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Grenzüberschreitende MWST: MWST in der EU

Jeder, der sich mit Mehrwertsteuer befasst, weiss, wie kompliziert das europäische MWST-System ist. Die grenzüberschreitende MWST ist keine simple Sache. Die Europäische Union plant, das System zu vereinfachen. Erste Erneuerungen sind ab 2020 gültig.

03.02.2022 Von: Florian Hanslik, Anita Machin Barroso
Grenzüberschreitende MWST

EU-MWST-System ab 1.1.2020

Die aus den Schwächen des Systems resultierende Mehrwertsteuerlücke beträgt gemäss EU-Kommission jährlich über EUR 150 Mrd. beziehungsweise über 12% der fälligen Mehrwertsteuer. Schätzungen zufolge verursacht allein der Betrug bei der grenzüberschreitenden MWST Mehrwertsteuereinbussen von rund EUR 50 Mrd. (d.h. EUR 100.– pro EU-Bürger) jährlich. Diese Gelder können zur Finanzierung von kriminellen Vereinigungen, einschliesslich des Terrorismus, genutzt werden. Schätzungen zufolge könnten diese Ausfälle durch die vorgeschlagene Reform um 80% verringert werden.

Im Dezember 2018 wurden Sofortmassnahmen beschlossen, welche per 1. Januar 2020 in Kraft treten werden. Dabei geht es um die folgenden Neuerungen:

  • Vereinfachte Abwicklung von Konsignationslagergeschäften
    Bis dato gab es keine einheitliche Regelung im Zusammenhang mit Konsignationslagergeschäften. Nun soll durch folgende Massnahme eine Vereinheitlichung innerhalb der EU geschaffen werden: Nicht zum Zeitpunkt der Einlagerung der Waren, sondern erst zum Zeitpunkt der Entnahme der Waren durch den Abnehmer soll die innergemeinschaftliche Lieferung erklärt werden. Der Zeitraum zwischen Einlagerung und Entnahme der Waren darf jedoch zwölf Monate nicht überschreiten.
  • Vereinheitlichung bei Reihengeschäften
    Reihengeschäfte führen aus mehrwertsteuerlicher Perspektive stets zu Schwierigkeiten; insbesondere, wenn die mittlere Partei den Transport beauftragt. Es stellt sich die Frage, wem die «bewegte» Lieferung zugeordnet wird. Die hier beschlossene Massnahme soll zu einer Vereinheitlichung bei solchen Geschäften führen.
  • UID als materielle Voraussetzung für Steuerbefreiung
    In Zukunft muss einerseits eine gültige UID-Nummer des Erwerbers im anderen Mitgliedstaat vorliegen, und andererseits soll der liefernde Unternehmer die Lieferung in die Zusammenfassende Meldung aufnehmen.

Was bedeutet dies für mein Unternehmen?

Die Neuregelungen im Bereich EU-Mehrwertsteuer und E-Commerce sind auch für Unternehmen aus Drittländern wie der Schweiz hochrelevant. Eine sorgfältige Analyse auf Organisations- und Prozessebene ist somit unabdingbar. Gerade vor dem Hintergrund möglicher kurzfristiger Änderungen scheint es zudem sinnvoll, bereits heute Vorbereitungen zu treffen. So ist es ratsam, die UID-Nummern von Kunden und Lieferanten regelmässig zu überprüfen und Rechnungsformulare anzupassen, sodass die UID-Nummern bei EU-Lieferungen zu Pflichtfeldern werden.

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