12.10.2016

Finanzreporting: Überwachung der Rentabilitäts-, Liquiditäts- und Stabilitätsziele

Das übergeordnete Ziel des Finanzreportings ist es, Informationen über die finanzielle Lage eines Unternehmens zu liefern. Die finanzielle Lage lässt sich dabei über das Dreigestirn Rentabilität, Liquidität sowie Stabilität beurteilen. Um diese Basiszielgrössen des finanzwirtschaftlichen Erfolgs einschätzen zu können, müssen diverse finanzielle Auswertungen mit unterschiedlichem Inhalt und Detaillierungsgrad erstellt werden.

Von: Dr. Lukas Rieder   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Lukas Rieder

Deputy Chairman of IGC International Group of Controlling, langjähriger vollamtlicher Dozent der Universität St. Gallen, nebenamtlicher Dozent im AZ SBV, Autor und Herausgeber verschiedener Fachbücher zum Controlling sowie Berater für die Umsetzung integrierter Planungs- und Steuerungssysteme.

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Finanzreporting

Finanzreporting im Unternehmen

Gerade die Frage der Inhalte und des Detaillierungsgrads des Finanzreportings wird in vielen Unternehmen kontrovers diskutiert. Die Meinungen lassen sich nur zusammenführen, wenn ein Unternehmen pro Adressatenkreis festlegt, welche Informationsziele mit dem Finanzreporting verfolgt werden. So ist zwischen der Berichterstattung an Aussenstehende und der unternehmensinternen Berichterstattung zu unterscheiden.  

Der Freiheitsgrad bei der Aussenberichterstattung wird von gesetzlichen Bestimmungen sowie den Finanzmarktbedingungen eingeschränkt.  

In den gesetzlichen Bestimmungen ist üblicherweise nur die Art und Weise der Jahresrechnung vorgeschrieben. Sobald aber die Aktien des Unternehmens an bestimmten Börsen kotiert werden, muss den restriktiveren Börsenvorschriften genüge getan werden. Beispielsweise gelten für die New Yorker Börse die sehr strikten Vorschriften gemäss US-GAAP, welche vierteljährliche Zwischenabschlüsse inklusive einer detaillierten Berichterstattung nach Segmenten vorschreiben. Im Rahmen des International Financial Reporting Standards IFRS Nr. 8, wird ebenfalls eine Berichterstattung nach Segmenten verlangt. Zudem wird die Zwischenberichterstattung in einem weiteren Standard geregelt.  

Für die Schweizer Börsen ist die Beachtung der FER notwendig. Die FER werden von vielen Unternehmen auf freiwilliger Basis eingehalten. Während die FER keine Angaben zu notwendigen Zwischenabschlüssen machen, wird die Segmentberichterstattung – Aufgliederung der Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen nach geographischen Märkten und Geschäftsbereichen – in Ziffer 3 gemäss FER 8 erwähnt. Auch die 7. EG-Richtlinie schreibt in Art. 34, Ziffern 8 und 9 eine Aufteilung der Nettoerlöse aber auch der Personalaufwendungen vor.  

Die Finanzmarktbedingungen zwingen die Unternehmen dann zu einer unterjährigen Finanzberichterstattung, wenn aufgrund hoher Verschuldung bzw. schlechter Liquiditätslage die Banken eine solche fordern. Ein Finanzreporting über den üblichen Jahresabschluss hinaus kann aber auch von den Aktionären verlangt werden. Zudem kann es für die Unternehmensleitung angebracht sein, beispielsweise im Hinblick auf eine angestrebte Kapitalerhöhung eine solche auf freiwilliger Basis zu erstellen.  

Wie auch immer die Restriktionen für eine aussenorientierte Berichterstattung sind, muss eine Geschäftsleitung festlegen, inwieweit finanzielle Informationen über das gesetzliche Minimum hinaus veröffentlicht werden. Im Einzelnen müssen folgende Punkte festgelegt werden:  

  • Inhalte und Detaillierungsgrad,
  • Reportingrhythmus,
  • Feinheitsgrad der Abschlussbuchungen,
  • Bewertungsansätze.  

