05.04.2017

Ausweis von Forderungen: Wie sind die Verbindlichkeiten gegenüber Schwestergesellschaften auszuweisen?

In unserem Beitrag thematisieren wir einige Punkte zum Anhang unter dem neuen OR-Rechnungslegungsrecht. Unter anderem machen wir eine Empfehlung zum Ausweis von Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Schwestergesellschaften, welche im Gesetz nicht geregelt ist. Ausserdem gehen wir auf die Offenlegung der angewandten Grundsätze zur Erstellung der Jahresrechnung ein.

Von: Bernhard Leiser, Daniel Leibundgut   Drucken Teilen   Kommentieren  

Bernhard Leiser

Bernhard Leiser ist Partner und Mitglied des Verwaltungsrates der T+R AG in Gümligen (www.t-r.ch). Seine Beratungsschwerpunkte sind Wirtschaftsprüfung und -beratung, Auf- und Ausbau sowie Prüfung von internen Kontrollsystemen, Einführung und Anwendung von höheren Rechnungslegungsstandards (Swiss GAAP FER und IFRS) sowie Spezialrevisionen und Due Dilligence.

Daniel Leibundgut

Daniel Leibundgut ist Prokurist der T+R AG in Gümligen (www.t-r.ch). Seine Beratungsschwerpunkte sind Wirtschaftsprüfung und -beratung, Auf- und Ausbau sowie Prüfung von internen Kontrollsystemen, Spezialrevisionen sowie die Einführung und Anwendung von höheren Rechnungslegungsstandards (Swiss GAAP FER).

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Ausweis von Forderungen

Die Anhangsangabe

Diese Anhangsangabe muss gemacht werden, wenn ein Bilanzierungswahlrecht in Anspruch genommen wird. Zuletzt wird aufgezeigt, was im Anhang unter dem Titel «Verbindlichkeiten aus kaufvertragsähnlichen Leasinggeschäften» ausgewiesen werden muss.

 

Neue Gesetzesbestimmung

Der Ausweis von Forderungen und Verbindlichkeiten wird in Art. 959a Abs. 4 OR neu definiert. Das neue Rechnungslegungsrecht beschränkt sich im erwähnten Artikel auf die separate Ausweisplicht von «direkt oder indirekt Beteiligten» und «Organen» sowie «Unternehmungen, an denen direkt oder indirekt eine Beteiligung besteht». Leider führt diese neue Gesetzesbestimmung zu Unklarheiten. Insbesondere fallen bei einer wörtlichen Auslegung des Gesetzes die «Schwestergesellschaften» im Konzern nicht mehr unter diese Definition.

Wegen ihrer Einbindung in den Konzern und im Sinne der Klarheit empfiehlt sich daher ein separater Ausweis. Es ist deshalb eine Lösung anzustreben, welche über das gesetzliche Minimum hinausgeht. In der Praxis lassen sich zwei Ansätze beobachten. Oft wird eine separate Kategorie «Schwestergesellschaften» ausgewiesen. Bei der zweiten Variante werden die Schwestergesellschaften entweder in die Kategorie «Beteiligte und Organe» oder «Beteiligungen» integriert.

Da es sich bei konzerninternen Forderungen und Verbindlichkeiten oft um wesentliche Beträge handelt, empfehlen wir den separaten Ausweis einer Kategorie «Schwestergesellschaften» zu wählen. Unabhängig von der gewählten Variante sollte im Anhang beschrieben werden, wie Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Schwestergesellschaften ausgewiesen werden, insbesondere wenn keine separate Kategorie gebildet wurde.

Abbildung 1: Möglicher Ausweis von Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Schwestergesellschaften

Ausgewählte Punkte zum Anhang unter dem OR-Rechnungslegungsrecht

Der Anhang wird im neuen Rechnungslegungsgesetz vor allem in Art. 959c OR geregelt. In der Praxis beobachten wir in der Ausgestaltung des Anhangs grosse Unterschiede. Bei vielen Gesellschaften beschränkt sich die Offenlegung auf das absolute Minimum im Sinne der gesetzlichen Aufzählung.

Die Grundsätze ordnungsmässiger Rechnungslegung, unter anderem Klarheit, Verständlichkeit, Vollständigkeit, Vorsicht und Wesentlichkeit, gelten auch für den Ausweis der Positionen im Anhang. Es sind jedoch nur die zutreffenden Positionen zwingend auszuweisen. Auf Negativbestätigungen kann verzichtet werden. In der Praxis hat sich in vielen Fällen eine Mischform durchgesetzt, wonach sowohl zutreffende Positionen und Negativbestätigungen ausgewählter Positionen offengelegt werden. Solange damit der Grundsatz der Klarheit eingehalten ist, kann dieser Art der Offenlegung nichts entgegengehalten werden.

