20.07.2015

Rollenwechsel: Rollen spielen, aber richtig!

Ein Schauspieler spielt an einem Tag oft verschiedene Rollen. Am Vormittag hat er vielleicht eine romantische Komödie für das Kino gedreht und am Abend spielt er im Theater eine Tragödie. Der Erfolg dieser Stücke hängt davon ab, wie überzeugt und authentisch er den Wandel spielt bzw. den Rollenwechsel vollzieht.

Von: Irène Wüest Häfliger   Drucken Teilen   Kommentieren  

lic. phil. I Irène Wüest Häfliger

Zur Person Irène Wüest Häfliger Irène Wüest Häfliger, lic. phil. I, studierte in Zürich Soziologie und Sozialpsychologie. Sie bildete sich u.a. zu den Themen Organisations-entwicklung, NLP, Kommunikation und Auftrittskompetenz weiter. Nachdem Sie einige Jahre als Projekt- und Teamleiterin in einem internationalen Marktforschungsunternehmen tätig war, machte Sie sich vor mehr als 10 Jahren selbstständig. Sie unterstützt Firmen und Privatpersonen durch Beratungen, Trainings und Coachings zur Image-, Persönlichkeits- und Personalentwicklung. Ihre Themenschwerpunkte sind: Stress- bzw. Ressourcenmanagement, Auftreten/Körpersprache, Kommunikation, Kleidersprache/Dress Code, Umgangsformen/Etikette, Rhetorik/Präsentation. Irène Wüest Häfliger verfügt über mehrjährige Erfahrung in verschiedensten Branchen. Sie ist Gründerin und Inhaberin der Firma STILprofil (www.stilprofil.ch) und arbeitet vom luzernerischen Eich aus.

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Rollenwechsel

Auch der (Beruf-)Alltag fordert immer wieder ganz unterschiedliche Talente und Fähigkeiten von uns. Das hängt vor allem damit zusammen, dass wir ständig verschiedene soziale Rollen einnehmen. Meist geschieht dies unbewusst. So wechseln wir täglich etliche Male von der einen Rolle zur anderen.  

 

Verschiedene Rollen spielen

Nehmen wir als Beispiel Herr Muster, vierzigjährig. Er ist verheiratet, Vater einer 12-jährigen Tochter, leidenschaftlicher Fussballspieler, Inhaber eines 5-köpfigen Ingenieurbüros und Projektleiter. In der Rolle als Vater sind von ihm andere Qualitäten gefordert, als wenn er sich mit seiner Frau unterhält. Spielt er in seiner Freizeit Fussball, dann kommen dabei andere Fähigkeiten zum Tragen als beim Elternabend. Selbst wenn er am Arbeitsplatz als Projektleiter glänzt und auch als Vater seine Sache gut macht, verhält er sich vielleicht als Chef teilweise nicht rollenkonform.  

Was heisst das? Lassen Sie mich dies verdeutlichen: Herr Muster hatte heute Morgen ein Gespräch mit einem „fehlbaren“ Mitarbeiter, das ihm reichlich Energie und Zeit gekostet hat. Nun muss er gleich los zu einem wichtigen Kundentermin, bei dem es um eine Offertpräsentation geht. Herr Muster sieht man das letzte Gespräch noch an. Er wirkt angestrengt, in Gedanken ist er noch bei der Auseinandersetzung und seiner strengen Haltung gegenüber dem Mitarbeiter. Fakt ist, er hat Schwierigkeiten, sich von seiner letzten Rolle als Vorgesetzter zu lösen und die neue Rolle als Kundenberater einzunehmen. Er müsste sich dafür vom Hoch- in den Tiefstatus begeben, seine kritische innere Einstellung gegen eine offene und freundliche Haltung austauschen, seine Gedanken und Gefühle der neuen Situation anpassen – eben die Rollen wechseln.  

Da stellt sich die Frage, wieso es ihm auf die Schnelle nicht gelingt einen Rollenwechsel zu vollziehen? Solange Herr Muster vom alten Gefühl besetzt ist, kann er keine Energie in die neue Situation einbringen. Dies ist vergleichbar mit dem Rollenspiel im Theater. Bevor ein Schauspieler überhaupt in eine neue Rolle hineinschlüpfen kann, muss er zuerst die alte ablegen. Deshalb muss Herr Muster zuerst das alte Kleid abstreifen, sich abschminken und sich von der alten Rolle distanzieren, in dem er die Situation kurz reflektiert. Fragen wie: Was habe ich erlebt? Wie ist es mir dabei ergangen? Wie habe ich mich gefühlt? Wo war ich überzeugend, wo hat es gehapert? etc. können dabei hilfreich sein und den Boden für das neue Einkleiden, den Rollenwechsel ebnen. Es geht nicht darum jemand anders zu sein. Als Rollennehmer bin ich immer mich selbst – habe ja schliesslich nichts anderes zur Verfügung um mich auszudrücken, als meinen eigenen Körper, meine Stimme – eben mich selbst.

