12.04.2017

Überarbeiteter Zahlungsverkehr: Die wichtigsten Schritte für die KMU um sich anzupassen

Die Schweiz überarbeitet ihr System für den Zahlungsverkehr. Der Prozess wird 2020 abgeschlossen sein und betrifft auch die KMU. Erläuterungen von Boris Brunner, Mitglied der Geschäftsleitung von SIX Interbank Clearing.

Von: Boris Brunner   Drucken Teilen   Kommentieren  

Boris Brunner

Six Interbank Clearing ist eine Tochtergesellschaft der SIX Gruppe, die Dienstleistungen im Bereich Zahlungsverkehr anbietet und die Interbank-Koordination am Finanzplatz Schweiz gewährleistet. Bevor Boris Brunner seine Arbeit bei SIX aufnahm, war er insgesamt knapp 20 Jahre lang in verschiedenen Positionen bei UBS tätig. Der Ökonom, der seinen Abschluss an der Universität Basel erwarb, lehrt zudem an mehreren Schweizer Hochschulen, insbesondere in Luzern.

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Überarbeiteter Zahlungsverkehr

Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs

Die Schweiz harmonisiert ihr System für den Zahlungsverkehr. Das Ziel der Massnahme? Eine Anpassung an die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft und eine Gewährleistung der Übereinstimmung mit den nationalen Gesetzen und internationalen Standards.

 

Die wichtigsten Tipps für alle KMU

Diese Entwicklung ist für die KMU der Anlass, auch einige ihrer eigenen Abläufe auf den Prüfstand zu stellen. Boris Brunner, Mitglied der Geschäftsführung von SIX Interbank Clearing, einer Tochtergesellschaft der SIX-Gruppe, die mit der Leitung dieses Projekts beauftragt ist, hat Tipps für Unternehmen parat. Er empfiehlt ihnen insbesondere, sich möglichst früh mit dieser Frage zu beschäftigen und Kontakt zu ihrer Bank oder ihrem Softwareanbieter aufzunehmen.

Aus welchen Gründen muss der Zahlungsverkehr reformiert werden?

Boris Brunner: Die Entwicklung des Zahlungsverkehrs in den letzten hundert Jahren hat eine Vielzahl an Standards, Verfahren und Formaten hervorgebracht. So gibt es beispielsweise sieben verschiedene Einzahlungsscheine. Heute muss das System harmonisiert und vereinfacht werden.

Warum geht man das Problem gerade jetzt an?

Boris Brunner: Die zunehmende Digitalisierung der Transaktionen macht die Änderungen besonders dringlich. Es werden noch zu viele Schritte auf Papier erledigt, das derzeitige System stösst an seine Grenzen. Das Ziel besteht darin, Verfahren einzuführen, die vollständig elektronisch abgewickelt werden können. Auf diese Weise können wir auch automatisch die bereits gültigen nationalen Gesetze und internationalen Standards erfüllen, insbesondere im Bereich der Geldwäsche. Man muss dazu sagen, dass wir uns an das anpassen, was woanders schon getan wird – zum Beispiel an den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) – und nicht das Rad neu erfinden.

Worin genau besteht diese Harmonisierung?

Boris Brunner: Sie betrifft Überweisungen, Lastschriften, Einzahlungsscheine und das Reporting. Für Überweisungen und Lastschriften gibt es derzeit zwei parallele Systeme: das der Banken und das von PostFinance. Sie werden auf der Basis des ISO20022-Standards harmonisiert, der weltweit für den elektronischen Datenaustausch verwendet wird. Die Identifizierung für sämtliche Transaktionen wird über die IBAN-Kontonummer erfolgen. Bei den Einzahlungsscheinen werden die sieben aktuellen Versionen abgeschafft und durch einen einheitlichen Einzahlungsschein mit einem QR-Code ersetzt, der sämtliche Zahlungsdaten enthalten wird. Es wird weiterhin möglich sein, physische Zahlungsaufträge bei Banken oder Einzahlungen am Postschalter auszuführen. Im Bereich Reporting wird es ein neuer Standard ermöglichen, Kontostände und Buchungen automatisiert zu verarbeiten. All diese Entwicklungen werden bis 2020 umgesetzt sein.

Was sind die wichtigsten Vorteile für die KMU?

Boris Brunner: Die Unternehmen werden auf jeden Fall von dem neuen System profitieren. Die Harmonisierung der Verfahren und die Möglichkeit, sie vollständig elektronisch abzuwickeln, wird Zeit und Kosten einsparen. Die systematische Verwendung der IBAN zur Identifizierung – bei der man sofort sehen kann, ob eine Kontonummer falsch ist – verringert darüber hinaus das Fehlerrisiko.

Welche Schritte müssen die KMU unternehmen, um sich anzupassen?

Boris Brunner: Die Situation ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Es ist also schwierig, eine allgemein gültige Antwort zu geben. Einige KMU werden den Systemwechsel kaum spüren. Sie müssen nichts Besonderes unternehmen und einfach nur die IBAN und den neuen QR-Code verwenden. Das gilt besonders für diejenigen, bei denen schon alles über E-Banking läuft. Letztlich hängen die notwendigen Anpassungen davon ab, welche Software man verwendet. Um herauszufinden, ob und wie man aktiv werden muss, ist es wichtig, Kontakt zu seiner Bank und seinem Softwareanbieter aufzunehmen.

Wann sollten die KMU mit diesem Prozess beginnen?

Boris Brunner: Ich rate ihnen, so früh wie möglich damit anzufangen. Sie müssen ihre Situation rasch analysieren und genau wissen, was sie unternehmen müssen, damit eventuell notwendige Veränderungen geplant werden können. Auf jeden Fall können sie schon heute prüfen, ob ihnen die Kontonummern ihrer Lieferanten und Partner als IBAN vorliegen, andernfalls sollten sie diese erfragen. Die anderen Formate werden ab Mitte 2018 nicht mehr gültig sein.

Quelle: KMU-Portal des SECO (www.kmu.admin.ch)

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