19.01.2018

Interkulturelles Coaching: Kulturreflexive Coaching-Praxis

Migration sowie die Internationalisierung von Arbeits- und Lebensprozessen verändern zunehmend die individuellen Lebenswelten. Diese Veränderungen haben direkte oder indirekte Auswirkungen auf das Coaching und die Anforderungen an eine/n Coach.

Von: Marco Fankhauser, Claudia Meierhans  DruckenTeilen Kommentieren 

Marco Fankhauser

Marco Fankhauser (MSc Soziale Arbeit, Betriebswirtschafter HF) ist Dozent am Institut für Internationale Zusammenarbeit in Bildungsfragen IZB der PH Zug. Er arbeitet und unterrichtet zu den Themenbereichen Interkulturalität, Interkulturelles Coaching sowie Pädagogische Entwicklungszusammenarbeit.

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Claudia Meierhans

Claudia Meierhans (MSc Geographie, Höheres Lehramt Mittelschulen, CAS Coaching) ist Dozentin am Institut für internationale Zusammenarbeit in Bildungsfragen IZB der PH Zug. Sie arbeitet und unterrichtet zu den Themenbereichen Interkulturalität, Interkulturelles Coaching sowie Pädagogische Entwicklungszusammenarbeit.

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Kompetenz zum professionellen, kulturreflexiven Coach

Migration sowie die Internationalisierung von Arbeits- und Lebensprozessen verändern zunehmend die individuellen Lebenswelten. Diese Veränderungen haben direkte oder indirekte Auswirkungen auf das Coaching und die Anforderungen an eine/n Coach. Doch was genau muss ein/e Coach wissen und können, um Menschen in diesen immer komplexeren Lebens- und Arbeitskontexten wirksam begleiten zu können? Das auf diese Fragestellung hin entwickelte Kompetenzprofil des/der kulturreflexiven, professionellen Coach (vgl. Abbildung 1) zeigt, dass die Reflexion und Integration von Coaching Knowhow und Interkulturellem Knowhow zu spezifischen Wissensbereichen, Haltungen und Kompetenzen führen kann. Damit wird der/die Coach befähigt, die kulturelle Dimension während den Begleitungen konsequent zu berücksichtigen und damit sein/ihr Coaching auf aktuelle gesellschaftlichen Prozesse abzustimmen.

Coaching Knowhow

Coaching Knowhow umfasst Wissen, Haltungen und Fertigkeiten für eine professionelle Begleitung unter Anwendung von ausgewählten Modellen, Methoden und Instrumenten. Dabei besteht die wesentliche Aufgabe des/der Coach darin, den Coachee beim Erfassen seiner Problemsituation sowie dem daraus abgeleiteten Lösungsprozess zu begleiten. Mit der systemisch-konstruktivistischen Herangehensweise unterstützt der/die Coach den Kunden dabei, seinen Lebenskontext möglichst breit, aber auch differenziert zu erfassen. Zentral ist dabei auch, dass die subjektive Wahrnehmung des Kunden und damit verbunden seine Lebensrealität vom Coach gesehen und anerkannt wird. Damit die systemisch-konstruktivistische Haltung im Coaching, also ein Perspektivenwechsel sowie der ganzheitliche Blick auf das Anliegen des Kunden gelingt, sind offene Fragen, aktives Zuhören sowie eine wertschätzende Grundhaltung zentrale Voraussetzungen. Dies wiederum bedingt eine fundierte und differenzierte Selbstreflexion unter Einbezug der persönlichen Prägungen und Denkweisen des Coachs. Coaching Knowhow beinhaltet also viel mehr als das Wissen über Modelle, Methoden und Instrumente. Erst durch dessen vertiefte Reflexion und den damit gemachten (Coaching-)Erfahrungen können persönliche Entwicklungsprozesse angeregt und damit das neu erworbene Knowhow in die eigene Persönlichkeitsstruktur integriert und bei Bedarf abgerufen werden.

Interkulturelles Knowhow

Interkulturelles Knowhow umfasst Wissen, Haltungen und Kompetenzen für einen konstruktiven Umgang mit eigenen und fremden kulturellen Prägungen und Wertehaltungen. Dies setzt Kenntnisse über die eigenen Wahrnehmungs- Deutungs- und Handlungsmuster voraus und damit verbunden eine hohe Selbstreflexionsfähigkeit, die zu Anerkennung und Wertschätzung des Anderen oder Fremden führen kann.

