06.08.2019

Digitalisierung im Finanzbereich: So profitieren Sie davon

Der sich vollziehende digitale Wandel ist ein vielschichtiger Umbruch, der die bestehenden Geschäftsmodelle vieler Unternehmen infrage stellt und immer stärker auch in den Bereich des Finanz- und Rechnungswesens vordringt. Vor allem Unternehmen in traditionellen Branchen wie der Treuhand- und Revisionsbranche sind aufgefordert, sich über ihr gesamtes Leistungsspektrum von der Buchhaltung über die Beratung bis zur Revision an die digitale Realität anzupassen.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und seit Januar 2019 Leiter des Departments Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

CFO

Gemäss der Studie "Digital Switzerland" aus dem Jahr 2017 bestehen die drei grössten Herausforderungen für die digitale Transformation in den Schweizer Unternehmen in

  • dem Fehlen der notwendigen finanziellen Mittel,
  • dem fehlenden Fachwissen bei den Mitarbeitenden sowie
  • einer fehlenden technischen Infrastruktur.

Es existieren bereits verschiedene Studien in der Schweiz, die sich mit dem Phänomen des digitalen Wandels aus der Unternehmenssicht befassen. Dabei besteht weitgehende Übereinstimmung darüber, dass der digitale Wandel sich nicht lediglich durch den Einsatz digitaler Technologien bemerkbar macht, sondern deutlich umfassendere Veränderungen in Strategie, Geschäftsmodell, Prozessen und der Kultur von Unternehmen mit sich bringt.

Vor diesem Hintergrund befasst sich der vorliegende Beitrag damit, die zentralen Herausforderungen und Potenziale der Digitalisierung für den Finanzbereich und für die Treuhandbranche darzustellen.

Zielkategorien und Reifegrade des digitalen Wandels

Gemäss der Studie "Digital Switzerland" aus dem Jahr 2017 sind es vor allem drei Zielkategorien, die durch den digitalen Wandel für die Mehrheit der Schweizer Unternehmen relevant sind:

  • Erhöhung der Kundenbindung,
  • interne Effizienzsteigerung sowie
  • Umsatzwachstum durch neue Produkte und Dienstleistungen.

Handlungsfelder aus Sicht digitaler Technologien

Die aktuellen und zukünftigen Handlungsfelder für die digitale Transformation im Finanzbereich und in Treuhandunternehmen wird vor allem durch die Entwicklung der Informationstechnologie angetrieben, welche die Unternehmen technisch erst dazu befähigt, die zuvor genannten Ziele zu erreichen. Zu diesen Informationstechnologien der digitalen Transformation werden aus Sicht der SAP AG vor allem gezählt:

  • Mobile Computing
  • Cloud Computing
  • Big Data
  • Analytics

Diese werden nachfolgend im möglichen Anwendungskontext in Treuhandunternehmen kurz vorgestellt.

Mobile Computing

Mobile Computing eröffnet für Treuhandunternehmen die Möglichkeit, mobile Endgeräte und mobile Applikationen so in ihre Geschäftsprozesse zu integrieren, dass Mehrwerte durch die Unterstützung und Einbindung der Kunden und Mitarbeitenden erzeugt werden. Mobile Apps können beispielsweise die Kunden eines Treuhandunternehmens bei der automatisierten Dokumenten- und Belegerfassung für eine anschliessende automatisierte Verarbeitung unterstützen. Eine elektronische Dokumentenerfassung und -verarbeitung führt zu massgeblichen Effizienzverbesserungen durch Kosten- und Zeiteinsparung. Genauso können durch das Mobile Computing auch die Mitarbeitenden des Treuhandunternehmens im Rahmen eines direkten Berater-Kunden-Dialogs dezentral auf die aktuellen Kundendaten zugreifen und diese verarbeiten, wenn beispielsweise das Jahresabschlussgespräch in den Räumen des Kunden geführt wird.

