22.10.2015

Generationen: Kinder ihrer Zeit

Im Coaching, in der Supervision und anderen Beratungssituationen treffen Klient und Beraterin aus verschiedenen Generationen, Geschlechtern, kulturellen Hintergründen und Lebenssituationen aufeinander. Was bringen die verschiedenen Generationen für Spezifika mit? Wie «ticken» sie in ihrer generativen Gestimmtheit? Wie reagieren die unterschiedlichen Generationen aufeinander – ob als Klientin oder als Berater?

Von: Agnes Joester   Drucken Teilen   Kommentieren  

Agnes Joester

Agnes Joester ist dipl. Psychologin, Arbeits- und Organisationspsychologin, HR Managerin, Management- beraterin und systemischer Coach, Lehrerin für t’ai chi kineo, Autorin zahlreicher Vorträge und Aufsätze, mit vivo consulting gmbh berät sie Menschen und Unternehmen und bietet mit dem Institut am Seerhein, Konstanz (D) Weiterbildungen in positiver Psychologie und Appreciative Inquiry an.

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Generationen

Mein Zugang zum Thema

Als Babyboomerin und Tochter von Eltern aus der Kriegsgeneration sowie Mutter einer Tochter aus der Generation Y verfolge ich seit 2005 Fragen der Generationen in meinem Berufsleben. Um dem damaligen «Gegeneinander der Generationen» etwas entgegenzusetzen, habe ich mit meiner Kollegin Heike Schwartz 2006 einen Open-Space-und Dialogprozess zum «Miteinander der Generationen» entwickelt. Damit geling den verschiedenen Generationen ein konstruktiver und inspirierender Dialog – ob in Un-ternehmen oder Gemeinden (Joester & Schwarz 2006, Joester & Roduner 2013). Gleichzeitig habe ich mit meinen Kollegen aus dem HR-Team der Helvetia Versicherungen eine HR-Policy zum «Miteinander der Generationen» umgesetzt. Dazu gehörten die Flexibilisierung der Pensionskassen, Schulungen von Führungskräften im Umgang mit Vielfalt, eine Lehrlingsoffensive in der Rekrutierung, Mentoringprogramme im Talentmanagement sowie Gesundheitsprogramme und Standortbestimmungswork-shops (Joester 2007) für spezifische Altersgruppen.

Miteinander der Generationen — ein Open-Space- und Dialogprozess

Dieser Prozess bietet Raum mit unterschiedlichen Gruppen in einen Dialog zu kommen, durch den die Grenzen des Verstehens in der konkreten Begegnung erweitert werden.

Ziel ist es

  • von einander zu erfahren, was jeder in seinem Leben gemeistert hat,
  • zu hören, was mein Gegenüber und seine Generation sagt,
  • zu sehen, wie mein Gegenüber mich und meine Generation sieht,
  • zu sagen, wie ich mein Gegenüber sehe,
  • zu reflektieren, was mich und meine Generation vielleicht ausmacht,
  • miteinander einen inspirierenden Prozess zu erleben.

In diesem Dialog können die positiven Aspekte der Vielfalt zwischen Jungen–Alten (aber auch Frauen– Männern; Inländern–Ausländern; Pflegepersonal– Medizinern, Firmeninhabern–Firmennachfolgern, Vertrieblern-Controllern-Produktentwicklern usw.) gefördert werden, ohne die Unterschiede und Schwie­rigkeiten zwischen den Gruppen zu negieren. Anwendung findet dieser Ansatz mit 20 bis über 500 Menschen bislang in Unternehmensentwicklungs-, Arbeits-, Produktentwicklungs- und kommunalen Partizipationsprozessen. Immer dann, wenn ein kultu­relles Miteinander erreicht werden soll.

Was bedeutet es zu einer Generation zu gehören?

Eine Generation ist eine Gruppe von Menschen, die sich aufgrund von Alterszugehörigkeit und ihrer sozialen Situation ähnlich sind. Besondere Ereignisse wie generelle Zeitumstände z. B. «Nachkriegszeit» oder «Fall der Mauer» und individuelle Erfahrungen, denen Menschen in der Kindheit, dem Jugendalter sowie dem Eintritt in das Berufsleben ausgesetzt sind, bestimmen oft das spätere Erwachsenenleben wie die Entwicklung von Denkmustern und Werten, die verschiedene Alters­gruppen deutlich voneinander abgrenzen.