Angewandte Grundsätze

Die angewandten Grundsätze zur Erstellung der Jahresrechnung sind im Anhang aufzuführen, soweit diese nicht vom Gesetz vorgeschrieben sind (Art. 959c Abs. 1 Zif. 1 OR). Darunter sind die Wahlmöglichkeiten in der Erfassung, Darstellung und Bewertung zu verstehen (Rechnungslegungsgrundsätze). Die Angabe im Anhang ist zwingend in denjenigen Bereichen, in welchen das neue Rechnungslegungsrecht Wahlmöglichkeiten bietet. Eine Offenlegung der Schätzparameter oder Bewertungsansätze (Bewertungsgrundsätze) wie z.B. die Nutzungsdauer von Anlagevermögen oder die Schätzparameter für die Delkredere-Ermittlung kann aufgrund der Zulässigkeit von stillen Reserven irreführend sein. Besteht bei einer wesentlichen Jahresrechnungsposition jedoch ein erheblicher Ermessensspielraum in der Bilanzierung, ist zu überlegen, ob dieser im Anhang freiwillig erläutert wird. Unter diesem Aspekt sind, sofern anwendbar, zumindest folgende Grundsätze gemäss dem Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung offenzulegen:

  • Bewertung der Vorräte und angefangener Arbeiten: Anwendung der POC-Methode
  • Zeitpunkt und Art der Erfassung von Geschäftsvorfällen als Umsatz bei komplexen Geschäftsmodellen
  • Bewertung zu Marktpreisen und Bestimmung von Schwankungsreserven
  • Erfassung von Gewinnen und Verlusten aus Veräusserung von eigenen Kapitalanteilen
  • Umrechnungsmethode bei Rechnungslegung in Fremdwährung
  • Bilanzierung von Leasinggeschäften
  • Behandlung von Sicherungsgeschäften
  • Behandlung aktienbasierter Vergütungen
  • Änderungen von angewandten Grundsätzen

In der Praxis fällt die Offenlegung je nach Unternehmensgrösse und Komplexität unterschiedlich aus. In einfachsten Verhältnissen genügt oft die Angabe, dass die Jahresrechnung den schweizerischen Rechnungslegungsvorschriften entspricht. Mit zunehmender Komplexität und Grösse einer Unternehmung erhöht sich naturgemäss der Detaillierungsgrad der Offenlegung.

Ausweis langfristiger Mietverträge unter dem Titel «Verbindlichkeiten aus kaufvertragsähnlichen Leasinggeschäften»

Langfristige Mietverträge sind wirtschaftlich den Leasingverbindlichkeiten im engeren Sinne gleichzusetzen. Somit ist auch der Restbetrag der Verbindlichkeiten aus langfristigen Mietverträgen, welche nicht innerhalb von zwölf Monaten ab dem Bilanzstichtag auslaufen oder gekündigt werden können, im Anhang offenzulegen. Es muss der bis zum Vertragsende bzw. zum Ablauf der Kündigungsfrist noch geschuldete Restmietzins (Nominalwert) angegeben werden. Damit sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können, ist zu empfehlen, die Mietverbindlichkeiten analog in der für langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten vorgesehenen Form darzustellen (Art. 961a OR, Fälligkeit innerhalb von einem bis fünf Jahren und nach fünf Jahren). Diese Staffelung ist jedoch freiwillig.

Auch unter diesem Titel offenzulegen sind die Baurechtsverträge. Da es sich bei Baurechtsverträgen oftmals um sehr langfristige Verträge und um eine hohe Summe handelt, ist der Ausweis zwingend. Gerade bei derart langfristigen Verträgen sollte im Sinne der Transparenz vorstehend erwähnte Staffelung der restlichen Zahlungsverpflichtung offen gelegt werden.

Unter diesem Titel nicht offenzulegen sind hingegen andere längerfristige Verpflichtungen wie zum Beispiel Investitionsverpflichtungen und Verpflichtungen zum Kauf von Vorräten.

Fazit

Beim Ausweis von Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber Schwestergesellschaften empfehlen wir eine über das gesetzliche Minimum hinausgehende Offenlegung in einer separaten Position in der Bilanz oder im Anhang.

Die Formulierung der angewandten Rechnungslegungsgrundsätze muss der Grösse und Komplexität der Unternehmung angepasst werden. Im Sinne der Klarheit ist im Zweifelsfall einer detaillierteren Offenlegung einer zu knappen den Vorrang zu geben.

Als eigentliche Neuerung kann der Ausweis von langfristigen Verträgen wie zum Beispiel von Mietverträgen oder Baurechtsverträgen gesehen werden. Diese Offenlegung ist in der Praxis oft mit wesentlichen Beträgen verbunden und daher von grosser Bedeutung.

Quelle: Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter «T+R Info, Nr. 1 / März 2017».

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