18.05.2016

Zuhörertypen: Die 4 Grundströmungen kennen und richtig ansprechen

Eine Rede ist zwar eine dialogische Kommunikationsform, aber das multiplizierte «Du» (das gesamte Auditorium, alle Zuhörer), das angesprochen wird, bringt vielfältige und differenzierte Erwartungen und Voraussetzungen mit.

Von: Margarete Maria Kuhn-Porwoll   Drucken Teilen   Kommentieren  

Margarete Maria Kuhn-Porwoll, M.A.

Margarete Maria Kuhn-Porwoll arbeitet als systemischer und personzentrierter Coach vor allem mit Führungs- und Fachkräften in den Bereichen Business-Coaching, Karriereberatung und Selbstmanagement sowie als Dozentin zu den Themen Rhetorik, Kommunikation und Selbstmarke­ting.

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Zuhörertypen

Zu beachten

Zwei Dinge sollte deshalb jeder Redner stets, auch zu seiner Entlastung, in Betracht ziehen:

  1. Eine Rede als ideale Kommunikation ist eher eine Illusion.
  2. Eine Rede wird von unterschiedlichen, auch potenziell störungsverursachenden Faktoren beein­flusst.

Dies liegt daran, dass der Redner zum einen eine für ihn typische Rednerpersönlichkeit mit eigenen Affinitäten und Merkmalen mitbringt und dass er es zum andern mit unterschiedlichen Zuhörern und deren unterschiedlichen Zuhörerbiografien zu tun hat, auf die er sich nie voll und ganz einstel­len kann. Selbst wenn er eine exakte Zielgruppenanalyse durchgeführt hat, u. U. hatte er dazu noch nicht einmal die Gelegenheit, heisst dies nicht, dass ihn ein vollkommen homogener Zuhörerkreis erwartet. Es wäre daher sehr fatal, sich eindimensional auszurichten, sich auf eigene Vorlieben zu beschränken und potenziell unterschiedliche Zuhörer-Persönlichkeiten nicht zu berücksichtigen.

Den oder die Zuhörertypen gibt es nicht in Reinkultur

Ausgehend von den zwei Prinzipien Nähe/ Distanz und Dauer/Wechsel oder ausgehend von den limbischen Instruktionen, d. h. drei Motiv-und Emotionssystemen, dem Balance-, Dominanz- und Stimulanzsystem, lassen sich jedoch je nach vorwiegender Ausprägung vier Grundströmungen mit unterschiedlichen Werten, Denkstilen, Vorlieben und Merkmalen beschreiben:

  1. logisch- oder distanz-orientierter Typus: Er denkt kritisch, realistisch, analytisch, linear-logisch, ist ungeduldig und ergebnisorientiert. Er lässt sich überzeugen von klaren Definitionen, genauen Problemanalysen mit handfesten Ergebnissen, nüchternen Fakten und messbaren Belegen (Sta­tistiken, Studien, Marktforschungen), einer eindeutigen Zielsetzung mit kausaler Argumentation («wenn ... dann» oder «wenn ... dann nicht») und bevorzugt eine sachlich-kühle Stimmung und eine reduzierte Gestik und Mimik.
  2. gefühls- oder nähe-orientierter Typus: Er denkt zwanglos und ist freundlich, erwartet Aus­tausch, Akzeptanz, Toleranz und Einfühlungsvermögen. Er lässt sich überzeugen von ethischen und menschlichen Aspekten, wenn sie den eigenen Werten entsprechen (Gefühlsargumente), persönlichen Erfahrungen (wichtiger als Theorie) und Geschichten und Beispielen zur Illustration. Er bevorzugt ein herzliches Miteinander und einen vertraulichen Kontakt, achtet sehr auf Emoti­onen in Stimme und Körpersprache.
  3. strukturiert- oder dauer-orientierter Typus: Er denkt systematisch, sorgfältig strukturiert und überprüft und bewertet Theorien. Er lässt sich überzeugen von Vollständigkeit, Überblick und Durchschaubarkeit, stringenter Gedankenführung, konkreten, praktischen Beispielen, aus denen sich eine Regel ableiten lässt, Referenzen, Garantien und verlässlichen Aussagen von Experten oder Autoritäten (Namedropping, Zitate). Er bevorzugt eine konzentrierte und nüchterne Atmosphäre.
  4. experimentell- oder wechsel-orientierter Typus: Er denkt kreativ und systemisch-vernetzt, ist innovativ und risikofreudig. Er lässt sich überzeugen von aufregenden, zukunftsorientierten, visio­nären Ideen, ganzheitlichen, mutigen Konzepten ohne viele Details, hypothetischen Argumenten und visuellen Argumentationsstützen («Stellen Sie sich vor ...»). Er bevorzugt eine fantasievolle, bildhafte Sprache (Metaphern, Analogien) und eine bunte Mischung aus Anregung, Abwechs­lung, Spontaneität, Unterhaltung.

Für jeden Redner ist auch interessant und aufschlussreich zu analysieren, welcher Grundströmung er am ehesten entspricht, welche Zuhörer dem am meisten entsprechen würden und für welche er noch mehr tun könnte, um auch sie zu gewinnen. Eine vollkommene Ausgeglichenheit, die alle und alle gleichermassen bedient, ist gewiss nicht zu erreichen. Jeder Redner ist auch ein Typus und setzt mit seiner Persönlichkeit Schwerpunkte, die ihn einzigartig machen. Das kann und sollte keinesfalls aufgegeben werden. Das Wissen um die Unterschiedlichkeit des Publikums und eine Sensibilisierung für dessen vielfältige Bedürfnisse ist jedoch in jedem Falle hilfreich. Es verhindert eine zu einseitige Orientierung bei Vorbereitung und Ausarbeitung, vor allem ist es förderlich für ein angemessenes Auftreten und flexibles Verhalten, auch in kritischen Situationen, z. B. bei Störungen.

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