Es geht auch um das Bewusstsein, dass ich in der Funktion als Führungskraft an eine Vielzahl von Rollen gebunden bin, die ein flexibles Verhaltensrepertoire erfordern. Jede Rolle bedarf unterschiedlicher Verhaltensweisen. In der Rolle als Vorgesetzter wird Führung erwartet, d.h. dass ich z.B. anleite, entscheide oder kontrolliere. In der Rolle als Kundenberater sind z.B. Verhandlungsgeschick, Durchsetzungsvermögen und eine offene, freundliche Haltung gefragt. Unsere Umgebung erwartet von einem Darsteller bei der Rollenübernahme, dass er ein Repertoire an Rollendetails besitzt. Mehr noch dass er bestimmte Regeln für Verhalten und Erscheinung einhält, die eine bestimmte soziale Gruppe mit dieser Rolle verbindet.  

Es ist also wichtig, sich der jeweiligen Situation angepasst zu verhalten. Das kann heissen, Äusserungen des Körpers zu unterdrücken, sie zu kontrollieren und/oder sie zuzulassen. Voraussetzung für die passende Selektion unserer körper- bzw. sprachlichen und stimmlichen Äusserungen ist aber, dass wir überhaupt wahrnehmen, was unser Körper macht.  

Rollenwechsel optimal vollziehen

Dies führt zur nächsten Frage: Was kann Herr Muster in der obgenannten Situation tun, um den Rollenwechsel schnell und vor allem optimal zu vollziehen? Insbesondere wenn es eilt und er sich innerlich schnell von der letzten, vielleicht nervenaufreibenden Situation lösen will, findet er Soforthilfe bei seinem Körper. In unangenehmen und stressigen Gegebenheiten entfernt sich der Wahrnehmungsfokus vom eigenen Körper. Man nimmt sich nicht mehr wahr, ist „ausser sich“ statt „bei sich“. Der Körper verfällt in angewöhnte Haltungs- und Bewegungsmuster und kann nicht mehr situationsgerecht agieren und reagieren.  

Es geht darum, den Körper angemessen sprechen zu lassen. Unser Körper und unsere Stimme sind unser Instrument. Indem ich zunächst entspanne, gelingt es mir, wieder neue Spannung aufzubauen. Unser Atem ist der Schlüssel und zugleich der Motor für unseren Körper. So könnte Herr Muster bevor er zum Kundentermin eilt, bewusst tief durchatmen bzw. im wahrsten Sinne „die Luft rauslassen“, um wieder auf Kurs und in seine „Mitte“ zu kommen. Wer zu schnell oder zu flach atmet, wirkt gehetzt. Wer hingegen tief und gleichmässig atmet, kann seinen Körper entspannen und wirkt somit ruhig und souverän. Auch eine einfache Körperübung könnte uns wieder in Kontakt mit uns selbst bringen. Zum Beispiel könnte Herr Muster seinen Oberkörper soweit es geht nach unten beugen und danach ganz langsam Wirbel für Wirbel wieder aufrichten. Im aufrechten Stand beginnt er nun erneut Körperspannung aufzubauen, indem er sich vorstellt, welche Situation als nächstes kommen wird. Er könnte sich dabei räkeln und strecken, seine Muskeln spannen und entspannen und wenn es ihm danach ist, gähnen. Zurück im Kontakt mit uns und unserem Körper ist die Basis für das gute „Verkörpern“ einer neuen Aufgabe gelegt.  

Ein Rollenwechsel erfordert Zeit, insbesondere wenn es eilt. „Auch wenn du es eilig hast, gehe langsam“, so die Empfehlung vom Zeitmanagement-Papst Lothar J. Seiwert. Die Feuerwehr z.B. rückt beim Eintreffen eines Notrufes auch nicht sogleich unüberlegt aus, sondern analysiert kurz die Situation, um was es geht, wo es brennt und was es braucht. So auch in unserem Fall. Herr Muster braucht einen kurzen Augenblick, um seine „alte“ Rolle abzulegen und um die neue gewinnbringend einzunehmen. Sein Körper ist sein Verbindungsstück.   

Wir alle "spielen" in unserem Leben verschiedene Rollen. Die Fähigkeit, im (Berufs-) Leben verschiedene, wechselnde Rollen zu übernehmen und erfolgreich ausfüllen  zu können, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für positive und erfolgreiche Kommunikation. Sie ist mit Rollenflexibilität und sozialkompetentem Verhalten gut umschrieben und hat nichts mit dem Verlust von Authentizität oder Selbstkonzept zu tun, sondern mit Achtsamkeit und Professionalität. Also spielen wir unsere Rollen gut; Schauspieler sind wir deswegen noch lange nicht.  

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