14.05.2019

Bargeldlos: Digitalisierung im Zahlungsverkehr

Waren oder Dienstleistungen gegen Geld ist ein denkbar einfacher Vorgang. Das Bezahlen, vor allem grenzüberschreitend, ist aber komplizierter als allgemein angenommen. Für KMUs gibt es Möglichkeiten, dank FinTech Innovationen Zahlungen einfacher abzuwickeln.

Von: Robert Bloch  DruckenTeilen 

Robert Bloch

Robert Bloch verfügt über langjährige Erfahrung im Treasury- und Währungsmanagement bei Grossunternehmen und ist Mitgründer der AMNIS Treasury Services AG.

Bargeldlos

Vom Bargeld zum Computer

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Massenzahlungsverkehr für Banken uninteressant, da die meisten Zahlungen bar getätigt wurden. Das Postscheckkonto war für Normalverbraucher die einzige Möglichkeit, am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilzunehmen. Einzahlungen konnten auf der Post bar getätigt werden, und diese wurden auf dem Empfangsschein quittiert. Lange Zeit wurden Zahlungsaufträge manuell verarbeitet, elektronische Hilfsmittel hielten erst spät Einzug. Mit der Digitalisierung wurde der Zahlungsverkehr für Geschäftsbanken interessanter. Massenzahlungen konnten nun mittels Datenträger und später über das Internet übermittelt werden. Doch trotz aller Innovation werden jedes Jahr immer noch Millionen konventioneller Einzahlungsscheine per Post versandt, und die herkömmlichen Zahlungsprozesse sind
mit manuellen Schritten verbunden.

Der bargeldlose Zahlungsverkehr heute

Inlandzahlungen: Nationales Clearingsystem SIC

Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr im Inland wird heute die eigentliche Erfüllung des Zahlungsauftrags durch eine zentrale Gegenpartei abgewickelt. In der Schweiz nimmt die SIX diese Funktion wahr. Sie betreibt im Auftrag der Schweizerischen Nationalbank das Zahlungssystem SIC. Damit werden Franken-Zahlungen in Echtzeit über zentrale Verrechnungskonti ausgeglichen. Solche nationalen Systeme existieren in den meisten Ländern, wodurch die Ausführung von Zahlungsaufträgen jeweils sehr schnell und kostengünstig ist.

Europäischer Zahlungsraum: SEPA

Anders sieht es aus bei internationalen Zahlungen. Mit der Standardisierung des Euro-Zahlungsverkehrs im SEPA-Raum verschwand vermeintlich die Grenze zwischen nationalen und europäischen Transaktionen für den Bankkunden. Doch die Schweiz nimmt innerhalb der Teilnehmerländer eine Sonderstellung ein. SEPA regelt hier nur die Ausgangsgebühren. Die empfangende Bank im Ausland kann den Zahlungseingang aus der Schweiz jedoch mit Gebühren belegen. Dies kann gerade bei kleineren Beträgen sehr teuer sein.

Fremdwährungszahlungen: SWIFT und das Korrespondenzbanksystem

Im internationalen Zahlungsverkehr standardisiert SWIFT den Nachrichtenverkehr der Finanzinstitute untereinander. Das SWIFT-System transportiert jedoch nur Nachrichten, führt keine Verrechnungskonten und gleicht auch keine Zahlungen aus, wie dies Clearing-Systeme tun. Da nur die wenigsten Banken direkte Kontobeziehungen zueinander pflegen, werden sogenannte Korrespondenzbanken eingesetzt. Diese übernehmen die Aufgabe, Zahlungen an die Empfängerbank weiterzuleiten. So können bei einer Zahlung mehrere Finanzinstitute involviert sein. Dies birgt frappante Nachteile.

An eine sofortige Gutschrift der Zahlung kann nicht gedacht werden. Überweisungen sind nicht selten drei oder mehr Tage unterwegs. Zudem ist es jeder zwischengeschalteten Partei gestattet für die Weiterleitung eine Gebühr zu verlangen.

