27.06.2014

Crowdfunding: Neues symbiotisches Finanzierungsphänomen im Internet-Zeitalter

Unter dem Begriff Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) findet in jüngster Zeit ein neues Finanzierungskonzept Einzug in das Spektrum der Finanzierungsarten, welches seine Wurzeln in den USA hat und im Kontext des Internets erst möglich wurde.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Crowdfunding

Das Ziel des Crowdfunding ist allerdings weit weniger spektakulär: die Gewinnung zahlreicher Geldgeber für ein spezifisches Vorhaben (funding). Im Unterschied zu traditionellen Finanzierungskonzepten für Gründer und Kleinunternehmen, die auf Eigenfinanzierung oder Kreditfinanzierung beruhen, wird beim Crowdfunding versucht, über einen informellen, öffentlichen Aufruf im Internet bzw. unter Nutzung von Social Media eine möglichst grosse Menge unbestimmter Personen (crowd) entweder ohne oder mit monetärer Gegenleistung als Geldgeber einzuwerben. Crowdfunding kann daher als eine besondere Form der Mikrofinanzierung verstanden werden, die durch die Nutzung von Online-Portalen, Social Media-Plattformen bzw. -Netzwerken erst ermöglicht wird. Ziel ist es somit durch eine Vielzahl von Kleinbeträgen aus einer Online-Community (verstanden als virtuelle Gemeinschaft) ein bestimmtes Vorhaben zu realisieren, weshalb in kurzer Zeit zahlreiche Crowdfunding-Plattformen weltweit entstanden sind.

Fünf Arten von Crowdfunding

Grundsätzlich kann Crowdfunding viele Formen annehmen, die sich an den klassischen Finanzierungsarten orientieren. Die folgenden fünf Arten von Crowdfunding lassen sich unterscheiden (Hemer, J./Schneider, U./Dornbusch, F./Frey, S.):

  • Reine Spenden oder Zuwendungen ohne Gegenleistungspflicht, aber unter Umständen in Verbindung mit Prämien oder lediglich einer Anerkennung (Crowddonating).
  • Sponsoring mit einer festen, vereinbarten Gegenleistung, die allerdings häufig nicht-monetärer Art ist oder auch in Form einer Vorauszahlung (pre-selling) mit Anspruch auf prioritäre Lieferung eines Produkts oder einer Dienstleistung (Crowdsponsoring).
  • Kredite diverser Ausprägungen mit Gegenleistung in Form von Zinsen oder sogar zinsfrei, wobei häufig soziale Motive im Vordergrund stehen (Crowdlending).
  • Equity als gesellschaftliche Beteiligung am Eigenkapital eines Start-up-Unternehmens (Crowdinvesting).

Finanzierung durch Crowdfunding

An der Finanzierung durch Crowdfunding beteiligen sich folgende Arten von Akteuren:

  • Geld- oder Kapitalgeber als Investoren eines Projekts in Form von Einzelpersonen oder auch Organisationen (z.B. Unternehmen, Verbände, politische Akteure, öffentliche Einrichtungen u.a.).
  • Intermediäre und (Internet-)Plattformen, welche als Dienstleister für die Kapitalempfänger auftreten und sich als Makler, treuhänderische Sammler, Verteiler oder als Werbemittler sehen.
  • kapitalsuchende Vorhaben wie Künstlerprojekte, Start-ups oder Projekte gemeinnütziger Organisationen.
  • Stakeholder oder Gesellschafter mit Interesse an der Entwicklung eines zu finanzierenden Projekts wie z.B. NGOs, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, Politik, Förderagenturen usw.  

