21.03.2018

Unternehmensnachfolgen KMU: Wie verhält es sich mit den Zinsen?

Das Kapitalmarktklima ist günstig für Unternehmensnachfolgen von KMU. Aber wie lange noch? Sich heute schon mit der Nachfolge zu befassen, auch wenn die Zeit nicht drängt, kann sich lohnen.

Von: Stephan Illi, Christian Hafner   Drucken Teilen   Kommentieren  

Stephan Illi

Stephan Illi, lic. oec. HSG, ist CEO und Verwaltungsratspräsident der Consulta AG, Gesellschaft für Wirtschafts- und Unternehmensberatung in Rüti ZH.

 

 

Christian Hafner

Christian Hafner, MBA, ist Partner der Consulta AG, Gesellschaft für Wirtschafts- und Unternehmensberatung in Rüti ZH. Er begleitet als Consulta- Partner Unternehmensnachfolgen.

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Unternehmensnachfolgen KMU

Weiteres zu Unternehmensnachfolgen von KMU

Gemäss der Universität St. Gallen1 stehen rund 20% aller Unternehmen vor der Unternehmensnachfolge – ca. 70 000 Schweizer KMU in den nächsten fünf Jahren. Allerdings können 72% der Unternehmen keinen konkreten Zeitpunkt dafür nennen. Das ist bedauerlich, denn das Kapitalmarktklima könnte sich schon bald ändern. Zur Erinnerung: Im Januar 2015 sank der 10-jährige Kassazinssatz für Obligationen der Eidgenossenschaft erstmals unter null und ist seither nur sporadisch über die Nullgrenze zurückgekehrt.

Zinssatz, Unternehmenswert und Finanzierung

Die Höhe des Zinssatzniveaus hat eine zweifache Wirkung. Je höher der Zinssatz, desto tiefer der Unternehmenswert und desto teurer die Fremdfinanzierung für den Käufer.

Welche Methode zur Berechnung des Unternehmenswerts auch immer angewendet wird, es gibt keine, die nicht einen Teil des Werts mittels Kapitalisierung ermittelt. In der sogenannten Praktikermethode wird u.a. der ausgewiesene Reingewinn als Zähler verwendet, in der Ertragswertmethode der zukünftig nachhaltig erzielbare Reingewinn und in der DCF-Methode der operative Cashflow aus der Mittelfristplanung. Als Teiler kommt neben der Rendite für eine 10-jährige Bundesobligation zusätzlich ein Risikoaufschlag für Aktien zur Anwendung. Bei gleichbleibendem Risikosatz reduziert sich der rechnerische Unternehmenswert mit jeder Renditeerhöhung der Bundesobligation. Liegt der zukünftig nachhaltig erzielbare Reingewinn bei CHF 500 000.– und der Risikosatz bei 10%, ist das Unternehmen heute rechnerisch CFH 5 Mio. wert, da die Rendite der 10-jährigen Bundesobligation bei null liegt. Steigt die Rendite auf 2%, fällt der Unternehmenswert auf rund CHF 4,2 Mio.

Der Kapitalisierungssatz ist abhängig von verschiedenen Faktoren, welche der Tabelle 1 entnommen werden können.

In der Praxis gibt es kaum eine Transaktionsstrukturierung, die ohne Fremdfinanzierung auskommt. Das trifft auch auf familieninterne Transaktionen zu, da neben einer Bankfinanzierung vor allem vom Übergeber ein Verkäuferdarlehen gewährt wird. Denn oft ist es ratsamer, dass auf Schenkungen verzichtet wird und die familieninternen Firmennachfolgeregelungen mittels Verkauf über eine Käuferholding geregelt wird. Damit lassen sich Steuervorteile von über 10% des Firmenwerts realisieren. In der Regel gewähren Banken Kredite bis zu 60% oder fünf Jahresgewinnen. Nun könnte man argumentieren, dass bei höheren Zinsen weniger Fremdkapital benötigt wird, da der Unternehmenswert ja tiefer ist, was absolut sogar zu einer tieferen Zinsbelastung führen kann. Was dabei vergessen wird sind der Anlagenotstand und der Risikoappetit in langen Tiefzinsphasen. Wegen des Anlagenotstands sind die Bankbilanzen mit Passivgeldern überflutet. Wenn sie diese Gelder nicht ausleihen können oder anderweitig investieren, zahlen sie Negativzinsen. Das führt zu einer gestiegenen Risikobereitschaft der Kreditinstitute, was übrigens auch eines der Ziele des billigen Nationalbankgeldes ist. Sobald die Zinssätze wieder auf das historisch übliche Niveau zustreben, werden die Banken zurückhaltender in Kreditvergabe, respektive werden höhere oder schnellere Kreditamortisationen fordern.

Somit ist die Nachfolgeplanung vom zukünftigen Zinsniveau abhängig: sei es bei der Bewertung oder bei der Finanzierung. Das Timing spielt somit bei der Nachfolgeplanung eine wichtige Rolle.

Tabelle 1: Zusammensetzung Kapitalisierungszinssatz (www.nachfolge-navigator.ch)

Zinsprognosen

Wie jede Finanzmarktprognose hat auch die Zinssatzprognose ihre Tücken. Die allgemein gebräuchliche Schätzung beruht auf einer Analyse der Termingeschäfte. Wenn sich Parteien einigen, wie viel sie in Zukunft bereit sind, für eine gewisse Laufzeit an Zinsen zu zahlen, gibt das Auskunft über die Einschätzung der erwarteten Zinssatzveränderung. Gegenwärtig ergeben sich aus der Analyse dieser genannten Forward-Swapsätze zwei Aussagen: Erstens die Zinssätze für alle Laufzeiten steigen weiter an, und zweitens, die kurzen Laufzeiten schneller als die langen. Für den Drei-Monate-Libor-Satz wird erwartet, dass er die Nulllinie anfangs 2021 durchstösst. Auf diesen Zeitpunkt würde dann auch die 10-jährige Bundesobligation zwischen einem halben und einem ganzen Prozent verzinst werden.

Ende 2014 fiel der Zinssatz für 10-jährige Bundesobligationen wieder unter 0,5%, womit sich das Tiefzinsfenster zu öffnen begann. Heute steht es mit einem Zinssatz von – 0,2% sperrangelweit offen. Aber wie lange noch? Es wäre schade, wenn die gegenwärtige Anomalie des Kapitalmarkts von den Unternehmern für die Umsetzung ihrer Nachfolge nicht genutzt wird. Ob sich das Fenster über die kommenden vier Jahre tatsächlich schliesst, wissen wir nicht mit Bestimmtheit. Aber auch wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass man hätte warten können, besser als heute wird sich die Kapitalmarktsituation kaum darstellen.

Fussnote:
1 Universität St. Gallen: Herausforderung Generationenwechsel (2016).ch Generalversammlung.

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