02.07.2014

Währungsschwankungen: Auswirkungen auf Unternehmen und ihre Jahresrechnungen

Erfahren Sie in diesem Beitrag welche Auswirkungen Währungsschwankungen auf Ihr Unternehmen, sowie Ihre Jahresrechnungen haben.

Von: Ivan Nydegger   Drucken Teilen   Kommentieren  

Ivan Nydegger

Ivan Nydegger, dipl. Betriebswirtschafter HF, Wirtschaftsberater bei der T+R AG, Gümligen.

 

 

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Währungsschwankungen

Ausgangslage

Während der Euro zu Beginn des Jahres 2010 noch für rund CHF 1.50 pro Euro gehandelt wurde, ist der Wechselkurs seither stetig gesunken und Anfang August 2011 gar auf ein Rekordtief gefallen, wo er zwischenzeitlich für weniger als CHF 1.10 pro Euro gehandelt wurde. Mittlerweile hat sich der Wechselkurs durch die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank bei rund CHF 1.20 pro Euro eingependelt. Auch der US-Dollar hat in letzter Zeit eine markante Schwäche an den Tag gelegt.  

Für die Turbulenzen auf dem Devisenmarkt und die damit verbundene Überbewertung des Schweizer Frankens sind die Schuldenprobleme in der Euro-Zone – allen voran Griechenland, Irland und Portugal, neuerdings auch Italien und weitere Länder des EU-Raums, welche bereits auf Finanzhilfen der Europäischen Union angewiesen sind – verantwortlich. Das Vertrauen in den Euro als Währung sinkt, weshalb der starke Schweizer Franken für ausländische Investoren als sicherer Hafen dient.

Wirtschaftliche und unternehmerische Folgen von Währungsschwankungen

Die Schweizer Exportwirtschaft und der Tourismus sind von der Überbewertung des Schweizer Frankens stark betroffen. Die Verkaufspreise können auf dem europäischen Absatzmarkt nicht mehr durchgesetzt werden. Es entstehen Wettbewerbsnachteile, welche zu Preissenkungen und damit verbunden zu Margeneinbussen führen. Diese Margeneinbussen müssen möglichst durch Kosteneinsparungen kompensiert werden. Solche Kostenoptimierungen führen zur Verlegung von Produktionen ins Ausland, vermehrtem Wareneinkauf im Ausland, Stellenabbau sowie Verlängerungen von Arbeitszeiten bei gleichbleibenden Löhnen. Schliesslich steigt aber auch der Druck auf die inländischen Sublieferanten. Davon betroffen sind nicht zuletzt viele KMU, welche exportorientierte Unternehmungen beliefern.

Erschwerte Planbarkeit und Absicherungsmöglichkeiten

Grundsätzlich sind Währungsschwankungen ein unternehmerisches Risiko. Entsprechend sind sowohl die negativen als auch die positiven Folgen aufgrund Kursschwankungen, namentlich Kursgewinne und Kursverluste, durch die Unternehmung zu tragen. In Zeiten turbulenter Wechselkurse erschwert sich jedoch die Planbarkeit für eine betroffene Unternehmung um ein Vielfaches.

  • Mit welchem Umsatz bzw. mit welcher Marge darf eine Unternehmung, welche einen Grossauftrag aus dem Euroraum erhält, planen?
  • Wie viel wird der Euro bei Vertragserfüllung wert sein?

