16.05.2018

Umsatz- und Vorsteuerabstimmung: Welche Einflüsse haben die reduzierten MWST-Sätze?

Anfang des Jahres sind die meisten Firmen traditionell mit den handelsrechtlichen Abschlussarbeiten beschäftigt. Obwohl Bestandteil davon, werden die seit 2010 im damaligen Mehrwertsteuergesetz vorgeschriebenen und im Rahmen der Teilrevision unverändert übernommenen Finalisierungsarbeiten in der Praxis oftmals vergessen.

Von: Adrian Wyss, German Boschung  DruckenTeilen Kommentieren 

Adrian Wyss

Stv. Leiter MWST Kompetenzzentrum BDO AG und leitender MWST-Experte bei der BDO AG Mittelland.

 

 

 

German Boschung

Mitglied MWST-Kompetenzzentrum BDO AG, MWST-Experte BDO AG, Regionaldirektion Mittelland.

 

 

 

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Umsatz- und Vorsteuerabstimmung 2017

Gleichzeitig erschweren die per 1. Januar 2018 reduzierten Steuersätze die Situation je nach Ausgangslage zusätzlich. Welche Arbeiten vom Gesetzgeber verlangt werden und welche Einflüsse die reduzierten Mehrwertsteuersätze auf die Umsatzabstimmung 2017 haben, wird in den nachfolgenden Abschnitten kurz erläutert.

Grundsätzlich sind mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen gestützt auf Art. 72 MWSTG verpflichtet, mindestens einmal jährlich ihre Steuerabrechnungen zu überprüfen. Die Umsatz- und Vorsteuerabstimmung stellen die praktischen Instrumente zur Erfüllung dieser Pflicht dar.

Nach Art. 128 Abs. 2 MWSTV soll die Umsatzabstimmung die Deklarationen einer Steuerperiode unter Berücksichtigung der verschiedenen Steuersätze mit den Beträgen des Jahresabschlusses in Übereinstimmung bringen.

Einleitende Bemerkungen zu den Steuersatzänderungen per 1. Januar 2018

Ende September 2017 haben die Stimmberechtigten die Vorlage «Altersvorsorge 2020» an der Urne abgelehnt. Entsprechend sind seit dem 1. Januar 2018 zusammen mit dem Inkraftreten des teilrevidierten Mehrwertsteuergesetzes ebenfalls daher neue MWST-Sätze gültig:

Abbildung 1: Tabelle neue MWST-Sätze 2018

In Zusammenhang mit der Steuersatzreduktion stellt sich im Rahmen der Finalisierungsarbeiten 2017 insbesondere die Frage, zu welchen Steuersätzen Leistungen, welche bereits 2017 fakturiert, aber noch nicht vollständig erbracht worden sind bzw. im Jahr 2017 erbracht, aber erst im Verlaufe des Jahres 2018 fakturiert werden, unterliegen.

Nachfolgend die wesentlichsten Bestimmungen hierzu:

  • zeitliche Zuordnung: Leistungen (Lieferungen oder Dienstleistungen), welche im Jahr 2017 erbracht worden sind, unterliegen den alten Mehrwertsteuersätzen von 8,0%, 3,8% oder 2,5%. 2018 erbrachte Leistungen werden mit den neuen Steuersätzen verrechnet. Massgebend ist ausschliesslich das Datum der Leistungserbringung. Das Rechnungs- oder Zahlungsdatum spielt in Zusammenhang mit den Steuersatzänderungen keine Rolle.
  • jahresübergreifende Rechnungen (Leistung und Rechnungstellung bzw. Zahlung erfolgen nicht im selben Jahr): Wie im vorangehenden Punkt erwähnt, ist einzig das Datum der Leistungserbringung für die Bestimmung des korrekten Mehrwertsteuersatzes massgebend. Die Angabe des Datums oder des Zeitraums der jeweiligen Leistungserbringung auf der Rechnung ist daher zwingend, um die korrekte zeitliche Zuordnung vornehmen zu können. Die Leistungen des Jahres 2017 (massgebender Satz: 8%) und die Leistungen 2018 (massgebender Satz: 7,7%) sind als separate Zeilen mit Angabe des Zeitraums auf der Rechnung aufzuführen. Wird darauf verzichtet, muss der ganze Betrag mit den höheren, alten Steuersätzen abgerechnet werden.
  • Rechnungskorrekturen: Werden fälschlicherweise im Jahr 2018 die alten Steuersätze aufgeführt, ist die ausgewiesene Steuer abzurechnen. Die neuen Steuersätze dürfen in einem solchen Fall nur dann abgerechnet werden, wenn die ursprüngliche, nicht korrekte Rechnung korrigiert wird. Diese Korrektur muss dem Kunden zugestellt werden und handelsrechtlich zulässig sein.
  • Teilzahlungs- bzw. Vorauszahlungsrechnungen für Leistungen 2018, welche 2017 fakturiert worden sind: Der Steuersatz für zum Normalsatz steuerbare Leistungen beträgt 7,7%, sofern der Zeitraum der Leistung korrekt auf der Rechnung aufgeführt wird.
  • Entgeltsminderungen und Umsatzbonifikationen: Massgebend für die Wahl des korrekten Steuersatzes ist der Zeitpunkt oder der Zeitraum der ursprünglich, zugrunde liegenden Leistung.
  • Saldosteuersätze: Die Steuersätze vermindern sich im Jahr 2018 um 0,1 bis 0,2%, ausser bei den beiden tiefsten Sätzen. Die Umsatzlimite für die Anwendung von Saldosteuersätzen vermindert sich auf CHF 5 005 000.– und die Steuerlimite auf CHF 103 000.–.