Generationentypen — alle schreiben davon

Jeder Generationstyp ist immer eine allgemeine Typologie oder ein Stereotyp, die eine generative Tendenz beschreiben, die natürlich immer durch die Individua­lität einer Person gebrochen werden kann. Die Hetero­genität innerhalb einer Generation geht oft über die Grenzen der Generationentypen hinaus. Nachfolgend finden Sie verschiedene Generations­typen, die in ihrer generativen Gestimmtheit, ihrem Credo, ihrer aktuellen Lebensphase und möglichen blinden Flecken in der Beratung kurz und knapp be­schrieben werden. Vielleicht regt Sie die eine oder an­dere Beschreibung an, über Ihre persönliche gene rative Gestimmtheit und Ihre Reaktionen auf Ihre Klientinnen und Klienten im Beratungsalltag zu reflektieren. Diese Generationsbeschreibungen basieren teilweise auf der Literatur zu diesem Thema (Aichinger 2013, Bruch 2010, Kosser 2014), vor allem aber aus den oben beschrie­benen Workshops zum «Miteinander der Genera­tionen».

  • Kriegskinder und Nachkriegsgeneration (1939 bis 49) «pragmatische Visionäre, aktive Silvergeneration, Generation Beatles»

Für sie haben traditionelle Werte wie Fleiss, Sparsamkeit, Pflichtbewusstsein, Disziplin und materielle Werte einen hohen Stellenwert. Diese Werte wurden ihnen häufig durch das tradi tionelle Familienmodell mit dem Vater als Ernährer und der Mutter zuständig für Haushalt und Erziehung – bis 1971 ohne Wahl­recht – vermittelt. Sie gelten als verlässlich und glauben an den Wert von Vernunft, Recht und Ordnung. Die Kultur ihrer Arbeitswelt in der Hochphase der Industriegesellschaft war von Hierarchie und forma­lisierten Kommunikationswegen gekennzeichnet. Ihre Anpassungsfähigkeit und ausgeprägte Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber waren geeignete Voraussetzungen für eine Karriere, die von Beständigkeit und einer Anstellung auf Lebenszeit geprägt ist. Finanziell ist diese Generation sehr gut ausgestattet.

Ihr Credo: Das Schwierige wird sofort erledigt! Erst die Arbeit und dann das Ver­gnügen!

Aktuelle Lebenspahse: Sie sind zu Beginn oder im aktiven ‹Ruhestand›mit Freizeitorientierung oder sozialem Engagement,haben Enkelkinder, die ersten körperlichenBeschwerden des Alterns oder auchschon schwerwiegende Erkrankung erfahren.Die Endlichkeit des Daseins dringt ins Bewusstseinsowie der Wunsch nach Teilhabeund Mitgestaltung bis ins hohe Alter.

Blinde Flecken in der Beratung: Gerade die Babyboomer sehen diese Generationals die der Angepassten, Bewahrer und Verhinderervon Veränderungen, die immer schon allesgewusst haben. Finanziell gut ausgestattethaben sie nur noch die Pensionierung im Kopf.Die Generation X teilt Werte wie materielleSicherheit

  • Babyboomer (1950 bis 1964) «Rock ‘n roll, easy riders oder Generation Interrail»

Sie wuchsen zumeist mit mehreren Geschwistern auf und waren oft der Konkurrenz der eigenen Alters­gruppe ausgesetzt. Dies schulte sie von klein auf, sich gleichzeitig durchzusetzen und zu kooperieren, was u. a. in einer hohen Teamfähigkeit später im Berufsleben eine ihrer Stärken ausmacht. Sie brachen vorgegebene Regeln und suchten neue Werte wie Mitbestimmung, Fairness, Gleichberechtigung. Sie gelten als ‹Workaholics›. Nach Jahren wirtschaftlicher Stabilität erleben sie auch Phasen des «Downsi-zing», gerade in der letzten Dekade ihres Berufslebens. Dennoch haben sie ihren Optimismus bewahrt und sind nach wie vor von den unendlichen Möglichkeiten überzeugt, die ihnen die Welt bietet. Neben einer hohen Freizeitorientierung steht die Suche nach persönlicher Erfüllung und sinnvoller Tätigkeit oben auf ihrer Werteskala.

Ihr Credo: We are the world – we are the children – wir waren immer (zu) viele!

Aktuelle Lebensphase: In der zweiten Lebenshälfte angekommen istdiese zahlenmässig grösste Elterngenerationzum Teil auf dem Höhepunkt des Berufslebens,zum Teil im Übergang zum aktiven «Ruhestand». Sie wollen noch einiges in Bewegungsetzen, wollen weiter gefragt sein und fühlensich noch zu jung, um nichts mehr zu arbeiten(goodbye Ruhestand). So planen sie weitereberufliche Aktivitäten, machen sich selbständigoder engagieren sich in Ehrenämtern.

Blinde Flecken in der Beratung: Von der Kriegskindergeneration werden sie alsüberheblich, masslos und risikosuchend beschrieben,die wenig Respekt vor ihrer Lebensleistunghaben. Die Generation X ist erschlagenvon deren Omnipräsenz durch deren Menge undfühlen sich dadurch in der eigenen Karriereblockiert.

