22.06.2020

MWST-Regelung für Gutscheine: So rechnen Sie Gutscheine korrekt ab

Gutscheine sind eine beliebte Geschenkidee. Wie das Finden eines geeigneten Geschenks, so kann auch die mehrwertsteuerliche Behandlung von Gutscheinen Probleme bereiten. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr zur MWST-Regelung für Gutscheine.

Von: Michel Hürlimann, Beneditct Rykart  DruckenTeilen 

Michel Hürlimann

Michel Hürlimann, Bachelor of Science in Business Administration, Senior Consultant im Indirect Tax Team bei EY in Zug. Michel Hürlimann berät nationale als auch internationale Kunden aus unterschiedlichen Industriesektoren im Bereich der indirekten Steuern. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Besteuerung der digitalen Wirtschaft und die EU-Mehrwertsteuer.

 

Beneditct Rykart

Benedict Rykart, Bachelor of Science HES-SO in Business Administration, MAS MWST/LL. M. VAT; Senior Consultant im Indirect Tax Team bei EY in Bern. Benedict Rykart berät lokale und internationale Kunden aus verschiedenen Industriesektoren im Bereich indirekte Steuern. Zu seinen Schwerpunktthemen gehören die elektronischen Dienstleistungen sowie die elektronische Rechnungsstellung und Archivierung.

MWST-Regelung für Gutscheine

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Mehrwertsteuerliche Grundsätze

Sämtliche Leistungen, die durch steuerpflichtige Personen im Inland gegen Entgelt erbracht werden, unterliegen der Schweizer Mehrwertsteuer (MWST), sofern sie nicht von der Steuer ausgenommen sind.

Das Bestehen eines steuerbaren Leistungsverhältnisses setzt voraus, dass eine nicht von der Steuer ausgenommene Leistung, gegen Entgelt, im Inland, von einer steuerpflichtigen Person erbracht wird und zwischen Leistung und Entgelt ein innerer wirtschaftlicher Zusammenhang besteht.

Wird eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt, oder ist die Leistung gemäss Art. 23 Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) von der Steuer befreit, hat die leistungserbringende Person keine Mehrwertsteuer abzurechnen.

Grundsätzlich unterliegen unentgeltliche Leistungen nicht der Steuer. Handelt es sich bei der leistungsempfangenden Person jedoch um eine eng verbundene Person (z.B. Tochtergesellschaft), hat das Entgelt dem Drittpreisvergleich standzuhalten. Beim Drittpreisvergleich handelt es sich um den Preis, den zwei voneinander unabhängige Personen auf dem Markt vereinbaren würden (Marktpreis).

Gewisse Transaktionen wie beispielsweise Rabatte oder Skonti qualifizieren bei der leistungserbringenden Person nicht als Umsatz, sondern als sogenannte Entgeltsminderung. Dabei wird das ursprüngliche Entgelt um den angewendeten Rabatt oder Skonto reduziert. Der korrigierte Wert dient dann als Grundlage für die Steuerbemessung. Entgeltminderungen können in der periodischen MWST-Abrechnung unter Ziffer 235 deklariert werden, wenn sie gleichzeitig oder in einer vorherigen MWST-Abrechnung bereits in Ziffer 200 deklariert wurde.

MWST-Regelung für Gutscheine

Es existieren diverse Arten von Gutscheinen. In der Praxis wird grundsätzlich zwischen Warengutscheinen und Wertegutscheinen (aufladbare Karten und Schlüssel) unterschieden. Warengutscheine beziehen sich dabei auf eine konkrete Leistung. Wertgutscheine sind Gutscheine über einen bestimmten Nennwert, die gegen eine beliebige Leistung (Lieferung oder Dienstleistung) eingetauscht werden können.

Das MWSTG qualifiziert sowohl die Waren- als auch die Wertegutscheine aufgrund des fehlenden Leistungsverhältnisses beim Verkauf des Gutscheins als einen reinen Geldfluss, der nicht bzw. noch nicht von der Mehrwertsteuer erfasst wird. Es handelt sich auch nicht um eine Vorauszahlung. Auf den Belegen (Rechnungen, Quittungen usw.) betreffend den Verkauf von Gutscheinen bzw. über das Aufladen von Karten und Schlüsseln darf deshalb keine Steuer ausgewiesen werden. Wird fälschlicherweise die Steuer auf den Belegen trotzdem ausgewiesen, so ist diese, gemäss dem Grundsatz «ausgewiesene Steuer gleich geschuldete Steuer», entsprechend zu deklarieren und an die Eidgenössische Steuerverwaltung zu entrichten.

