02.06.2015

Das neue Rechnungslegungsrecht: Diese Bestimmungen müssen Sie beachten

Für rechnungslegungspflichtige Unternehmen ist es unerlässlich, allgemeine und anerkannte Regeln für die Erstellung der Rechnungslegung anzuwenden. Diese Regeln werden in Rechnungslegungsnormen gefasst. Sie geben vor, nach welchen Grundsätzen und Vorschriften der Jahresabschluss zu erfolgen hat. In der Schweiz wird die Rechnungslegung mittels dreier Instrumente normiert. Diese sind die Regulierung durch das Gesetz (das neue Rechnungslegungsrecht im engeren Sinne), die Selbstregulierung und die Regulierung durch Rechnungslegungsausschüsse.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Das neue Rechnungslegungsrecht

Die Normierung der Rechnungslegung durch Rechnungslegungsausschüsse privatwirtschaftlicher Institutionen hat zu anerkannten Rechnungslegungsstandards geführt, zu deren bekanntesten Vertreter in der Schweiz die International Financial Reporting Standards (IFRS) sowie die Swiss Generally Accepted Accounting Principles (GAAP) Fachempfehlungen der Rechnungslegung (FER) – kurz Swiss GAAP FER – gehören.

Unternehmen müssen dabei beachten, dass sich Vorschriften aufgrund der verschiedenen Normierungen an verschiedenen Orten der Regulierung befinden. Diese können unter- oder übergeordnet zueinander stehen. Die untergeordneten Vorschriften gelten als Ergänzung zu den übergeordneten, können jedoch, falls es Widersprüche oder Abweichungen gibt, auch vorrangigen Charakter erhalten.

Das neue Rechnungslegungsrecht ist in der Schweiz im Obligationenrecht (OR) verankert. Für diese nationale Rechnungslegung beschloss die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft durch das Bundesgesetz vom 23. Dez. 2011 eine weitreichende Revision des Rechnungslegungsrechts, die seit dem 1. Januar 2013 als zweiunddreissigster Titel (Kaufmännische Buchführung und Rechnungslegung) innerhalb des OR in Kraft getreten ist. Bis dahin war die Rechnungslegung im OR weniger umfassend geregelt, dennoch wird nach wie vor am bewährten Ansatz festgehalten, nur die zentralen Grundzüge im Gesetz zu verankern. Die neuen Regelungen sind zwingend ab 2015 anzuwenden, dürfen aber bereits vorher angewendet werden. Änderungen in Bezug auf die Konzernrechnung sind ab 2016 anzuwenden.

Im neuen Rechnungslegungsgesetz wird nicht mehr nach der Rechtsform eines Unternehmens unterschieden, sondern nach deren wirtschaftlichen Bedeutung. Das Ziel der Rechnungslegung ist es dabei, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens so darzustellen, dass sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können (Art. 958 Abs. 1 OR). Die Rechnungslegung erfolgt nach dem Willen des Schweizer Gesetzgebers grundsätzlich im Geschäftsbericht, welcher die Jahresrechnung (Einzelabschluss) enthält, die sich wiederum aus der Bilanz, der Erfolgsrechnung und dem Anhang zusammensetzt (Art. 958 Abs. 2 OR).

Das neue Rechnungslegungsgesetz hat nur indirekt einen Einfluss auf die Rechnungslegung börsenkotierter Unternehmen, da sich diese an Vorschriften der Börse halten müssen. Was das neue Rechnungslegungsrecht jedoch vorgibt, sind die anerkannten Standards in der Schweiz, die auch für die Börse verbindlich sind. Somit lässt sich insgesamt ein Trend hin zu mehr Regulierung und Transparenz durch sogenannte anerkannte Rechnungslegungsstandards erkennen.  

