24.05.2017

Compliance: Wo steht ein Unternehmen mit Bezug auf Compliance?

Der vorliegende Artikel zeigt auf, wieso Compliance sinnvoll ist, was ein Unternehmen generell im Bereich Compliance pragmatisch vorkehren kann und es zu beachten gilt. Am Schluss besteht die Möglichkeit, mit dem Modell des Compliance-Würfels den Status der Compliance im eigenen Unternehmen zu überprüfen.

Von: Dr. iur. HSG, Christian Wind   Drucken Teilen   Kommentieren  

Rechtsanwalt, LL.M., EMBA IMD Dr. iur. HSG, Christian Wind

Rechtsanwalt, LL.M., EMBA IMD ist seit fünf Jahren Partner bei Bratschi Wiederkehr & Buob AG in Zürich. Er ist zertifizierter Auditor für Compliance-Management-Systeme nach ISO 19600 und ONR 192050 und Functional Partner für Corporate Secretary/Compliance am International Center for Corporate Governance der Universität St. Gallen.

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Compliance

Einleitung

Die in der Vergangenheit, d.h. vor rund 15 Jahren, noch angewandte Einzelfallbetrachtung und -behandlung von Compliance ist passé.

Das momentan eher reine Abstellen auf Prozesse, Tools, Kontrollen, Monitoring, Berichterstattung und (Aufbau- und Ablauf-) Dokumentation dank einer Vielzahl von neuen (Sektor-)Regulierungen, Vorgaben, Standards oder Empfehlungen scheinen nicht wirklich überall zu funktionieren. Man betrachte die fast unzähligen Beiträge in den nationalen und internationalen Medien über die mannigfaltigen Verfehlungen von verschiedensten Unternehmen, Verbänden oder Personen in den verschiedensten Bereichen von Wirtschaft, Sport, Wissenschaft und Politik.

Um eine nachhaltige Compliance im Unternehmen sicherzustellen, braucht es zum einen ein solides Fundament in Form eines für das Unternehmen angemessenen und massgeschneiderten Compliance-Management-Systems. Das Unternehmen, so die neusten Lehren aus der Verhaltensökonomie, muss zum anderen sicherstellen, dass die Personen in einer geeigneten und angemessenen Art und Weise die Möglichkeit haben, bei neuen Vorgaben (z.B. Werte, Verhaltenskodex, Richtlinien) mitzuwirken und dass Verfehlungen von einzelnen einem klaren und transparenten Konsequenzen-Management unterliegen, d.h. Massnahmen oder gar Sanktionen getroffen und zumindest intern klar kommuniziert werden. Bei den Personen muss bewusster und vermehrt darauf hingearbeitet werden, dass das Bewusstsein vorhanden ist, wie entscheidend Compliance zum Schutz des wichtigsten Gutes des Unternehmens, nämlich seiner Reputation, ist und die Personen müssen den unmissverständlichen Willen haben, ihren Beitrag zur Compliance im Unternehmen zu leisten und (selbst-)verantwortungsbewusst zu handeln.

Abschliessend sollte das Ganze durch eine (vor-)gelebte Compliance(Unternehmens)kultur aktiv auf allen Stufen geprägt und einverlangt werden, was eine langfristige Angelegenheit ist und einen permanenten Prozess und dauernde Einflussnahme erfordert.

Was ist Compliance?

Unter Compliance versteht man im schweizerischen Recht gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 Obligationenrecht (OR) die «Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen», resp. gemäss dem Rundschreiben 2008/24 der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) «das Einhalten von gesetzlichen, regulatorischen und internen Vorschriften sowie die Beachtung von marktüblichen Standards und Standesregeln.»

Ganz allgemein unterscheidet man folglich eine «externe» Compliance (Einhaltung von Gesetzen und regulatorischen Standards) und eine «interne» Compliance (Erfüllung weiterer und in der Regel vom Unternehmen selbst gesetzter/unterzeichneter Verhaltensregeln und ethischen Standards, wie z.B. einem Verhaltenskodex).

Der Begriff der Compliance stammte ursprünglich aus dem Medizinbereich und meinte die strikte Befolgung der ärztlichen Anweisung durch den Patienten.

Wieso Compliance?

Die Gründe, welche für Compliance üblicherweise ins Feld geführt werden können, sind mannigfaltig. Dazu gehören unter anderem eine sorgfältige und umfassende Unternehmensführung, die Risikovermeidung, Hilfestellung und Handlungsorientierung für die Mitarbeitenden, die Erfüllung der unterehmerischen Verantwortung, die Schaffung und den Schutz einer Reputation von Vertrauenswürdigkeit und Integrität oder die Positionierung gegenüber verschiedenen Anspruchsgruppen ((Wirtschaft/Umfeld, Wettbewerber, Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter, Behörden, Kapitalgeber (Aktionäre, Fonds, Banken, Pensionskassen), Medien. Von vielen wird Compliance heute erfreulicherweise bereits als Wettbewerbsvorteil gesehen. Auch sollen durch eine zweckmässige Compliance bei Investoren, Private Equity, Kreditgebern oder Banken finanzielle Mittel zu besseren Konditionen erhältlich sein. Bei vielen Grossunternehmen kommt man ohne Compliance- Nachweis als Lieferant gar nicht mehr in Frage. Selbst die Rekrutierung von Mitarbeitern, Kaderleuten oder Verwaltungsräten dürfte Unternehmen mit einer guten Reputation, d.h. einer funktionierenden Compliance, einfacher fallen.

