein untergeordneter Aspekt sein. An erster Stelle steht die Schadenvermeidung oder Schadenminderung.

Brandverhütungsdienst

Der Schutz vor Verlust von Hab und Gut oder Personenschäden kann durch externe Hilfe optimiert werden, z.B. durch Inanspruchnahme des Brandverhütungsdienstes (BVD), Bewachungs- und Alarminstallationsfirmen etc. und durch die kantonalen Gebäudeversicherungen.

Risikoanalyse

Der Versicherungstreuhänder oder der Allbranchen-Versicherer hat das Werkzeug und Fachwissen, um eine umfassende Risikoanalyse und Beratung zu bieten. Die grossen Versicherungsgesellschaften stellen für komplexe Probleme einen Fachmann aus dem Safety Engineering zur Verfügung.

Risikomanagement

  •  Ziele festlegen
  • Risiken vermeiden
  • Risiken vermindern
  • Risiken verkraften und selbst tragen
  • Risiken überwälzen (versichern)
  • Kontrollieren, ob die Ziele der Risikopolitik erreicht wurden

Versicherungsvertrag und Antrag

Bindung an einen Antrag

Gemäss dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) ist der Antragsteller an einen eingereichten Antrag 14 Tage – bei einem Personenversicherungsantrag mit ärztlicher Untersuchung vier Wochen – gebunden.

Antragstellung

Es ist wichtig, dass der Antrag alle der Wahrheit entsprechenden Fakten enthält, damit der Versicherer das Risiko prüfen kann und dementsprechend auch die Prämie kalkulierbar ist. Aufgrund von VVG 4 kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, wenn erhebliche Tatsachen bei der Antragstellung verschwiegen wurden.

Beim Erhalt der Police kann der Versicherungsnehmer binnen vier Wochen begründete Korrekturen an der Police beim Versicherer melden.

Allgemeine Versicherungsbedingungen (AVB)

Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) sind immer Bestandteil der Antragstellung resp. der Police. Der Versicherer ist gehalten, die AVB bei der Antragstellung dem Versicherungsnehmer auszuhändigen. Die AVB regeln auch die Dauer und die Kündigungsmöglichkeiten. Zu erwähnen ist, dass die Kündigung durch den Versicherungsnehmer im Schadenfall immer auch zur Folge hat, dass die Jahresprämie bis zum nächsten Hauptverfall dem Versicherer geschuldet bleibt.

Häufige Begriffe und Fragen

Kauf und Verkauf sowie übrige Handänderungen

Es gilt seit dem 01. 07.2009 der Artikel 54 VVG.

Neubau/Umbau und Renovation

Selbst ein kleiner Umbau oder Renovationsarbeiten begründen die Haftpflicht des Bauherrn, wenn ein Dritter zu Schaden kommt.

Hinweis
Die relevanten Angaben im Beitrag Versicherungen im Rahmen baulicher Massnahmen dienen dazu, sicherzustellen, dass sich der Bauherr der Risiken bewusst ist und sie entsprechend einschätzt. 

Merkpunkte

  • Die Bauherrenhaftpflichtversicherung ist in jedem Falle zu prüfen.
  • Die Bauwesenversicherung ist vor allem bei grösseren Bauvorhaben empfehlenswert.
  • Dort, wo statische Elemente am Bau tangiert werden, ist immer eine Bauwesenversicherung notwendig. Der Bauunternehmer hat in seiner Betriebshaftpflichtversicherung keine Deckung für Arbeiten, welche er an tragenden Teilen eines Baues ausführt.

Mieterwechsel/Wohnungsübergabe und Mieterschäden

Mieterschäden

Für die Vermieterin kann es von Vorteil sein, wenn bei grösseren Mieterschäden der Haftpflichtversicherer des Mieters miteinbezogen wird, denn der Versicherer stützt sich ebenfalls auf die Lebensdauertabelle.

