14.03.2018

Zahlungsverkehr: Grundlegende Änderung für Schweizer

Die traditionellen Anbieter von Zahlungsverkehrsdienstleistungen erhalten Konkurrenz. Smartphone-Applikationen eröffnen neue Möglichkeiten. Bezahlen wir in Zukunft unsere offenen Rechnungen direkt mit einer Smartphone-Applikation? Werden dadurch Post, traditionelle Banken und Kreditkartenunternehmen für den Zahlungsverkehr überflüssig? Diese Frage kann nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich der Zahlungsverkehr in Zukunft wandeln und der Konkurrenzdruck auf traditionelle Anbieter grösser wird.

Von: Suzanne Ziegler, Markus Braun  DruckenTeilen Kommentieren 

Suzanne Ziegler

Prof. Dr. Suzanne Ziegler ist Leiterin der Abteilung Banking, Finance, Insurance und Professorin für Banking & Finance sowie Mitglied der Geschäftsleitung der ZHAW School of Management and Law.

 

 

Markus Braun

Dr. Markus Braun ist Studiengangleiter MAS Wealth Management und Leiter International Business der Abteilung Banking, Finance, Insurance an der ZHAW School of Management and Law.

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Der Zahlungsverkehr im Wandel

Bereits heute existieren Applikationen, mit welchen Zahlungen via Smartphone abgewickelt werden können – und es kommen immer mehr solcher Produkte auf den Markt. Beispiele für Schweizer Apps sind die Smartphone-App Twint oder die Smart-Watch-Software Swatch Bellamy. Im Ausland gibt es eine grosse Zahl vergleichbarer Apps, die teilweise auch in der Schweiz genutzt werden können. Dazu gehören Angebote von Smartphone-Herstellern wie Apple Pay, Samsung Pay oder Android Pay.

Asien gehört zu den Vorreitern in Sachen mobiles Bezahlen. In China benutzen bereits rund eine halbe Milliarde Menschen Apps für den Zahlungsverkehr. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zahlungsfunktion WeChat Pay der populären Messaging-App WeChat. Auch Alipay, die Zahlungsfunktion des Online-Konzerns Alibaba, ist weit verbreitet.

Herausforderungen für die Finanzindustrie

Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen ist auch die Wissenschaft davon überzeugt, dass die Kundenbedürfnisse im Finanzdienstleistungsbereich – also nicht zuletzt auch elektronische Zahlungsfunktionen – in Zukunft vermehrt über sogenannte Fintech-Plattformen abgedeckt werden. Der Ausdruck «Fintech» setzt sich aus den Wortbestandteilen «Fin» für Financial Services und «tech» für Technology zusammen. Es handelt sich also um einen Sammelbegriff, der das Zusammenkommen von Finanzindustrie und Technologie sowie neue Möglichkeiten, Kundenbedürfnisse im Finanzbereich zu befriedigen, bezeichnet.

Neue Angebote, in erster Linie App- oder Web-Lösungen, können jedoch nicht nur von Banken, sondern auch von externen Technologieanbietern entwickelt werden. Aktuelle Studien zeigen, dass von 150 Plattformen rund drei Viertel ausserhalb der eigentlichen Finanzindustrie entstanden. Entsprechend hat sich nur eine Minderheit der Lösungen aus der Finanzindustrie herausentwickelt. Teilweise erwerben Banken jedoch Unternehmen oder die von ihnen entwickelten Lösungen und internalisieren so externe Innovationen in die traditionelle Bankbranche.

Dennoch ist davon auszugehen, dass Fintech-Anwendungen zunehmend von Unternehmen aus dem Technologiesektor, also von ausserhalb des traditionellen Bankenbereichs, entwickelt und angeboten werden. Als Beispiel sei Apple Pay angeführt: Obwohl Apple ein Unternehmen ausserhalb der Finanzbranche ist, verfügt es über die finanziellen und technologischen Möglichkeiten, neue Marktfelder aus eigener Kraft aufzubauen, weltweit Standards zu setzen und zu etablieren. So benötigt der Benutzer bei Apple Pay nur noch eine Kreditkarte, eine Bankverbindung ist nicht erforderlich. Inwieweit auch die Karte in Zukunft überflüssig wird, bleibt offen.

In der Schweiz haben sich die fünf grossen Player PostFinance, UBS, Credit Suisse, ZKB und Swisscom auf die nationale Applikation Twint geeinigt. Inzwischen ist eine Vielzahl an Schweizer Banken dem System beigetreten. Dennoch hat die App keine Monopolstellung; sie wird von acht weiteren mobilen Zahlungslösungen konkurrenziert. Dazu zählen die eingangs erwähnten Zahlungsdienstleistungen der Smartphone-Anbieter. Weitere Lösungen für den Schweizer Markt sind darüber hinaus bereits angekündigt, so beispielsweise das erwähnte Alipay von Alibaba.