Doch es gibt in der Schweiz auch gewisse rechtliche Verpflichtungen, wie z.B. Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 OR oder Art. 102 Strafgesetzbuch, die einem als Unternehmen das Thema Compliance nahelegen.

Im Rahmen eines «Soft Laws» (eine Art Selbstregulierung) haben die Verbände Swiss- Holdings und economiesuisse im 2014 die Grundzüge eines wirksamen Compliance-Managements festgelegt, welche in der Schweiz als Massstab beigezogen werden können. Aus einer von Bratschi Wiederkehr & Buob in 2015 durchgeführten, nicht repräsentativen Umfrage bei KMU in der Schweiz (91 Teilnahmen aus rund 2400 angefragten mittelständischen Unternehmen in der Deutschschweiz) betreffend Compliance (siehe Abbildung 1) wurden die folgenden Punkte als wichtigste Vorteile genannt (1 = sehr wichtig, 4 = nicht wichtig).

Abbildung 1: Vorteile einer zeitgemässen Compliance

Compliance gehört zu einer sorgfältigen, verantwortlichen und umfassenden Unternehmensführung und dient dem Schutz der Reputation des Unternehmens, der Vermeidung von Non-Compliance und bietet den Mitarbeitenden eine Hilfestellung und Handlungsorientierung für ihre Tätigkeiten.

Was sind mögliche Konsequenzen von Non-Compliance?

Die möglichen Konsequenzen im Falle von Non-Compliance können sehr unterschiedlich ausfallen, wie z.B.:

  • Reputationsschaden
  • Hausdurchsuchungen
  • Bussen/Gewinnabschöpfung
  • Aktienkursverlust
  • Verlust von Investoren/Geschäftspartnern
  • Verantwortlichkeit Verwaltungsrat/Geschäftsleitung (Haftstrafen/Bussen/Berufsverbot)
  • Entlassungen
  • Ausschluss von Ausschreibungsverfahren
  • höhere Finanzierungskosten
  • Risikozuschläge beim Unternehmensverkauf
  • Betrug
  • Opportunitätskosten (z.B. Fallaufarbeitung)
  • Kosten für externe Berater/Anwälte

Wie die befragten KMU aus der gleichen Studie die wahrscheinlichsten und gravierendsten Konsequenzen im Falle von Non-Compliance beurteilten sehen Sie in der Abbildung 2.

Es ist interessant festzustellen, dass ein Reputationsschaden oder Verlust von Geschäftspartnern nicht nur als wahrscheinlichste, sondern auch als gravierendste Konsequenz wahrgenommen wird, hingegen man eine persönliche Haftung des Verwaltungsrates oder der Geschäftsleitung als eher nicht so gravierend oder wahrscheinlich einstuft.

Wie sollte ein Compliance-Management-System aussehen?

Gemäss dem von Swissholdings/economiesuisse im 2014 herausgegebenen Dokument legt der Verwaltungsrat die Grundzüge der Compliance-Organisation fest und die Geschäftsleitung stellt die Einhaltung sicher und gewährt adäquate personelle und materielle Ressourcen. Der Verwaltungsrat hat sich also mit der Compliance-Materie auseinanderzusetzen und einen Rahmen vorzugeben und die Geschäftsleitung die operative Umsetzung zu gewährleisten.

Darüber hinaus haben im Unternehmen alle, insbesondere der Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und die Linienvorgesetzten, auf die Pflege einer über die Gesetzestreue hinausgehenden Kultur der umfassenden Integrität hinzuwirken. Compliance muss dabei zwingend den Grundsätzen des Risikomanagements folgen.

Das darin aufgeführte sogenannte «Compliance-Haus» sieht fünf Grundelemente wirksamer Compliance vor:

  • Dach: Bekenntnis und Verantwortung von Verwaltungsrat und Unternehmensführung
  • 1. Säule: Strukturen
  • 2. Säule: Prozesse
  • Stein 1: Anreize und Sanktionen
  • Stein 2: Überprüfung und Entwicklung


Abbildung 2: Konsequenzen im Falle von Non-Compliance

Was ist der Compliance-Würfel?

Der Compliance-Würfel ist der Versuch eines pragmatischen Modells, entstanden aus über 20 Jahren Tätigkeit auf Unternehmens- und Beraterseite, mit dem die relevanten Aspekte einer «State of the Art»-Compliance im Unternehmen in sechs Bereichen anschaulich dargestellt werden sollen. Darüber hinaus kann er im Sinne einer Checkliste helfen, den momentanen Compliance-Zustand eines Unternehmens zu überprüfen, d.h. wo die Stärken und allfälligen Schwächen liegen.

Dabei werden aus der Vielzahl der Compliance-Standards und -Vorgaben nicht nur die wesentlichsten Aspekte berücksichtigt, sondern in Ergänzung mit einem eigenen und zusätzlichen Bereich «Personen» versucht, neusten Erkenntnissen aus der Verhaltensökonomie Rechnung zu tragen. Damit soll ein Compliance-Management-System nicht nur auf Prozesse, Strukturen, Dokumente, Berichterstattung, Controls und Überprüfung reduziert, sondern eine ganzheitliche, eben den Menschen bewusst miteinbeziehende Sicht, eingenommen werden.

Die sechs massgebenden Bereiche umfassen demgemäss

  • 6. Unternehmenskultur,
  • 5. Einbettung,
  • 4. Aktivitäten,
  • 3. Personen,
  • 2. Ressourcen,
  • 1. Fundament

Mehr über diese sechs massgebenden Bereiche sowie auch über das Thema Compliance erfahren Sie im «Print-Newsletter Treuhand kompakt». >> Zur Leseprobe

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