31.10.2017

Vortragshürden: So bleiben Sie vor Publikum souverän – als Intro und als Extro

Reden vor Menschen ist nicht einfach. Je nachdem, ob Sie intro- oder extrovertiert sind, werden Sie dabei ganz andere Aspekte als anstrengend oder riskant sehen. In diesem Beitrag sehen wir unerschrocken auf die Hürden, vor denen Sie je nach Persönlichkeitstyp stehen. Und wenn Sie gelesen haben, wie Sie mit diesen Hürden umgehen können, dann werden Sie künftig vielleicht doch lieber reden als zum Zahnarzt zu gehen.

Von: Sylvia Löhken   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Sylvia Löhken

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation. In ihren Vorträgen, Coachings und Workshops zeigt sie, welche Stärken verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele nutzen können. Sie versteht es dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexes Know-how in einfache Worte und gut umsetzbare Strategien zu übersetzen. Mit ihrer Erfahrung als Wissenschaftlerin und als Managerin in einer grossen internationalen Organisation kennt sie wichtige Arbeitsumfelder ihrer Kunden aus eigener Erfahrung: Politik und Verwaltung, Lehre und Forschung, Management und Beratung sowie japanische, amerikanische und deutsche Kommunikation.

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Intro oder Extro

Intros glauben oft, dass Extros gern im Scheinwerferlicht stehen und womöglich redebegabter sind: Aber das stimmt so nicht! Auch viele nach aussen gewandte Persönlichkeiten finden es eher unangenehm, wenn sie isoliert vorn stehen und eine mehr oder minder grosse Menschenmenge ihnen beim Reden zusieht und zuhört. Rein evolutionsbiologisch ist eine solche Situation stressreich: Wir Menschen sind nun einmal "Rudeltiere" – wir fühlen uns in Gruppen sicherer als allein. Wenn wir aber einen Vortrag halten, dann sind wir klar von der Gruppe getrennt. Und auch die Gruppe nimmt uns in dieser Rolle als isoliert wahr.

Das, was uns Schwierigkeiten macht, ist dabei je nach Persönlichkeit ganz unterschiedlich. Deshalb unterscheiden sich auch die Hilfestellungen, die Ihnen als Intro oder Extro am meisten weiterhelfen.

Falls Sie noch herausfinden wollen, ob Sie intro- oder extrovertiert sind, dann können Sie das hier (www.intros-extros.com/online-test online) feststellen.

Vortragshürden für Intros

Viele Intros reden eher wenig gern vor Publikum, und viele von denen, die es trotzdem tun, haben nicht die Wirkung, die sie erzielen könnten. Das muss aber nicht sein. Immerhin sind Mark Zuckerberg, Günther Jauch und Angela Merkel leise Menschen, die ziemlich überzeugend auftreten.

Nehmen wir uns einmal die drei wichtigsten Hürden vor – und die Frage: Wie können Sie sie als Intro neutralisieren?

Hürde 1: Angst

75 Prozent aller Menschen haben Angst vor öffentlichen Auftritten – diese Zahl geistert seit Jahren durch die Rederatgeber. Und tatsächlich ist eine Ausprägung der Angst vor einem Vortrag ähnlich verbreitet wie Schnupfen im Januar: das Lampenfieber. Intros sind als Menschen mit ausgeprägtem Vorsichtszentrum besonders betroffen. Aber das Lampenfieber selbst ist gar nicht das Problem. Fast alle guten, erfahrenen Schauspieler und Musiker haben Lampenfieber und wissen, dass ihnen das Adrenalin im Blut hilft: Es ist biologisch unmöglich, in diesem Zustand müde, gelangweilt oder gleichgültig zu sein. Was dem Vortrag sicher gut tut...

Nein, das eigentliche Problem entsteht, wenn sich das Lampenfieber zu einer echten Auftrittsangst auswächst. Dann fühlen Sie sich blockiert und der Situation hilflos ausgeliefert. Sie können nicht mehr sagen, was Sie wollen, und nicht leisten, was Sie können.

Massnahmen gegen Angst:

  1. Machen Sie aus dem Reden eine Gewohnheit: Halten Sie regelmässig vor Publikum Vorträge. Fangen Sie mit leichten Situationen an. Lernen Sie mit Coach oder in Redeclubs (z.B. Toastmasters), an Ihren Auftritten zu arbeiten.
  2. Machen Sie sich klar, wozu sich Ihr Auftritt lohnt: Warum ist der Inhalt das Risiko wert? Mit dieser Mentalstrategie lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit von sich selbst weg auf den Sinn des Vorhabens. Allein das nimmt der Angst oft ihren Zahn.
  3. Atmen Sie schon vor Ihrem Vortrag tief und ruhig in Ihren Bauch. Mit einer guten Sauerstoffversorgung. verhindern Sie Blackouts und bringen sich selbst zur Ruhe.

Hürde 2: Verkopftheit

Viele Intros, die ich in ihrer Kommunikation begleiten darf, sind sachliche und sehr kluge Menschen. Immer wieder erlebe ich, dass sie die Sache in den Vordergrund, Gefühle und Kontakt zum Publikum leider aber in den Hintergrund schubsen.

