12.04.2017

Wechselkurse: Mögliche Controlling-Instrumente und Handlungsoptionen bei flexiblen und volatilen Wechselkursen

Die Internationalisierung und Globalisierung und das nicht einschätzbare Verhalten der Noten- und Zentralbanken führt dazu, dass mit steigenden Volatilitäten der Wechselkurse das Wechselkursrisiko zunimmt.

Von: Dr. Rainer Beecker   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Rainer Beecker

Managementberater mit umfassender Expertise in den Bereichen finanzielles Management, Performancesteigerung und Corporate Finance. Mehrjährige Beratungserfahrung u.a. bei Consulting Partners St. Gallen, Helbling Business Advisors, Horváth & Partner und Oliver Wyman. Rainer Beecker studierte Wirtschaft an der Universität St. Gallen und ist eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer und eidg. dipl. Vermögensverwalter und Finanzanalyst.

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Wechselkurse

Kosten- und Umsatznachteile

Durch die Internationalisierung und Globalisierung reduziert sich nicht nur die Planungsgenauigkeit der Absatzmengen, Preise und Kosten, sondern bei Beibehaltung des gleichen Geschäftsmodells drohen Kosten- und Umsatznachteile.

Risikodefinition  

Das Wechselkursrisiko betrifft dabei die Schweizer Unternehmen in dreifacher Hinsicht:

  • Das Währungstransaktionsrisiko (transaktion risk) betrifft die Gefahr von Wertveränderungen einzelner Zahlungsflüsse relativ zum CHF bezogen auf den Tag der Transaktion. Wird bspw. ein Umsatz in einem abgewerteten Absatzmarkt erzielt, so reduziert sich der Ertrag in CHF gemäss der Wechselkursabwertung.
  • Das Währungskonversionsrisiko (translation risk) ergibt sich durch die Umrechnung von originär in Fremdwährung ausgedrückten Bilanzpositionen. Gemäss Swiss GAAP FER 2 ist bei der Umrechnung von Positionen, die in Fremdwährung geführt werden, die Stichtagskurs-Methode anzuwenden und die Effekte der Fremdwährungsanpassungen im Periodenergebnis zu erfassen.
  • Das ökonomische Wechselkursrisiko (economic risk) bezieht sich nicht nur auf einzelne Transaktionen, sondern auf die Gesamtheit der Ein- und Auszahlungen des Unternehmens i.S. eines Kapitalwertes. Betrachtet werden die mittel- und langfristigen Auswirkungen von Wechselkursänderungen und damit auch die sich ändernde Wettbewerbsposition des Unternehmens. Es tangiert die Kosten- und Ertragsstruktur sowie die Marktstellung.  

Was kann also ein Unternehmen machen, um diesen gestiegenen Risiken entgegenzutreten? Aufbauend auf einer umfangreichen Analyse können finanzielle sowie strategische Massnahmen ergriffen werden.  

Detaillierte Finanzplanung zur Identifikation der Risiken und der wichtigsten Ursachen  

Ausgangspunkt ist eine Analyse der wichtigsten Währungsrisiken, welche auch die dahinter liegenden Treiber identifiziert. Daher ist eine umfangreiche Finanzplanung, die aus dem Businesskonzept abgeleitet wird, unumgänglich. Folgende Elemente sollte die Finanzplanung enthalten: Planerfolgsrechnung, Planbilanz, Mittelflussplanung, Finanzierung, Kennzahlen, Wert- und Kostentreiber, Bewertung, Sensitivitäten.  

Mithilfe verschiedener Szenarien zukünftiger Wechselkurse können dann die einzelnen Treiber/Ursachen der Wechselkursrisiken bestimmt werden und es lässt sich die Wechselkurssensitivität des Unternehmens  bestimmen. Mithilfe von internationalen Paritätsbeziehungen (z.B. Kaufkraft- und Zinsparität) lassen sich zwar gewisse Wechselkursprognosen erstellen. Da aber das Notenbankenverhalten kaum vorher zu sehen ist, sollte neben einem «prognostizierten» Wechselkurs auch mit best- und worst-case-Szenarien gerechnet werden. Das Simulieren unterschiedlicher Szenarien zeigt mögliche Risikopotentiale auf.  

