21.12.2015

Extrovertierte Führungsqualitäten: Kleine Führungsfibel für Extrovertierte

Intro- und extrovertierte Führungskräfte gehen an ihre Aufgaben unterschiedlich heran. Sie können damit beide auf ihre Art und nachweislich erfolgreich sein, das zeigen neuere Studien. Und sie können beide gleichermassen scheitern. In diesem Beitrag geht es um die starken Seiten von Extro-Chefinnen und -Chefs. Sie erfahren ausserdem, was extrovertierte Mitarbeiter schätzen. Und am Ende haben Sie einen Eindruck, wie Ihre Extroversion Ihnen dabei helfen kann, Ihren authentischen Stil als Führungskraft zu finden.

Von: Sylvia Löhken   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Sylvia Löhken

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für persönlichkeitsbasierte Kommunikation. In ihren Vorträgen, Coachings und Workshops zeigt sie, welche Stärken verschiedene Persönlichkeitstypen bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele nutzen können. Sie versteht es dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse und komplexes Know-how in einfache Worte und gut umsetzbare Strategien zu übersetzen. Mit ihrer Erfahrung als Wissenschaftlerin und als Managerin in einer grossen internationalen Organisation kennt sie wichtige Arbeitsumfelder ihrer Kunden aus eigener Erfahrung: Politik und Verwaltung, Lehre und Forschung, Management und Beratung sowie japanische, amerikanische und deutsche Kommunikation.

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Extrovertierte Führungsqualitäten

Die fünf grossen Extro-Stärken in der Führung

Extrovertierte Führungsqualitäten lassen sich wie die Intro-Stärken in fünf grosse Bereiche unterteilen. Dabei geht es um eine Typisierung, also streng genommen um eine Übertreibung: Nicht jede Extro-Führungskraft hat alle fünf Stärken, und auch Intros punkten zuweilen mit dem einen oder anderen dieser Vorzüge. Doch bei Extros kommen diese Stärken besonders häufig vor und können als typische Erfolgskriterien für nach aussen Gewandte gelten. Deshalb bieten die fünf Stärken eine gute Orientierung und zeigen, womit Extros-Vorgesetzte sich besonders positiv unterscheiden können.

Stärke 1: Virale Begeisterung

Viele Extros reissen ihre Teams buchstäblich mit – sie sind selbst begeistert und begeistern andere quasi durch Ansteckung. Sie setzen mit ihrer sprühenden Freude am Tun jede Menge Energie frei und spornen die Menschen um sich herum zu Höchstleistungen an. Wo andere Motivationsbücher lesen, leben sie selbst Motivation vor. Wenn jemand ihre Umgebung für eine Vision gewinnen kann, dann sie. Wo andere zögern und lange überlegen, handeln Extros oft zügig und konsequent. Dabei schätzen sie ihrerseits schnelle Antworten und Entscheidungen bei anderen.

Für die Intros im Team kann diese Extro-Power manchmal überwältigend daherkommen. Sie lassen sich aber überzeugen, wenn hinter der Vision auch Substanz steht.

Stärke 2: Klare Kante

Viele Extros mögen klare Verhältnisse – und das prägt auch ihre Kommunikation. Sie sind meistens dazu bereit, Verantwortung zu übernehmen, auch für (mit Stärke 1 begeistert getroffene) spontane Entscheidungen, die sich nicht ganz so gut auswirken wie erwartet. Sie teilen Ideen und Meinungen mit und wollen wissen, was ihre Teammitglieder davon halten. Gleiches gilt für anstehende Entscheidungen. Für die klare Kante nehmen Extros oft in Kauf, auf weniger Gegenliebe zu stossen, als sie erwartet haben. Auf viele Intros wirkt das anstrengend – sie schätzen Harmonie, und zwar wegen ihrer relativ stark ausgeprägten Vorsicht und wegen einer im Vergleich zu den Extros niedrigen Stimulationsgrenze Harmonie. Deshalb scheuen sie oft Konfrontationen. Auch Stärke 3 steht in einem deutlichen Kontrast zu dem, was Intros leicht fällt...

Stärke 3: Dem Stress ins Gesicht sehen

Extro-Führungskräfte fällt es oft leichter als Intros, Konflikte ansprechen und Spannungen im Team zu klären. Ihr Sicherheitsbedürfnis ist weniger stark ausgeprägt als bei den nach innen gewandten Kolleginnen und Kollegen, und sie können es ertragen, wenn der Wind ihnen in Form einer genervten Kollegenreaktion ins Gesicht bläst.

Es ist eine echte Führungsstärke, die Stimmung zu klären und auch Spannungen zu thematisieren. Aus der Konfliktforschung wissen wir, dass unausgesprochene Spannungen eskalieren und sehr viel Energie und Leistungsfähigkeit binden können. Wer hier den Stier bei den Hörnern packt und Konflikte angeht, der sichert die Arbeitsfähigkeit seines Teams.