Wichtig
Oft ist den Mietern nicht bewusst, dass sie selber einen Schaden tragen oder mindestens anteilsmässig, je nach Amortisationsdauer, übernehmen müssen. Diesbezüglich wird ihnen der Versicherer den Sachverhalt sozusagen aus neutraler Position vermitteln.

Vorgehen im Schadenfall

Ist ein Schaden vorauszusehen oder eingetreten, der die Versicherung betreffen könnte, ist unmittelbar der Versicherer zu informieren. Dies kann vorerst mündlich erfolgen; eine schriftliche Schadenanzeige ist aber trotzdem ratsam oder auch vom Versicherer vorgeschrieben. Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB, z.T. auch das VVG beachten) geben detailliert über diese Obliegenheit Auskunft.

Praxis-Tipp
Je genauer die Schadenangaben und Unterlagen sind, umso eher kann der Versicherer auch die nötigen Schritte unternehmen, um eine rasche Schadenregulierung vornehmen zu können.

Unterversicherung

Unterversicherung liegt vor, wenn die Versicherungssumme niedriger ist als der Wert des zu versichernden Objektes. Es kann sich um den Zeitwert oder den Neuwert handeln.

Im Falle eines Totalschadens wird die Versicherungssumme vergütet.

Problematisch ist der Teilschaden, denn die Versicherungsleistung wird proportional zur eingesparten Versicherungsprämie gekürzt.

Praxis-Beispiel: Unterversicherung (VVG)
Versicherungswert CHF 50'000.–
Versicherungssumme CHF 40'000.–
Schadenhöhe CHF 25'000.–
Versicherungsleistung CHF 20'000.–

Da der Versicherungswert 20 % über der versicherten Summe liegt und dementsprechend auch die Prämie festgelegt wurde, wird der Schaden um 20 % im obengenannten Beispiel gekürzt.

Wert der versicherten Sache

Hier finden Sie Erläuterungen zu den folgenden Wertbegriffen im Zusammenhang mit Versicherungen:

  • Erstrisiko
  • Neuwert
  • Vollwert
  • Zeitwert

Erstrisiko

Begriff
Die Erstrisikosumme ist jener Betrag, der vereinbart wurde, welcher als Maximalentschädigung im Schadenfalle vergütet wird.

Die Erstrisikoversicherung wird dort eingesetzt, wo ein Versicherungsereignis im Ausmass abgeschätzt werden kann. Die Erstrisikoversicherungssumme entspricht dann auch der Höchstentschädigungssumme. Es wird keine Unterversicherung angerechnet.

Neuwert

Begriff
Neuwert heisst, dass eine ähnliche Sache wiederbeschafft werden kann, ohne jeglichen Abzug wegen Abnützung, Alterung etc.

Vor allem in der Sachversicherung kennt man die Neuwertversicherung. Diese Entschädigungsart im Schadenfalle ist eine wesentlich bessere Vergütung als der Zeitwert.

Achtung
Die Neuwertversicherung gilt nicht bei Haftpflichtansprüchen Dritter.

Vollwert

Begriff
Der Vollwert umfasst den Wert, welcher für die Wiederbeschaffung einer gleichwertigen Sache im heutigen Zeitpunkt einzusetzen wäre.

Beim Vollwert wird der totale Wert der zu versichernden Sachen eingesetzt. Im Schadenfall wird dann auch der volle Wert vergütet.

Zeitwert

Begriff
Als Zeitwert wird derjenige Wert verstanden, welchen die Sache im Zeitpunkt des Schadenfalles hat. Im Zeitwert sind also Wertverminderung durch Alter, Abnützung etc. enthalten.

Es gibt Versicherungsbranchen, die nicht den Neuwert, sondern den Zeitwert als Vergütung im Schadenfalle umschreiben. Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen geben über diesen Sachverhalt immer Auskunft. Zudem wird beim Versicherungsabschluss über den Entschädigungswert gesprochen.

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