23.03.2015

Euro-Mindestkurs: Steuerliche Auswirkungen der Aufhebung auf die Jahresrechnung 2014

Der Entscheid der Schweizer Nationalbank, den Euro-Mindestkurs gegenüber dem Schweizer Franken aufzuheben, wirft im Hinblick auf die Jahresrechnung 2014 steuerrechtlich interessante Fragestellungen auf.

Von: Daniel Gentsch, Ralf Noffke, Philipp Roth   Drucken Teilen   Kommentieren  

Daniel Gentsch

Daniel Gentsch ist Partner Tax Leader bei EY Zürich.

 

 

Ralf Noffke

Ralf Noffke, lic. oec. HSG, eidg. dipl. Wirtschaftsprüfer, Senior Manager, Financial Accounting Advisory Services, EY Zürich, ralf.noffke@ch.ey.com

 

 

Philipp Roth

Philipp Roth, MLaw, Knowledge Manager, Tax Services, EY Zürich und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Schweizerisches, Europäisches und Internationales Steuerecht der Universität Zürich, philipp.roth@ch.ey.com

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Euro-Mindestkurs

Hintergrund und Ausgangslage

Am 15. Januar 2015 hat die Schweizer Nationalbank (SNB) den 2011 eingeführten Euro-Mindestkurs per sofort – und ohne Vorwarnung – aufgehoben. Dies führte zu einer starken Aufwertung des Schweizer Frankens und in der Folge zu teils erheblichen Währungsverlusten aus der Bewertung von Aktiven in Fremdwährung.  

Der Entscheid der SNB stellt die Unternehmen aber nicht nur vor grosse wirtschaftliche Herausforderungen, sondern wirft auch im Hinblick auf die Jahresabschlussplanung 2014 interessante handels- und steuerrechtliche Fragen auf. So stellt sich die Frage, ob Rückstellungen für eingetretene Währungsverluste bzw. Wertberichtigungen auf den in Euro geführten Bilanzpositionen bereits per 31. Dezember 2014 steuerlich wirksam verbucht werden können.  

Handelsrechtliche Würdigung

Aus handelsrechtlicher Sicht ist zunächst zwischen den einzelnen Rechnungslegungsstandards zu unterscheiden. Während sich die Rechnungslegungsstandards nach true and fair view (Swiss GAAP FER und IFRS) am reinen Stichtagsprinzip orientieren, räumt die Rechnungslegung nach Obligationenrecht (OR) auch dem Imparitätsprinzip – als eine wesentliche Ausprägung des Vorsichtsprinzips – einen hohen Stellenwert ein.  

Für steuerliche Zwecke ist der Einzelabschluss nach OR massgeblich. Entsprechend dem Imparitätsprinzip sind Aufwendungen oder Verluste bereits dann in der Jahresrechnung abzubilden, wenn das auslösende Ereignis am Bilanzstichtag erkennbar bzw. wenn mit dessen Eintritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu rechnen war. Erträge sind hingegen erst dann zu berücksichtigen, wenn sie realisiert wurden. Als realisiert gelten Erträge, wenn die zugrundeliegende Forderung rechtlich und tatsächlich durchsetzbar ist.  

Rückstellungen für zukünftige Währungsrisiken sind folglich dann zu bilanzieren, wenn deren auslösendes Ereignis am 31. Dezember 2014 bereits erkennbar bzw. mit dessen Einritt zu rechnen war. Im Hinblick auf den Entscheid der SNB führt dies zu folgendem Schluss:  

  • War der Entscheid der SNB am Bilanzstichtag erkennbar oder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussehbar, sind allfällige Rückstellungen für Währungsverluste in der Jahresrechnung 2014 vorzunehmen.
  • War der Entscheid der SNB hingegen zum Bilanzstichtag noch nicht erkennbar oder mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussehbar, sind die Währungsverluste für die Jahresrechnung 2014 grundsätzlich nicht massgeblich. Wesentliche Ereignisse die zwischen dem Bilanzstichtag und der Freigabe der Jahresrechnung eintreten sind hingegen im Anhang offenzulegen.  

