23.11.2016

MWST-Abrechnung: Praktische Hinweise für die drei Abrechnungsarten

Mit dem Mehrwertsteuergesetz und den entsprechenden Praxisänderungen gibt es drei verschiedene MWST-Abrechnungen. Ziel dieses Artikels ist, die Unterschiede und Eigenheiten der Abrechnungen darzulegen sowie aufzuzeigen, was in den einzelnen Ziffern zu deklarieren ist. Lesen Sie mehr zu den drei Abrechnungsarten und profitieren Sie vom gesamten Beitrag zum Sofort-Download.

Von: Dr. oec. HSG Manuel Vogel   Drucken Teilen  

Dr. oec. HSG Manuel Vogel, dipl. Steuerexperte, CAS FH Unternehmensnachfolge

Herr Dr. Manuel Vogel ist Spezialist mit überwiegendem Tätigkeitsgebiet Mehrwertsteuer und verfügt über langjährige Beratungserfahrung in nationalen und internationalen MWST-Fragen. Nach seiner Diplomarbeit auf dem Gebiet des nationalen Mehrwertsteuerrechtes an der Universität St. Gallen hat er eine Dissertation an der Universität St. Gallen auf dem Gebiet des internationalen Mehrwertsteuerrechtes verfasst. Er ist Autor verschiedener Publikationen und Referent an Fachveranstaltungen zur MWST und Co-Autor beim Kommentar der Treuhandkammer zum Mehrwertsteuergesetz sowie Prüfungsexperte an verschiedenen eidg. Prüfungen so etwa zum dipl. Steuerexperten. Dr. Manuel Vogel ist CEO und Seniorpartner bei der a&o accta ortag ag, Baar/Horgen/Zürich. A member of Kreston International, a global network of independent accounting firms.

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MWST-Abrechnung

Abrechnungsarten

Grundsätzlich ist zwischen drei Abrechnungsarten zu unterscheiden:

  • MWST-Abrechnung
  • Korrekturabrechnung
  • Berichtigungsabrechnung (Jahresabstimmung)  

MWST-Abrechnung

Beim Erstellen der MWST-Abrechnung ist neben der Frage, ob die geschuldete Mehrwertsteuer nach der Saldosteuersatz- oder nach effektiver Abrechnungsmethode zu berechnen ist auch zu prüfen, ob nach vereinnahmtem oder nach vereinbartem Entgelt abgerechnet wird:

  • Abrechnungsart nach vereinbarten Entgelten: Nach dieser Abrechnungsart muss die steuerpflichtige Person das Entgelt in derjenigen Abrechnungsperiode deklarieren und abführen, in welcher sie die Leistungen ihren Kunden in Rechnung gestellt hat. Gleiches gilt für die Vorsteuer: Sie kann in der Abrechnungsperiode abgezogen werden, in welcher sie vom Leistungserbringer in Rechnung gestellt wurde.
  • Abrechnungsart nach vereinnahmten Entgelten: Bei dieser Abrechnungsart entsteht die Steuerschuld für erbrachte Leistungen erst in dem Moment, in welchem die steuerpflichtige Person das Entgelt tatsächlich erhält. Wiederum ist der Rückforderungszeitpunkt der Vorsteuern äquivalent: Der Anspruch auf den Vorsteuerabzug entsteht erst beim Zeitpunkt der Bezahlung des Kreditors. Diese Abrechnungsart ist beim Führen einer Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung nicht zu empfehlen.

Saldosteuersatzmethode

Saldosteuersätze sind Berechnungssätze, aufgeteilt nach Branchen, mit deren Hilfe die MWST-Abrechnung vereinfacht wird, weil die Vorsteuern nicht separat ermittelt werden müssen. Der geschuldeten Steuer entsprechend wird bei Anwendung dieser Methode mittels Multiplikation des Umsatzes (inkl. MWST) mit dem entsprechenden, von der Eidg. Steuerverwaltung (ESTV) bewilligten Saldosteuersatz, berechnet.  

Ferner ist eine allfällig geschuldete Bezugssteuer zum gesetzlichen Steuersatz von derzeit 8% zu entrichten. Weil es sich um eine vereinfachte Abrechnungsmethode handelt, kann aufgrund besonderer Situationen die geschuldete Steuer höher oder niedriger sein, als bei Abrechnung mittels der effektiven Methode.  

Anzumerken ist, dass die Saldosteuersatzmethode nur von steuerpflichtigen Unternehmen angewendet werden darf, welche jährlich höchstens CHF 5,02 Mio. (inkl. MWST) Umsatz aus steuerbaren Leistungen erwirtschaften und im gleichen Zeitraum nicht mehr als CHF 109 000.– Steuern, berechnet mit dem für sie massgebenden Saldosteuersatz, zu bezahlen haben.

Effektive Abrechnungsmethode

Bei der effektiven Abrechnungsmethode wird im Gegensatz zur Saldosteuersatzmethode die geschuldete Umsatzsteuer und die rückforderbare Vorsteuer separat ermittelt und miteinander verrechnet. Der sich daraus ergebende Nettobetrag ist der an die ESTV zu bezahlende Betrag bzw. der von der ESTV zu vergütende Betrag.  