Finanzielle Handlungsoptionen zur Reduktion des Wechselkursrisikos  

Interne und externe finanzielle Absicherungsinstrumente konzentrieren sich auf die Absicherung des transaction risk, wobei die einzelnen Cash Flows (CFs) hinsichtlich Höhe und Zeitpunkt bekannt sein müssen. Interne Absicherungsinstrumente können ohne Drittparteien (nur Parteien des Grundgeschäfts) durchgeführt werden. Da die einzelnen Instrumente i.d.R. mit der jeweiligen Gegenpartei verhandelt werden, sind mögliche Preiseinbussen zu berücksichtigen. Extern bietet der Finanzmarkt die unterschiedlichsten Instrumente an. Werden Geschäftsbanken oder Finanzintermediäre eingeschaltet, empfiehlt sich ein Kostenvergleich, da oft unterschiedliche Gebühren verrechnet werden.  

Übersicht über die wichtigsten finanziellen Absicherungsinstrumente

BereichAbsicherungsinstrumente
Intern Vertragsgestaltung (Fakturierung in CHF, Währungsklauseln, etc.)
Matching, Netting (Ausgleich von Guthaben/ Forderungen und CFs)
Leading, Lagging (Verschiebung des Zeitpunkts des CF)
Risikoweitergabe Forfaitierung, Factoring, internationales Leasing, Versicherung
Kredite/Anlagen Fremdwährungskredite und -anlagen (Finanzhedging)
Devisentermingeschäfte Devisenforward (ausserbörslich, individuell)
Devisenfuture (Terminbörse, standardisiert)
Devisenoption (Recht zu kaufen bzw. zu verkaufen, standardisiert)
Devisenswap (Austausch von Währungen, individuell)

Anzumerken ist, dass in der Praxis die obigen Absicherungsinstrumente oft isoliert angewendet werden und ein Bezug zu den strategischen Zielen nicht besteht.  Das Währungsmanagement muss aber über ein Cashmanagement hinausgehen und sich an der zukünftigen zu erzielenden Wettbewerbsposition orientieren.  

Strategische Handlungsoptionen zur Risikoreduktion der Wechselkurse

Wechselkursveränderungen haben nicht nur Auswirkungen auf die Preiskomponente der Einkauf- und Absatzseite, sondern auch auf die Mengenkomponente. Die Planung liegt daher nicht nur in der Verantwortung des Finanzbereiches, sondern betrifft das gesamte Unternehmen und damit auch die Berücksichtigung sich ändernder Absatz-, Beschaffungs- und Produktionsstrategien. Es beinhaltet eine Neuausrichtung des Geschäftsmodells mit sich ändernden Strategien.  

Übersicht über die wichtigsten strategischen Handlungsoptionen

Werttreiber Strategische Massnahmen
Wettbewerbsstrategie Vermehrte Differenzierung zur Reduktion der Preiselastizität der Kundennachfrage
Bestimmung der Absatz-, Beschaffungsmärkte und Produktionsstandorte
Wertschöpfungskette Ausrichtung der Produktionsfaktoren an den Zielabsatzmärkten
Reduktion der Wechselkurssensitivitäten der Wertaktivitäten
Reduktion Wertschöpfungstiefe/Konzentration auf Core-Aktivitäten
Akquisition Verlagerung von Aktivitäten und Nutzung des starken CHF
Erhöhung der Flexibilisierung Verlagerung des Einkauf/Sourcing in Fremdwährung
Anpassung des Produktportfolios an geänderten Deckungsbeiträgen
Neudesign von Vertriebs- und Serviceorganisationen
Finanzielle Unternehmenssteuerung Vermeidung von einseitigen Positionen bzgl. Investitionen, Kosten und Erträgen sowie Anpassung der Kapitalstruktur und Finanzierungsformen Festlegung von Zielwechselkurssensitivitäten/Kosten- und Ertragssensitivitäten, Finanzzielen/Covenants

Fazit  

Während die finanziellen Absicherungsinstrumente vorwiegend das kurzfristige Risiko einzelner Zahlungsflüsse absichern können, sollte mit den strategischen Handlungsoptionen das langfristige Geschäftsmodell neu überdacht werden. Grundlage bildet ein mit Szenarien hinterlegter Finanzplan, der die wichtigsten Stellgrössen aufzeigt und damit angibt, an welchen Schrauben zu drehen ist. Es geht um den Aufbau von Fähigkeiten, besser als der Wettbewerb auf Wechselkursänderungen zu reagieren.  

Literatur: Breuer, Wolfgang: Unternehmerisches Währungsmanagement (Wiesbaden, 2000), SWISSMEM: Medienmitteilungen 2015.

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