19.12.2018

KMU-Übernahme: Drei Pfeiler zur richtigen Finanzierung

Unternehmensübernahmen sind gerade für KMU ein wichtiges Thema. Oft geht es dabei um Nachfolgelösungen für Unternehmer, die ihr Lebenswerk in die Hände der nächsten Generation legen. Prinzipiell ist die Übernahme-Finanzierung von KMU eine Herausforderung für die Käuferseite. Allerdings soll und muss der Verkäufer daran ebenfalls grosses Interesse haben: Soll, weil es für seine Pläne wichtig ist, dass die Finanzierung überhaupt zu Stande kommt. Muss, weil oft ein fachlich fähiger Nachfolger bereitsteht, dem aber die Mittel fehlen, den gesamten Kaufpreis aufzubringen.

Von: Alwin Meyer  DruckenTeilen 

Alwin Meyer

Alwin Meyer führte eine Geschäftseinheit in einer global tätigen Softwarefirma spezialisiert auf die Entwicklung und Einführung von Standardsoftware für das finanzielle Risikomanagement in Finanzinstituten. Danach gründete er mit zwei Kollegen zusammen die Firma swisspeers. Alwin Meyer hat an der Universität St.Gallen Banking studiert.

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KMU-Übernahme

Vor diesem Hintergrund geben wir hier eine kurze Auslegeordnung der möglichen Finanzierungsformen für die Unternehmensübernahme.

Eigenkapital – wem gehört was bei Übernahmen

Das Eigenkapital ist Kapital mit Eigentumsrechten (Stimm-/Dividendenrechte) an der Firma selbst. Im Gegenzug zu den Rechten trägt es das unternehmerische Risiko. Typischerweise können folgende Eigenkapitalquellen angegangen werden:

  1. Eigenes Geld des Käufers: Ersparnisse, Erbschaften und ggf. die Pensionskasse.
  2. Eigene Mittel von Familie und Freunden des Käufers.
  3. Der Verkäufer behält zunächst einen Teil des Eigenkapitals (Aktien/Anteilsscheine). Zusammen mit dem Käufer wird ein Plan für die schrittweise Übernahme dieser Anteile ausgearbeitet („Earn Out“-Modelle).
  4. Eigenkapital von Dritten wie Business Angels, Crowdinvesting Plattformen oder Private Equity Firmen. Beispiele für Crowdinvesting Plattformen sind investiere.ch oder c-crowd.com.

Mezzanine Kapital – hybride Finanzierungsform

Mezzanine Kapital stellt eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital dar. Es gibt dabei Ausgestaltungsoptionen, die Firmenkäufer und Kapitalgeber individuell vereinbaren können (z.B. Wandlungsrechte in Eigenkapital). Je nach Ausgestaltung nimmt Mezzanine-Kapital eher den Charakter von Fremd- oder Eigenkapital an und wird oft genutzt, um Finanzierungslücken zwischen Eigen- und Fremdkapital zu schliessen. Typische Möglichkeiten zur Mezzanine-Finanzierung:

  1. Spezialisierte Fondsgesellschaften bieten Mezzanine-Kapital als Eigenkapitalersatz an. In der Schweiz sind das beispielsweise Helvetica Capital oder Tavis Capital.
  2. Verkäuferdarlehen: Hierbei gewährt der Verkäufer der Firma dem Käufer einen Teil des Verkaufspreises als rückzahlbaren Kredit. Diese Kredite sind meist nachrangig gegenüber anderen Darlehen & Krediten und werden daher oft zum Eigenkapital gezählt.

Für die Strukturierung einer KMU-Übernahme ist es lohnenswert, den Austausch mit erfahrenen Persönlichkeiten zu suchen. Es gibt zahlreiche Berater oder Treuhänder, die Übernahmen strukturieren und individuell passende Finanzierungen entwickeln. Swisspeers kann bei Bedarf mit Kontakten zu diesen Profis aushelfen.

Darlehen und Kredite – von der Bank oder der Crowd

Ein gewisser Anteil des Übernahmepreises kann mit Darlehen und Krediten finanziert werden. Das ist rückzahlbares Kapital und wird gegen Zinszahlungen zur Verfügung gestellt. Die Höhe des Anteils der Fremdkapitalfinanzierung ist stark branchenabhängig. Mögliche Quellen sind:

  1. Bankkredit: Banken gewähren im allgemeinen Kredite in Höhe von bis zu 50 Prozent des Kaufpreises. Dafür sind jedoch Sicherheiten wie Immobilien oder Firmenanteile zu verpfänden oder es muss eine Bürgschaft gestellt werden.
  2. KMU-Crowdlending: Eine private und/oder institutionelle Investorenschaft gewährt ein amortisierendes Darlehen über eine Online Plattform. Zumeist können so bis zu 70 Prozent des Kaufpreises direkt und ohne Bank finanziert werden.