Als Besonderheit ist bei Bauleistungen zu beachten, dass für die Wahl des korrekten Steuersatzes der Zeitpunkt der jeweiligen Arbeitsausführung am Bauwerk gilt und nicht der Zeitpunkt allfälliger Vorleistungen. Für den Übergang von den bisherigen zu den neuen Steuersätzen ist es wichtig, dass Aufträge, die per Ende 2017 noch in Arbeit sind, korrekt mit Teilzahlungsgesuchen und Situationsetats abgegrenzt werden.

In diesen Teilzahlungsgesuchen und Situationsetats müssen die angefangenen Leistungen in Bezug auf Art, Gegenstand, Umfang und Zeitpunkt respektive Zeitraum detailliert aufgeführt werden.

 Tipp:
Für eine korrekte praktische Umsetzung ist zu empfehlen, in den ersten Monaten des Jahres 2018 zu prüfen, ob die jeweiligen Leistungen zu den korrekten Steuersätzen erfasst worden sind.

Wie aus den vorangehenden Ausführungen ersichtlich, kann die korrekte Zuordnung der Mehrwertsteuersätze aufgrund der Steuersatzänderung per 1. Januar 2018 bereits anlässlich der mehrwertsteuerlichen Abschlussarbeiten des Jahres 2017 zu heiklen Abgrenzungsfragen führen.

Neben diesen Zusatzarbeiten aufgrund der Steuersatzänderungen ist zudem abhängig von der gewählten Abrechnungsmethode (effektive Abrechnungsmethode oder Abrechnung mithilfe von Saldo- bzw. Pauschalsteuersatzmethode) eine Vielzahl zusätzlicher Informationen in geeigneter Weise aufzubereiten und der Eidg. Steuerverwaltung auf Verlangen zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich hierbei namentlich um eine Aufschlüsselung der einzelnen Umsatzarten (steuerbar, Export, Leistungen im Ausland sowie Nicht- Entgelte wie Dividenden oder Subventionen), welche die Eidg. Steuerverwaltung für ihre internen Plausibilitäts-Checks benötigt. Die verlangten Daten sind für die effektiv abrechnenden Unternehmen in Art. 126 MWSTV, für diejenigen, welche mithilfe von Saldo- oder Pauschalsteuersätzen abrechnen, in Art. 127 MWSTV abschliessend festgehalten.

Gemäss Art. 128 Abs. 2 MWSTV muss aus der Vorsteuerabstimmung ersichtlich sein, dass die Saldi der jeweiligen Vorsteuerkonti mit den in den Deklarationen aufgeführten Vorsteuerbeträgen abgestimmt wurden. Zur Beseitigung allfälliger Differenzen müssen die Vorsteuerkonti zum Zeitpunkt der Vornahme der Abstimmung den Saldo «null» bzw. dürfen nur den Betrag der noch nicht deklarierten Vorsteuerbeträge der laufenden (und somit noch nicht abgeschlossenen) Periode ausweisen.

Stellen die Steuerpflichtigen im Rahmen ihres Jahresabschlusses Mängel in ihren Steuerabrechnungen fest (z.B. als Folge der Umsatz oder Vorsteuerabstimmung), müssen so festgestellte Fehler bis spätestens in derjenigen Abrechnung, in die der 180. Tag nach Ende des betreffenden Geschäftsjahrs fällt, korrigiert werden (vgl. Art. 72 Abs. 1 MWSTG). Bei Geschäftsabschlüssen per Ende Kalenderjahr sind somit solche Korrekturen bis Ende August des Folgejahrs bei der ESTV einzureichen. Dies weil zu den 180 Tagen zusätzliche noch die übliche 60-tägige Frist für die Einreichung von Quartalsabrechnungen hinzukommt. In der Praxis ist zu beachten, dass es sich hierbei um eine gesetzliche Frist handelt (vgl. Art. 72 MWSTG), die demzufolge nicht verlängert werden kann. Die Bereinigung erfolgt mittels einer Berichtigungsabrechnung (Formular 0550 bzw. 0551 bei Saldo- oder Pauschalsteuersätzen).

Allerdings ist zu erwähnen, dass die ordentlichen Mehrwertsteuerdeklarationen nach wie vor explizit Bestandteil der Selbstveranlagung sind und daher nach wie vor sorgfältig und korrekt ausgefüllt werden müssen. Sie haben somit explizit nicht den Charakter von Anzahlungsabrechnungen, welche pauschaliert eingereicht und erst im Rahmen der Finalisierungsarbeiten mit der erwähnten Berichtigungsabrechnung korrigiert werden.

Differenzen in der Abrechnung – was ist zu tun?

Erfahren Sie dies im vollständigen Beitrag «Mehrwertsteuer und Jahresabschluss in der Praxis» aus dem Print-Newsletter Mehrwertsteuer.

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