18.01.2017

Working Capital Management: Schlafendes Kapital freilegen

In den letzten Jahren hat die Bewirtschaftung des betrieblichen Umlaufvermögens zunehmend an Bedeutung gewonnen. Ein effizientes Working Capital Management kann Liquidität freisetzen und schliesslich auch die Erfolgsrechnung positiv beeinflussen. Die aktive Steuerung des Umlaufvermögens zählt zu den Möglichkeiten, inneres Wachstum zu erzielen – im Vergleich zu Fusionen und Akquisitionen, die zum äusseren Wachstum einer Unternehmung beitragen.

Von: Stefan Hunziker, Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Stefan Hunziker, MScBA

Prof. Dr. Stefan Hunziker, Studium der Wirtschaftswissenschaften und Soziologie, Doktorat zum internen Kontrollsystem; Dozent und Studiengangleiter MAS/DAS Risk Management an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ; Dozent an der Schweizerischen Akademie für Wirtschaftsprüfung; Lehraufträge in den Bereichen Risikomanagement, interne Kontrollsysteme und Controlling; Verfasser von zahlreichen Büchern und Fachartikeln zu den Themen internes Kontrollsystem und Risikomanagement. Stefan Hunziker ist zudem Präsident der Swiss Enterprise Risk Management Association SwissERM.

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Working Capital Management

Bedeutung der Wichtigkeit von Working Capital Management

Gerade in Rezessionszeiten wird das Working Capital Management wieder wichtiger; in wirtschaftlich guten Zeiten wird das unspektakuläre und mit viel Arbeit verbundene innere Wachstum oft vernachlässigt. Je nach Unternehmensgrösse kann sich beispielsweise das Nettoumlaufvermögen (Debitoren, Kreditoren und Warenlager) in Millionenhöhe bewegen und erfordert deswegen eine optimale Bewirtschaftung. Gelingt es beispielsweise bei einem Umsatz von 50 Mio. CHF, das Nettoumlaufvermögen von 20 Prozent auf 10 Prozent zu senken, so werden 10 Mio. CHF inaktives Kapital für produktive Investitionen, verbesserte Liquidität oder Schuldenabbau freigelegt. Kürzlich durchgeführte Studien zeigen eine stetige Verkleinerung des Working Capital in amerikanischen und auch europäischen Unternehmen. Im Vergleich zum vorangegangenen Jahr resultiert ein Wert zwischen 3%-5% Verbesserung. Dies demonstriert die wachsende Bedeutung der Wichtigkeit von Working Capital Management, damit Unternehmen ihre strategischen Ziele besser erreichen.  

Working Capital

Das Working Capital berechnet sich aus der Differenz von Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ist dies Differenz positiv – dies sollte möglichst der Fall sein – heisst dies nicht anderes, als dass ein Anteil des Umlaufvermögens mit langfristig zur Verfügung stehendem Kapital finanziert wird. Das Working Capital soll im Idealfall ein Verhältnis von 2:1 zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigem Fremdkapital aufweisen. Dieses Verhältnis basiert auf der so genannten Bankers Rule, die aus einer Forderung amerikanischer Banken abgeleitet ist, nach der das Umlaufvermögen mindestens doppelt so gross sein soll wie das kurzfristige Fremdkapital.  

Im Falle eines negativen Working Capital reicht das Umlaufvermögen nicht aus, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten zum aktuellen Zeitpunkt decken zu können. Die Konsequenz daraus ist, dass Teile des Anlagevermögens nur kurzfristig finanziert sind und somit die so genannte goldene Bilanzregel nicht erfüllt wird. Die goldene Bilanzregel sagt nämlich aus, dass mindestens das Anlagevermögen mit langfristigem Eigenkapital (Bilanzregel im engeren Sinn) oder langfristigem Eigen- und Fremdkapital (Bilanzregel im weiteren Sinn) finanziert wird. Das Unternehmen kann somit bei einem negativen Working Capital rasch in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass zwar ein hohes Working Capital die Liquidität eines Unternehmens sichert, jedoch damit auch Kapital gebunden ist, dass für andere Zwecke verwendet werden kann. Das Working Capital zeigt somit ebenfalls das nicht ausgenutzte langfristige Finanzierungsvolumen an, da erkennbar wird, in welchem Umfang Anteile des kurzfristig freisetzbaren Umlaufvermögens mittel- bis langfristig finanziert sind. Somit ist dies ein Hinweis für die Expansionskraft des Unternehmens, denn das Working Capital stellt einen Fonds langfristig finanzierter Aktiva dar, die innerhalb eines Jahres liquidiert werden können. Diese Manövrierbeträge könnten daher zur Finanzierung des langfristigen Kapitalbedarfs eingesetzt werden. Zu beachten ist aber, dass das Working Capital lediglich eine statische Bilanzkennzahl darstellt. Zukünftige Einnahmen und Ausgaben, welche die Liquidität stark beeinflussen können, werden in dieser Kennzahl nicht abgebildet.  