Ein (ideal)typischer Crowdfunding-Prozess durchläuft die drei folgenden Phasen (n. Kaltenbeck, J.: Crowdfunding und Social Payments im Anwendungskontext von Open Educational Resources):

  1. Planung und Veröffentlichung eines Projektes einschliesslich Planung der Projektziele, Analyse der Zielgruppe und Entscheidung für eine Crowdfunding-Plattform. Hierbei werden konkret das Ziel-Budget des Projektes, eine Frist bis zu deren Ende die erforderliche Geldsumme zusammenkommen muss, sowie allfällige Gegenleistungen für die übermittelte Unterstützung definiert.
  2. Werbung mittels Social Media und Warten auf das Ende der Zeichnungsfrist, wobei der Initiator des Projekts den Verlauf der Crowdfunding-Kampagne mitverfolgen kann. Entscheidend für den Erfolg dieser Phase ist die Fähigkeit zur Mobilisierung von potentiellen Unterstützern für das eigene Projekt.
  3. Kommunikation mit Unterstützern, Abwicklung und Nachbereitung der Crowdfunding - Massnahme, wobei beim Crowdfunding nur zählt, innerhalb der definierten Frist gemäss dem Alles-oder-Nichts-Prinzip die erforderliche Geldsumme in voller Höhe zugesprochen zu bekommen. Daher werden bei einem Scheitern der Finanzierung auch die zugesprochenen Unterstützungen rückgängig gemacht. Anderenfalls werden die versprochenen finanziellen Unterstützungsleistungen eingefordert, das Projekt plangemäss umgesetzt und allfällige Gegenleistungen erbracht.

Optimale Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle

Eine zentrale Herausforderung besteht somit in der optimalen Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle des Crowdfunding-Prozesses. Eine unangemessen hohe Budgetziel-Festlegung kann dabei genauso zum Projekt-Killer werden, wie die ungenügende Verbreitung über falsche Kanäle bzw. eine nicht zum Projekt passende Zielgruppe.  

So ist die Kommunikation über Social Media zwar weitaus kostengünstiger als über traditionelle Kanäle, doch birgt die Nutzung auch Risiken, die bis zum Imageschaden und Kontrollverlust im Falle eines Shitstorms führen können.

Fazit

Der momentane Hype über das Crowdfunding wird zwar sicher noch einige Zeit anhalten, aber wohl nichts daran ändern, dass diese Finanzierungsart nur für eine kleine Zielgruppe eine Alternative darstellen kann. Für die Finanzierung in der Seed-Phase von Existenzgründungen oder der Finanzierung von Projekten, bei denen kleinere Kapitalbeträge bereits Wirkung auslösen, mag Crowdfunding von Interesse sein. Insofern lässt sich hierin auch eine Alternative zu den bisher von Existenzgründern gesuchten Kapitalgebern - vor allem Family, Friends and Fools - erkennen. Eine wirkliche Konkurrenz für die bekannten Gründungsfinanzierer wie Venture Capital Geber, Business Angels oder Banken, die häufiger erst nach der Früh- bzw. Startphase zum Zuge kommen, wird hierdurch jedoch kaum entstehen.  

Dennoch ist Crowdfunding kein völlig neues Phänomen, denn bereits 1996 kam man für die Finanzierung des Centennial Olympic Park in Atlanta/USA anlässlich der Olympischen Spiele auf die Idee, notwendige Geldmittel durch den Verkauf von 800'000 gravierten Pflastersteinen an private Personen einzusammeln, die anschliessend als Gehwegmaterial innerhalb des Parks verwendet wurden. Allerdings erlaubt heute das Internet und die Social Media eine schnelle, kostengünstige und unkomplizierte Koordination und Umsetzung von Crowdfunding-Massnahmen. Insofern zeigt sich hierbei ein geradezu symbiotisches Verhältnis von Social Media und Finanzierung, denen ansonsten nur wenige Gemeinsamkeiten nachgesagt werden.

Literaturhinweise: Hemer, J./Schneider, U./Dornbusch, F./Frey, S.: Crowdfunding und andere Formen informeller Mikrofinanzierung in der Projekt- und Innovationsfinanzierung.

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