16.06.2014

Carbon Accounting: Integration ins Business-Reporting

Die soziale Verantwortung von Unternehmen und Organisationen gegenüber ihrer Umwelt erhält seit mehreren Jahren einen Bedeutungszuwachs, dem sich aber vor allem produzierende Unternehmen vermehrt stellen. Das Thema Carbon Accounting wird als Voraussetzung einer stakeholder-orientierten Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen vorgestellt.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen Kommentieren 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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So wurden in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise die durch Unternehmen direkt und indirekt verursachten Umweltbelastungen z.B. in Form von CO2-Emissionen zum Gegenstand des an die Anspruchsgruppen (Stakeholder) gerichteten Business Reporting. Manche mag es verblüffen, aber gemäss einer Studie der Deloitte steht das Ziel Nachhaltigkeit inzwischen auf der Agenda vieler Finanzchefs, weil gerade sie darin eine wichtige Quelle für Kostensenkung erkennen und das Thema des Carbon Accounting daher proaktiv für sich entdecken.

Nachhaltigkeitsinteresse bei Stakeholdern

Das Interesse der Anspruchsgruppen von börsenkotierten Unternehmen richtet sich längst nicht mehr nur auf die Aktien-Performance, sondern ebenso darauf, wie und wodurch sich ein Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellt. In diesem Zusammenhang sind in den letzten Jahren das Thema Klimaschutz sowie die Reduzierung von CO2-Emissionen zu einem wichtigen Anliegen geworden. Unternehmen haben hier sowohl durch strengere umweltrechtliche Rahmenbedingungen als auch durch die internationalen Anforderungen aus dem Greenhouse Gas Protokoll eine konkrete Verantwortung, die CO2-Effizienz eigener Aktivitäten zu messen und im Hinblick auf die Erreichung konkreter Einsparungsziele aktiv zu steuern. Die Erfassung, Messung und Steuerung dieser Umweltdaten ist die zentrale Aufgabe des Carbon Accounting, welches heute neben dem Finanz- und Rechnungswesen eine wichtige Informationsquelle für das Business Reporting darstellt.

Als Basis für die Messung gilt vielen Unternehmen die normierte Klassifizierung von CO2-Emissionen gemäss dem Greenhouse Gas Protokoll, wonach drei Kategorien (Scope 1 bis 3) unterschieden werden:

Kategorie-Bezeichnung Beschreibung
Scope 1 Alle direkten CO2-Emissionen aus dem Verbrauch fossiler Energieträger, wie sie z.B. in Transportmitteln eingesetzt werden, die ein Unternehmen besitzt, mietet oder least. Daneben auch eingesetzte fossile Brennstoffe zur Heizung, Kühlung oder Energieversorgung von eigenen, gemieteten oder geleasten Immobilien.
Scope 2 Alle indirekten CO2-Emissionen aus eingekaufter Energie, wie sie bei der Stromerzeugung oder Fernwärme anfallen.
Scope 3 Alle indirekten Emissionen aus Vorleistungen, wie z.B. das CO2 aus an Subunternehmer vergebenen Transportleistungen.

Einsatz eines Carbon Accounting-Systems

Ein zielgerichteter Einsatz eines Carbon Accounting-Systems bedingt dabei, dass Emissionsdaten des Unternehmens regelmässig nach einheitlichen Standards vollständig erfasst und als Teil des internen Management-Reporting an die Verantwortlichen im Unternehmen berichtet werden. Hierzu müssen ähnliche Grundsätze und methodische Standards für die Aufzeichnung und Erfassung gelten, wie sie auch im Finanz- und Rechnungswesen bzw. in der Finanzbuchhaltung zur Anwendung kommen. Schliesslich geht es nicht nur um die Berichterstattung von physikalischen Grössen, sondern notwendig ist ebenso die monetäre Bewertung der CO2-Emissionen. Dies erfordert  eine nachvollziehbare Erfassung aller direkten oder indirekten Emissionen auf Basis von Belegen oder Ableseprotokollen, wogegen auf die Verwendung von Schätzwerten oder Durchschnittswerten möglichst verzichtet werden sollte. Neben der Verfügbarkeit und dem Einsatz geeigneter operativer Informations- und Berichtssysteme erfordert ein wirksames Carbon Accounting weiterhin eine geeignete Prozessorganisation, Ablauf und Datenstruktur, wie sie im Vergleich auch im Finanz- und Rechnungswesen erforderlich ist.  

Für die Dokumentation und Berichterstattung kann nach den Zielgruppen der Greenhouse Gas-Analyse zwischen externen und den internen Adressaten unterschieden werden. Während manche Unternehmen das Thema Treibhausgase in die verpflichtende externe Rechnungslegung einbeziehen, ziehen andere Unternehmen oder Organisationen eine freiwillige externe Berichterstattung vor.

Emissionsdaten

Während das interne Reporting zumeist monatlich oder quartalsweise erfolgt, werden die Emissionsdaten nach aussen zumeist jährlich veröffentlicht. So berichtet beispielsweise Goldman Sachs jährlich über seine Greenhouse Gas-Emissionen im Environmental, Social and Governance Report.

Eine Untersuchung von Deloitte zeigt, dass bisher ca. 2'000 Nachhaltigkeitsberichte unter Berücksichtigung der Anforderungen der Global Reporting Initiative (GRI) sowie freiwilliger internationaler Stellen erstellt wurden.

Fazit

Es gibt eine klare Tendenz zur sogenannten integrierten Berichterstattung vor allem bei börsenkotierten, produzierenden Unternehmen, im Rahmen derer das Business Reporting nicht mehr nur Finanzinformationen sondern grundsätzlich jede Art von Informationen an die Stakeholder umfasst, die diese benötigen, um sich ein Urteil über die Aktivitäten des Unternehmens zu bilden.  

Dazu gehört in jüngster Zeit auch eine umfassende Nachhaltigkeitsberichterstattung, die unter anderem den Umgang der Unternehmen mit den natürlichen Ressourcen und die durch sie ausgelöste Umweltbelastung einschliesst.  

Voraussetzung auf Seiten der Unternehmen hierfür ist ein Carbon Accounting, mit dem die relevanten Daten vollständig, richtig, zeitgerecht und nachweisbar erfasst werden. Somit liegt die Frage nach dem Nutzen eines Carbon Accounting für die Unternehmen auf der Hand:

  • Es erhöht das Bewusstsein für Klima- und Energie-Belastungen.
  • Es führt zu Transparenz hinsichtlich Treibhausgasrelevanten Informationen der Verursacher.
  • Es ermöglicht eine finanzielle Bewertung, Planung und -prognose von Einsparungszielen, die mit der Verpflichtung zum Klimaschutz einhergehen.
  • Es unterstützt die Entwicklung von Massnahmen für die kurz-, mittel- und langfristige Einsparung von Treibhausgasen.

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