04.04.2018

Fremdwährungen: Massnahmen für Kostenreduktion bei KMU

Grosskonzerne beschäftigen ganze Teams zur Optimierung von Fremdwährungstransaktionen und Steuerung von Währungsrisiken. Kleineren und mittleren Unternehmen hingegen stehen solche Ressourcen normerweise nicht zur Verfügung. Oft ist die Geschäftsführung zusammen mit der Buchhalterin oder dem Buchhalter für alles selber verantwortlich.

Von: Robert Bloch  DruckenTeilen Kommentieren 

Robert Bloch

Robert Bloch verfügt über langjährige Erfahrung im Treasury- und Währungsmanagement bei Grossunternehmen und ist Mitgründer der AMNIS Treasury Services AG.

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Die Behandlung von Fremdwährungen in KMU

Der Devisenmarkt ist eher intransparent und KMUs fehlen aufgrund der limitierten wirtschaftlichen Grösse die Möglichkeiten, mit Banken auf Augenhöhe zu verhandeln. Dies führt dazu, dass die Kosten für Währungswechsel oft zu hoch sind. Die Frage ist, wie können KMUs trotz fehlender Grösse und Ressourcen die Kosten im Zusammenhang mit Währungstransaktionen senken?

Einfache Massnahmen bewirken bereits sehr viel. Einerseits lohnt es sich, die in den Wechselkursen enthaltenen Margen zu kennen und mögliche Wechselalternativen zu prüfen. Anderseits lassen sich durch geschicktes Strukturieren der Geldflüsse nötige Währungswechsel reduzieren. Durch das so kleinere Wechselvolumen fallen die Kosten per se tiefer aus.

Massnahme 1: Senken der Konditionen bei Fremdwährungstransaktionen

Der grösste Teil des weltweit gehandelten Devisenhandelsvolumens wird in einem riesigen Netzwerk von Grosskonzernen und Grossbanken abgewickelt. Kleinere Unternehmen verfügen oft nur via Hausbank über Zugang zu diesem Devisenmarkt. Dadurch fehlen Vergleichsmöglichkeiten.

Zudem weist die Bank ihre Marge nicht gesondert aus, sondern rechnet diese direkt in den Wechselkurs ein. Das heisst, dass der Kaufpreis eines Euros bei der Bank um den entsprechenden Betrag höher ist als sein effektiver Marktwert. So werden Margen oft nicht als Kosten erkannt. Dies führt zu weiterer Intransparenz.

Wie berechnet man die Marge?

Das folgende Beispiel zeigt diesen Vorgang exemplarisch auf (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Kurstabelle einer Schweizer Bank

 Fallbeispiel
Die Firma Müller AG hat am Monatsende Lieferantenrechnungen in Euro zu begleichen. Dazu kauft sie EUR 40 000.– von ihrer Hausbank.

• Die Euros werden zum Kurs von CHF 1.1655 pro EUR abgerechnet, die Bank belastet dem CHF-Kontokorrent der Müller AG CHF 46 620.–.
• Die Bank kauft die EUR 40 000.– direkt auf dem Devisenmarkt, und zwar zum Mittelkurs von 1.14815 (dies entspricht CHF 45 926.–).
• Die Bank realisiert einen Gewinn von CHF 694.– (oder eine Marge von rund 1,5%).

Im Quervergleich fällt auf, dass sich die Margen je nach Anbieter stark unterscheiden. Mit der Wahl des richtigen Finanzpartners kann mehr als 1% auf dem Fremdwährungsvolumen eingespart werden. Was auf den ersten Blick nach wenig tönt, macht am Ende allerdings oft einen schönen Anteil an der Gewinnmarge des Unternehmens aus.

Abbildung 2: Margen in Prozent beim Devisenhandel

Massnahme 2: Strukturieren von Währungsflüssen bei Absicherungen

Ziel von Währungsabsicherungen ist es, den Einfluss von potenziellen Währungsschwankungen auf den operativen Gewinn zu reduzieren. Gleichzeitig kann man aber mit der Wahl der richtigen Absicherungsstrategie auch das absolute Transaktionsvolumen und somit Kosten senken. Das individuelle Geschäftsmodell und die Marktmacht einer Firma bestimmen, welche der möglichen Strategien am besten passt:

  • Natural Hedging
    Im Optimalfall besteht die Möglichkeit, die Währungen von Aufwand und Ertrag so zu koordinieren, dass kein Überhang entsteht. Sprich, man fakturiert den Kunden in derselben Währung, in welcher man Lieferanten bezahlt. So minimiert man nicht nur Währungsrisiken, sondern sorgt gleichzeitig auch dafür, dass keine Währungswechsel nötig sind. Mit Blick auf die Kosten und Abwicklung ist dies sicher die günstigste und einfachste Variante. Jedoch ist die Umsetzung stark abhängig von der eigenen Marktmacht.
  • Indexierung des Wechselkurses bei längeren Lieferverträgen
    Manchmal ist es einer Unternehmung möglich, Klauseln zur Kursanpassung in den Offerten oder Lieferverträgen festzuschreiben. Diese erlauben es beiden Seiten, den Währungskurs anzupassen, falls sich dieser zu fest verändert. Diese Art der Absicherung gegen Währungsschwankungen wird Indexierung genannt. Dabei wird aber nur der Währungskurs gesichert. Spot-Währungswechsel müssen trotzdem noch vorgenommen werden.
  • Absicherung einzelner Geschäfte beim Projektgeschäft
    Sobald der Vertrag mit einem Kunden zustande kommt, wird zur Sicherung des Wechselkurses ein Termingeschäft abgeschlossen. Dadurch sichern Sie die kalkulierte operative Marge bereits bei Vertragsunterzeichnung ab. Dieses Vorgehen ist insbesondere beim Projektgeschäft sinnvoll.
  • Rollierende Absicherungsstrategie bei kontinuierlichem Geschäft
    Entsteht das Währungsrisiko durch viele kleine und kontinuierliche Geschäftsabschlüsse, bietet sich eine rollierende Absicherung an. Dabei wird der gesamthafte Fremdwährungsüberhang ermittelt und mittels Termingeschäften rollierend ganz oder teilweise abgesichert. So reduziert sich der Einfluss von Währungsschwankungen auf die operative Marge.

Fazit

Konditionen vergleichen lohnt sich. Im Durchschnitt besteht bei der richtigen Wahl der Gegenpartei für KMUs ein Einsparungspotenzial von mehr als 1% des Fremdwährungsvolumens.

Das Geschäftsmodell eines Unternehmens bestimmt die geeignete Absicherungsstrategie und die möglichen Absicherungsinstrumente. Die Wahl der Absicherungsinstrumente bestimmt die Höhe des Transaktionsvolumens und der involvierten Kosten.

Dieser Beitrag stammt aus dem Print-Newsletter Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen. Möchten Sie noch mehr Tipps zur Kostenoptimierung? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Print-Newsletter Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen.

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