Mit dem neuen Rechnungslegungsrecht haben sich auch die Vorschriften zur Erstellung der Jahresrechnung verändert. Das Gesetz spricht neu von anerkannten Rechnungslegungsstandards. Als anerkannte Standards gelten die folgenden: IFRS, IFRS für KMU, Swiss GAAP FER, US GAAP und IPSAS (International Public Sector Accounting Standards). Die Vorschriften bezüglich der Rechnungslegung der FINMA für Banken und Effektenhändler und kollektiven Kapitalanlagen sind diesen Standards gleichgestellt. Zuständig für die Wahl des geeigneten Standards ist das oberste Leistungs- oder Verwaltungsorgan einer Organisation. Der gewählte Rechnungslegungsstandard muss für die gesamte Organisation übernommen werden. Der Abschluss bleibt revisionspflichtig. Zusätzlich zum anerkannten Standard wird ein Abschluss nach OR erstellt, welcher die Grundlage für die Steuern bildet. Das Massgeblichkeitsprinzip bleibt somit unverändert.

Mit dem neuen Rechnungslegungsrecht werden qualifizierten Minderheitsbeteiligten mehr Rechte eingeräumt, da ein Abschluss nach anerkanntem Rechnungslegungsstandard gefordert werden kann. Als qualifizierte Minderheiten gelten Minderheiten, welche mindestens 20% des Grundkapitals, 10% der Genossenschaftler oder 20% der Vereinsmitglieder vertreten oder persönlich haftungs- oder nachschusspflichtig sind.

Das neue Rechnungslegungsrecht und die Buchführung

Von der Rechnungslegung inhaltlich zu trennen ist die Buchführung, so dass nicht alle buchführungspflichtigen Unternehmen zugleich der Rechnungslegung verpflichtet sind. Das Schweizer Rechnungslegungsrecht hat mit Art. 957 Abs. 2 OR die Möglichkeit der Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung anstelle einer ordentlichen Rechnungslegung für folgende Organisationen geschaffen:

  1. Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit weniger als 500 000 Franken Umsatzerlös im letzten Geschäftsjahr;
  2. diejenigen Vereine und Stiftungen, die nicht verpflichtet sind, sich ins Handelsregister eintragen zu lassen;
  3. Stiftungen, die nach Art. 83b Absatz 2 ZGB von der Pflicht zur Bezeichnung einer Revisionsstelle befreit sind.

Verändert haben sich ebenfalls die Vorschriften zur Erstellung einer Konzernrechnung. Auch hier wurden Minderheitsbeteiligten mehr Rechte auf Transparenz zugewiesen. Es gelten dieselben Kriterien wie für die Erstellung eines zusätzlichen Abschlusses nach anerkanntem Standard. Konzernrechnungen, welche nicht nach einem anerkannten Standard publizieren, unterstehen den Grundsätzen ordnungsmässiger Rechnungslegung. Für einige Konzerne sind Buchwertkonsolidierungen nach wie vor möglich.

Case Law und Code Law

Auch wenn die Rechnungslegung länderübergreifend als Kommunikationsinstrument mit dem Ziel einheitlicher Informationsvermittlung erfolgt, ist doch bemerkenswert, dass sich das neue Rechnungslegungsrecht jeweils national völlig unterschiedlich entwickelt hat. Grundsätzlich wird hierbei zwischen zwei unterschiedlichen Rechtssystemen unterschieden: dem angloamerikanischen System, welches stark durch das Gewohnheitsrecht (Case Law) geprägt ist, und dem kontinentaleuropäischen System, welches sich an einer stärkeren Kodifizierung des Rechts (Code Law) orientiert. Während im Case Law vor allem richterliche Einzelfallentscheidungen die Rechtsquellen darstellen, sind die Rechtsquellen im Code Law in erster Linie im Gesetz niedergeschrieben. Letzteres gilt entsprechend für das nationale Rechnungslegungsrecht in der Schweiz. Für die Rechnungslegung hat die geringere Kodifizierung im Case Law zur Folge, dass Wirtschaftsprüfer, Börsenaufsichtsbehörden, Wissenschaftler und weitere Interessenten der Rechnungslegung wesentlichen Einfluss auf die Rechnungslegungsnormen ausüben können. Neben dem Staat als Gesetzgeber und Hüter des Rechnungslegungsrechts nehmen daher zunehmend auch private Körperschaften eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Rechnungslegung ein.

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