Nun sind sachliche und gescheite Inhalte an sich kein Problem. Ein Problem entsteht dann, wenn wir glauben, die Sache an sich überzeugt. Das ist (leider) nicht so: Menschen wollen für eine Sache gewonnen werden. Sie wollen sich gut fühlen, wenn sie einem Redner oder einer Rednerin folgen.

Massnahmen gegen Verkopftheit:

  1. Stellen Sie sich die ketzerischen Fragen: Was an Ihrem Vortrag wirkt auf Ihre Zuhörer interessant? Was fühlt sich gut an oder macht sogar Spass? Wenn Sie zu wenige Antworten finden: Ändern Sie Ihren Vortrag so, dass sich etwas ändert...
  2. Ihr Körper ist als "Instrument" Ihrer Rede sehr wichtig. Prüfen Sie Ihre Körpersprache und lassen Sie am besten einen Extro beobachten, was Sie tun: Ist Ihre Mimik lebendig? Verwenden Sie Ihre Hände? Haben Sie Blickkontakt ins Publikum?

Vortragshürden für Extros

Als Extro finden Sie meistens leicht Zugang zu Worten. Sie brauchen nicht wie Ihre Intro-Mitvortragenden weiter oben einen Grund, um auf die Bühne zu gehen. Aber auch Extros haben ihre Hürden beim Vortragen. Hier sind zwei typische Risiken – und Wege, sie in Schranken zu halten.

Hürde 1: Ablenkung

Wo die Intros sachorientiert und bestens vorbereitet sind, haben Extros öfter ein kleines Problem: Sie lassen sich ablenken. Das hängt mit ihrem sehr aktiven Belohnungszentrum zusammen, das signalisiert: Hey, hier ist etwas viel Spannenderes... Deshalb kommt die Vorbereitung  an sich zuweilen zu kurz. Langes Faktenwälzen und mehrmaliges Umstrukturieren sind wenig sexy, wenn es viel Interessanteres zu tun oder zu erleben ist.

Massnahmen gegen Ablenkung:

  1. Sichern Sie sich ausreichend Vorbereitungszeit! Fangen Sie rechtzeitig an, und unterteilen Sie die Vorbereitungsphasen in Intervalle, die so kurz sind, dass Sie nicht gegen die Ablenkung ankämpfen müssen. Sie werden mit der Zeit an Ausdauer gewinnen, weil Sie sich über das Erreichte freuen. Der Vorbereitungsslot liefert Ihrem Belohnungszentrum damit etwas Schönes: Stolz auf das Geschaffte. Für Vorträge trainieren Sie am besten wie im Sport.
  2. Auf der Bühne kann Ablenkung zum Desaster werden. Wenn Sie ausserplanmässig Inhalte ausweiten, ändern oder improvisieren, ist nicht nur ungewiss, wie das auf Ihre Zuhörer wirkt: Im schlimmsten Fall fehlt Ihnen am Ende die Zeit, um das wirklich Wichtige anzubringen. Bleiben Sie also unbedingt bei Ihrem roten Faden. Dieser rote Faden ist wie ein Navigationssystem Ihres Vortrags: eine Gliederung mit den wichtigsten Stichpunkten. Gehen Sie niemals ohne einen guten roten Faden im Kopf auf die Bühne. Vorsichtige Intros nehmen ihn auch geschrieben mit...

Hürde 2: Selbstinszenierung

So, wie Intros oft denken, es gehe nur um die Sache, so denken Extros zuweilen, es gehe um ihre Person. Und als nach aussen gewandte Feedbackbedürftige liefern sie dann im Vortrag genau das, was wir Intros so an ihnen bewundern: eine perfekte Show, die sie selbst in allerbestes Licht rückt und ihnen reichlich Beachtung sichert. Einerseits. Andererseits gehen sie genau mit dieser Strategie denjenigen auf die Nerven, die sich gern auf die Inhalte konzentrieren würden und dann finden, dass genau diese zugunsten von Effekten und Dramturgie in den Hintergrund treten. Wenn es um Comedy geht, ist das ok. Wenn Sie vor dem Vorstand präsentieren, verschaffen Sie sich mit dieser Strategie allerdings den Ruf eines Heissluftgerätes.

Massnahmen gegen Selbstinszenierung:

  1. Stellen Sie in der Vorbereitung sicher, dass Ihre Kernbotschaft sonnenklar ist und von soliden Fakten und Analysen untermauert wird. Lassen Sie möglichst alle Informationen weg, was nicht Ihrer Kernbotschaft dient. Na gut, ein bis zwei Stories dürfen bleiben.
  2. Holen Sie sich für Feedbacks wenigstens eine intelligente und wohlmeinende Intro-Persönlichkeit ins Boot, die Ihnen ihre Sicht der Dinge vermittelt. Wie kompetent und souverän wirken Sie und Ihre Informationsvermittlung? Nutzen Sie dieses Feedback als Massstab: 30 bis 50 Prozent Ihres Publikums sind Intros, und die mögen Substanz.

Und jetzt Bühne frei...

Lesen Sie im Beitrag „Vortrag: Erfolgreich präsentieren - so punkten Sie als Intro und Extro“ nach, was Sie als Intro oder Extro stark im Vortrag macht. Nutzen Sie neben dem "Troubleshooting" bewusst auch das, was Ihnen auf der Bühne leicht und gut gelingt. Ich wünsche Ihnen für jeden Ihrer Auftritte ein Publikum, das Ihren Einsatz zu schätzen weiss!

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