26.07.2016

Nachhaltigkeits-Reporting: So setzen Sie Unternehmensziele und Veränderungen um

Unter Nachhaltigkeit verstehen wir heute allgemein ein Zielsystem, welches wirtschaftliche, ökologische und soziale Anliegen ausgewogen berücksichtigt. Langfristige Rentabilität soll mit sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz einhergehen. Anspruchsgruppen erkennen mehr und mehr die Notwendigkeit einer wirklich nachhaltigen Wirtschaft. Nachhaltigkeits-Reporting hilft Unternehmen dabei, diesbezüglich Ziele zu setzen, Leistungen zu messen und Veränderungen umzusetzen. Mit dem Standard der 4. Generation stellt Global Reporting Initiative ein ausgereiftes und umfassendes Regelwerk für das Nachhaltigkeits-Reporting zur Verfügung.

Von: Prof. Dr. Rudolf Zobrist   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Rudolf Zobrist

Rudolf Zobrist ist Dozent für Unternehmenssteuerung, Finance, Accounting und General Management an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. Er lehrt Im Diplom- und Nachdiplombereich und ist Consultant im Leistungsauftrag der Fachhochschule.

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Nachhaltigkeits Reporting

Nachhaltigkeit

Das Adjektiv «nachhaltig» stand 1880 erstmals im Rechtschreib-Duden und bedeutet «sich auf längere Zeit stark auswirkend». Mit Nachhaltigkeit ist ein Anliegen oder Handlungsprinzip gemeint, wonach ein System, wie z.B. die Wirtschaft oder einzelne Unternehmen, sich so verhalten sollen und ihre Ressourcen so beanspruchen sollen, dass sie über einen langen Zeitraum erfolgreich sein können. An den Ressourcen soll nicht Raubbau betrieben werden, um daraus einen lediglich kurzfristigen Nutzen zu ziehen; Ressourcen sollen sich regenerieren können. Im heutigen Verständnis von Nachhaltigkeit sind mit Ressourcen

  • diejenigen unserer natürlichen Umwelt gemeint,
  • aber ebenso die Ressource Mensch als Mitarbeiter (z.B. Work-Life-Balance, Arbeitssicherheit, fairer Lohn)
  • als auch die wirtschaftliche Ressource Kapital (z.B. im Sinne des Eingehens tragbarer Risiken).

Ökologische, soziale und wirtschaftliche Anliegen sollen ausgewogen in das Zielsystem der Unternehmung einfliessen. Das Geschäftsmodell der Unternehmung soll ausgewogen wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Werte schaffen.

Nachhaltigkeit als Element der Marktleistung und als Wettbewerbsvorteil

Das Anliegen der Nachhaltigkeit durchlief in den Unternehmen eine eindrückliche Entwicklung in den letzten Jahren:

  • Vom einhalten umweltschutzpolizeilicher und sozialgesetzgeberischer Vorschriften
  • über Kostenmanagement durch sparsamen Ressourcenverbrauch
  • bis zur Nachhaltigkeit in Produktion und Produkten als Wettbewerbsvorteil und Erfolgsfaktor.

Nachhaltigkeit bedeutet für Unternehmen nicht mehr nur Rahmenbedingung oder Mittel zum Zweck, sondern Orientierung an den Bedürfnissen des Marktes. Der Markt sieht die Nachhaltigkeit je länger je mehr als unverzichtbaren, elementaren Teil des Produktnutzens. Aber auch Geldgeber und andere Anspruchsgruppen erkennen mehr und mehr die Notwendigkeit einer wirklich nachhaltigen Wirtschaft.

Nachhaltigkeits-Ziele, Nachhaltigkeits-Controlling, Nachhaltigkeits-Reporting

Reporting als Teilfunktion von Controlling soll ganz allgemein die Erkenntnisse aus der Steuerung auf die gewählten Ziele hin an die handelnden Instanzen in der Unternehmung kommunizieren. Steuerung im Bereich der Nachhaltigkeit kann wie in jedem andern Anwendungsgebiet von Controlling ebenfalls nichts anderes bedeuten, als die Linieninstanzen zu unterstützen. Die Nachhaltigkeits-Ziele der Unternehmung bestimmen somit auch das Nachhaltigkeits-Reporting.

Nachhaltigkeits-Reporting soll die Nachhaltigkeitsperformance zeigen. Ein Nachhaltigkeits-Reporting liefert Angaben über die Auswirkungen einer Organisation auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Nachhaltigkeits-Reporting hilft Unternehmen dabei, Ziele zu setzen, Leistungen zu messen und Veränderungen umzusetzen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung macht das abstrakte Thema Nachhaltigkeit greifbarer und konkreter.