Sollten nach dem Bilanzstichtag eintretende Ereignisse zur Folge haben, dass die Fortführung eines Unternehmens nicht mehr gewährleistet ist, sind diese – in Abweichung vom Stichtags- und Imparitätsprinzip – bereits in der Jahresrechnung 2014 abzubilden. Eine weitere Ausnahme von diesen Prinzipien bildet der Grundsatz der verlustfreien Bewertung. Nach diesem Grundsatz, sind in der Jahresrechnung 2014 bereits dann Wertberichtigungen auf dem Buchwert der Aktiven (bspw. auf den Warenvorräten) vorzunehmen, wenn der Verkaufspreis der Aktiven (abzgl. Verkaufskosten) durch die Aufwertung des Schweizer Franken derart unter Druck gerät, dass der Anschaffungswert bzw. der Warenwert zum Bilanzstichtag bei einem Verkauf der Aktiven nicht mehr gedeckt wäre. Eine ähnliche Situation könnte sich auch dann ergeben, wenn der Verkaufspreis der Schweizer Waren in Fremdwährung vereinbart wurde (bspw. Verkauf von Waren in Euro an Kunden in Deutschland).  

Steuerrechtliche Auswirkungen

Handelsrechtlich gebildete Rückstellungen für zukünftige Währungsrisiken und Wertberichtigungen gelten steuerrechtlich nur dann als zulässig, wenn sie sich zum Zeitpunkt des Bilanzstichtags als geschäftsmässig begründet erweisen. Als geschäftsmässig begründet gelten Rückstellungen, wenn sie zur Sicherung einer unmittelbar drohenden Verlustgefahr vorgenommen werden. Erweisen sich Rückstellungen hingegen als nicht geschäftsmässig begründet, sind sie steuerlich aufzurechnen.  

Schlussfolgerung zum Euro-Mindestkurs

Der Entscheid der SNB erging am 15. Januar 2015, also nach dem Bilanzstichtag. Zum Bilanzstichtag war eine unmittelbare Verlustgefahr nicht absehbar, da sich der Eurokurs weder bereits während der Veranlagungsperiode reduziert hat noch sich bereits zum Bilanzstichtag ein weiterer Kursverlust abgezeichnet hat. Die SNB hatte zudem noch im Dezember 2014 medienwirksam bestätigt, dass sie am Euro-Mindestkurs festhalten werde, weshalb per 31. Dezember 2014 noch nicht ernsthaft damit zu rechnen war, dass dieser in Kürze aufgegeben würde. Von einer unmittelbar drohenden Verlustgefahr zum Zeitpunkt des Bilanzstichtags war nicht auszugehen. In der Jahresrechnung 2014 berücksichtigte Währungsverluste sind daher voraussichtlich als nicht geschäftsmässig begründet und damit als steuerlich nicht massgeblich zu betrachten.  

In der Praxis zeigen sich jedoch auch gewisse Anzeichen, dass einzelne Kantone Rückstellungen für zukünftige Währungsrisiken eher grosszügig prüfen dürften. Dies auch vor dem Hintergrund, dass es sich ausschliesslich um eine zeitliche Verschiebung der steuerlichen Erfassung des Aufwandes handelt und somit kein Steuersubstrat verloren geht. Eine einheitliche Linie ist derzeit nicht erkennbar, weshalb es für die betroffenen Unternehmen unter Umständen lohnenswert ist, zusammen mit der veranlagenden Steuerbehörde abzuklären, ob allfällige Währungsverluste bereits in der Jahresrechnung 2014 berücksichtigt werden können.    

Quelle: Dieser Beitrag stammt aus dem Tax-News, Ernst & Young AG, Ausgabe Frühling 2015.

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