15.07.2015

Ordentliche Revision: Die Rotation des leitenden Revisors

Die seit dem Jahr 2008 anwendbaren gesetzlichen Rotationsvorschriften für leitende Revisoren bei ordentlichen Revisionen werden erstmals im Jahr 2015 wirksam. Dieser Beitrag erläutert die regulatorischen Grundlagen und analysiert die möglichen Auswirkungen auf die Revisionsbranche. Abschliessend wird die Ausdehnung der Rotationsvorschriften auf die Stufe des ganzen Revisionsunternehmens in der Europäischen Union thematisiert. Mehr über die ordentliche Revision lesen Sie in unserem Beitrag.

Von: Frank Schneider   Drucken Teilen   Kommentieren  

Frank Schneider

Frank Schneider, dipl. Wirtschaftsprüfer, ist seit dem 1. Januar 2007 Direktor der Eidg. Revisionsaufsichtsbehörde (RAB). Von 2002 bis  2006 übte er als Leiter Rechnungslegung der SIX Swiss Exchange eine Aufsichtsfunktion im Bereich Rechnungslegung und Revision aus. Davor war er 10 Jahre bei einer grossen Revisionsgesellschaft in Zürich und New York tätig und hat in dieser Zeitperiode Erfahrung in der Prüfung von nationalen und internationalen Publikumsgesellschaften gewinnen können. Von 2003 bis 2006 war er Mitglied der Fachkommission und des Fachausschusses der Swiss GAAP FER.

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Ordentliche Revision

Das aktuelle Revisionsrecht kennt grundsätzlich zwei Arten der Prüfung von Jahres- und Konzernrechnungen. Für Publikumsgesellschaften und volkswirtschaftlich bedeutende Unternehmen ist eine ordentliche Revision Pflicht, für kleinere Gesellschaften ist eine eingeschränkte Revision die Regel. Ganz kleine Organisationen können unter bestimmten Bedingungen gänzlich auf eine Prüfung verzichten.

Rotationspflicht ordentliche Revision

Nach der Rechtsprechung gelten bei der ordentlichen und eingeschränkten Revision grundsätzlich dieselben Vorgaben an die Unabhängigkeit. Ausnahmen bestehen lediglich im Zusammenhang mit der Mitwirkung bei der Buchführung (sog. Doppelmandate) und für die Rotation des leitenden Revisors. Die Rotationspflicht des leitenden Revisors nach sieben Jahren gilt somit ausschliesslich für die ordentliche Revision. Zweck der Rotationspflicht ist es, Risiken vorzubeugen, die auf Grund einer zu grossen persönlichen Vertrautheit oder eines übermässigen Vertrauens zwischen dem geprüften Unternehmen und der Revisionsstelle entstehen können. Dieses Risiko besteht grundsätzlich auch bei der eingeschränkten Revision. Da bei der eingeschränkten Revision das Interesse der Öffentlichkeit an qualifiziert hoch stehenden Revisionsdienstleistungen jedoch geringer ist, wurde hier auf die Rotationsanforderungen verzichtet.

Bei der ordentlichen Revision darf nach einer dreijährigen Abkühlphase (Cooling-off) der leitende Revisor das Mandat wieder aufnehmen. Das Gesetz äussert sich dabei nur zur Tätigkeit als Leiter der Revision; ob allenfalls während der mindestens dreijährigen Abkühlphase andere Aufgaben oder Prüfungshandlungen durch den ehemaligen leitenden Revisor übernommen werden dürfen, wird nicht explizit geregelt. Ein entsprechendes Verbot ergibt sich jedoch aus dem Zweck der Bestimmung, so dass grundsätzlich keine weitere Tätigkeit auf dem betroffenen Mandat mehr erfolgen darf. Dies bedeutet beispielsweise auch, dass eine Tätigkeit als auftragsbegleitender Qualitätssicherer nicht erlaubt ist. Die Richtlinien der EXPERTsuisse zur Unabhängigkeit 2007 schreiben beispielsweise vor, dass der ehemalige leitende Revisor während der dreijährigen Abkühlphase keinerlei Einfluss auf die Revisionsdienstleistungen mehr nehmen darf (vgl. Ziff. VI, lit. B der Richtlinien zur Unabhängigkeit 2007). Der leitende Revisor darf demnach bei einer ordentlichen Revision nach siebenjähriger Tätigkeit auf dem gleichen Mandat während mindestens drei Jahren gar keinen Beitrag zu Revisionsdienstleistungen auf diesem Mandat mehr leisten. Im Falle von ordentlichen Revisionen von Publikumsgesellschaften gelten die Rotationspflichten gemäss Berufsrecht darüber hinaus für sämtliche verantwortliche Prüfer.