Der mehrwertsteuerlich relevante Leistungsaustausch findet erst bei Einlösen des Gutscheins statt. Daher ist die Mehrwertsteuer erst zum Zeitpunkt des Leistungsbezugs bzw. Einlösens des Gutscheins abzurechnen.

Beispiel 1:
Das steuerpflichtige Warenhaus MARA verkauft Herrn Oppliger am 29.8.2019 einen Gutschein im Wert von CHF 100.–. In der Buchhaltung wird der Verkauf des Gutscheins wie folgt verbucht:
 

1. Barverkauf GutscheinBetrag
Kasse/Gutschein (Passivkonto)CHF 100.00
Nichtentgelt (keine MWST) 

Am 5.10.2019 löst Frau Oppliger den Gutschein im Warenhaus MARA für den Erwerb einer neuen Brieftasche im Wert von CHF 107.70 (inkl. MWST) ein. Die entsprechende Verbuchung erfolgt wie folgt:
 

2. Barverkauf Produkt / Einlösen GutscheinBetrag
Kasse/CHF 107.70
 / WarenertragCHF 100.00
 / MehrwertsteuerCHF 7.70
Gutschein/ KasseCHF 100.00

In der MWST-Abrechnung Q4/2019 deklariert das Warenhaus MARA den Verkauf der Brieftasche (CHF 100.–) unter den Ziffern 200/301. Als Bemessungsgrundlage gilt der «Gegenwert der damit abgegoltenen Leistung», was im Beispiel den Wert der gekauften Brieftasche (CHF 100.–) darstellt. Die MWST (CHF 7.70) bezahlt Frau Oppliger in bar.

Umgang mit weiteren Verkaufsförderungsinstrumenten

Neben Gutscheinen gibt es eine Vielzahl von Verkaufsförderungsinstrumente bzw. Kundenbindungsmassnahmen. Aus Sicht der MWST muss dabei unterschieden werden, von wem das Instrument herausgegeben wird und ob der Leistungserbringer (z.B. Detailhändler) von einem Dritten (z.B. Lieferanten, Importeure, Grosshändler etc.) eine Vergütung für den dem Kunden gewährten Preisabschlag erhält.

Bons (ohne Rückvergütung durch Lieferanten oder Dritte)

Unter die Verkaufsförderungsinstrumente fallen beispielsweise Bons, die durch den Händler selbst ausgegeben werden und weder durch den Lieferanten noch durch Dritte rückvergütet werden. Die Abgabe des Bons berechtigt beim Leistungsbezug zu einer Preisminderung. Es spielt dabei keine Rolle, ob dies in Form eines Fixbetrags (z.B. CHF 10.–), in relativen Werten (z.B. 10%) erfolgt. Bei der Ausgabe solcher Gutscheine fliesst kein Geld, was die Bons von den «echten» Gutscheinen unterscheidet.

Das zu versteuernde Entgelt bemisst sich nach dem vom Kunden zu leistenden Betrag und wird zum massgebenden Steuersatz abgerechnet. Die durch die Abgabe von Bons gewährte Preisminderung stellt einen Rabatt dar. Versteuert wird das effektiv vereinnahmte Entgelt.

Beispiel 2:
Der Detailhändler ARA gewährt seinen Kunden beim Vorweisen eines Bons aus der Tageszeitung einen Rabatt von CHF 350.– beim Kauf eines Klimageräts (Verkaufspreis CHF 2350.–). ARA trägt die Kosten dafür selbst.
 

Ausgabe Bon durch HändlerBetrag
kein Geldfluss./.
2. Barverkauf Produkt / Einlösen des BonsBetrag
Bruttoverkaufspreis (inkl. MWST)CHF 2350.00
abzüglich Bon (Entgeltsminderung)CHF -350.00
steuerbares Entgelt (inkl. MWST) / Bezahlung durch KundeCHF 2000.00

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