02.07.2015

Führen: Ein „Vertrag“ zwischen Menschen

Führen ist ein Dauerbrenner, stets aktuell seit Jahrhunderten, Jahrtausenden. „Leadership“ bringt es bei Google auf 490 Millionen Treffer, Führung auf 46 Millionen. Es gibt wohl nur sehr wenige Themenfelder, die Menschen so sehr beschäftigen wie „Führung“. Schliesslich betrifft es ja auch jeden, nicht nur in der Arbeitswelt, aber vor allem dort. Wieso Führung so wichtig und stets brandaktuell ist, versteht sich von selbst, denn jeder wird irgendwie von irgendjemandem in den verschiedensten Situationen und Gegebenheiten des eigenen Lebens geführt und meist wird diese Führung als mangelhaft angesehen und gar zu oft erlitten.

Von: Markus Weishaupt   Drucken Teilen   Kommentieren  

Markus Weishaupt

Markus Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter von Weissman Suisse, Italia und Austria sowie Berater, Autor und Referent. Der studierte Ökonom promovierte 1996 an der Wirtschaftsuniversität Economia e Commercio an der Universität in Verona zum Thema „Strategische Partnerschaften zwischen Kunde und Lieferant“. Neben seinen Büchern „Preservare l’impresa familiare.“, „Le grandi strategie per medie imprese“ und „Il fascino delle imprese familiari.“ ist er Autor zahlreicher Fachartikel und Referent in deutscher und italienischer Sprache.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Führen

Was heisst eigentlich Führen? Führen hat das Ziel Bewegung zu schaffen, jemanden bzw. mehrere Menschen von einer Situation zur nächsten zu bringen, sie zu überzeugen, zu motivieren, sie in eine bestimmte Richtung zu lenken. Und die Menschen sollten durch die Führungstätigkeit diesen Weg idealer Weise aus eigener Überzeugung und freiem Willen bestreiten. Wieso würden sie das aber tun? Warum würden sie einen aufgezeigten Weg aus freiem Willen beschreiten oder ein aufgezeigtes Ziel erstrebenswert finden? Ganz einfach: Weil es dort wahrscheinlich besser ist oder zumindest nicht schlechter wird, als hier. Ob es aber besser wird, wissen alle Beteiligten im besten Falle bereits im Laufe der „Führungs-Reise“, im schlechtesten aber erst am Schluss.

Voraussetzung für Führung

Damit setzt Führung so einiges voraus. Reinhard Sprenger sagt: „Führende haben Folgende“, die einen sind das Gegenstück des anderen. Voraussetzung für Führung im weitesten Sinne sind meines Erachtens fünf wesentliche Grundsätze:

  1. Vertrauen in die Fähigkeiten und in die Weitsicht der Führungskraft. Ohne fachliche Kompetenz und Weitsicht diskreditiert sich jeder in der Rolle der Führungskraft. Wer will schon von Inkompetenz und Kurzsichtigkeit in die eigene Zukunft geführt werden?
  2. Authentisches Verhalten der Führungskraft. Authentisch heisst so viel wie „aus sich selbst heraus“ oder „echt“. Also das Gegenteil von künstlich, unecht oder gespielt. Fehlende Authentizität wird von Menschen, die ganz spontan zwischen Gestik, Mimik, Inhalt und Tun Unstimmigkeiten erkennen, bald entlarvt.
  3. Übereinstimmende Ziele zwischen Führungskraft und Geführten. Das setzt voraus, dass die Ziele klar sind und von der Interessensgemeinschaft geteilt, sowie auch als erstrebenswert angesehen werden. 
  4. Übereinstimmende Werte und entsprechendes Verhalten von Führungskraft und zu Führenden. So wie es gemeinsam erstrebenswerte Ziele geben muss, so müssen zwischen Führungskräften und zu Führenden auch geteilte Werte bestehen, die sich im konkreten Verhalten aller Beteiligten widerspiegeln. Wirksame Führung gibt es wohl nur in echten Wertegemeinschaften.
  5. Aufgabe von Selbstverantwortung und Übernahme von Verantwortung: in einer Führungsbeziehung ist eine Seite bereit sich von jemand anderem sagen zu lassen wohin die Reise geht. Hier gibt jemand einen Teil seiner Selbstbestimmung auf und legt diesen in die Hände seiner Führungskraft. Und die Führungskraft übernimmt diese Verantwortung, bewusst oder vielleicht auch unbewusst.

Führen als Vertrag zwischen Menschen

Führung, wenn man so will, ist letztlich ein Vertrag zwischen Menschen, der lautet: „Du Führungskraft bist für den Erfolg unseres Unternehmens verantwortlich und hilfst mir, den du führst, erfolgreich zu sein in meiner Tätigkeit und in meiner persönlichen und beruflichen Entwicklung. Deswegen folge ich dir in deinen Entscheidungen und gebe dir als Gegenleistung Macht, soziale Stellung und Einfluss.“ Dieser Vertrag kann explizit, bewusst oder unbewusst geschlossen werden, aber er besteht immer, wenn Menschen zusammenarbeiten. Meist liegt das Führungsdilemma in der fehlenden Klarheit und Transparenz dieses Vertrages, denn Unklarheiten lassen Interpretationsspielräume zu und lassen Zuständigkeiten offen.