Die MWST-Abrechnung besteht aus drei Bereichen:

  • Beim ersten Teil (I. Umsatz) werden das vereinbarte oder das vereinnahmte Entgelt und die Abzüge von den steuerbaren Entgelten eingetragen.
  • Im zweiten Teil (II. Steuerberechnung) wird die geschuldete Umsatzsteuer auf die gesetzlichen Steuersätze aufgeteilt und die Vorsteuern auf die einzelnen Vorsteuerereignisse aufgeteilt. Die Summe der geschuldeten Umsatzsteuer und der rückforderbaren Vorsteuer ergibt die Steuerschuld oder das Steuerguthaben.
  • Im dritten Teil (III. Andere Mittelflüsse) sind die Nicht-Entgelte einzutragen, da diese teilweise eine Kürzung des Vorsteuerabzugs nach sich ziehen könnten.

Korrekturabrechnung

Für Korrekturen einzelner Monats-, Quartals- oder Semesterabrechnungen während der Steuerperiode ist ein spezielles Dokument zu verwenden:

  • Steuerpflichtige, welche mit effektiver Methode abrechnen: Formular 0550 Jahresabstimmung (Berichtigungsabrechnung nach Art. 72 MWSTG, effektive Methode).
  • Steuerpflichtige, welche mit Saldo- oder Pauschalsteuersatz abrechnen: Formular 0551 Jahresabstimmung (Berichtigungsabrechnung nach Art. 72 MWSTG, Saldosteuersatz/Pauschalsteuersatz).  

Werden im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses Mängel festgestellt, sind diese mit dem Formular «Jahresabstimmung» und nicht mittels einer Korrekturabrechnung zu korrigieren.  

Werden Mängel zu einem späteren Zeitpunkt festgestellt, können diese solange korrigiert werden, soweit die entsprechende Steuerperiode nicht in Rechtskraft erwachsen oder verjährt ist.

Berichtigungsabrechnung bzw. Jahresabstimmung

Das Formular unterscheidet sich zum normalen MWST-Abrechnungsformular in drei Punkten:

  • Farbe;
  • Adresskopf (Adresse, Steuernummer und Periode ist noch nicht abgefüllt);
  • Formular wird nicht automatisch zugestellt, sondern muss von der Seite der ESTV herunterge­laden werden.  

Die steuerpflichtige Person hat die Steuerabrechnungen mit ihrem Jahresabschluss abzugleichen und festgestellte Differenzen nachzudeklarieren.  

Für die Korrektur von dabei festgestellten Fehlern ist ausschliesslich ein dafür vorgesehenes Spezialformular zu verwenden, welches die eingereichten MWST-Abrechnungen der vergangenen Steuerperioden (typischer Weise ein Jahr) ergänzt bzw. korrigiert.  

Im Formular Jahresabstimmung sind folglich nur die Differenzen zu den bisher eingereichten Abrechnungen zu erfassen. Es ist dabei zu beachten, dass trotz der Möglichkeit der Nachdeklaration von bisher nicht abgerechneten Umsätzen, die Umsätze grundsätzlich periodengerecht abgerechnet werden müssen.    

Wurden beim Abgleich zwischen den vier eingereichten Quartalsabrechnungen bzw. den zwei eingereichten Semesterabrechnungen mit dem Jahresabschluss keine Mängel festgestellt, ist keine Berichtigungsabrechnung (Jahresabstimmung) einzureichen.  

Wird nach Ablauf von 240 Tagen seit Ende des betreffenden Geschäftsjahres keine Berichtigungsabrechnung eingereicht, geht die ESTV davon aus, dass die von der steuerpflichtigen Person eingereichten MWST-Abrechnungen vollständig und korrekt sind und die Steuerperiode finalisiert ist.  

Sollte sich beim Abgleich eine Differenz zugunsten der ESTV ergeben haben, ist der Betrag der ESTV zu überweisen. Ergab sich eine Differenz zu Gunsten des Steuerpflichtigen, wird diese Differenz zurückerstattet.  

Anzumerken ist, dass nach Einreichung der Jahresabstimmung (Berichtigungsabrechnung) gegebenenfalls Verzugszinsen geschuldet sind, sofern die nachträglich berichtigte Steuer nach dem Verfalldatum der betreffenden Abrechnungsperioden bezahlt wurde. Einen Verzugszins bei einem Guthaben des Steuerpflichtigen wird jedoch erst dann ausbezahlt, wenn die Auszahlung des Guthabens nach 60 Tagen ab Einreichung der Jahresabstimmungsabrechnung erfolgte.  

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass wenn im Rahmen einer MWST-Revision durch die ESTV innerhalb der Verjährungsfrist Mängel festgestellt wurden und dem Staat durch die Nicht- oder Falschdeklarationen ein Steuerausfall entstanden ist, der Steuerpflichtige mit der Eröffnung eines Strafverfahrens und allenfalls mit (hohen) Bussen zu rechnen hat. Bei vorsätzlicher und fahrlässiger Agitation ist ferner zu beachten, dass zusätzlich strafrechtliche Konsequenzen folgen können. Hierbei gilt, dass ein allfälliges Strafverfahren in der Regel gegen den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung sowie die für die MWST-Abrechnung verantwortlichen Personen eröffnet wird (natürliche Personen) und nicht etwa gegen den Geschäftsbetrieb (juristische Person). 

Erfahren Sie mehr über das umfassende Thema «MWST-Abrechnung» im 11-seitigen Fachbeitrag von Dr. oec. HSG Manuel Vogel.  Ziel dieses Artikels ist es, die Unterschiede und Eigenheiten der Abrechnungen darzulegen sowie aufzuzeigen, was in den einzelnen Ziffern zu deklarieren ist.

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