16.04.2019

Sprachkompetenz: Weg mit den Worthülsen!

Sprachkompetenz ist im Joballtag oft Mangelware. Doch sie ist die Voraussetzung dafür, Dinge zu verstehen und richtige Entscheidungen zu treffen.

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Sprachkompetenz

Wörter und ihre Bedeutung

Alle sind für Nachhaltigkeit, für eine gute Unternehmenskultur. Klar! Und natürlich sind dabei Werte ganz wichtig. Aber was heisst das eigentlich genau? Wir verwenden ständig Wörter, deren Bedeutung klar zu sein scheint, unter denen aber jeder etwas anderes versteht. Was genau ist Nachhaltigkeit? Ist sie sozial, ökonomisch oder ökologisch? Was bedeutet sie konkret für das Unternehmen? Unsere Sprache ist ungenau geworden. Mehr noch: Wir sind sprachinkompetent geworden, denn wir haben vergessen, welche Begriffe den Wörtern zugrunde liegen, mit denen wir um uns werfen.

Wörter und Begriffe sind zwei grundverschiedene Dinge. Kleinkinder kennen noch keine Wörter. Aber von Geburt an sind sie von Begriffen umgeben. Sie wissen zwar nicht, dass ein Schnuller Schnuller heisst, haben jedoch recht bald eine Vorstellung von einem Schnuller. Sie wissen, was das Wesen eines Gegenstandes ausmacht. Sie haben einen Begriff. Erst ab der Mitte des zweiten Lebensjahres lernen sie die Wörter, mit denen sie die Begriffe bezeichnen können, die sie längst erfasst haben. Anders gesagt: Kinder wachsen zunächst mit Denkzeichen auf, die Sprachzeichen lernen sie erst später.

Worthülsen sind oft Ersatz für verloren gegangene Begriffe

Das Problem: Im Laufe des Lebens lernen wir so viele Sprachzeichen, dass es mühsam und vielen Menschen auch gleichgültig ist, die dazu notwendigen Denkzeichen zu beherrschen. So geben wir uns allzu oft mit Worthülsen zufrieden. Da die Begriffe verloren gegangen sind, suchen wir nach einem Ersatz: unsere Gefühle. Im gleichen Mass, wie Wörter Inhalt verlieren, laden wir sie mit Emotionen und Meinungen auf. Die Folge daraus ist tragisch oder zumindest komisch: Wir wissen nicht mehr, was die Wörter bedeuten, nutzen sie jedoch, um andere zu überzeugen und unser Handeln daraus abzuleiten.

Um das zu ändern, müssten wir wieder wie Kleinkinder werden und lernen, Wörter mit ihrem sachlich richtigen Inhalt, mit ihrem Begriff zu füllen. Wir sollten uns viel öfter fragen, ob wir eigentlich wissen, was etwas bedeutet. Das gilt nicht nur für die zahllosen «Business-Buzz-Words», die uns umgeben. Gerade bei gesellschaftlich wichtigen Wörtern wie etwa Gerechtigkeit sollte man den Inhalt klar bestimmen können. Das gilt aber auch fürs Business: Weiss ich zum Beispiel, was Corporate Identity ist, was Corporate Social Responsibility bedeutet, oder habe ich nur ein ungefähres Gefühl dafür? Kann ich sagen, was Corporate Identity zur Corporate Identity macht? Bin ich in der Lage, das Wesen der Corporate Social Responsibility zu bestimmen?

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In Unternehmen geht Meinung vor Wissen

Wie sich jedoch zeigt, sind viele Menschen an diesen Fragen nicht interessiert. In Unternehmen gibt es wenig Sinn für zeitaufwendige Definitionen, Worten auf den Grund zu gehen gilt gerne mal als philosophische Spitzfindigkeit. Zeitdruck siegt, Meinung geht vor Wissen. Hauptsache, es klingt gut. So werden hohle Worte zu Argumenten und Überzeugungen, und wenn sie viele Menschen teilen, schließen wir daraus, dass sie wohl richtig sein müssen. Wir stellen nicht die entscheidenden Fragen. Welche das sind, verrät die Philosophie. Sie will seit jeher nur zweierlei wissen: Warum ist das so und woher weisst du das?

Das sind auch die Fragen, die Unternehmer und Führungskräfte sich selbst und ihren Mitarbeitern stellen müssen, wenn sie zwischen Meinung und Wissen, Wörtern und Begriffen unterscheiden wollen. Konkret lassen sich daraus fünf Richtlinien ableiten:

  • Frage dich bei jedem Wort, das du hörst, ob du es definieren kannst.
  • Frage dich, ob deine Einschätzung auf Meinungen oder Fakten gründet.
  • Benutze selbst nur Wörter, deren zugrundeliegenden Begriff du verstehst.
  • Frage nach, wenn du etwas nicht weißt oder nicht verstehst.

Freue dich, wenn jemand von dir wissen will, wie du etwas meinst oder was du darunter verstehst.

Das ist mehr als Haarspalterei. Es geht darum, die Sprachkompetenz wiederzuerlangen, die letztlich die Basis ist für die Kompetenz, Dinge zu verstehen und richtige Entscheidungen zu treffen. Ein mühsames Unterfangen, aber es lohnt sich.

 

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