10.07.2019

Eingeschränkte Revision: Fluch oder Segen?

Als Reaktion auf die grossen Bilanzskandale zu Beginn des Millenniums trat in der Schweiz per 1. September 2007 das Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) in Kraft. Zur Überwachung der Revisionsunternehmen wurde die Revisionsaufsichtsbehörde geschaffen, die mit Kontrollen und Zulassungsprüfungen derartige Missstände verhindern soll. Doch die strengen Vorschriften der ordentlichen Revision, die auch für die eingeschränkte Revision gelten, bieten den KMU bürokratisch keine Entlastung oder Erleichterungen.

Von: Michael Hasler  DruckenTeilen 

Michael Hasler

 

Michael Hasler ist Treuhänder mit eidg. FA, zugelassener Revisionsexperte RAB.

 

 

Eingeschränkte Revision

Schnellschuss Revisionsaufsichtsgesetz

Das Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) wurde in aller Eile unter dem Druck des Sarbanes- Oxley Act aus den USA ohne vorhergehende Vernehmlassung vom Parlament abgesegnet und ist vor allem auf die Revisoren börsenkotierter Publikumsgesellschaften zugeschnitten.

In der Botschaft des Bundesrats zum Gesetz wird zwar die KMU-Freundlichkeit betont und darauf hingewiesen, dass den Bedürfnissen der Praxis entsprechend zulässig ist, Beratungsdienstleistungen im Bereich der Buchhaltung, der Abschlusserstellung und der eingeschränkten Revision in eine Hand zu geben. Dies trage dem Umstand Rechnung, dass viele KMU aus personellen oder fachlichen Gründen nicht in der Lage seien, ihre Buchführung oder ihren Jahresabschluss selbstständig und ohne Unterstützung Dritter zu erstellen.

Der Beizug zusätzlicher Berater hätte jedoch bedeutende Kostenfolgen, die für Kleinunternehmen ins Gewicht fallen würden. Eine Hilfestellung durch die Revisionsstelle sei dem gegenüber effizienter und günstiger. Die sich daraus ergebende Beeinträchtigung der Unabhängigkeit der Revision scheine vertretbar, wenn sie auf kleine Unternehmen beschränkt bleibe.

Die Absicht, die KMU bürokratisch zu entlasten und Erleichterungen einzuführen, wurde durch die anschliessende Praxis der Revisionsaufsichtsbehörde, die eingeschränkte Revision den strengen Vorschriften der ordentlichen Revision zu unterwerfen, ad absurdum geführt. Dies führte auch bei der eingeschränkten Revision zu einer starken Formalisierung und Bürokratisierung. Die klare personelle Trennung zwischen der Revi sionstätigkeit und anderen Beratungstätigkeiten sowie die Pflicht zu einer internen Qualitätssicherung erschweren oder verunmöglichen den Marktzugang von Einpersonenbetrieben und kleineren Unternehmen. Damit steigen die Kosten, ohne dass die kleineren und mittleren Prüfkunden überhaupt eine Gegenleistung erkennen können.

Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass praktisch alle dafür infrage kommenden Prüfkunden das Opting-out gewählt haben und somit auf eine freiwillige eingeschränkte Revision verzichten.

Revision hilft

Unseres Erachtens ist dies keine optimale Lösung, da die Revisionsstelle die Qualität des Rechnungswesens stärkt und aktuelles Fachwissen ins Unternehmen bringt. Somit entstehen beim Opting-out für den Verwaltungsrat erhöhte Risiken, dass Gesetzesverstösse nicht erkannt und damit verhindert werden können, wie beispielsweisse Verstösse gegen das Geldwäschereigesetz, das Verbot der Einlagerückgewähr sowie die direkte Teilliquidation im Zusammenhang mit eigenen Aktien. Oft fehlt auch die Erfahrung mit neuen Sachverhalten in der Rechnungslegung. Auch ist die Umsetzung eines Vieraugenprinzips meist nicht praktikabel, sodass das Risiko von unentdeckten Fehlern und Vermögensdelikten erhöht wird.

Interessant sind hier die Erfahrungen in Schweden, wo die Revisionspflicht für KMU im Jahr 2010 abgeschafft wurde, da die Revision immer mehr als administrative Last empfunden wurde. Bei einer Evaluation der Auswirkungen wurde diese Reform aber nicht als Erfolg gewertet, da die Kosten die Vorteile überwogen. Die Revision wurde als wertvoll sowohl für die KMU selbst als auch für die Öffentlichkeit eingestuft.

Unternehmen, die sich gegen die Revision entschieden haben, verzeichneten ein kleineres Wachstum, die Profitabilität nahm nicht zu, Transparenz nahm ab, und Buchführungsfehler wurden zahlreicher. Zudem nahm die Glaubwürdigkeit dieser Unternehmen gegenüber Lieferanten, Investoren, Angestellten und dem Fiskus ab.

Haftungsfrage unbefriedigend

Ebenfalls unbefriedigend gelöst ist die Haftungsfrage in der Schweiz. Der bundesrätlichen Botschaft ist lediglich zu entnehmen: «Was die Verantwortlichkeit betrifft, so ergeben sich aus dem Umstand, dass die Revisionsstelle nur eingeschränkt prüft, lediglich beschränkte Forderungen […]» (Botschaft zum RAG, 4015).

In der jetzigen Praxis besteht der Unterschied zur Haftung bei der ordentlichen Revision lediglich darin, dass die Aufgaben bei der eingeschränkten Revision enger umschrieben sind, das Ausmass der Haftung ist jedenfalls dasselbe. Faktisch erfolgt heute die Aufteilung der Haftung nicht nach dem Mass des Verschuldens, sondern nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Leider wurde die parlamentarische Initiative von Nationalrätin Daniela Schneeberger, die wesentliche Verbesserungen bei der gesamten Regulierung der eingeschränkten Revision vorsah, vom Ständerat im Juni 2018 knapp abgelehnt. Es ist nur zu hoffen, dass bei der Aktienrechtsrevision die Mängel beseitigt werden. Zumindest bei der Haftung besteht in der Revisionsbranche Einigkeit, dass Anpassungen notwendig sind.

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