Es wird hier nicht weiter auf die Berichterstattung nach aussen eingegangen. Aus Controllersicht interessiert viel mehr das nach innen gerichtete Finanzreporting. Gleich wie für die aussengerichtete Berichterstattung müssen die vier vorgenannten Punkte für das interne Finanzreporting festgelegt werden.

Inhalte des Finanzreportings

Im Rahmen der Finanzberichterstattung sollen die Rentabilitäts-, Liquiditäts- und Stabilitätsziele eines Unternehmens überwacht werden. Die Rentabilität wird durch zwei Faktoren beeinflusst, nämlich den Markterfolg, welcher beispielsweise über Cash Flow- und/oder Gewinngrössen gemessen werden kann, sowie dem Vermögensmanagement, welches durch die Berechnung der diversen Umschlagskennzahlen beurteilt werden kann.  

Gemäss unserem Verständnis von Controlling erfolgt die Erfolgsbeurteilung eines Unternehmens nicht über die Auswertungen der Finanzbuchhaltung, sondern über die Auswertungen des betrieblichen Rechnungswesens. Im Mittelpunkt des Erfolgscontrollings stehen somit die Management-Erfolgsrechnung und die ihr zugrunde liegenden Detailauswertungen der Deckungsbeiträge sowie Kostenstellen- und Kalkulationsresultate. Aufgrund der Wichtigkeit des Erfolgscontrollings ergibt sich zwingend, dass die Auswertungen des betrieblichen Rechnungswesens mindestens monatlich erstellt werden. Bei Unternehmen mit hoher Umschlagshäufigkeit, zum Beispiel Einzelhandel, müssen die Marktleistungserfolge gar täglich überwacht werden. Innerhalb eines Monats erfolgen aber nur Teilauswertungen auf Ebene Umsatz und Deckungsbeitrag I. Zwei- bis dreimal jährlich soll eine Erwartungsrechnung erstellt werden. Die Termine für die Fertigstellung einer Erwartungsrechnung sollen so gelegt werden, dass diese unmittelbar vor dem Start der operativen Mehrjahresplanung bzw. vor dem Start der Jahresplanung liegen und somit die Planungen auf Basis der letzten Einschätzung basiert werden können. Die Erwartungswerte werden in den gleichen Auswertungen wie der Soll-Ist-Vergleich einer Periode zur Darstellung gebracht. Das heisst, dass die Spalten mit den Istwerten durch die Erwartungswerte ersetzt werden und dass die Erwartungswerte somit mit den Sollwerten verglichen werden.

Auswertungen und Berichte

Bericht über die Auftragslage: Die Auswertungen des betrieblichen Rechnungswesens müssen vor allem in Unternehmen mit längeren Durchlaufzeiten um eine monatliche Übersicht der Auftragslage ergänzt werden. Notwendige Massnahmen müssen sobald erkennbar eingeleitet werden. Ein Abwarten auf den Fakturationszeitpunkt wäre aufgrund der langen Zeitspannen fatal.  

Auftragseingang und Auftragsbestand werden nach ähnlichen Kriterien (Produktsparten, Regionen, Absatzkanäle, Kundenkategorien, etc.) ausgewertet. Stand und Entwicklung der Aufträge wird hinsichtlich der Werte Umsatz und Deckungsbeitrag I gezeigt. Sofern homogene Produkte bestehen, sollte auch eine Mengenangabe gemacht werden. Das Monatsergebnis und das bis zum Stichtag kumuliert erzielte Jahresergebnis werden mit den Budgetwerten verglichen. Das Jahresergebnis wird zudem dem entsprechenden Vorjahresergebnis gegenübergestellt.  