Voraussetzung ist, dass heikle Gespräche auch als solche behandelt werden – wer sich verhält wie ein Elefant im Porzellanladen, hinterlässt bekanntlich mehr Scherben als klare Luft. Vor allem bei den Intros!

Stärke 4: Tanz mit dem Chaos

Extro-Vorgesetzte reagieren meist schnell auf neue Informationen oder veränderte Umstände. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich selbst zu widersprechen, wenn die Lage es erfordert. Der Ausspruch «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?» stammt von einem Extro-Chef: von Konrad Adenauer.

Die Arbeitswelt von heute ist voller schneller Schnitte und pausenlos fliessender Informationsströme. Die Fähigkeit, damit umzugehen und danach zu handeln, ist eine echte Führungsqualität. Allerdings ist es gut, fitte Menschen zum Ausgleich zu haben, die gründlich prüfen, vor vorschnellen Entscheidungen warnen und Hintergrundinformationen liefern. Das wiederum sind dann oft Intros – gemischte Teams sind eben am leistungsstärksten!

Stärke 5: Tatkraftpakete

Extros sind wörtlich «nach aussen gerichtet». Darauf ist ihr Nervensystem eingestellt: Extros sind tatkräftig, zupackend und probieren gern aus. Als Führungskräfte greifen sie dann auch oft direkt ein: Sie ändern Strategien und packen mit an, wenn es gerade nötig ist. Sie entwickeln Ideen mit anderen am liebsten direkt, also mündlich und offen. Auch das Brainstorming wurde von einem Extro erfunden!

Für Intros, die lieber erst sorgfältig nachdenken und dann ausprobieren und umsetzen, kann diese geballte Tatkraft irritierend wirken. Gerade in Krisen, in denen nicht viel Zeit bleibt, kann sie allerdings überlebenssichernd sein.

Was Extro-Teammitglieder brauchen

Extro-Teammitglieder haben mit ihren Intro-Kollegen vieles gemeinsam: Orientierung, Rückmeldungen, Wertschätzung und eine integrative Umgebung sind Faktoren, die alle Persönlichkeitsausprägungen schätzen. Es gibt allerdings Aspekte, die gerade für Extros besonders wichtig sind. Hier eine Übersicht, die die Liste für Intro-Teammitglieder ergänzt:

 

das Extro-Bedürfnis......und was es bedeutet
1. Zusammengehörigkeit lebenExtros mögen es, wenn sie sich mit ihrem Team identifizieren können. Die Resonanz aus der Gruppe spornt ihre Leistung an. Machen Sie es Ihrem Team als Führungskraft leicht, ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Ein Mittel ist zum Beispiel die «digitale Teeküche», also eine Einbindung in den Kommunikationsstrom gerade in längeren reizarmen Arbeitsphasen.
2. WettbewerbViele Extros schätzen die Stimulation, die ein sportlich verstandener Wettkampf mit sich bringt: innerhalb des Teams, aber auch mit anderen Arbeitseinheiten. Ein richtig verstandener Wettbewerb (mit Wertschätzung und Entlohnung unabhängig vom Ausgang) kann die Arbeitsfreude deutlich erhöhen. Achten Sie als Führungskraft darauf, dass der Spass im Mittelpunkt steht. Verbissenheit kann das Gegenteil bewirken, mit entsprechenden Folgen.
3. GrundstimulationExtros sind da, wo sich Intros wohl fühlen, womöglich unterstimuliert. Auch in Regenerationsphasen brauchen sie eine gewisse Dosis an «Hintergrundgeräuschen», also an Eindrücken aus der Umwelt, die zeigen, dass sie mitten im Leben stehen. Das ist wichtig für persönlichkeitsgerechtes Energiemanagement.
4. Erfolge sehen und feiern

Äussere Belohnungen und Anreize sind für Extros wichtiger als für Intros. Erst recht, wenn sie ein schönes Gruppenerlebnis mit sich bringen. Begehen Sie den Abschluss eines Projektes also gebührend: Pizza mit dem Team und ein schöner gemeinsamer Spätnachmittag reichen meistens schon.

5. Durchhalten könnenDas beharrliche Dranbleiben ist für viele Extro-Teammitglieder eine echte Herausforderung. Hier können Sie als Führungskraft wichtige Impulse geben: etwa Teilziele setzen, nachfragen, positive Rückmeldungen geben.

Wenn Sie mehr wissen möchten...  

Zu den Stärken von Intros- und Extro-Führungskräften gibt es neuere Forschungsergebnisse. Ein besonders interessanter Aufsatz: Grant, Adam, Francesca Gino und David Hofman (2011). Reversing the Extraverted Leadership Advantage: the Role of Collective Employee Proactivity. In. Academy of Management Journal 54:3, 2011, S. 528-550.

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