Global Reporting Initiative GRI

Privatrechtliche Normen wie der Standard G4 (4. Generation, Mai 2013) der Global Reporting Initiative dienen als Orientierungshilfe für das Nachhaltigkeits-Reporting, unabhängig von Größe, Branche oder Standort einer Unternehmung. International vereinbarte Angaben und Messgrößen gewährleisten, dass in Nachhaltigkeitsberichten enthaltene Daten zugänglich und vergleichbar sind, und bieten Stakeholdern dadurch aussagekräftige Informationen für fundierte Entscheidungen. Entsprechende Leitlinien und eine detaillierte Umsetzungsanleitung bieten starke Unterstützung für das Nachhaltigkeits-Reporting:

  • Berichterstattungsgrundsätze zur Bestimmung der Berichtsinhalte (Einbeziehung von Stakeholdern, Nachhaltigkeitskontext, Wesentlichkeit, Vollständigkeit)
  • Berichterstattungsgrundsätze zur Bestimmung der Berichtsqualität (Ausgewogenheit, Vergleichbarkeit, Genauigkeit, Aktualität, Klarheit, Verlässlichkeit)
  • Allgemeine Standardangaben (z.B. Strategie und Analyse, Organisationsprofil, Einbindung von Stakeholdern, Ethik und Integrität, u.v.m.)
  • Spezifische Standardangaben – wirtschaftliche (wirtschaftliche Leistung, Marktpräsenz, indirekte wirtschaftliche Auswirkungen)
  • ökologische (Materialien, Energie, Wasser, Biodiversität, Emissionen, Abwasser und Abfall, Produkte und Dienstleistungen, Compliance, Transport, Insgesamt, Bewertung der Lieferanten hinsichtlich ökologischer Aspekte, Beschwerdeverfahren hinsichtlich ökologischer Aspekte)
  • gesellschaftliche (mit den Unterkategorien Arbeitspraktiken und menschenwürdige Beschäftigung [z.B. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Aus- und Weiterbildung, Vielfalt und Chancengleichheit, u.v.m.], Menschenrechte [z.B. Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen, Gleichbehandlung, u.v.m.], Gesellschaft [z.B. lokale Gemeinschaften, Korruptionsbekämpfung, Politik, u.v.m.], Produktverantwortung [Kundengesundheit und -sicherheit, Kennzeichnungen von Produkten und Dienstleistungen, Schutz der Kundendaten, u.v.m.] 

Für Unternehmen, die bereits einen Nachhaltigkeits-Report nach G3 erstellten, besteht eine Übergangsfrist von 2 Jahren, bis 2015, für die Anwendung der G4. Der aktuell praktizierte Stand des Nachhaltigkeits-Reporting ist heute denn auch noch nicht auf dem Niveau der G4, wie eine empirische Analyse der DAX-Unternehmen, Stand 2012, zeigt (Pedell, Sautter, Tappe, Universität Stuttgart, 2014). Demgemäss sind die pro Nachhaltigkeitsbereich meist verwendeten Kennzahlen noch deutlich traditioneller als die Berichtsinhalte der G4:

  • Die 15 meist verwendeten ökonomischen Kennzahlen: Umsatz, Personalaufwand, Ausgaben für Forschung und Entwicklung, EBIT, ausgezahlte Dividende, Steueraufwand, Dividende je Aktie, Anzahl der Länder in denen die Organisation tätig ist (Marktpräsenz), EBITDA, Umsatz je Geschäftsbereich, Ergebnis vor Ertragssteuern, Höhe der Subventionen der öffentlichen Hand, Materialaufwand, Umsatz je Region.
  • Die 15 meist verwendeten ökologischen Kennzahlen: Höhe des Wasserverbrauchs, Höhe der gesamten Treibhausgasemissionen, Höhe des Energieverbrauchs, relative Veränderung der Treibhausgasemissionen, Höhe der direkten Treibhausgasemissionen, Höhe der indirekten Treibhausgasemissionen, Menge des angefallenen Abfalls, Höhe der NOX-Emissionen (NOX: Stickoxide), Höhe der Abwassermenge, Höhe der Investitionen in den Umweltschutz, Höhe der VOC-Emissionen (VOC: volatile organic compounds), Abfall-Verwertungsquote, Höhe der SOX-Emissionen (SOX: Schwefeloxide), Höhe der Staub-Emissionen, Relative Veränderung des Energieverbrauchs.
  • Die 15 meist verwendeten gesellschaftlichen / sozialen Kennzahlen: Anzahl der Mitarbeiter, Anteil der weiblichen Mitarbeiter in Führungspositionen, Anteil der weiblichen Mitarbeiter, Fluktuationsrate, Anzahl der Auszubildenden, Höhe der Ausgaben für gesellschaftliches Engagement, Anteil der Altersgruppen an der Gesamtmitarbeiterzahl, Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle, Anzahl der Mitarbeiter je Geschäftsbereich, Anzahl der Mitarbeiter je Region, Teilzeitquote, Ausbildungsquote, Gesamtausgaben für Mitarbeiterschulungen, Anteil der Mitarbeiter die durch Kollektivvereinbarungen erfasst werden, Anzahl der Fort- und Weiterbildungstage je Mitarbeiter.

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