Effektives Working Capital Management: Cheapest Source of Cash

Gerade in Zeiten hoher Nachfragevolatilität, sinkenden Margen, Kostendruck und Währungsinflation sowie sinkendem Konsumentenvertrauen sollten sich Unternehmen bewusst sein, welches die billigste Quelle von Liquidität darstellt: ein effektives Working Capital Management! Das eingefrorene Kapital kann für die Finanzierung bestehender Geschäftstätigkeiten als auch für neue, strategische Initiativen verwendet werden, um aus den Krisenzeiten mit Wettbewerbsvorteilen hervor zu gehen. Die folgenden Handlungsempfehlungen sollen Unternehmen als Anhaltspunkte dienen, nachhaltig ein effizientes Working Capital Management aufzubauen, um brach liegendes Kapital zu aktivieren:

  • Verbesserungen bezüglich Cash Flows müssen eine hohe strategische Priorität aufweisen. Das Top-Management muss sich der hohen Relevanz bewusst sein und unterstützend wirken.
  • Als Anreizsystem zur Verbesserung der Cash Flow Performance und des Working Capitals soll das Entschädigungssystem entsprechend angepasst werden. Damit verbunden ist die Forderung, dass Cash Flows zu einem Key Performance Indicator (KPI) im Unternehmen werden.
  • Verbesserungen im Debitorenmanagement, um hohe Schwankungen in den Debitorenausständen glätten zu können. Dies erfordert einerseits eine bessere Zusammenarbeit mit allen direkt involvierten Bereichen wie z.B. Marketing, Einkauf und Verkauf. Andererseits geht es auch um die Festlegung klarer Zahlungsfristen, vor allem auch bei Lastschriftverfahren, die für längere Perioden eingerichtet wurden. Ebenfalls von Bedeutung sind klare Regeln über die Verrechnung von Transportkosten. Verspätete Zahlungen oder Zahlungsausfälle sind gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten ein grosses Übel. Um dem entgegen zu wirken, müssen bei Neukunden Bonitätsprüfungen durchgeführt und bei bestehenden Kunden braucht es den professionellen Dialog, um die Kundenbeziehung nicht zu gefährden.
  • Entwicklung von effektiven Verkaufs- und Produktionsplänen, um eine optimale Bewirtschaftung der Lager zu ermöglichen. Je länger Ware am Lager bleibt, desto höher sind grundsätzlich die Kapital-, Lager- und Abschreibungskosten. Schlanke Lager, Sortimentsanalysen und die damit verbundene Kostenoptimierung ist eine Hauptaufgabe des Supply Chain Management Verbesserungen der Prognosequalitäten, um die Lagerbestände präziser einstellen zu können und den Lagerumschlag bei gleichzeitiger Sicherstellung von Service Levels zu erhöhen. Dies setzt eine enge Zusammenarbeit mit Abnehmern und Lieferanten voraus; insbesondere die Festlegung der Lieferrhythmen ist hierbei zentral.
  • Verbessertes Warenangebotsmanagement, um beispielsweise keine neuen Produkte einzuführen, für die keine Warenangebot-Managementstrategie vorliegt. Im heutigen Markt setzen viele Firmen auf neue Produkte, um Marktanteile beizubehalten und zu wachsen. Jedoch verursacht ein ungenügendes Warenangebotmanagement Unwirtschaftlichkeit in der Versorgungsmaterialkette.
  • Segmentierung von Kunden entsprechend deren Kundenwert und Risiko, um Ressourcen gezielt dort zu allozieren, wo maximale Verbesserungen hinsichtlich Cash Flows erreicht werden können. Dazu sollen Segmentierungstaktiken verwendet werden, um Kunden in ähnliche Gruppen aufzuspalten. Kriterien für solche Cluster können beispielsweise auf der Rentabilität, der Verkäufe, der Ausstandsgrösse, der überfälligen Schuld, der durchschnittlichen Bestellmenge und der Bestellfrequenz basieren. Je nach Cluster sollen verschiedene Strategien entwickelt werden – zum Beispiel sollten dort Managementkosten minimiert werden, die Kunden mit einer kleinen Marge verursachen.
  • Verbesserungen im Kreditorenmanagement. Ebenso bedeutungsvoll wie ein effizientes Debitorenmanagement sind Abmachungen mit den Lieferanten. Auch hier beginnt alles mit eindeutigen vertraglichen Abmachungen von Zahlungsbedingungen. Lieferantenkredite sind billiger und leichter zu erhalten als solche von Finanzinstituten. Auch Massnahmen bei Lieferverzögerungen, Mängeln oder Lieferunterbrüchen gehören zu den Instrumenten eines effizienten Cash Managements. Schliesslich sollen auch Abmachungen über kostspielige Vorauszahlungen gut ausgehandelt werden – oft sind solche überhöht oder schlicht nicht nötig.

Fazit

Ziel des Working Capital Management ist es, das Kapital möglichst effektiv und effizient einzusetzen. Prozesse, Verträge und Abmachungen sind so zu gestalten, dass möglichst wenig Kapital in Umlaufvermögen gebunden ist. Kunden sollen Rechnungen zum Zahlungsziel begleichen, Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten sollen eher spät ausgeglichen werden. Ebenfalls zentral ist die Bewirtschaftung des Warenlagers. Ein institutionalisiertes Supply Chain Management hilft, Entscheide über Sortimentsbreite und -tiefe, optimale Bestellmengen und Lagerbestände zu fällen. Der Nutzen eine effizienten Working Capital Management wird offensichtlich: Es steht mehr Geld für attraktive Investitionen und strategische Initiativen zur Verfügung und die Liquidität wird ebenfalls verbessert.

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