19.07.2017

Mitarbeiterbeteiligungsplan: Ein mögliches Instrument zur Regelung der Unternehmensnachfolge

Zahlreiche KMU in der Schweiz müssen in den kommenden Jahren ihre Nachfolge regeln. Wie verschiedene Studien zeigen, wird ein Grossteil dieser Unternehmen nicht innerhalb der Familie, sondern an Dritte (bestehendes Management oder von aussen in das Unternehmen eintretende Führungspersonen) weitergegeben. Dabei stellt insbesondere die Finanzierung der Unternehmensnachfolge in der Praxis häufig eine grosse Herausforderung dar.

Von: Reto Arnold   Drucken Teilen   Kommentieren  

Reto Arnold

Reto Arnold, lic. oec. HSG, dipl. Steuerexperte, DAS in Mehrwertsteuer FH, dipl. Finanzanalytiker und Vermögensverwalter, CIIA®. Er ist seit mehr als 15 Jahren in der Steuerberatung tätig und Partner der G+S Treuhand AG in Bern. Zuvor war er für internationale Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen sowie eine der grössten Wirtschaftsanwaltskanzleien in der Schweiz tätig.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Mitarbeiterbeteiligungsplan

Mitarbeiterbeteiligungsplan – Eine Einführung könnte die Probleme erleichtern

Durch die Einführung eines Mitarbeiterbeteiligungsplans kann diese Problematik je nach Konstellation erheblich entschärft und damit die Unternehmensnachfolge erleichtert werden.

 

Problemstellung

Anlässlich des Verkaufs des Unternehmens möchte der verkaufende Aktionär sein Unternehmen i.d.R. zum bestmöglichen Verkaufspreis an die Nachfolger veräussern. Vielfach stellt sich dabei jedoch das Problem, dass die Nachfolger die Finanzierung des Unternehmenskaufs nur schwer bewerkstelligen können oder dass im Extremfall der Erwerb des Unternehmens gar nicht finanziert werden kann und folglich eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge nicht möglich ist.

Die Finanzierung des Kaufpreises durch die Nachfolger erfordert im Ergebnis entsprechende Bezüge in Form von Lohn oder Dividenden, da sich eine Investition längerfristig grundsätzlich stets selber finanzieren muss, d.h., die Nachfolger müssen den Kaufpreis – über kurz oder lang – mittels Bezügen aus dem erworbenen Unternehmen finanzieren. Beide Arten von Bezügen führen beim Empfänger jedoch zu steuerbarem Einkommen.

Lösungsmöglichkeit

Um die Problematik der Finanzierung der Unternehmensnachfolge zu entschärfen, sollte daher im konkreten Einzelfall geprüft werden, ob eine Unternehmensnachfolge mittels eines Beteiligungsplans durchgeführt werden kann. Diese Möglichkeit kann bzw. sollte insbesondere dann in Betracht gezogen werden, wenn die Unternehmensnachfolge schrittweise über eine bestimmte Zeitperiode erfolgt oder wenn mehrere Mitarbeiter das Unternehmen übernehmen und weiterführen.

Sofern die Unternehmensnachfolge über einen Mitarbeiterbeteiligungsplan geregelt werden kann, der auch von den Steuerbehörden anerkannt wird, und die Mitarbeiteraktien mit möglichst langen Sperrfristen versehen werden, ist es möglich, den für Steuerzwecke relevanten Verkehrswert des Unternehmens signifikant zu reduzieren, d.h., die Unternehmensnachfolger können das Unternehmen zu einem reduzierten Verkehrswert erwerben, ohne dass dabei der verkaufende Aktionär einen Mindererlös erzielt. Bei einer maximal möglichen Sperrfrist von 10 Jahren kann der steuerlich massgebende Verkehrswert um bis zu 44% reduziert werden (Diskont), ohne dass daraus für die erwerbenden Nachfolger Steuerfolgen ausgelöst werden. Der reduzierte Verkehrswert erleichtert selbstredend die Finanzierung des Unternehmenserwerbs erheblich; es müssen weniger Fremd- und Eigenmittel investiert werden, und im Ergebnis können die erwerbenden Nachfolger ihre Bezüge und damit auch ihr steuerbares Einkommen für die Finanzierung des Kaufpreises reduzieren. Als zusätzlicher Nebeneffekt reduziert sich zudem das steuerbare Vermögen und folglich die Vermögenssteuerbelastung bei den Nachfolgern.

Da der verkaufende Aktionär seine Aktien vorgängig zum Verkehrswert an das Unternehmen veräussert, wirkt sich der reduzierte Verkehrswert infolge der mit einer Sperrfrist ausgestalteten Mitarbeiteraktien für ihn nicht nachteilig aus, d.h., er erzielt den vollen Verkehrswert.

Beim betroffenen Unternehmen stellt die Differenz zwischen dem höheren Rückkaufspreis an die verkaufenden Aktionäre und dem tieferen Verkaufspreis an die Nachfolger zudem Personalaufwand dar, der den steuerbaren Gewinn reduziert.

Fazit

Sofern die Unternehmensnachfolge mittels eines Mitarbeiterbeteiligungsplans abgewickelt werden kann, erleichtert dies die Finanzierung der Nachfolge erheblich und es können wesentliche Steuervorteile genutzt werden. Mitarbeiterbeteiligungspläne kommen in erster Linie dann zum Einsatz, wenn eine Unternehmensnachfolge schrittweise vollzogen werden soll oder ein Unternehmen an das Management bzw. mehrere Nachfolger veräussert wird (im Rahmen eines Management Buy-Out oder eines Management Buy-In). Eine frühzeitige Planung und ein sorgfältiges Vorgehen, das mit den Steuerbehörden abzustimmen ist, sind dabei in jedem Fall unumgänglich.

Dieser Beitrag stammt aus dem Print-Newsletter Treuhand kompakt. Möchten Sie noch mehr spannende Themen aus dem Fachgebiet? Dann abonnieren Sie unseren Print-Newsletter Treuhand kompakt. 10x jährlich per Post zugeliefert!!!

Produkt-Empfehlungen

  • Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen

    Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen

    Steuertipps. Vorsorge- und Finanzplanung. Kostenoptimierungen.

    CHF 78.00

  • Musterverträge Treuhand

    Musterverträge Treuhand

    Die wichtigsten Mustervorlagen für den Treuhänder – laufend von Schweizer Fachanwälten geprüft und aktualisiert.

    Mehr Infos

  • Treuhand-Paket

    Treuhand-Paket

    Die Branchen-Lösung für Schweizer Treuhänder - neu inkl. WEKA-Mustervertragssammlung

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Treuhand-Update

    Neuerungen im Arbeitsrecht, Steuerrecht, BVG und bei den Sozialversicherungen

    Nächster Termin: 31. Oktober 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Steuerplanung für Unternehmen und Unternehmer I

    Unternehmenssteuerrisiken erkennen, eliminieren und Potenziale nutzen

    Nächster Termin: 21. November 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Steuerplanung für Unternehmen und Unternehmer II

    Optimierungspotenziale für Unternehmer nutzen

    Nächster Termin: 22. November 2017

    mehr Infos