02.02.2015

Bankbilanz: Beurteilung der Krisenfestigkeit einer Bank

In diesem Beitrag fokussieren wir uns auf das Instrument zur Beurteilung der Krisenfestigkeit einer Bank, das heisst die Bankbilanz und dem dort in neuer Zeit häufig diskutierten Modell der risikogewichteten Aktiven.

Von: Prof. Dr. Marco Passardi   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Marco Passardi

Prof. Dr. oec. publ. Marco Passardi ist seit 1.9.2012 vollamtlicher Professor für Accounting an der Hochschule Luzern, Institut für Finanzdienstleistungen IFZ, Zug. Davor war er von 2006 bis 2012 an der ZHAW als Professor tätig. Seine Forschungs- und Beratungsschwerpunkte liegen im Kontext der Buchführung und Rechnungslegung nach OR, Swiss GAAP FER und IFRS. Marco Passardi ist Lehrbeauftragter der Universitäten Zürich und Neuchâtel sowie Mitglied der Core Faculty von EXPERTsuisse. Er wirkt zudem als Dozent und Gutachter für diverse Organisationen und Institutionen aus dem Wirtschafts- und Finanzbereich. Sein fachliches Studium absolvierte er an der Universität Zürich, wo er 2003 mit einer Arbeit über das kommunale Rechnungswesen promovierte. Ebenso erwarb er dort 2002 einen Master of Advanced Studies in Secondary and Higher Education. 2017 wurde Marco Passardi von der University of Melbourne, Australien, als Visiting Professor eingeladen.

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Bankbilanz

Aktiven und Eigenmittel

Die von einer Bank gehaltenen Aktiven (z.B. gewährte Hypotheken, gekaufte Wertschriften) haben einen direkten Einfluss auf die Höhe der nötigen Eigenmittel/des nötigen Eigenkapitals: Je mehr Risiken die Aktiven beinhalten, desto mehr muss die Bank Eigenkapital für eine gute Bankbilanz halten. Die Eigenkapitalquote kann somit nicht nur durch eine Erhöhung des Eigenkapitals (Zähler der Quote), sondern auch durch die Wahl der Risikomessungsmethode und des Rechnungslegungssystems, wie auch durch einen gezielten Abbau gewisser, von Basel III als besonders risikoreich bezeichneter Aktiven (Nenner der Quote) verbessert werden.

Bankbilanz: Von Basel I zu Basel III

Seit Einführung der Basler Regelwerke im Jahre 1988 ist die Regulierungsdichte stark gewachsen. Während Basel I nur Kreditrisiken regelte und dies mit einem Umfang von 30 Seiten bewältigte, umfasst Basel III mittlerweile mehr als 600 Seiten. Im Zentrum der Regulierung steht die Ermittlung und Gewichtung der auf der Aktivseite der Bilanz eingegangenen Risiken. Dafür stehen mehrere Methoden zur Auswahl. Die Banken können dem vom Basler Regelwerk weitgehend vorgegebenen Standardansatz folgen oder ihre Risiken selbst beurteilen (sog. internal ratings based approach IRB).

Wettbewerbsverzerrungen?

Aus einer Untersuchung des IMF mit 50 systemisch wichtigen europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Banken geht hervor, dass die Risikodichte von Banken, die – wie die UBS und die CS – ihre Risiken selbst (gemäss IRB) messen, im Durchschnitt um rund 24% tiefer liegt als bei Banken, die mit dem Standardansatz operieren. Als Beispiel seien die Hypotheken genannt, die die Grossbanken gemäss IRB etwa halb so viel Eigenkapital unterlegen müssen wie die anderen Banken gemäss Standardansatz. Die Kantonalbanken haben denn auch diese Wettbewerbsverzerrung in einem Positionspapier klar kritisiert und entsprechende regulatorische Änderungen verlangt.

Leverage Ratio

Das Konzept mit der Risikogewichtung ist somit nicht unbestritten. Zu bemerken bleibt deshalb, dass im Rahmen des Basler Regelwerks die Einführung einer leverage ratio, definiert als Quotient aus Eigenkapital und Gesamtengagement (Bankbilanzsumme plus Ausserbilanzpositionen), vorgesehen ist als Ergänzung zur minimalen Eigenkapitalausstattung, die auf die risikogewichteten Aktiven bezogen ist. Bevor eine Untergrenze für die leverage ratio festgelegt wird, sollen in den Jahren 2013-2016 Testläufe stattfinden, um die Auswirkungen auf die verschiedenen Banken aufzeigen und um allenfalls Anpassungen bei der Abgrenzung des Eigenkapitals oder des Gesamtengagements vornehmen zu können.

Zum Schluss hier noch ein abschliessender Hinweis

In der Schweiz hat die Eidgenössische Bankenkommission (Vorläuferin der FINMA) bereits 2008 per Verfügung eine ungewichtete leverage ratio (definiert als Kernkapital in % der Bilanzsumme) für die beiden Grossbanken von minimal 3% für den Konzern und minimal 4% für Einzelinstitute eingeführt. Sie ist bis zum Jahr 2013 zu erreichen, in guten Zeiten wird ein Zielwert von 5% für Einzelinstitute angestrebt. Allerdings wurde das inländische Kreditgeschäft bei der Berechnung ausgeklammert, um nicht einer Kreditverknappung im Inland Vorschub zu leisten.  

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