Cloud Computing

Cloud Computing wird als ein Konzept verstanden, das seinen Anwendern von jedem Ort aus einen komfortablen Zugriff über ein Netzwerk auf einen Pool von Ressourcen ermöglicht. Während das Cloud Computing aus technischer Sicht mit einer Virtualisierung von Hardware, virtuellen Rechenzentren und Service-Ebenen (z.B. Konzepten wie Software as a Service – SaaS) einhergeht, stellt es wirtschaftlich betrachtet eine Art Outsourcing von IT-Funktionen dar, weil Betrieb und Wartung durch einen Cloud-Anbieter übernommen werden. Für Treuhandunternehmen bietet sich auch aufgrund der Verarbeitung sensitiver Daten ihrer Mandanten die Nutzung einer sogenannten "Private Cloud" an, bei der ausschliesslich vorab festgelegten Nutzern die Kontrolle über den Zugriff auf Daten und die IT-Infrastruktur über ein Intranet oder ein Virtual-Private-Network (VPN) eingeräumt wird. Hierbei kann ein Unternehmen selbst diese Private-Cloud-Umgebung anbieten oder alternativ einen externen Dienstleister damit beauftragen. Einsatzzwecke sind vor allem die Bereitstellung von Software für die Kunden des Treuhandunternehmens über das Internet sowie einen Webbrowser (Konzept des SaaS), sodass diese keine lokale Software mehr installieren und sich nicht um die notwendige Technologieinfrastruktur kümmern müssen, weil das Treuhandunternehmen oder ein in seinem Auftrag handelnder Drittanbieter den Betrieb und die Wartung der Software übernehmen.

Kunden können sich so besser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, weil die Anwendungssysteme und Daten durch bzw. über das Treuhandunternehmen bereitgehalten werden. Dem Bedürfnis nach Datenschutz und Datensicherheit kann überdies mit einer Private-Cloud-Lösung durch das Treuhandunternehmen gewährleistet werden.

Für die Kunden eines Treuhandunternehmens können Cloud-Lösungen daher sowohl zur Kostenreduktion (z.B. durch Vermeidung von Lizenzgebühren, Softwarewartung und IT-Betrieb) als auch zur Produktivitätssteigerung (z.B. durch Konzentration auf das Kerngeschäft, durch effizientere Prozesse im Finanzbereich und anderen Bereichen) führen.

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Big Data

Mit dem schillernden Begriff der Big Data wird darauf hingewiesen, dass es gegenwärtig und zukünftig erheblich grössere und vielfältigere Datenmengen zu verarbeiten gilt. Es geht also nicht nur um rasant steigende Datenvolumina, welche die Datenverarbeitungskapazität traditioneller Informationssysteme an ihre Grenzen führen, sondern ebenso um die Anforderung, enorme Datenströme in Echtzeit zu verarbeiten und auszuwerten bei deutlich höherer Datenvielfalt. Die zeitkritische Verarbeitung von Daten als strukturierte, semi-strukturierte oder unstrukturierte Multimediadaten in Form von Text, Bildern, Audio und Video erfordert ihrerseits spezifische Algorithmen zur Bewertung der Aussagekraft.

Big Data erhöht folglich nicht nur die Informationstransparenz und die Häufigkeit der Datenverarbeitung, sondern ermöglicht zudem erweiterte Anwendungen und Applikationen betreffend die Analyse und Auswertung dieser Daten zum Nutzen des Treuhandunternehmens und seiner Kunden. Ein derartiger Mehrwert wird möglich, wenn die umfangreichen Datenvolumen nach bestimmten Sachverhalten analysiert und für wertschöpfende Zwecke verwendet werden, was ergänzende Analysetechniken wie selbstlernende Algorithmen (machine learning), Clustering-Methoden oder auch Prognosemodelle erfordert. Treuhandunternehmen werden daher kaum darum herumkommen zukünftig auch Spezialisten wie Data Scientists zu beschäftigen, um aus den umfangreichen Datenmengen mithilfe von Business-Intelligence-Techniken den Mehrwert zu ziehen, der von ihren Kunden durch die vergangenheitsorientierte Analyse und zukunftsorientierte Prognose von Kunden-, Lieferanten, Finanz- und anderen Daten erwartet wird.