Immer mehr Schweizer KMU gehen diesen neuen Weg, wenn es um Finanzierung und Kredite unter einer Million geht. Im Austausch für Transparenz liefert die Crowdlending-Community einen starken Werbeeffekt. Des Weiteren ermöglicht sie es auch KMU ohne finanzstarke «Family & Friends-Gemeinde», Fremdkapital aufzunehmen. Folgende drei weitere Vorteile im Zusammenhang mit Crowdlending sollten Entscheider bei der KMU-Finanzierung beachten:

Schweizer KMU senken Abhängigkeit von dominanten Kreditgebern

Rund ein Viertel der Schweizer KMU hat heute mehr als eine Kreditquelle. Damit reduzieren sie die Abhängigkeit von den einzelnen Kreditgebern. Doch gut drei Viertel der KMU haben nur eine einzige Kreditbeziehung– meist die zur Hausbank. Diese hat umfassenden Einblick ins Unternehmen und die Finanzierungsentscheidungen nehmen prägenden Einfluss auf das KMU. Je stärker ein Unternehmen auf einen einzigen Finanzierungsgeber angewiesen ist, umso grösser ist die Abhängigkeit von dessen Befindlichkeit. Ein Kredit suchendes KMU sollte gut abwägen, welchen Wert die eigene Unabhängigkeit in diesem Kontext hat. Bei der KMU-Finanzierung gibt es heute Alternativen zu Banken. Das Crowdlending ermöglicht KMU die Kreditaufnahme direkt von Kapitalanlegern ohne Finanzintermediär. KMU können ihre Kreditquellen diversifizieren und reduzieren die Abhängigkeit von ihren einzelnen Geldgebern. Ein markanter Teil der Schweizer KMU vermeidet bei Krediten und Kontobeziehungen die Abhängigkeit von nur einem Partner. (Quelle: SECO Studie zur Finanzierung der KMU in der Schweiz 2016, Seite 18)

Effizienter Zugang zu kleineren KMU-Krediten

Schweizer KMU fragen häufig vergleichsweise geringe Kreditbeträge nach. So sind 33 Prozent der KMU-Finanzierungen Kredite unter 100‘000 Franken und weitere 41 Prozent der KMU suchen zwischen 100‘000 und einer Million Franken. Die Zahlen beinhalten alle Kreditarten. Vor allem bei geringeren Kreditbeträgen ohne die Stellung banküblicher Sicherheiten sind Crowdlending-Plattformen im Vorteil. Sie sind auf tiefe Prozesskosten optimiert und können diese KMU-Finanzierung rasch und effizient bereitstellen. So können KMU auch kleinere Investitionsprojekte effizient finanzieren und abwickeln. Ein Drittel der Schweizer KMU sucht Kredite unter 100‘000 Franken, nur ein Viertel will mehr als eine Million. (Quelle: SECO Studie zur KMU-Finanzierung in der Schweiz 2016, Seite 38)

Immer weniger unbesicherte Bankkredite für KMU

Es gibt immer weniger unbesicherte Geschäftskredite für Schweizer KMU. Deren Volumen ist in den vergangenen acht Jahren von 72 auf noch 40 Milliarden Franken gesunken, wie aus einer Statistik der SNB hervorgeht. Banken als Hauptkreditgeber tragen dadurch weniger Risiken. Für Schweizer KMU wird so die Finanzierung für ihre Wachstumsprojekte schwieriger. Sie sind zunehmend auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen. Crowdlending hat das Potenzial, diese Lücke in der KMU-Finanzierung der Schweiz zu verkleinern.

Die genannten Vorteile stellen mitunter Gründe dar, weshalb Crowdlending – neben Eigenkapital und Mezzanine Kapital – mehr und mehr als Finanzierungsform für Unternehmensübernahmen verwendet wird. Die Unabhängigkeit von dominanten Kreditgebern, der effiziente Zugang und die strengen Anforderungen der Banken machen Crowdlending-Finanzierungen lukrativer für Schweizer KMU.

Um mehr über das Thema Crowdlending bei swisspeers zu erfahren, besuchen Sie unsere Webseite: www.swisspeers.ch

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