18.06.2014

Eigenkapital: Eigen- oder Fremdkapital?

Am 31. März 2012 hat das Medtech-Unternehmen Ypsomed sein Geschäftsjahr abgeschlossen – die Öffentlichkeit wurde über die zum Teil wenig überzeugenden Jahreszahlen informiert. Aus Sicht von Accounting und Controlling sind dabei die Rechnungslegung, von besonderem Interesse:

Von: Prof. Dr. Marco Passardi   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Marco Passardi

Prof. Dr. oec. publ. Marco Passardi ist seit 1.9.2012 vollamtlicher Professor für Accounting an der Hochschule Luzern, Institut für Finanzdienstleistungen IFZ, Zug. Davor war er von 2006 bis 2012 an der ZHAW als Professor tätig. Seine Forschungs- und Beratungsschwerpunkte liegen im Kontext der Buchführung und Rechnungslegung nach OR, Swiss GAAP FER und IFRS. Marco Passardi ist Lehrbeauftragter der Universitäten Zürich und Neuchâtel sowie Mitglied der Core Faculty von EXPERTsuisse. Er wirkt zudem als Dozent und Gutachter für diverse Organisationen und Institutionen aus dem Wirtschafts- und Finanzbereich. Sein fachliches Studium absolvierte er an der Universität Zürich, wo er 2003 mit einer Arbeit über das kommunale Rechnungswesen promovierte. Ebenso erwarb er dort 2002 einen Master of Advanced Studies in Secondary and Higher Education. 2017 wurde Marco Passardi von der University of Melbourne, Australien, als Visiting Professor eingeladen.

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Eigenkapital

Da wäre zum Ersten der Umstand, dass die Rechnungslegung auf Swiss GAAP FER umgestellt wurde und somit in der Schweiz ein weiterer IFRS-Anwender den pragmatischen Entscheid gefällt hat, seine Rechnungslegung zu de-formalisieren und trotzdem aussagekräftig zu belassen. Zweitens erfolgte die erneute Ausschüttung einer beim Empfänger nicht der Einkommenssteuer unterliegenden Rückzahlung von Agio-Reserven. Und drittens müssen wir feststellen, dass Ypsomed – trotz einem Eigenfinanzierungsgrad von ca. 70% – sich zusätzliches Kapital in Form von Eigenkapital beschaffen will.

Welche Parameter führen eigentlich zum Entscheid einer Kapitalaufnahme?

Unternehmen, welche investieren und somit auch wachsen wollen, benötigen Kapital. Bis zu einem gewissen Grad können und müssen sie sich dieses selbst beschaffen, indem sie aus dem Tagesgeschäft Einnahmeüberschüsse generieren, einen sogenannten Cashflow erzielen. Diese auch als Innenfinanzierung bezeichnete Mittelbeschaffung reicht jedoch nicht in jedem Fall aus, um ein Unternehmen ausreichend mit Kapital zu versorgen, v.a. dann nicht, wenn grössere Projekte anstehen und ein erhöhtes Mittelvolumen benötigt wird.  

In den kapitalismusfreundlicheren Zeiten des Shareholder Value-Denkens war Eigenkapital schon nahezu verpönt – wollte doch eine zweistellige Eigenkapitalrendite, möglichst über 20%, gezeigt werden können. Mit Hilfe des Leverage Effekts wurde daher versucht, durch Fremdkapitalzufuhr die Rendite auf Eigenkapital nach oben zu heben, d.h. zu leveragen.

Risiko hin oder her – solange die Gesamtkapitalrendite, der Return on Investment, höher als der Zinsfuss für die Schulden war, lief das gut. In Krisenzeiten, aber auch in Phasen des höheren Bedarfs von Eigenkapital, führte dieses Konzept jedoch zu existentiellen Problemen.  

In der heutigen Zeit wird deshalb einer fundierten Eigenfinanzierung wieder verstärkt ein hohes Gewicht beigemessen. Unternehmen, welche sich durch Eigenkapital finanzieren, überzeugen im Wesentlichen durch folgende drei Umstände:

Erstens zeugt es von einer hohen Stärke, wenn sich risikobereite Investoren am Markt finden lassen. Zweitens ist Eigenkapital zwar finanztheoretisch teurer als Fremdkapital, unterliegt aber keiner Zinszahlungspflicht und ist deshalb besser geeignet, eine von der Performance abhängige Entschädigung für die Kapitalgeber zu leisten. Und drittens erhöht sich so die Krisenresistenz und damit auch die Stabilität der Volkswirtschaft insgesamt.

Zum Schluss hier noch ein abschliessender Hinweis zum Kapital

Bestehende Aktionäre, im Fall von Ypsomed v.a. die Familie Michel mit über 75% der Stimmrechte, haben bei Kapitalerhöhungen häufig mit einer Kapitalverwässerung zu kämpfen. Diese tritt auf, wenn der Bezugspreis der neuen Aktien unterhalb des aktuellen Kurses liegt.  

Im Schweizer Umfeld wird diese Differenz durch die Gewährung eines Bezugsrechtes ausgeglichen. Der Verzicht darauf war früher im Kontext von Management-Beteiligungsprogrammen durchaus üblich, wird heute aber zunehmend skeptisch beurteilt, wie unlängst auch die UBS an der Jahresgeneralversammlung feststellen musste.

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