10.01.2018

Kapitalbindungsplan: Teilaufgabe des Finanzmanagements

Eine der Kernaufgaben des betrieblichen Finanzmanagements bildet die Finanzplanung, damit wird die Liquidität einer Unternehmung sichergestellt. Deren Aufrechterhaltung stellt stets eine zentrale Zielsetzung und zugleich eine Existenzbedingung dar. Dazu benötigt man einen Kapitalbindungsplan.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Kapitalbindungsplan

Der Hintergrund des Kapitalbindungsplan

Vor dem Hintergrund des Ziels der Liquiditätssicherung übernimmt die Finanzplanung die Aufgabe, die Abstimmung der Ein- und Auszahlungen kurz-, mittel- und langfristig zu sichern. Da hierbei zukünftig erwartete Zahlungsströme noch prognostiziert werden müssen ist die Einbeziehung der Finanzplanung in die leistungswirtschaftliche Gesamtplanung erforderlich, weil vor allem aus dem Absatz-, Fertigungs- und Beschaffungsplan der Unternehmung massgebliche Vorgaben für die Finanzplanung resultieren.

Kapitalbindungsplan als Form der Finanzplanungsrechnung

Aus kurz- bis mittelfristiger Sicht befasst sich die Finanzplanung mit einem Planungszeitraum, welcher in Grossunternehmen vom Tagesfinanzstatus bis zu einem Jahr reicht. Auch aus der Perspektive der Planungshäufigkeit kann die Finanzplanung täglich erfolgen oder, wie vor allem in KMU verbreitet, in einem monatlichen Planungsrhythmus. Diese unterschiedlichen Erscheinungsformen der kurz- bis mittelfristigen Finanzplanung werden ergänzt durch die stets langfristige Kapitalbindungsplanung, die regelmässig einen Zeitraum von mehr als einem Jahr bis hin zu mehreren Jahren umfassen kann und wenigstens im jährlichen Rhythmus wiederholt wird.

Mit der Kapitalbindungsplanung sollen die finanziellen Auswirkungen von langfristigen unternehmenspolitischen (Investitions-)Entscheidungen sichtbar gemacht werden. Dazu zeigt der Kapitalbindungsplan einerseits die geplanten Investitionen, aus denen ein Kapitalbedarf resultiert. Andererseits wird im Kapitalbindungsplan auch die Finanzierung dieses Kapitalbedarfs des nächsten Jahres sowie gegebenenfalls der Folgejahre einbezogen, so dass im Ergebnis die Zusammensetzung der geplanten, mittel- bis langfristigen Ein- und Auszahlungen transparent wird, die es anschliessend zu gestalten gilt.

Beispiel für einen Kapitalbindungsplan

Vorhaben                                                                                     Investitionssumme

Kapitalbedarf 2014
a) Kapitalbindende Auszahlungen (Investitionen)
Beteiligungserwerb
Renovierung Wellness-Bereich
Neuer Internetauftritt
Werbekampagne

        

               2'250'000
                  900'000
                  350'000
                  180'000

Zwischensumme

               3'680'000

b) Kapitalentziehende Auszahlungen (Definanzierung)
Darlehenstilgung
Zinszahlungen
Steuerzahlungen
Gewinnausschüttung


  
      140'000
        15'000
        29'000
        51'000
Zwischensumme       235'000
Total Kapitalbedarf    3'915'000

Kapitalbedarfsdeckung 2014
a) Innenfinanzierung: Kapitalzuführende Einzahlungen

Leistungsbereich:
Einzahlungen Hotelbetrieb
Einzahlungen Restaurant
Einzahlungen Wellness-Bereich

Finanzbereich:
Zinserträge aus Kapitalanlagen
Verkauf Wertpapiere

 

 

   2'065'000
   1'150'000
      214'000    

   
       58'000
     139'000

Zwischensumme  3'626'000

b) Aussenfinanzierung: Kapitalzuführende Einzahlungen
Beteiligungsfinanzierung
Kreditfinanzierung


 
     82'000
   207'000
Zwischensumme    289'000
Total Kapitalbedarfsdeckung 3'915'000


Die Erweiterung des Kapitalbindungsplan auf einen mehrjährigen Planungszeitraum stellt durch das Einfügen weiterer Spalten keine grosse Mühe dar. Wesentlich ist, dass Kapitalbedarf und Kapitalbedarfsdeckung sich ausgleichen müssen, wobei ein nicht gedeckter Kapitalbedarf (d.h. eine Unterfinanzierung im Hinblick auf den Kapitalbedarf) in der betrieblichen Praxis häufig durch die Erweiterung der Kreditfinanzierung erfolgt, die dann allerdings wieder kapitalentziehende Konsequenzen durch erhöhte Zinszahlungen zur Wirkung hat.

Fazit

Im Kapitalbindungsplan wird die zukünftige Zusammensetzung aller Ein- und Auszahlungsströme abgebildet, so dass für das Finanzmanagement allfälliger Handlungsbedarf erkennbar wird und gegebenenfalls notwendige strukturelle Finanzierungsmassnahmen entschieden werden können. Mit einem Kapitalbindungsplan wird der Finanzbereich regelmässig mit dem Leistungsbereich verbunden. Als Planungsinstrument besitzt er den Vorteil, dass die finanziellen Auswirkungen von Managemententscheidungen (z.B. Durchführung oder Verzicht auf Investitionen) transparent gemacht werden und zugleich alternative Entscheidungen der Kapitalbedarfsdeckung in ihrer Konsequenz abgebildet werden können.        

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