Um dieser Problematik zumindest teilweise entgegenzuwirken, können sich entsprechende Absicherungsmöglichkeiten (sog. Hedging) anbieten. Dabei handelt es sich um an der Börse oder ausserbörslich gehandelte Finanzinstrumente, die gegen eine Vielzahl von Risiken – so auch gegen schwankende Wechselkurse – eingerichtet werden können. An folgendem Einführungsbeispiel soll ein gängiges Absicherungsgeschäft, das Devisentermingeschäft, veranschaulicht werden:

Eine Schweizer Unternehmung, welche Maschinen verkauft, vereinbart mit einem Kunden in Österreich, bis Ende des Jahres Maschinen im Wert von EUR 600‘000 zu liefern. Bei Vertragsabschluss beträgt der Wechselkurs CHF 1.30, die Unternehmung plant entsprechend mit einem Verkaufserlös von CHF 780‘000. Nun sinkt der Wechselkurs bis zur Vertragserfüllung auf CHF 1.25 und die Unternehmung generiert CHF 30‘000 weniger Ertrag als geplant.

  • Um das Währungsrisiko auszuschalten, verkauft die Schweizer Unternehmung der Hausbank bei Vertragsabschluss EUR 600‘000 auf den Termin per Ende Jahr zu einem bestimmten Terminkurs, z.B. zu CHF 1.29. Somit erhält die Schweizer Unternehmung bei Vertragserfüllung CHF 774‘000 und der währungsbedingte Verlust reduziert sich um CHF 24‘000 auf CHF 6‘000.

Es gilt jedoch zu beachten, dass ein Devisentermingeschäft ein verpflichtendes Geschäft ist. Das heisst, die Firma muss zum vereinbarten Termin und zum vereinbarten Kurs verkaufen. Falls der Wechselkurs inzwischen gestiegen sein sollte, könnte sie nicht von einem Kursgewinn profitieren.

Verbuchung von Fremdwährungstransaktionen

Nach Art. 662a Abs. 2 Ziff. 3 OR gilt der Grundsatz der Vorsicht: Gewinne dürfen erst bei deren Realisation verbucht werden und drohende Verluste müssen zurückgestellt werden (Imparitätsprinzip). Zur Verbuchung von Fremdwährungstransaktionen gibt es verschiedene zulässige Methoden, die sich jedoch in der Aussagekraft der Erfolgsrechnung erheblich unterscheiden können:        

Umrechnung zum Transaktionskurs

  • Die Fremdwährungstransaktionen werden zum Devisenkurs im Zeitpunkt der Geschäftsabwicklung umgerechnet. Die Verzerrungen sind bei dieser Methode am geringsten. Bei Geschäften, die sich über eine längere Dauer hinziehen, sind Anzahlungen jeweils zum Kurs des Fälligkeitsdatums umzurechnen, es sei denn, es wurden Absicherungsgeschäfte (siehe vorstehende Ausführungen) getätigt.


Umrechnung zum Zahlungskurs

  • Erfolgt die Umrechnung zum Tageskurs der Zahlung erübrigt sich die Verbuchung von Kursdifferenzen. Unter Umständen kann bei dieser Methode der Gewinnausweis beeinflusst werden, da die Kurse je nach Zahldatum starken Schwankungen unterliegen. Dies kann zu unwillkürlichen Kursdifferenzen führen.  


Umrechnung mittels eines fixen Buchkurses

  • Bei dieser Methode wird ein interner (fixer) Wechselkurs  festgelegt, welcher für eine bestimmte Zeitspanne seine Gültigkeit behält. Bei geringen Kursschwankungen kann die Wahl dieser Methode durchaus sinnvoll sein. Jedoch ist die Verwendung eines internen Buchkurses (z.B. Budgetkurs) während des ganzen Geschäftsjahres nicht vertretbar. Bei grösseren Abweichungen (bei ca. 3 bis 5%) ist eine Anpassung an die neuen Verhältnisse erforderlich.

Bewertung von Fremdwährungspositionen

Für die Bewertung von Fremdwährungspositionen gibt es ebenfalls verschiedene zulässige Methoden:  

Stichtagskurs-Methode

  • Alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten in Fremdwährung werden zu Jahresendkursen bewertet.

Nominal-/Sachwert-Methode

  • Alle Forderungen und Verbindlichkeiten werden zu Jahresendkursen, Sachwerte inklusive Warenvorräte werden zu historischen Kursen umgerechnet. Diese Methode wird jedoch als veraltet betrachtet.

