04.02.2015

EZB: Liquidität der Europäischen Zentralbank

Die EZB (Europäische Zentralbank) ist ein Organ der Europäischen Union. Obwohl die Schweiz nicht Mitglied der EU ist, hören und lesen wir doch nun fast täglich Neuigkeiten über die 1998 gegründete gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion.

Von: Prof. Dr. Marco Passardi   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Marco Passardi

Prof. Dr. oec. publ. Marco Passardi ist seit 1.9.2012 vollamtlicher Professor für Accounting an der Hochschule Luzern, Institut für Finanzdienstleistungen IFZ, Zug. Davor war er von 2006 bis 2012 an der ZHAW als Professor tätig. Seine Forschungs- und Beratungsschwerpunkte liegen im Kontext der Buchführung und Rechnungslegung nach OR, Swiss GAAP FER und IFRS. Marco Passardi ist Lehrbeauftragter der Universitäten Zürich und Neuchâtel sowie Mitglied der Core Faculty von EXPERTsuisse. Er wirkt zudem als Dozent und Gutachter für diverse Organisationen und Institutionen aus dem Wirtschafts- und Finanzbereich. Sein fachliches Studium absolvierte er an der Universität Zürich, wo er 2003 mit einer Arbeit über das kommunale Rechnungswesen promovierte. Ebenso erwarb er dort 2002 einen Master of Advanced Studies in Secondary and Higher Education. 2017 wurde Marco Passardi von der University of Melbourne, Australien, als Visiting Professor eingeladen.

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EZB

Die EZB bildet, zusammen mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten, das Europäische System der Zentralbanken. Ihr Sitz ist im deutschen Frankfurt am Main.

In jüngster Zeit hat sich – trotz Herabstufung des Ratings vieler Euro-Staaten – die Sorge über den Zustand der europäischen Banken graduell reduziert, auch wenn die besorgniserregende Situation in Griechenland rasch wieder die zum Zeit eher positiven Vorzeichen der Entwicklung zu ändern vermag.

Wie aber kommen wir dazu, von einer leichten Erholung zu sprechen?  

In der Praxis der grossen Unternehmen lässt sich das an den nicht mehr weiter sinkenden, zum Teil sogar wieder steigenden Aktienkursen ablesen. Aber auch an den Anleihen-Aufschlägen, im Wesentlichen der in Basispunkten gemessenen Differenz zwischen der Rendite von Staats- und Bankenanleihen.

Aber was hat nun die EZB genau damit zu tun?

Die EZB hat den Banken sehr günstige dreijährige Finanzierungen gewährt. Damit hat sie im Wesentlichen zwei Dinge erreicht:

  • Wieder-Eröffnung des Kapitalmarkts für Bankenanleihen. 
  • Stimulation der Nachfrage von Staatsanleihen der Euro-Länder.

Und mit welchem Auftrag agiert eigentlich die EZB?

Eine Zentralbank ist ja keine gewöhnliche Bank, die Kredite vergibt oder Spargelder entgegennimmt. Die Bank aller Banken muss die Geldpolitik eines Landes führen, und verfolgt somit zwei wichtige Ziele: 

  • Das erste Ziel – i.d.R. auch das Hauptziel – ist die Gewährung der Preisstabilität. Dabei gilt es, grosse Schwankungen des Geldwertes zu vermeiden. Gemessen wird dieses Ziel über die Höhe der Inflationsrate.  
  • Das zweite Ziel einer Zentralbank – eigentlich ein Nebenziel – ist eine ausgeglichene konjunkturelle Entwicklung des jeweiligen Landes. Damit soll insbesondere eine Rezession vermieden oder gemildert werden. Diese konjunkturelle Entwicklung wird an der Auslastung der Kapazitäten einer Volkswirtschaft gemessen.  

Die EZB verfolgt dieses Ziel, indem sie den Preis für verliehenes Geld erhöhen oder reduzieren kann, technisch gesprochen – sie passt den Leitzins an.  

Die momentane Politik der EZB dürfte eher dem zweiten Ziel zuzuordnen sein. Indem sie den Banken Geld günstig zur Verfügung stellt, versucht die EZB, die von der Kreditgewährung der Banken stark abhängige Wirtschaftsentwicklung nicht zu bremsen, das Bankensystem zu stabilisieren und somit gesamtwirtschaftlich positive Effekte zu erzeugen.  

Schätzungen zufolge haben im Dezember 2011 45% der von der EZB zur Verfügung gestellten Mittel – das waren immerhin stattliche 190 Mrd. Euro – ihre Wege an Banken in Italien und Spanien gefunden. Diese haben damit, je nach Bank 50% bis 150% ihres Refinanzierungsbedarfs für 2012 bereits gedeckt, das heisst diese benötigen, etwas vereinfacht ausgedrückt, in diesem Jahr kein oder nur noch wenig frisches Geld.

Zum Schluss hier noch ein abschliessender Hinweis

Viele von Ihnen mögen sich gefragt haben: Was hat das Ganze jetzt mit uns bzw. der Schweiz zu tun? Nun, eine ganze Menge. Denn die Krise hat und hatte dazu geführt, dass viel, je nach Standpunkt sogar zuviel Geld seinen Weg in die Schweiz gefunden hat, das bei uns zu rekordtiefen Zinsen geführt hat.  

Dies kann in der täglichen Arbeit im Finanzbereich dazu führen, dass Kredite in jüngster Zeit sehr günstig zu haben sind, Ergebnisse durch tiefe Finanzierungskosten optisch aufgehellt werden. Diejenigen von Ihnen, die sich dadurch aber zu sehr haben verleiten lassen, die Bilanzen zu leveragen, sollten sich bewusst sein, dass sich dieses Zinsniveau auch wieder ändern kann. Schulden können auch wieder teurer werden, der Leverage negativ wirken.  

Nicht nur Privatpersonen, die momentan etwas zu grosse und vor allem zu teure Liegenschaften kaufen, haben daran zu denken und sollten daher umsichtig agieren.

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