Kritisch ist in diesem Zusammenhang jedoch auch die Frage nach der Datenqualität sowie nach der Datensicherheit zu stellen, denn die notwendige Automatisierung bisheriger manueller Schnittstellen und Prozesse im Rahmen der Unternehmen-Kunden-Interaktion und -Kommunikation stellt weitere zahlreiche kritische Anforderungen. Gleichwohl führt ein solcher Mehrwert auch zu einer Erhöhung der Kundenbindung zwischen Treuhandunternehmen und Kunde sowie zu einem verbesserten Kundenerlebnis. Dazu ist es erforderlich, dass Treuhandunternehmen auch ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt ihrer digitalen Strategie stellen, zumal das Verhältnis zwischen Treuhänder und Mandant in erster Linie durch ein hohes Mass an Vertrauen gekennzeichnet ist.

Analytics

Digital Analytics wird auch als die Analyse grosser Mengen digitaler Daten verstanden, welche sich ständig verändern und dabei interner und externer, finanzieller und nicht-finanzieller, historischer und aktueller, strukturierter und nicht-strukturierter Art sein können. Hierbei liegt ein Schwerpunkt für die Anwendung von Business Analytics in Unternehmen regelmässig auf der Datenverfügbarkeit und den Algorithmen zur Gewinnung von Nachweisen, Mustern und Evidenzen mit dem Ziel, betriebliche Problemstellungen zu erkennen und zugehörige Lösungen zu erarbeiten (Seiter, 2017, S. 18).

Im Rahmen solcher Analysekonzepte wird zwischen Descriptive, Predictive und Prescriptive Analytics unterschieden:

  • Descriptive Analytics bezeichnet eine vorwiegend vergangenheitsbezogene Analyse und Auswertung von Daten auf der Basis von zumeist einfachen deskriptiven statistischen Methoden.
  • Diagnostic Analytics ermittelt ergänzend zur descriptive Analytics zusätzlich die Ursachen für eine bestimmte Entwicklung der vergangenheitsbezogenen Daten.
  • Predictive Analytics beabsichtigt im Unterschied dazu Aussagen über die zukünftige Entwicklung auf der Basis von Zeitreihen- oder Klassifikationsanalysen. So kann beispielsweise eine Prognose zum Kundenverhalten oder eine Absatzprognose basierend auf zuvor ermittelten Trends erfolgen.
  • Prescriptive Analytics gibt schliesslich Handlungsempfehlungen für eine optimale Reaktion bzw. Entscheidung hinsichtlich zukünftiger Ereignisse.

Digitalisierung verändert den Finanzbereich

Die digitale Transformation ist die Folge eines verändertes Nutzer-, Kauf- und Kundenverhaltens und zwingt auch die Unternehmen der Treuhandbranche zu Anpassungen, die nicht nur die Neuausrichtung der Kundenkommunikation und -interaktion, sondern das gesamte Geschäftsmodell betreffen.

Die zusätzliche Digitalisierung der Geschäftsprozesse, die Weiterentwicklung unterschiedlicher Informationssysteme und die Möglichkeit zu mobilen und/oder cloudbasierten Lösungen und Diensten gemäss dem Konzept des SaaS geht mit einem enormen Anstieg des Datenvolumens einher. Dies wiederum löst im Kontext von Big Date Fragen nach der Sicherheit und Qualität von vielfältigen Daten aus, deren Erhebung, Speicherung, Verarbeitung und Nutzung durch eine breite Anzahl von Kanälen beherrscht werden will.

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