Im Gegensatz zum Erfolgscontrolling zeigen sich die Wirkungen des Vermögenscontrollings erst längerfristig in den Strukturen der Bilanz. Entsprechend genügt es, Auswertungen der Finanzbuchhaltung im Quartalsrahmen oder viermonatlich zu erstellen. Im Rahmen der finanzbuchhaltungsbasierten Finanzberichterstattung sind zur Darstellung zu bringen:  

  • Bilanz
  • Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
  • Kennzahlenübersicht
  • diverse Detaillierungen zu Bilanz und GuV wie Übersichten der Intercompany-Verflechtungen innerhalb eines Konzerns, Übersichten zu den Debitorenbeständen sowie den Vorräten, ein Anlagespiegel, – die Darstellung der Kreditlimiten und eine Zusammenstellung der Personalbestände.  

Zu diesen Auswertungen gesellen sich folgende Berichte, welche aus Sicht der internen Berichterstattung einmal jährlich erstellt werden sollen:  

  • Mittelflussrechnung
  • Lieferantenübersicht
  • Investitionsübersicht  

In der Bilanzauswertung werden die Bilanzwerte per Ende des Quartals bzw. die Werte des entsprechenden Vorjahresquartals gezeigt. Der Budgetvergleich basiert auf der Planbilanz per Ende Jahr. Die Basierung des Budgetvergleichs auf der geplanten Schlussbilanz kann im Bereich des Netto-Umlaufvermögens problematisch sein, vor allem wenn die Forderungs- und Vorratsbestände starken saisonalen Schwankungen unterliegen.  

Der Aufbau der Gewinn- und Verlustrechnung ist gleich wie der Bericht bezüglich der Auftragslage. Der Unterschied besteht darin, dass hier nicht ein Monatswert, sondern der Wert des vergangenen Quartals gezeigt wird. Bedingung für einen aussagefähigen Budgetvergleich ist die Erstellung von Quartalsbudgets. Die quartalsweise Budgetierung kann nominell erfolgen oder aber auch durch Festlegung von Budgetanteilen bezogen zum Jahresbudget. Damit die Brücke zur Management-Erfolgsrechnung geschlagen werden kann, muss per Ende jedes Quartals auch der dritte Teil der Management-Erfolgsrechnung, die Abstimmbrücke, erstellt werden. In der Ergebnisspalte ist jeweils der kumulierte Wert per Ende des jeweiligen Quartals anzusetzen.  

Kennzahlenübersicht: Problematisch ist der quartalsweise Ausweis der Umschlags- und Rentabilitätskennzahlen, da hier Bewegungsgrössen aus der GuV mit Bestandsgrössen der Bilanz verglichen werden. Damit die Kennzahlen unterjährig angegeben werden können, müssen die GuV-Werte durch Division durch deren Budgetanteil auf ein ganzes Jahr hochgerechnet werden. Entsprechend müssen die dazu passenden Budgetanteile im Kennzahlenreport aufgeführt werden, damit die Zahlen nachvollzogen werden können. Werden für die einzelnen GuV-Werte keine einheitlichen Budgetanteile festgelegt, müssen die Anteile entsprechend detailliert aufgeführt werden.  

Die Intercompany-Übersicht, welche nur in Konzernen erstellt wird, hat mehrere Funktionen:  

  1. Aufzeigen der konzerninternen Verbindungen,
  2. gegenseitige Überprüfung der Leistungsbeziehungen zwischen den Konzerngesellschaften als Vorbereitung für die Konsolidierung,
  3. Basis für die Konsolidierungsbuchungen.  

Die Debitorenübersicht zeigt nach diversen Kriterien gegliedert die Zusammensetzung des Debitorenbestands sowie allfällige drohende bzw. effektive Debitorenausfälle. Für die Unternehmensführung ist nicht nur die Höhe des Debitorenausfalls wichtig, sondern bei Grosskunden auch die Information, wie viel Umsatz und Deckungsbeitrag mit diesem Kunden geplant war, bzw. im Vorjahr realisiert wurde. Die Entwicklung des Debitorenbestands zeigt, ob die Unternehmensführung ihrer Vermögenscontrollingaufgabe nachkommt.  