Zahlungsverkehr in China

Ein Blick nach China lässt erahnen, wohin die Entwicklung in der Schweiz gehen könnte. Der Fintech-Markt ist im Reich der Mitte in den vergangenen Jahren gewachsen, und mit rund 500 Millionen aktiven Usern ist China das Land mit den weltweit meisten Nutzern von applikationsbasiertem Zahlungsverkehr. Eine beliebte und etablierte Lösung ist das mobile Zahlungssystem Wallet von WeChat/Tencent, eine Plattform, die als Mischung aus Facebook und WhatsApp bezeichnet werden kann. Anders als Facebook kann WeChat aber von unabhängigen Entwicklern mit verschiedenen zusätzlichen Funktionen – also beispielsweise mobilem Zahlungsverkehr – erweitert werden. In China wird entsprechend bereits heute ein grosser Teil des Zahlungsverkehrs ausserhalb des Bankensystems abgewickelt.

Weshalb geht die Entwicklung in China rascher voran als in der Schweiz? Ein zentraler Grund ist sicherlich die Marktgrösse. Der chinesische Zahlungsverkehrsmarkt ist riesig, der helvetische dagegen verschwindend klein. Investitionen in Applikationen rechnen sich in China daher auch sehr viel schneller als in der Schweiz. Des Weiteren sind Smartphones in China sehr weit verbreitet, PCs hingegen weniger. Viele chinesische Nutzer von Finanz-Apps haben also direkt vom analogen Barzahlungsverkehr zur digitalen Zahlung per Smartphone gewechselt. In der Schweiz werden dagegen nach wie vor viele Zahlungen über computergestützte Bankplattformen getätigt. Darüber hinaus sind Kreditkarten in China im Vergleich zur Schweiz relativ wenig verbreitet, und im Gegensatz zu elektronischen Zahlungsverkehrssystemen hiesiger Banken sind Bezahl-Apps in China sehr benutzerfreundlich und einfach in der Handhabung. Dies bewirkt, dass auch ältere Nutzer umsteigen. Die Nutzung wird zudem mit Zusatzangeboten und vielen Einsatzmöglichkeiten attraktiver gemacht. Selbst auf dem Gemüsemarkt lässt sich mit dem Smartphone bezahlen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist das Vertrauen in Finanzdienstleister. In der Schweiz haben die Konsumenten grundsätzlich Vertrauen ins Bankensystem. Überdies wird die Datensicherheit bei Zahlungen über den PC in der Regel höher eingeschätzt als bei Zahlungen über das Smartphone. In China ist das Vertrauen ins Bankensystem kleiner. Einer Maschine, oder eben einem Smartphone, wird tendenziell mehr Vertrauen geschenkt als einem Bankinstitut und seinen Mitarbeitenden.

Prognose für die Schweiz

In der Schweiz sind digitale Zahlungsverkehrslösungen, die von Schattenbanken betrieben werden, im Vergleich zu China relativ wenig verbreitet. Sowohl Apps als auch Anwender dürften aber auch in der Schweiz stetig zunehmen. Schliesslich ist die Schweiz als relativ wohlhabendes Land auch für ausländische Anbieter ein attraktiver Markt.

Dennoch bleibt die Volkswirtschaft relativ klein und die Währung wenig verbreitet. Eine Applikation für Zahlungen in US-Dollar oder in Yuan zu entwickeln, bleibt für Techunternehmen aus finanziellen Gründen attraktiver. Wissenschaftler vermuten entsprechend, dass sich in kleinen, entwickelten Ländern wie Schweden, Dänemark oder der Schweiz in naher Zukunft eher von Banken geführte Online-Zahlungssysteme als Smartphone-Applikationen durchsetzen werden. Für grössere Länder wie China oder die USA hingegen wird eine andere Entwicklung prognostiziert. Hier scheinen die Tech-Riesen ausserhalb des Bankensystems die Federführung zu übernehmen.

Auch wenn die Entwicklung in der Schweiz langsamer voranschreitet als beispielsweise in China, so heisst das nicht, dass keine Veränderungen zu erwarten sind. Dies zeigt auch die Veränderung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz innerhalb der letzten 150 Jahre: So hat das Postchecksystem die Barzahlung bereits vor über hundert Jahren abgelöst und den Zahlungsverkehr in der Schweiz lange geprägt. Herausgefordert wurde es später vom digitalen Zahlungsverkehr der Finanzindustrie, sprich von den Internetplattformen der Banken.

Daher ist anzunehmen, dass auch in der Schweiz die heutigen Zahlungssysteme nicht das Ende einer Entwicklung darstellen. Es scheint wahrscheinlich, dass dem Schweizer Konsumenten in naher Zukunft mehrere mobile Zahlungssysteme zur Verfügung stehen werden. Ob das Smartphone in Zukunft das alleinige Gerät ist, mit dem Zahlungen getätigt werden, bleibt offen. Schliesslich ist davon auszugehen, dass auch die Entwicklung bei den technischen Geräten weitergeht. So wie Desktop-Computer von Laptops und Tablets abgelöst wurden, könnte auch das Smartphone in Zukunft einem anderen Gerät weichen.

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