04.07.2014

One Stop Shop: Neuregelungen bei Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronisch erbrachten Dienstleistungen in der EU ab 2015

Mit dem Mehrwertsteuerpaket 2015 erfahren ab 2015 Telekommunikationsdienstleistungen, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie weitere elektronisch erbrachte Dienstleistungen in der EU eine Neuregelung. Die Neuerungen betreffen vor allem den Besteuerungsort sowie die Weiterentwicklung der One Stop Shop-Regelung, wonach Deklarationspflichten zentral in einem Land wahrgenommen werden können.

Von: Susanne Gantenbein, Fabian Thumm   Drucken Teilen   Kommentieren  

Susanne Gantenbein

Fürsprecherin, eidg. dipl. Steuerexpertin. Susanne Gantenbein ist Partner bei EY und leitet den Bereich Indirekte Steuern in der Romandie. Sie besitzt 15 Jahre Erfahrung in der Steuerberatung bei Arthur Andersen AG und EY mit Schwergewicht Schweizer und EU-Mehrwertsteuerrecht und sie ist Mitglied des Transaction Tax Teams von EY. Sie hat breite Praxiserfahrung bei der Beratung von Klein- bis Grossunternehmen verschiedenster Branchen.

Fabian Thumm, Dipl.-Finanzwirt (FH)

Dipl.-Finanzwirt (FH), eingetragener Steuerberater der Steuerberaterkammer Stuttgart. Fabian Thumm arbeitet seit 2012 als Manager Indirect Tax bei EY in Zürich. Zuvor war er 5 Jahre für EY Stuttgart tätig und absolvierte in dieser Zeit das Steuerberaterexamen bei der Steuerberaterkammer Stuttgart.

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One Stop Shop

Derzeitige Vorschriften für die Besteuerung von Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronisch erbrachten Dienstleistungen in der EU

Von in der Europäischen Union (EU) ansässigen Unternehmen an nicht in der EU ansässige Unternehmen oder nicht steuerpflichtige Verbraucher erbrachte Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronische Dienstleistungen unterliegen in der Regel nicht der Besteuerung in der EU. EU Mitgliedsstaaten können aber vorsehen, auf solchen Dienstleistungen die MWST zu erheben, wenn deren tatsächliche Nutzung oder Auswertung im eigenen Staatsgebiet erfolgt.  

Erbringt ein Nicht-EU-Unternehmen an ein Unternehmen in der EU Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronisch erbrachte Dienstleistungen, schuldet grundsätzlich der Dienstleistungsempfänger die Steuer. Wenn ein Nicht-EU-Unternehmen Telekommunikations- oder Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen an Nichtsteuerpflichtige in der EU erbringt, hat es diese Leistungen grundsätzlich dort zu versteuern, wo sie tatsächlich genutzt und ausgewertet werden. Von Nicht-EU-Unternehmen an Nichtsteuerpflichtige in der EU erbrachte elektronische Dienstleistungen sind grundsätzlich im Wohnsitzstaat des Leistungsempfängers zu besteuern. Der Leistungsort kann somit unterschiedlich sein, abhängig davon, ob Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen oder elektronische Dienstleistungen erbracht werden. Unter der heutigen Regelung besteht bei der Erbringung von elektronischen Dienstleistungen für Nicht-EU-Unternehmen die Möglichkeit, sich in einem einzigen EU Mitgliedstaat zu registrieren und sämtliche in der EU mit Nichtsteuerpflichtigen erzielten Umsätze über diese Registrierung abzurechnen (sog. One Stop Shop).  

Werden Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronisch erbrachte Dienstleistungen grenzüberschreitend aber innerhalb der EU an Unternehmen erbracht, sind die Leistungen im Land des Leistungsempfängers im Rahmen der Umkehr der Steuerschuldnerschaft vom Leistungsempfänger selbst zu versteuern. Wenn die Leistungen an Nichtsteuerpflichtige erbracht werden, sind sie durch den Leistungserbringer in dessen Land zu versteuern.

2015 eintretende Änderungen bezüglich der Besteuerung von Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronisch erbrachten Dienstleistungen in der EU

Ab dem 1. Januar 2015 gilt in der EU der Grundsatz, dass Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronisch erbrachte Dienstleistungen immer im Land des Dienstleistungsempfängers zu versteuern sind. Hierdurch wird eine mehrwertsteuerliche Registrierung sowie Mehrwertsteuererhebung im Land des Leistungsempfängers grundsätzlich erforderlich, wenn die Steuerschuld nicht auf den Leistungsempfänger verlagert wird.  

Um die Leistungserbringer jedoch administrativ zu entlasten, wird 2015 die Regelung der einmaligen MWST-Registrierung auf Telekommunikationsdienstleistungen sowie Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen an Nichtsteuerpflichtige ausgedehnt und auch für EU-Unternehmen möglich sein. Dadurch können mit einer einzigen MWST-Registrierung die in den verschiedenen EU Mitgliedsstaaten mit Telekommunikations-, Rundfunk-, Fernseh- oder elektronischen Dienstleistungen erzielten Umsätze deklariert werden (sog. Mini One Stop Shop-Regelung). Wie erwähnt, ist diese Regelung der einmaligen MWST-Registrierung bislang nur auf elektronisch erbrachte Dienstleistungen von Nicht-EU-Unternehmen anwendbar. Die Neuregelung wird voraussichtlich zwei verschiedene Modelle für in der EU und ausserhalb der EU ansässige Unternehmen vorsehen. In der speziell für diese Regelung vorgesehenen Deklaration sind alle Umsätze zu den entsprechenden Steuersätzen in den betroffenen EU Mitgliedstaaten zu deklarieren. Die Erleichterung besteht grundsätzlich darin, dass die entsprechende MWST Schuld zentral an den EU Mitgliedstaat zu entrichten ist, in welchem die Mini One Stop Shop-Registrierung besteht und von diesem an die betroffenen EU Mitgliedstaaten weitergeleitet wird. Einzelheiten, insbesondere zur Umsetzung in den einzelnen EU Mitgliedstaaten, stehen noch aus.

One Stop Shop: Bedeutung dieser Änderungen für in der Schweiz ansässige Unternehmungen bzw. deren international agierende Gruppengesellschaften

Die Neuregelungen sind für Schweizer Unternehmungen von Bedeutung, welche die derzeit noch gültige One Stop Shop-Regelung in der EU nutzen. Durch die Änderungen hin zur Mini One Stop Shop-Regelung könnten weitere Leistungen unter diesem Modell deklariert werden. Die Möglichkeit der Anwendung der Mini One Stop Shop-Regelung sollte in Betracht gezogen werden, um den administrativen Aufwand möglichst zu begrenzen.  

Sofern die obenstehenden Leistungen durch in der EU ansässige Gruppengesellschaften erbracht werden, muss geprüft werden, inwiefern durch die Neuregelung des mehrwertsteuerlichen Leistungsorts Auswirkungen bestehen. Ab 2015 könnten mehrwertsteuerliche Verpflichtungen (und damit verbundene Mehrwertsteuerschulden) vom Ansässigkeitsstaat des Leistenden zum Ansässigkeitsstaat des Leistungsempfängers verlagert werden.

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