Vorräte: Je nach Struktur eines Betriebs können die Vorräte an verkaufsfähigen Produkten nach verschiedenen Kriterien gezeigt werden, um so überprüfen zu können, ob eine konsequente Lagerbewirtschaftung erfolgt. Denkbar wären auch Einteilungen nach ABC-Kriterien. Die Unterteilung in bewegte und unbewegte Produkte soll den Bedarf für Abschreibung der Vorräte aufzeigen. Unbewegt bedeutet, dass seit mindestens 12 Monaten keinerlei Lagerabgänge bei diesen Produkten stattgefunden haben. Bei den unbewegten Produkten kann noch weiter detailliert werden nach «unbewegt seit mindestens 12 Monaten», «... seit mindestens 24 Monaten», etc.  

Auch im Bereich der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe bzw. der Ware in Arbeit müssen entsprechende Vorräteübersichten erstellt werden. Mögliche Gliederungen wären Produktgruppen, Lager- oder Produktionsstandorte, ABC-Kriterien.  

Anlagenspiegel: Die detaillierte Überwachung des Anlagevermögens kann nur über den Anlagenspiegel erfolgen.  

Kreditlimiten: Nicht nur die Vermögensseite der Bilanz muss überwacht werden. Auch die Schuldenentwicklung muss offengelegt werden. Entsprechend ist für die einzelnen Kredite aufzuführen, welche Sicherheiten (vor allem Hypothekarkredit) gewährt werden mussten, wie hoch die vereinbarten Kreditlimiten, bzw. die möglichen Belehnungspotentiale sind und wie viel bereits in Anspruch genommen wurde. Entsprechend ergibt sich aus der Differenz der Kreditlimite abzüglich der Beanspruchung, wie viel Kredit noch bezogen werden kann. Verfügbar ist jedoch nur die Summe der offenen Kredite abzüglich der im nächsten Quartal zur Rückzahlung fälligen Beträge. In der Tabelle sind nicht nur die bereits in Anspruch genommenen Kredite aufzuführen. Bestehen bereits Zusagen für Kredite, welche im nächsten Quartal in Anspruch genommen werden können, sind diese ebenso in der Tabelle zu berücksichtigen.  

Da in den meisten Unternehmen die Personalkosten einen zentralen Platz einnehmen, muss der Personalbestand nach verschiedenen Kriterien gegliedert gezeigt werden. Eine alternative Einteilung bestände darin, den Personalbestand nach Sparten aufzuzeigen. Angaben bezüglich des Personalbestandes können auch um den angefallenen Personalaufwand ergänzt werden. Wie erwähnt, ist die Detaillierung der Personalaufwendungen teilweise im Rahmen der Segmentberichterstattung vorgeschrieben. Die detaillierten Personalkosten können aber auch dem betrieblichen Rechnungswesen entnommen werden.  

Da die Mittelflussrechnung eine Verdeutlichung der in den verschiedenen Reports ersichtlichen Informationen ist, reicht unseres Erachtens der jährliche Ausweis.  

Um die Abhängigkeit von gewissen Lieferanten zu zeigen, sind die wichtigsten Lieferanten einmal jährlich aufzuführen. Wie viele Lieferanten die Liste umfasst, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Aus dem Vorjahresvergleich lässt sich die Entwicklung aufzeigen. Es genügt, die Lieferantenstatistik einmal im Jahr zu erstellen. Unterjährige Berichterstattungen können stark von Zufälligkeiten beeinflusst sein, so dass kaum sinnvolle Aussagen gewonnen werden können.  

Die Detaillierung der Investitionen nach verschiedensten Kriterien wie Regionen und Sparten, gehört schliesslich auch noch zur Segmentberichterstattung. Auch hier reicht ein jährlicher Ausweis der detaillierten Zahlen.    

Quelle: Dieser Beitrag stammt aus dem Praxis-Handbuch «Controller-Leitfaden» 

Herausgeber: Dr. Lukas Rieder

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