06.12.2017

Geldflussrechnungen: Für alle Unternehmen anwendbar?

Mit dem Rechnungslegungsrecht wurde die Geldflussrechnung für grössere Unternehmen zum gesetzlich vorgeschriebenen Bestandteil der Jahresrechnung und muss somit auch von der Revisionsstelle geprüft werden. Da sich der Aufwand für die Erstellung in Grenzen hält, ist sie auch für KMU sinnvoll. Sie ist ein wirksames Mittel zur finanziellen Führung.

Von: Christian Siegfried   Drucken Teilen   Kommentieren  

Christian Siegfried

Christian Siegfried ist Partner und leitet die Abteilung Wirtschaftsprüfung der OBT AG in Weinfelden. Er berät und prüft Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, Non-Profit-Organisationen sowie Pensionskassen und verfügt über grosse Erfahrung in den Bereichen Swiss GAAP FER und IFRS. Zudem ist er anerkannter Revisor für die Prüfung von AHV-Ausgleichskassen.

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Geldflussrechnungen

Geldflussrechnungen als elementares Instrument für ein Unternehmen

Neben dem Gewinn stellt der Cashflow eine der zentralen Grössen für die Beurteilung der Finanzlage eines Unternehmens dar. Der Cashflow wird dabei als Veränderung eines Fonds (zum Beispiel «Flüssige Mittel») verstanden, und die Geldflussrechnung legt die verschiedenen Einflussgrössen auf die Fondsveränderung während eines Geschäftsjahrs offen. Sie ist somit ein elementares Instrument, um die Finanzlage des Unternehmens einzuschätzen, insbesondere auch für die Beurteilung der Entwicklung der Zahlungsfähigkeit.

Die Pflicht zur Erstellung einer Geldflussrechnung wurde auf die grösseren Unternehmen beschränkt (Art. 961 Ziff. 2 OR). Es sind dies Firmen, die von Gesetzes wegen zu einer ordentlichen Revision verpflichtet sind. Davon betroffen sind Gesellschaften, die zwei der nachfolgenden Grössen in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren überschreiten: Bilanzsumme CHF 20 Mio./Umsatz CHF 40 Mio. und 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt. Auf die Geldflussrechnung kann verzichtet werden, wenn das Unternehmen selbst oder eine juristische Person, die das Unternehmen kontrolliert, eine Konzernrechnung nach einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung erstellt (Art. 961d Abs. 1 OR). Die Einhaltung des anerkannten Standards muss von einem zugelassenen Revisionsexperten geprüft werden. Zudem kann bei kleinen und mittleren Unternehmen neu auch eine qualifizierte Minderheit nach Art. 961d Abs. 2 OR eine Geldflussrechnung verlangen.

Wichtige Elemente der Geldflussrechnung

Das Gesetz verzichtet auf ein fixes Gliederungsschema und verlangt gemäss Art. 961b OR die gesonderte Darstellung der Veränderung der flüssigen Mittel aus der Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Inhalt der Geldflussrechnung

Dem Ersteller wird weitgehend freie Hand gelassen, wie die Veränderung der verschiedenen Geldflüsse dargestellt wird. Gemäss Botschaft zum neuen Rechnungslegungsrecht kann die Geldflussrechnung in einfachen Verhältnissen auch sehr kurz sein. Sofern jedoch keine triftigen Gründe für Abweichungen bestehen, richtet sich die Gliederung nach den Vorschriften zur Bilanz (Art. 959a OR). So sind also beispielsweise bei der Darstellung der Veränderung der flüssigen Mittel aus Investitionstätigkeit mindestens die Investitions- bzw. Desinvestitionsvorgänge für Finanzanlagen, Beteiligungen, Sachanlagen, immaterielle Werte sowie nicht einbezahltes Grundkapital offenzulegen. Bei der Veränderung der flüssigen Mittel aus Finanzierungstätigkeit wird der Geldzufluss aus Eigenkapitaleinzahlungen und der Aufnahme von kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten dargestellt. Geldabflüsse in diesem Bereich umfassen die Rückzahlung von Finanzschulden sowie Ausschüttungen aus dem Eigenkapital.

Zulässige Fonds

Mit dem Begriff Geldflussrechnung und den Vorgaben in Art. 961b OR signalisiert der Gesetzgeber, dass die zulässigen Fonds eng auszulegen sind und sich auf flüssige Mittel und geldnahe Vermögenspositionen beschränken. Als zulässige Fonds der Geldflussrechnung gelten, analog zu Swiss GAAP FER 4, die Fonds «Flüssige Mittel» und «Netto-Flüssige Mittel». Die Veränderung dieser sich aus Bilanzkonten zusammensetzenden Fonds muss mit der Veränderung der Bilanzkonten übereinstimmen.

Abbildung 2: Prüfung der Geldflussrechnung

Abbildung 3: Geldflussrechnung mit Fonds Flüssige Mittel

Abbildung 4: Geldflussrechnung mit Fonds Netto-Flüssige Mittel

Geldfluss aus Betriebstätigkeit

Die in der Praxis weitverbreitete indirekte Methode geht vom Periodenergebnis aus und korrigiert dieses um die nicht fonds- bzw. geldwirksamen Aufwendungen und Erträge.

Abbildung 5: Darstellung des Geldflusses aus Betriebstätigkeit in der indirekten Methode

Abbildung 6: Darstellung der Veränderung der flüssigen Mittel aus Investitionstätigkeit

Veränderung der flüssigen Mittel aus Investitionstätigkeit

Der Investitionsbereich umfasst Zu- und Abgänge von Sach- und Finanzanlagen, Erwerb und Veräusserungen von Organisationen sowie von immateriellen Vermögenswerten.

Veränderung der flüssigen Mittel aus Finanzierungstätigkeit

Vorgänge im Finanzierungsbereich sind Veränderungen der Finanzverbindlichkeiten und des einbezahlten Eigenkapitals sowie die Gewinnausschüttung.

Abbildung 7: Darstellung der Veränderung der flüssigen Mittel aus Finanzierungstätigkeit

In der Praxis kommt es vor, dass die ausbezahlten Dividenden im Geldfluss aus Betriebstätigkeit statt im Finanzierungsbereich ausgewiesen werden. Damit soll aufgezeigt werden, dass das Unternehmen in der Lage ist, die Dividenden aus dem operativen Cashflow zu bezahlen. In diesem Zusammenhang werden oft noch die Bezeichnungen «Cashflow Brutto» und «Cashflow Netto» verwendet.

 Beispiel
Cashflow Brutto – Dividendenzahlung = Cashflow Netto

Das neue Rechnungslegungsrecht macht diesbezüglich keine Vorschriften.

Anforderungen aus Sicht des Prüfers

Um eine Geldflussrechnung effizient zu prüfen, muss die Herleitung der Daten vom Prüfer nachvollzogen werden können. Der Ersteller der Geldflussrechnung hat dazu die Herleitung und seine Überlegungen zur Geldflussrechnung schriftlich zu dokumentieren.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Fachartikel «Die Geldflussrechnung ist auch nützlich für KMU?» Möchten Sie weitere spannende Beiträge rund um das Thema Finanz- und Rechnungswesen lesen? Dann abonnieren Sie unseren Print-Newsletter Finanz- und Rechnungswesen!

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