09.04.2019

Swiss GAAP FER 26: Rechnungslegung von Vorsorgeeinrichtungen

Der Standard Swiss GAAP FER 26 wurde per 1. Januar 2014 überarbeitet und der Bundesrat hat die aktuelle Version in die Verordnung übernommen. Die Entwicklung der Rechnungslegung von Vorsorgeeinrichtungen bleibt jedoch auch nach Einführung des neuen FER 26 nicht stehen.

Von: Andreas Thut, Patrick Zahno  DruckenTeilen 

Andreas Thut

Andreas Thut ist Partner und Bereichsleiter Wirtschaftsprüfung bei der OBT AG in Brugg. Seine Revisions- und Beratungsschwerpunkte sind neben Vorsorgeeinrichtungen auch Revisionen von Aktiengesellschaften, GmbHs, Genossenschaften, Non-Profit-Organisationen sowie von öffentlich-rechtlichen Institutionen. Er ist Mitglied der Fachkommission BVG der Treuhand-Kammer und Leiter der Fachgruppe BVG der OBT AG.

Patrick Zahno

Patrick Zahno ist Partner im Bereich Wirtschaftsprüfung sowie Geschäftsleitungsmitglied bei der OBT AG in Zürich. Seine Schwerpunkte sind die Beratung und Prüfung von Dienstleistungs- und Industrieunternehmen sowie von Vorsorgeeinrichtungen. Er verfügt über eine grosse Erfahrung in der Einführungsunterstützung und Umstellung der Rechnungslegung auf Swiss GAAP FER.

Swiss GAAP FER 26

Ein Anpassungsprozess

Seit der Einführung von Swiss GAAP FER 26 per 1.1.2004 und der Regelung auf Verordnungsebene verfügen sämtliche Einrichtungen der beruflichen Vorsorge über einen einheitlichen Rechnungslegungsstandard. Die Lesbarkeit von Jahresrechnungen wurde damit – zumindest für sachkundige Leser – verbessert. Insbesondere aufgrund der statischen Berechnung der Vorsorgekapitalien und der technischen Rückstellungen ist aber die Vergleichbarkeit der Jahresrechnung von Vorsorgeeinrichtungen nach wie vor eingeschränkt. Auch der übergeordnete Grundsatz von Swiss GAAP FER von true & fair view ist aufgrund der verschiedenen Wahlrechte eingeschränkt. Die Transparenzbedürfnisse der Versicherten, des Gesetzgebers, der Öffentlichkeit und vieler weiterer Kreise haben dazu geführt, dass die Jahresrechnungen von Vorsorgeeinrichtungen Jahr für Jahr ausgebaut werden mussten.

Überarbeiteter Swiss GAAP FER 26

Insbesondere die mit der Strukturreform in der beruflichen Vorsorge in Kraft getretenen Transparenzvorschriften im Zusammenhang mit der dazugehörenden Weisung der Oberaufsichtskommission BV haben die Überarbeitung des FER 26 unausweichlich gemacht. Mit dieser wurden auch die Praxisergänzungen der letzten Jahre übernommen sowie Unklarheiten beseitigt. Nachfolgend eine Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen, wobei auf den Spezialfall der öffentlich-rechtlichen Vorsorgeeinrichtungen nicht eingegangen wird:

Abbildung 1: Änderungen

Auch wenn davon auszugehen ist, dass die nächste Anpassung des FER 26 längere Zeit auf sich warten lassen wird, wird sich die Rechnungslegung von Vorsorgeeinrichtungen laufend dem Umfeld anpassen müssen. Nachstehend zeigen wir zwei Beispiele dazu auf.

Auflagen von Aufsichtsbehörden

Im Dezember/Januar erscheinen jeweils die Informationsschreiben der kantonalen (bzw. regionalen) Aufsichtsbehörden. Dieses Instrument wird teilweise rege benutzt, um die Rechnungslegungsvorschriften von FER 26 zu erweitern. Ein beliebtes Thema in den letzten Jahren waren zum Beispiel Retrozessionen und die dazugehörige Offenlegung im Anhang der Jahresrechnung.

Wir stellen immer wieder fest, dass die Informationsschreiben der Aufsichtsbehörden bzw. die individuellen Auflagen bei der Erstellung einer Jahresrechnung vergessen gehen. Bei Abschlusserstellung sollten deshalb die Internetseiten der Oberaufsichtskommission BV, der Aufsichtsbehörde sowie die individuelle Korrespondenz der Aufsichtsbehörde zu neuen Bestimmungen betreffend Rechnungslegung konsultiert werden.

Abbildung 2: Forderungen

Änderung der Anlagevorschriften seit 1. Juli 2014

Oftmals hinterlassen Änderungen im Gesetz oder der Verordnung ihre Spuren in der Rechnungslegung. Anfang Juni hat der Bundesrat die Anlagevorschriften im BVV 2 per 1. Juli 2014 geändert (Umsetzung per 31.12.2014 bzw. 1.1.2015). Es handelt sich dabei um die Risiken von Wertschriftenanleihen und Repo-Geschäften. Geregelt wurde insbesondere, was als Forderung gilt und welche Forderungen als alternative Anlagen ausgewiesen werden müssen.

Wir gehen nicht auf die Vermögensanlage als solche ein, sondern auf die Auswirkung auf die Rechnungslegung. Jede Pensionskasse verfügt über operative Aktiven, welche der Abwicklung der Geschäftstätigkeit dienen. Es handelt sich dabei um flüssige Mittel, Kontokorrente Rückversicherungen und Liegenschaftenverwalter etc. Im FER 26 sind diese operativen Aktiven nur ungenügend geregelt. Sie werden der Vermögensanlage zugeordnet, was vom Grundsatz her nicht richtig ist. Diese Positionen können nicht aktiv im Sinne der Vermögensanlage bewirtschaftet werden.

Die zulässigen Anlagen sind im Weiteren in Artikel 53 BVV 2 umschrieben. Forderungen sind dabei wie folgt geregelt: FER 26 in Verbindung mit Art. 53 BVV 2 (neu) weist einen Teil der operativen Aktiven den alternativen Anlagen zu und blockiert damit unter Umständen einen gewissen Anteil an der Kategorienbegrenzung von 15 % für diese alternativen Anlagen.

Es empfiehlt sich, die operativen Aktiven aus der Vermögensanlage herauszulösen und separat zu zeigen. Dies entspricht nicht mehr in allen Belangen FER 26, kommt jedoch den tatsächlichen Gegebenheiten näher. Einige Pensionskassen praktizieren dies bereits heute.

Fazit

Die Rechnungslegung bei Vorsorgeeinrichtungen ist ein regelrechter Anpassungsprozess. Sich auf FER 26 abzustützen, genügt aber nicht. Die stetig ändernden Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen sowie die Anforderungen der Aufsichtsbehörden und der Oberaufsichtskommission BV sind konstant im Auge zu behalten und in der Rechnungslegung zu berücksichtigen. Es gilt: die einzige Konstante ist die Veränderung.

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