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FinTech – in der Zukunft angekommen

Lokale Zahlungen auch im Ausland

Diese grenzüberschreitenden Transfers über Korrespondenzbanken gilt es gerade für kleinere Unternehmen zu vermeiden. Genau da setzen FinTech-Firmen an. Spezialisierte Anbieter sind über Kontonetze mit Banken in den jeweiligen Ländern verbunden. Eine in der Schweiz aufgegebene Zahlung wird über den effizientesten Weg in das Empfängerland geleitet. Ziel ist es, möglichst wenige Drittbanken zu involvieren, um schnell und günstig vom eigenen Clearing-System in das nächste zu gelangen. Dort wird das Geld dann zum Endbegünstigten weitergeleitet.

Der umgekehrte Weg ist natürlich auch möglich: Mittels virtueller Konti simulieren FinTech-Firmen das lokale Bankkonto eines Exporteurs im Ausland. Die Abnehmer können ihre Rechnungen dadurch über eine günstige Lokalzahlung begleichen. Der Zahlungseingang wird wesentlich schneller oder gar in Echtzeit erkannt, wodurch internationale Geschäfte stark vereinfacht werden und weniger Kapital binden.

Digitale Eco-Systeme – eine effizientere Wertschöpfungsketten

Die digitale Transformation des Finanzsektors geht noch weiter. FinTech-Firmen zielen, durch die Vernetzung mit anderen Anbietern von Finanzdienstleistungen, auf die Schaffung digitaler Eco-Systeme. Das Leistungsspektrum eines Einzelnen wird so gezielt durch den Service weiterer Anbieter ergänzt. Informationen werden über direkte Schnittstellen – sogenannte APIs – ausgetauscht. Zum Beispiel senden Buchhaltungssysteme Kreditorenrechnungen direkt an den Zahlungsanbieter. Dessen System wandelt diese in Zahlungsaufträge um. Gleichzeitig erkennt es, wenn der Kreditor in einer anderen Währung gezahlt werden muss. Entsprechend wird ein Währungswechsel vorgeschlagen oder gar automatisch ausgeführt. Das FinTech-System erledigt alle nachgelagerten Prozesse, vom Währungswechsel bis zur endgültigen Zahlung über einen effizienten Zahlungsweg.

Manuelle Prozesse werden dadurch minimiert, die Transparenz erhöht sowie Transferzeit und -kosten gesenkt. Eine effizientere Wertschöpfungsketten ist der Hauptnutzen solcher digitaler Eco-Systeme.

Open Banking

Open Banking (auch API Banking) bezeichnet die Öffnung von Teilen der Bankensysteme und ihrer Daten für Drittanbieter. Über APIs werden der Zugang auf diese Bankdaten sowie die direkte Abwicklung von Transaktionen auf Bankkonten möglich. Das versetzt FinTech-Unternehmen in die Lage, Finanz prozesse im Sinne des Kunden weitergehend zu automatisieren.

In der Schweiz ist hierzu neben dem Swiss Open Finance API die Swiss Corporate API Initiative unter der Leitung von SIX erwähnenswert. Analog den Vorgaben der zweiten Europäischen Payments Service Directive (PSD2) stehen Funktionalitäten für den Zugriff auf die Bankdaten und die Zahlungsauslösung durch Dritte im Fokus.

Fazit

Es ist vieles im Umbruch, und die älteren Zahlungsverkehrsverfahren werden über kurz oder lang durch neue, schnellere und vor allem auch günstigere Prozesse ersetzt werden. Dabei ist nicht unbedingt gesagt, dass diese Innovation jeweils von der eigenen Hausbank kommt. Vielmehr sind innovative Technologie-Firmen weltweit daran, herkömmliche Bankenprozesse abzulösen. Es lohnt sich sicher für KMU, sich auch abseits des Angebotes der Geschäftsbanken umzusehen. Eine Kooperation mit einem FinTech-Unternehmen kann durchaus zu mehr Effizienz und günstigeren Finanzprozessen führen.

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