Die gesetzlichen Rotationsvorschriften für ordentliche Revisionen entfalten erstmals im Jahr 2015 ihre Wirksamkeit. Die gesetzliche Frist von sieben Jahren für die Rotation des leitenden Revisors läuft seit dem 1. Januar 2008. Ein leitender Revisor kann seit diesem Zeitpunkt für dasselbe geprüfte Unternehmen sieben aufeinander folgende Jahresrechnungen prüfen. Entspricht das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr, ist der leitende Revisor somit spätestens mit der Revision der Jahresrechnung 2014 im Jahr 2015 zu ersetzen.

Die Frage, welche sich in diesem Zusammenhang nun stellt, sind die möglichen Auswirkungen dieser Rotationsvorschriften auf die einzelnen Revisionsunternehmen und auf die Revisionsbranche insgesamt. Die Eidg. Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) hat in den vergangenen zwei Jahren die Anzahl der zugelassenen Revisionsunternehmen erhoben, welche in den Kalenderjahren 2013 und 2014 ordentliche Revisionen durchgeführt haben (siehe Statistik in Abbildung 1). Bei der Beurteilung der Statistik ist zu berücksichtigen, dass die im jeweiligen Kalenderjahr erbrachten Revisionen in der Regel die Prüfung der Jahresrechnung des Vorjahres betreffen.

Abbildung 1

Der Statistik ist zu entnehmen, dass rund zwei Drittel der ordentlich revidierenden Unternehmen lediglich 1 bis 5 ordentliche Mandate betreuen. Es ist davon auszugehen, dass diese Revisionsunternehmen mehrheitlich lediglich einen Revisionsexperten beschäftigen und somit verstärkt von der Rotation betroffen sind. Dies ergibt sich daraus, dass diese Unternehmen ihre ordentlichen Mandate intern nicht einfach an einen anderen Revisionsexperten weiterreichen können. Inwiefern Kooperationen zwischen Revisionsunternehmen die Auswirkungen der Rotationsvorschriften mildern werden, bleibt abzuwarten. Vermutlich wird aber die Anzahl derjenigen Revisionsunternehmen, welche lediglich 1 bis 5 ordentliche Mandate betreuen, in der Tendenz abnehmen. Diese Tendenz ergibt sich aber nicht nur aus der Rotationspflicht, sondern noch mehr aus der Tatsache, dass die Anforderungen an die ordentliche Revision in den letzten Jahren insgesamt zugenommen haben (z.B. neue Prüfungsstandards des Berufsstandes) und es ökonomisch nur dann Sinn macht, ordentliche Revisionen anzubieten, wenn eine grössere Anzahl von solchen Mandaten betreut werden kann.

Die seit dem Jahr 2008 geltenden Rotationsvorschriften entfalten in diesem Jahr erstmals ihre volle Wirkung. In der Tendenz werden die Anzahl derjenigen Revisionsunternehmen, welche nur wenige ordentliche Mandate betreuen, abnehmen. Dabei ist zu beachten, dass die Rotationsvorschriften nur auf der Stufe des leitenden Revisors anwendbar sind. Wie sieht es aber mit Rotationsvorgaben aus, welche die periodische Auswechslung des ganzen Revisionsunternehmens erfordern (sog. «Firm Rotation»)? In der Schweiz bestehen bisher auf Stufe des ganzen Revisionsunternehmens keine Rotationsvorschriften. Diese Situation wird sich in absehbarer Zukunft wohl auch kaum ändern. In der Europäischen Union (EU) wurden hingegen kürzlich neue Rotationsvorschriften für Revisionsunternehmen von Publikumsgesellschaften eingeführt. Auch wenn die EU-Vorschriften nur in seltenen Fällen einen direkten Einfluss in der Schweiz haben werden, so ist dennoch anzunehmen, dass viele Publikumsgesellschaften im Sinne einer Best Practice vermehrt ihre Revisionsstelle wechseln werden. Die EU-Rotationsanforderungen für Revisionsunternehmen von Publikumsgesellschaften werden von der RAB grundsätzlich kritisch beurteilt. Einerseits werden die Vorteile der Rotation, wie beispielsweise ein schleichender Verlust an Objektivität, durch die Nachteile der Übernahme eines Mandates durch einen neuen Prüfer (Mehrkosten etc.) möglicherweise eliminiert. Andererseits sollten starre Rotationsanforderungen die Verantwortung des Verwaltungsrates bzw. des Prüfungsausschusses nicht ersetzen, das Revisionsmandat periodisch nach bestimmten Kriterien zu überprüfen und der Generalversammlung allenfalls den Wechsel der Revisionsstelle zu beantragen. Bei der ordentlichen Revision von Nicht-Publikumsgesellschaften ist hingegen nicht mit einer klaren Zunahme von Revisionsstellenwechseln aufgrund der EU-Rotationsvorschriften zu rechnen, da die EU-Vorschriften sowie die vorgehend erwähnte Best Practice auf grössere Unternehmen bzw. Publikumsgesellschaften abzielen.

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