13.10.2020

Diskriminierung: 3 Tipps, wie Sie mit diskriminierenden Verhalten umgehen

Sensibilisieren Sie sich und Ihr Team für Diskriminierungen am Arbeitsplatz. Stellen Sie Regeln auf, wie mit Diskriminierungen umzugehen ist. Stoppen Sie solches Verhalten.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Diskriminierung

Frei von Vorurteilen? Wohl kaum!

Jeder ist geprägt durch seine Sozialisation, Kultur, Religion und Herkunft. Jeder hat bestimmte Sichtweisen erlernt, die ihm helfen, die Welt einzuordnen und zu verstehen. Ein sehr positiver Fakt. Sie können dadurch schnell und mühelos Situationen einschätzen. Sie können dadurch selbstsicher handeln. Sie können dadurch Ihr Leben gestalten.

Viele dieser Sichtweisen wandeln sich im Laufe des eigenen Lebens. Sie wachsen über Ansichten, die Ihnen Ihre Eltern oder Lehrer vermittelt haben, hinaus. Meist geschieht dies wie von selbst und fast nebenbei. Sie machen Erfahrungen, die die „alten“ Sichtweisen unterwandern und aufzeigen „Stimmt nicht.“ Vielleicht haben Sie homosexuelle Freunde. Vielleicht arbeiten Sie mit muslimischen Kollegen zusammen. Und mit jedem Kontakt wird Ihre Welt neu entworfen.

Dennoch schlummern in jedem von uns Vorurteile, die zu Diskriminierungen führen können. Unwillentlich, zweifelsfrei. Aber dennoch gibt es sie. Niemand ist ohne Vorurteile. Manches Mal sind es nur Klischees, die den anderen in eine Schublade stecken „Typisch Frau. Hormongesteuert“ oder „Typisch Mann. Mit dem Kopf durch die Wand“. Solche Klischee-Vorurteile mögen harmlos erscheinen, sind es aber nicht.

Diskriminierung schadet

Eine Diskriminierung „scheint“ sich erst einmal nur auf eine Person zu beziehen. Während des Meetings wird einem Teammitglied „Deine Idee kommt nicht an. Nimm‘s sportlich und mit Humor, obwohl ihr das ja nicht so gut könnt, nicht wahr?“ entgegnet. Niemand widerspricht. Niemand, auch der angesprochene Teamkollege, hinterfragen die Aussage, ganz besonders das „ihr“ in der Aussage. Das Team geht seiner Dinge. Aber solche kaum merklichen alltäglichen Diskriminierungen wirken nach:

  • Reduzierung auf Eigenschaften. Der Teamkollege fühlt sich abgewertet, weil er nicht als eigenständige Person gesehen wird, sondern nur bestimmte kulturelle Eigenschaften wahrgenommen werden, die vielleicht gar nicht auf ihn zutreffen.
  • Bestätigung durch Schweigen. Das Team korrigiert die Sichtweise nicht, sondern scheint diese zu akzeptieren.
  • Schädigung der Zusammenarbeit. Vielleicht hegt er auch einen Groll gegenüber demjenigen, der ihm dies an den Kopf geworfen hat. Vielleicht wirkt sich dieser Groll auf die Zusammenarbeit aus.
  • Verschlechterte Arbeitsatmosphäre. Wer diskriminiert, diskriminiert zwar „nur“ eine Person(engruppe). Aber dadurch wird dennoch die Arbeitsatmosphäre vergiftet. Denn es entstehen bei demjenigen negative Emotionen wie Wut, Angst, als auch Stress. Und diese beschädigen nachhaltig das Miteinander.
  • Ungenutzte Potenziale. Schubladendenken und Vorurteile begrenzen das Miteinander. Der Mitarbeiter und der Kollege werden nicht wirklich „gesehen“. Dadurch bleiben Fähigkeiten und Potenziale ungenutzt.
  • Imageschaden. Ob es das Projektteam, die Abteilung oder das Unternehmen betrifft, Diskriminierungen, wie subtil sie auch sein mögen, fügen dem Image stets einen Schaden zu.

3 Tipps, wie Sie Diskriminierungen am Arbeitsplatz abbauen

Diskriminierungen betreffen alle im Unternehmen. Deshalb darf die Verantwortung nicht allein beim Vorgesetzten liegen, sondern auch beim Teamsprecher, Team und Teamkollegen. Sorgen Sie deshalb für ein breites Bündnis gegen Diskriminierungen im Unternehmen.

Tipp 1: Sich dem Schubladendenken öffnen

Sensibilisieren Sie sich selbst und das Team. Listen Sie gemeinsam Sichtweisen auf, die Anderen bestimmte Eigenschaften zusprechen – aufgrund

  • der Herkunft.
  • der Kultur.
  • der Religion.
  • des Geschlechts.
  • der Sprache.
  • des Aussehens.

Fragen Sie ruhig einmal in die Teamrunde - beispielsweise: „Was ist typisch deutsch? Was ist typisch englisch? Was ist typisch weiblich/männlich? Welche Eigenschaften werden Muslime zu geschrieben? Welche Eigenschaften werden dicken Menschen zugeordnet?“ Fokussieren Sie bei dieser Diskussion Personengruppen,

  • die als Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen tätig sind.
  • mit denen im Team oder als Kollegen in der Abteilung zusammengearbeitet wird.
  • mit denen innerhalb der Lieferkette in Kontakt getreten wird.
  • die als Geschäftspartner wichtig für das Unternehmen sind.
  • die die Kundenzielgruppe bilden.