Es gibt auch keine „Führungs-losen“ Unternehmen, auch wenn die Mähr der Unternehmen, die anscheinend ohne Führungskräfte arbeiten immer aktueller zu werden scheint. Selbst in sogenannten Führungskreisen, Führungsteams und Führungszirkeln gibt es diejenigen, die mehr Einfluss haben und mehr Führen, als andere. Der primus inter pares bleibt auch in flachen Hierarchien immer noch der primus.

Gute Führungskräfte bringen Mensch und Aufgabe zusammen. Sie haben die Fähigkeit die Talente von Mitarbeitern zu nutzen und zu fördern, die Stärken des Einzelnen zur Geltung zu bringen und diese gezielt für die Belange des Unternehmens einzusetzen. Sie schaffen Passung zwischen Talenten und Stärken der Mitarbeiter und deren Rollen und Aufgaben im und für das Unternehmen. Dadurch entsteht eine win-win Situation zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. Beide profitieren und verstärken sich gegenseitig in ihrem Erfolg. Damit werden Führungskräfte zweifelsohne mit einer hohen psychologischen Kompetenzanforderung konfrontiert. Führung hilft in der individuellen Beantwortung von Fragen, die sich wohl viele Menschen stellen, aber wenige konsequent beantworten:

  • Welcher Mensch bin ich? Wie ticke ich?
  • Welche Aufgaben und Rollen will ich erledigen und ausfüllen?
  • Was will ich wirklich?

Diese Fragen sind von Führungskräften vorrangig einmal für sich selber zu beantworten. Erst dann, mit der Überzeugung und Klarheit der eigenen Antworten, werden Führungskräfte von ihren Mitarbeitern und Kollegen auch ernsthaft um Rat gefragt. Anders ausgedrückt: Ohne Selbstführung gibt es keine wirksame und positive Mitarbeiterführung. Was macht nun eine gute Führungskraft aus? Wie ist sie? Was tut sie? Das sind die Fragen, die sich die Führungswissenschaft kontinuierlich stellt und auch ständig beantwortet, mit immer neuen Publikationen und Erkenntnissen aus der Philosophie, der Psychologie, der Neurobiologie und der Genetik. Gerade ob man das Zeug für eine gute Führungskraft mitbringen muss oder ob man die Fähigkeiten erlernen kann ist eine der wesentlichen Fragen, die die Wissenschaft beschäftigt. Die Beratungsindustrie hat ihre Antwort gefunden: Führungskraft kann man durch gutes Training werden. Aber ist das wirklich so? Letztlich geht es darum, dass die Führungskraft sich mit ihrer Führungsrolle und ihren Führungsaufgaben echt und authentisch beschäftigt, dadurch eine höhere Selbstkompetenz erreicht und effektivere Führungstechniken und Führungsinstrumentarien kennt und anzuwenden weiss. Wir haben gelernt, dass jede Führungskraft, die den Titel verdient, sich mit dem Thema Führen ständig auseinandersetzt und ihre eigene Führungsphilosophie entwickelt. Das zeichnet eine seriöse Führungskraft aus. Im Laufe vieler Jahre konnten wir tausendfach wiederkehrende Aussagen solcher erfolgreichen Führungskräfte  sammeln und wenn man so will könnten wir diese als deren „Führungsphilosophie“ und „Führungsprinzipien“ bezeichnen.

„Gute Führungskräfte……“

  1. Erreichen die gesteckten Ziele.
  2. Schaffen erfolgreiche Mitarbeiter, sie schaffen Sieger.
  3. Stellen sich in den Dienst des Unternehmens und der Mitarbeiter.
  4. Sind echt, authentisch.
  5. Dulden keine Mitarbeiter, die ihre Prinzipien und Werte nicht leben.
  6. Sind positiv und voller Energie.
  7. Schaffen es Vertrauen zu Mitarbeitern aufzubauen und zu halten.
  8. Sind selber erfolgreich.
  9. Sind fachlich kompetent, umgeben sich aber mit Experten, die es noch besser können.
  10. Bringen Veränderungen in Gang.
  11. Lösen Konflikte erfolgreich, ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren.
  12. Beherrschen Kommunikationstechniken und verschiedene Führungsstile, auch jenen des Tuns.

Aber Achtung, Führungskräfte sind keine Universalgenies und keine Mischung aus Albert Einstein, Winston Churchill und Leonardo da Vinci. Wohl sind es aber Menschen, die eine Führungsrolle  gewählt haben. Diese Wahl bringt Verantwortung mit sich, Verantwortung für sich und für andere. Damit steigen die Anforderung an die Selbstkompetenz und der Anspruch Führungskompetenzen und Fähigkeiten ständig weiterzuentwickeln, um in der Rolle erfolgreich zu sein. Zweifelsohne, alle Führungskräfte haben Stärken und Schwächen, aber die guten wissen um beide und gehen mit diesen verantwortungsvoll in ihrer Führungsrolle um.  

Produkt-Empfehlungen

  • Erfolgreich führen und leben

    Erfolgreich führen und leben

    Lösungsansätze für Führungskräfte und deren Lebenspartner

    CHF 68.00

  • Kommunikation

    Kommunikation

    So kommen Ihre Botschaften richtig an

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Selbst- und Zeitmanagement für Führungskräfte

    Sich selbst erfolgreich und optimal organisieren

    Nächster Termin: 06. November 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Führen von Führungskräften

    Fokus und Zusammenarbeit mit eigenen Führungskräften stärken

    Nächster Termin: 28. August 2018

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos