12.05.2015

Digital Natives: Die neue Workforce

Die Generation Y, also die nach 1980 geborenen und im Internetzeitalter aufgewachsenen Digital Natives streben nicht vorrangig nach hohen Verdienstmöglichkeiten, sondern nach Entfaltungsperspektiven, individueller Freiheit und Selbstorganisation. Sie sind die Sinnsucher unter den Arbeitskräften. Zumindest die Top Talente unter ihnen.

Von: Anne M. Schüller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing und ein kundenfokussiertes Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Wenn es um das Thema Kunde geht, gehört sie zu den meistzitierten Experten. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der deutschen, österreichischen und schweizerischen Wirtschaft.

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Digital Natives

„Lebenslang beim gleichen Arbeitgeber? Das ist spiessig“, erklärt mir mein Neffe Alexander, 24. Er ist in Bayern geboren, hat Abi in England gemacht, dann ein Jahr bei Disney in Florida gearbeitet, in Wien studiert, und gerade macht er ein Praktikum in Peru. „Die Generation Y ist die erste wirklich vernetzte, globalisierte Generation und hat ein tiefes Verständnis für kulturelle Unterschiede. Dies versetzt sie eher in die Lage, sich in andere hineinzudenken und auf breiterer Basis mitmenschliche Solidarität zu entwickeln“, schreibt Lynda Gratton in einem Beitrag für GDI Impuls.

Die Generation Y favorisiert wechselnde Positionen, in denen sie sich genauso intuitiv ausprobiert, wie sie es mit digitalen Anwendungen tut. Wohlergehen sei ihnen wichtiger als wohlhabend zu sein, sagt der Zukunftsforscher Horst Opaschowski. Lernen, leisten, leben, so laute ihre Wertewelt. Sie haben für alles ein offenes Ohr, sind wissbegierig und konsensbereit. Sie „verkaufen“ sich selbstbewusst bis zur Selbstüberschätzung. Gute Selbstdarstellung – das haben sie auf ihrer Profilseite bei Facebook gelernt.

Kollaborative Selbstorganisation ist ihr Weg, Selbstoptimierung das Ziel

“An Bedeutung gewinnen Fragen zu Sinn, Spass, Weiterentwicklung und Weiterbildung. Anforderungen an den Arbeitsplatz sind Abwechslung, Mitbestimmung, keine Langeweile, ein spannendes Unternehmen, mit dem man sich identifizieren kann“, erläutert Iris Gordelik, CEO der Gordelik AG in einem Interview mit der Kommunikationsfachzeitschrift Intre. Sind diese jungen Leute denn faul und dumm, wie manche meinen? Sie habe nicht das Gefühl, dass diese Generation weniger leisten will. Sie sehe eher, dass die Unternehmen für diese Young Professionals mehr leisten müssen, sagt die renommierte Personalberaterin.

Qualifizierten Digital Natives geht es vor allem um spannende Aufgaben, experimentelle Freiräume und bereichernde Erfahrungen, jedoch kaum darum, wie viele Mitarbeitende man unter sich hat. Alphahierarchische Unternehmenslandschaften mit Drill und Order sind für sie nicht akzeptabel. Führungsverantwortung verliert bei ihnen an Attraktivität. Autorität per se wird sofort hinterfragt. Altüblicher Statuskram und Insignien der Macht sind von wenig Belang. Wertvoll ist nicht der, der einen dicken Dienstwagen fährt, sondern derjenige, der die Community durch seine Impulse bereichert. Wer den wertvollsten Content liefert, wird von ihnen am meisten geschätzt - und findet sich im Zentrum ihrer Netzwerke wieder. Im Web hat der Einfluss, dem viele folgen. „Autorität“ wird dort verdient und nicht von oben ernannt.

Vordefinierte Karrierewege sind für Digital Natives wenig attraktiv

Millennials sind es gewohnt, dass Informationen offen zugänglich sind und von allen geteilt werden. Herrschaftswissen, das gefiltert und ausgesiebt die Silos hinunter wandert, ist ihnen fremd. Werden Informationen benötigt oder muss Wissen aufgebaut werden, um an eine neue Aufgabe heranzugehen, dann fragen die Digital Natives nicht ihre Führungskraft, sondern sie starten eine Online-Recherche. Denn wer ständig vernetzt ist, sucht auch im Web. Und die, für die das Browsen, also das Herumstöbern im Web, ein permanenter Zeitvertreib ist, sind im Finden sehr flott. Warten, bis der Chef seine Sprechstunde hat oder zwischen all seinen Meetings eine freie Minute findet, kommt für sie nicht in Betracht.

Die zunehmende Komplexität des realdigitalen Lebens erfordert einen recht hohen zeitlichen Aufwand. Privatzeit wird dabei zu einem wertvollen Gut, dass man nicht leichtfertig dem Arbeitgeber opfert. Rund 56 Prozent aller Benutzer von sozialen Netzwerken, so eine Erhebung der Website MyLife.com, sind ausserdem von einem Syndrom betroffen, das als "Fear of Missing Out" (FOMO) bezeichnet wird. Darunter versteht man die Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, den Anschluss zu verlieren oder nicht dauernd auf dem neuesten Stand zu sein.

So ist das Gehirn der Ypsiloner auf kurz und schnell kalibriert. Sie lieben das Lernen in kleinen Einheiten. Ihr Arbeitsstil ist fluid, das heisst, sie hüpfen gern von einer Aufgabe zur nächsten, und dann, ohne frühere ganz beendet zu haben, schon zur übernächsten. Das Mehr von allem kann nur noch bewältigt werden, indem man es auf Kürzelcodes zusammenstaucht. ‚Tl,dr‘ ist einer davon. Too long, didn’t read heisst das ausgeschrieben, und es bringt die ganze Thematik genau auf den Punkt.

Warum sind die Digital Natives so, wie sie sind?

Oft sind sie als Einzelkinder gross geworden und haben viel Aufmerksamkeit bekommen. In familiäre Entscheidungen waren sie gleichberechtigt integriert. Wer auf diese Weise Kooperation und Dezentralisierung von Macht erlebte, will sich nicht in betonierten Hierarchien einengen lassen. Viele von ihnen haben auch die Trennung der Eltern erlebt oder die Fürsorge eines intakten Umfelds verloren. So haben sie Selbstorganisation und Eigenverantwortung unausbleiblich gelernt. Ihr online-organisiertes Netzwerk ersetzt nun die traditionellen Strukturen. Sie wollen soziale Bande mit vielen Menschen, damit der einzelne Verlust nicht so schmerzhaft ist.

Ihr Wissen halten sie nicht auf Vorrat, sondern sie holen es sich aus dem Netz, wenn sie es brauchen. Ein paar Stunden surfen bringt ihnen mehr als jedes Gespräch mit einer mittelmässigen Fachkraft. Und viele junge Leute fahren keine Autos mehr, weil sie währenddessen nicht ins Internet können. Netzwerk-Reputation ist ihnen wichtig, und sie wird penibel gepflegt. Digital Natives sind geradezu feedbacksüchtig und können gar nicht genug davon bekommen, zu erfahren, wie andere über sie denken.

Dass sie auch eine andere Art von Führung verlangen, versteht sich fast wie von selbst. Dazu der „Vorstandsflüsterer“ Philipp Riederle, 18, in einem Interview mit ChangeX: "Was uns vorschwebt, ist ein Chef, der nicht direkt anweist, sondern die richtigen Rahmenbedingungen schafft, der nicht seine Autorität ausspielt, sondern motiviert, die Richtung weist, Feedback gibt - nicht ein- oder zweimal im Jahr, sondern ständig. Die Dinge in die Hand nehmen - das tun wir selbst." Und in seinem Buch schreibt er auch: „Wenn Ihr uns kriegen wollt, müssen wir erst Eure Fans werden können.“

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