Der persönliche Kontakt – also das Persönliche erfahren -, ist von Bedeutung, um im Unternehmen nachhaltig die Diskriminierung zu stoppen. Denn mit diesen Personen entsteht eine tagtägliche Tuchfühlung.

Listen Sie alles auf, was pauschal über die jeweilige Personengruppe geäussert wird. Anschliessend personifizieren Sie diese Sichtweise. Hinterfragen Sie gemeinsam, ob diese pauschalen Eigenschaften wirklich auf den Kollegen zutreffen. Fragen Sie beispielsweise: „Welche dieser deutschen Eigenschaften treffen wohl auf Emma zu? Welche Eigenschaften zeigt Emma, die nicht typisch deutsch sind? Falls wir diese Eigenschaften „einordnen“ würden, zu welchem Land oder Kultur könnten sie passen?“

Geben Sie Raum und Zeit, um Antworten zu sammeln. Verankern Sie durch die Antworten: Jeder ist mehr als seine Kultur, seine Herkunft, sein Geschlecht, seine Religion, sein Aussehen oder seine Sprache. Durch solch eine Verankerung wird Diskriminierung vorgebeugt.

 

Informationen bieten

Nicht immer reicht solch ein Austausch aus, um eigene Sichtweisen als diskriminierend zu entlarven. Recherchieren Sie im Netz, welche Informationen Sie zu zentralen Themen wie Rassismus, Islamfeindlichkeit oder Antisemitismus finden – beispielsweise den Antisemitismusbericht 2019 (https://www.antisemitismus.ch/).

Tipp 2: Regeln aufstellen

Legen Sie gemeinsam mit dem Team Regeln fest, die diskriminierendes Verhalten stoppen – beispielsweise

  • Wir wertschätzen einander in all unserer Vielfalt und Vielsichtigkeit.
  • Wir achten auf einen fairen Umgang im Team.
  • Wir hinterfragen pauschale Urteile und Ansichten.
  • Wir greifen ein, sollte ein Teammitglied diskriminiert werden.

Bitten Sie das Team sich zu überlegen, wie die einzelnen Regeln mit Leben erfüllt werden. Listen Sie gemeinsam Verhaltensweisen auf, die bei der einzelnen Regel greifen sollen. So weiss jeder, wie gehandelt werden kann.

 

Unternehmensregeln verankern

Nutzen Sie die Diskussion, um erneut auf die Unternehmensphilosophie und deren Regeln über einen gerechten und fairen Umgang hinzuweisen. Bekräftigen Sie, die Anti-Diskriminierungspolitik des Unternehmens. Zeigen Sie auf, wie diese mit welchen Massnahmen greift und bei Bedarf von jedem genutzt werden kann, um Diskriminierungen melden zu können.

Tipp 3: Beschwerde ernst nehmen

Ob Ihnen nun als Teamsprecher oder als Vorgesetzter eine Diskriminierung gemeldet wird, handeln Sie sofort. Wägen Sie die Art und Schwere der Beschwerde ab. Lassen Sie sich den Vorfall ausführlich beschreiben:

  • Was ist geschehen?
  • Wer hat was gesagt und/oder getan?
  • Wann ist es geschehen?
  • Wo fand die Diskriminierung statt?
  • Wie waren die Umstände, die den Vorfall eingeleitet bzw. begleitet haben?
  • Wer war noch involviert? Als schweigender Zuschauer? Als im Hintergrund Mitagierender, sei es durch Lachen oder zustimmende Worten und Gesten?
  • Wer kann den Vorfall bezeugen?
  • Gibt es eine Geschichte, d.h. gab es in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle der Diskriminierung, die (nicht) gemeldet wurden?

Vielleicht können Sie nach der Sichtung der Fakten die Sachlage unter den Beteiligten selbst klären und schlichten. Zeigen Sie dabei unbedingt Grenzen auf. Machen Sie deutlich, dass diskriminierendes Verhalten weder von Ihnen, noch vom Unternehmen toleriert wird – und bei wiederholtem Auftreten geahndet wird.

Vielleicht ist es aber auch notwendig, die Personalabteilung über den Vorfall zu informieren, damit diese entsprechend der Unternehmensrichtlinien vorgeht. Bleiben Sie im letzteren Fall dennoch involviert: Sie wollen schliesslich Ihren Mitarbeiter oder Teamkollegen zur Seite stehen.

 

Klug und mit Empathie agieren

Wird Ihnen eine Diskriminierung gemeldet, behandeln Sie diese stets vertrauensvoll. Halten Sie Ihre Notizen verschlossen. Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern finden stets hinter geschlossenen Türen statt. Weisen Sie daraufhin, dass alles, was gesagt wird, von allen vertraulich behandelt werden muss. Unterstreichen Sie die Konsequenzen, die durch ein Weitergeben der Gesprächsinhalte entstehen.

Beugen Sie so Gerüchten und Klatsch vor. Gerade bei Klatsch blühen Fake-News. Gleichzeitig riskieren Sie, dass die Mitarbeiter oder Teamkollegen Partei ergreifen. Die Arbeitsatmosphäre verschlechtert sich. Die Zusammenarbeit leidet.

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