  • Generation X (1965 bis 1980) «Floppy disc(o), Generation Erasmus oder die Sorglosen»

Sie sind trotz steigender Scheidungsraten und Berufstätigkeit beider Eltern behütet aufgewachsen. Mit einem sehr guten Abschluss und einigen Auslandsaufenthalten in der Tasche erlebten die Älteren dieser Generation nach einem steilen Karriereeinstieg, dann drohende Arbeitslosigkeit ausgelöst durch die Krise der «New Economy». Ihre Arbeitswelt ist geprägt von Liberali sierungen und Globalisierung. Sie entwickelten einen selbstverständlichen Umgang mit neuen Medien und flexiblen Umgang mit infor­mellen Strukturen. Wohlstand und finanzielle Sicherheit sind für diese Generation wichtige Werte. Bis zur späten Familiengründung zeigen sie grossen Ehrgeiz. Frauen haben selbstverständlich einen Beruf, als Mütter jedoch wird die Vereinbarkeit von Karriere und Familie noch als grosse Herausforderung beschrieben. Männer dieser Generation gestalten ihre Vaterrolle anders als sie es als Sohn erlebt haben. Die optimale Vereinbarung von Beruf und Privatleben beschäftigt sie intensiv.

Ihr Credo: Mach niemals einfach das, was dir ein Erwachsener sagt

Aktuelle Lebensphase: Sie befinden sich mitten im Berufsleben. Siesind in Führungspositionen, gehen ins Ausland,leiten Unternehmen, sind Fachpersonen.Sie versuchen ihre «3 Ks» – Karriere, Kinderund Kredite – unter einen Hut zu bringen undbringen sich oft in Überforderungssituationen.Dies wird durch veränderte Familienrollenzwischen Mann und Frau, ein breit gefächertesFreizeitprogramm und die Abwesenheit derGrosseltern für die alltägliche Versorgung derKinder noch verstärkt.

Blinde Flecken in der Beratung: Nachkriegskindergeneration halten diese Generationfür lustorientiert, verwöhnt und konsumorientiert.Hingegen halten die Babyboomer siefür unpolitisch, besserwisserisch und als ihreKonkurrenz (die an ihren Stühlen sägt). UnbewussterNeid wird z. T. gegenüber den heutigenChancen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familiewie Arbeitszeitmodellen, Homeoffice usw.empfunden.

  • Generationen Y oder Generation Smartphone (1980 bis 2000) «Nintendo, Cyberkids, Generation@, Digital Natives oder die Generation mit dem Knopf im Ohr»

Diese Generation stellt die zweitgrösste Kohorte dar. Sie führen ein äusserst viel beschäftigtes Leben. Mit diesem Elan machen sie noch den grössten Workaholics unter den Babyboomern Konkurrenz. Sie bleiben eng mit ihrer Familie verbunden. Kaum die ersten Worte sprechend, durften sie schon entschei­den, wo es in den Urlaub geht und welches Möbel gekauft wird. Sie fordern am Arbeitsplatz lautstark Aufmerksamkeit. Sie kennen nichts anderes als Wandel. Der klassische hierarchische Aufstieg in den Unternehmen übt für sie keinen Reiz mehr aus. Sie sind oft 24h online und bewegen sich wie ein Fisch im Wasser in den sozialen Netzwerken. Wenn die Arbeit Vergnügen macht, arbeiten sie auch gerne rund um die Uhr. Das Thema Beruf und Karriere ist für die Frauen dieser Generation ein selbstverständliches, was sie aber auf ganz individuelle Art und nicht angepasst an den Strom männlicher Mitbewerber und Verhaltensweisen leben (wollen).

Ihr Credo: We are special... Wir müssen nicht mit machen und wenn ja, dann nur zu unseren Bedingungen

Aktuelle Lebensphase: Sie sind in der Ausbildungs- und in der Einstiegsphaseins Berufsleben, haben ein Zwischenjahrzwischen Ausbildungsabschnitten– meist im Ausland – eingeschoben und auchschon mal den Arbeitgeber gewechselt. Siehaben eine Familie gegründet und zum Teilauch geheiratet.

Blinde Flecken in der Beratung: Nachkriegskinder und Babyboomer halten Ylerfür flatterhaft, fremdgesteuert per Facebook undmit wenig sichtbarem Hunger nach Erfolg. Inihrer Forderung nach stetiger Entwicklung undklarer Kommunikation werden sie als zu sehrvon sich überzeugt eingeschätzt. Auch die engeVerbindung mit ihren sog. ‹Helikoptereltern›macht die anderen Generationen skeptisch, obdie Yler wohl eine gesunde Eigenständigkeit vonder Elterngeneration vollziehen können.

  • Generation Z (ab 2000)

Sie sind maximal 14 Jahre alt – lassen wir ihnen die Zeit, mit welchen Generationstypen sie uns über- raschen werden!

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