Modifizierte Nominal-/Sachwert-Methode

  • Alle Forderungen und Verbindlichkeiten inklusive Warenvorräte werden zu Jahresendkursen, Sachwerte werden zu historischen Kursen bewertet.

Fristigkeitsmethode (Current / Noncurrent-Methode)

  • Das Umlaufvermögen und die kurzfristigen Verbindlichkeiten werden zu Jahresendkursen, alle übrigen Aktiven und Passiven werden zu historischen Kursen umgerechnet. Diese Methode wird nur selten angewandt.

Unabhängig der gewählten Methode könnte bei der Bewertung je nach Entwicklung der Fremdwährungskurse ein Verstoss gegen das Niederstwertprinzip vorliegen und es würden nicht realisierte Gewinne ausgewiesen. In diesem Fall ist eine Wertberichtigung oder eine Rückstellung zu bilden.

Bei Guthaben ist der Geldkurs und bei Verpflichtungen der Briefkurs des entsprechenden Bilanzstichtags anzuwenden. Die Anwendung des durchschnittlichen Devisenkurses am Bilanzstichtag oder der von der Eidgenössischen Steuerverwaltung ermittelte durchschnittliche Devisenkurs des dem Bilanzstichtag vorangehenden Monats ist ebenfalls vertretbar. Kursdifferenzen sind zudem erfolgswirksam, i.d.R. im Finanzerfolg, zu erfassen.

Ausführungen zur Bewertung einzelner Bilanzpositionen in fremder Währung

Flüssige Mittel

  • Kursgewinne bzw. –verluste werden als realisiert betrachtet. Diese Positionen werden daher zum Devisenkurs des Bilanzstichtages umgerechnet.

Kurzfristige Forderungen und Verbindlichkeiten

  • Kursgewinne bzw. –verluste werden als realisiert betrachtet, sofern diese Positionen eine hohe Umschlagshäufigkeit aufweisen und erforderliche Wertberichtigungen im Zusammenhang mit der generellen Bewertung gebildet wurden. Sind diese Bedingungen erfüllt, werden auch diese Positionen zum Tageskurs bewertet.

Warenvorräte

  • Bei dieser Position ist zwingend das Niederstwertprinzip zu beachten. Die Vorräte dürfen im Vergleich zu den Anschaffungskosten nicht aufgrund höherer Stichtagskurse aufgewertet werden. Zudem ist eine Wertkorrektur angezeigt, sobald der realisierbare Verkaufsmarktpreis zurückgeht. Dies gilt bei niedrigen Preisen auf dem Einkaufsmarkt bedingt durch Währungsschwankungen.

Langfristige Guthaben und Verpflichtungen

  • Aufgrund der Langfristigkeit ist dem Grundsatz der Vorsicht grosse Bedeutung beizumessen. Nicht realisierte Kursverluste sind erfolgswirksam zu erfassen, nicht realisierte Kursgewinne dürfen nicht ausgewiesen werden (Imparitätsprinzip).

Beteiligungen

  • Beteiligungen werden zu historischen Kursen bewertet.

Schlussfolgerung zu Währungsschwankungen

Schwankende Wechselkurse stellen ein unternehmerisches Risiko dar, welches Kostenoptimierungen unabdingbar macht. Die Planbarkeit wird infolge starker Kursschwankungen für etliche Unternehmungen erschwert, wogegen der Einsatz von Absicherungsgeschäften prüfenswert ist. Die Aussagekraft in der Erfolgsrechnung kann durch die Wahl der Buchungsmethode beeinflusst werden. Unabhängig der Bewertungsmethode ist dem Grundsatz der Vorsicht Rechnung zu tragen, wonach Gewinne erst bei deren Realisation verbucht werden dürfen und für drohende Verluste Rückstellungen zu bilden sind.    

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