Das differenzierte Wahrnehmen, Deuten und Bearbeiten von Irritationen ist dabei zentral. Einerseits ermöglicht dies kulturelle Unterschiede zu erkennen, andererseits kann damit vorschnellen Zuschreibungen aufgrund kulturellen Unterschieden entgegengewirkt werden. Insbesondere bei Anliegen im interkulturellen Kontext besteht nämlich die Tendenz, dass kulturelle Unterschiede oder Eigenheiten nicht bedacht oder im gegenteiligen Falle als Störfaktor überbewertet werden. Die Kulturalisierung von Problemstellungen kann bestehende Vorurteile zementieren und die Chance für einen echten Problemlösungsprozess untergraben. Denn es gilt auch immer andere Aspekte für Störungen zu beachten wie beispielsweise die unterschiedliche Ausstattung mit Macht auf Grund vorherrschender institutionellen Strukturen, unterschiedlicher Sprachkompetenzen oder gesellschaftlich geprägte Zuschreibungsmechanismen.

Es reicht also nicht, sich Wissen über Kulturen im Allgemeinen sowie spezifisches Kulturwissen anzueignen, um die vielfältigen Herausforderungen im interkulturellen Kontext professionell begleiten zu können. Vielmehr braucht es auch Wissen zu möglichen Störfaktoren in der (interkulturellen) Begegnung, zu bestehenden Machtasymmetrien, über die Entstehung und Wirkung von Fremdbildern und insbesondere auch Wissen über sich selbst und die eigenen Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster. Zudem ist auch die Fähigkeit wichtig, mit anspruchsvollen Situationen angemessen umgehen zu können und zwar auch dann, wenn sich eine auftretende Irritation nicht schlüssig erklären lässt. Diese Anforderung wiederum setzt voraus, dass das eigene Nicht-Wissen und die daraus entstehende Unsicherheit ausgehalten werden können.

Die obigen Ausführungen zeigen auf, dass das Aneignen von Interkulturellem Knowhow ein anspruchsvolles Unterfangen ist, das sich in einem ständigen Wechselspiel zwischen Kenntnissen im Themenbereich Interkulturalität und Selbstreflexion befindet. Durch dieses Wechselspiel und die kritische Betrachtung von gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen kann eine Grundhaltung entwickelt werden, welche Kultur als eine unter vielen möglichen Ursachen für Störungen sieht.

Professionelle, kulturreflexive Coaching-Praxis

In der Einleitung wurde bereits erwähnt, dass eine professionelle, kulturreflexive Coaching-Praxis sowohl Coaching Knowhow wie auch Interkulturelles Knowhow gleichermassen voraussetzt. Im entsprechenden Kompetenzprofil eines Coachs sind deshalb das Coaching-Knowhow und das Interkulturelle Knowhow als zwei gleichwertige Kompetenzbereiche für eine kulturreflexive Coaching-Praxis aufgeführt. Doch wie stehen diese beiden Kompetenzbereiche zueinander und was bedeutet dies konkret?

Bei einer professionellen, kulturreflexiven Coaching-Praxis verbindet der/die Coach die beiden Kompetenzbereiche in seiner Persönlichkeit. Es geht also darum, das vorhandene Coaching Knowhow mit den Grundlagen des Interkulturellen Knowhow zu erweitern und umgekehrt. Dies bedingt ganz wesentlich eine persönliche vertiefte Auseinandersetzung mit den beiden Bereichen sowie deren Verknüpfung und Umsetzung in der eigenen Coaching-Praxis. Auf diesem Hintergrund ist ein Coach fähig, die von ihm oder ihr eingesetzten Modelle und Instrumente aus der Coaching-Praxis um die Reflexionsebene der Interkulturalität zu erweitern oder interkulturelle Modelle und Instrumente aus der Coaching-Perspektive zu betrachten und zu nutzen.

Damit gewinnt das Coaching an Differenziertheit und Tiefe. Im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen im Kontext von Migration und zunehmender Internationalisierung ist ein Coach damit besser in der Lage, seine Kunden bei ihren individuellen Anliegen wirkungsvoll zu begleiten. So entsteht grösserer Nutzen für den Kunden und damit für sein Umfeld, sei es beruflich als auch private.

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