25.04.2017

Führungskräfte: Die goldenen Führungsregeln von Siegfried Zwick

Siegfried Zwick, Ex-Geschäftsführender Gesellschafter von Maico GmbH, erzählt im Beitrag was er unter Führung versteht, ob es überhaupt Führung braucht und wo eine Führungskraft zum Einsatz kommt. Lesen Sie das spannende Interview und erfahren Sie, welche für Siegfried Zwick die goldenen Führungsregeln sind.

Von: Markus Weishaupt   Drucken Teilen   Kommentieren  

Markus Weishaupt

Markus Weishaupt ist geschäftsführender Gesellschafter von Weissman Suisse, Italia und Austria sowie Berater, Autor und Referent. Der studierte Ökonom promovierte 1996 an der Wirtschaftsuniversität Economia e Commercio an der Universität in Verona zum Thema „Strategische Partnerschaften zwischen Kunde und Lieferant“. Neben seinen Büchern „Preservare l’impresa familiare.“, „Le grandi strategie per medie imprese“ und „Il fascino delle imprese familiari.“ ist er Autor zahlreicher Fachartikel und Referent in deutscher und italienischer Sprache.

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Führungskräfte

Wurde Ihre Karriere durch Führungskräfte ermöglicht, die Ihre Entwicklung gefördert haben?

Hatten Sie jemanden, der Sie unterstützte und Sie anspornte? Ja, sicher. Vor allem und ausschliesslich meine Frau hat mich angespornt, mich für ein selbstbe­stimmtes Leben zu entscheiden: Egal was passiert, ich stehe zu dir. Dadurch hat sie mein Unternehmertum mass­geblich beeinflusst. In den Unternehmen, in welchen ich vor meiner Selbst­ständigkeit gearbeitet hatte, hat mich niemand gefördert oder besonders unterstützt. Im Gegenteil: Bevormundung war an der Tagesordnung. Genau aus diesen negativen Beispielen habe ich gelernt, wie man es nicht machen soll. Daraus ist mein Ziel entstanden: Ein Unternehmen von Menschen für Menschen – mit einem kooperativen, nicht autoritären, Führungsstil. Immer das Ziel vor Augen: In meinem Sektor Nummer Eins zu sein. Dazu muss ich Nut­zen bieten: Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten und der Ge­sellschaft. Nur dann bin ich als Unternehmen attraktiv und begehrenswert.

Was verstehen Sie unter Führung? Was ist das: Führung?

Ich will durch Führung einen Konsens zwischen allen Mit­arbeitern schaffen - Führung muss Gegensätze miteinan­der verbinden. Alle brauchen dasselbe Ziel. Und in erster Linie muss es für alle ein Ziel geben, nämlich die Überle­bensfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Davon profi­tieren alle. Das Unternehmen bringt Kapital ein, um Wachstum und Rendite zu erwirtschaften. Gesundes Wachstum sichert die Überlebensfähigkeit. Und gesundes Unternehmenswachstum bedingt Wachstum der Mitarbei­ter in ihren Kompetenzen, ihren Fähigkeiten und ihrem Wissen. Mitarbeiter und Unternehmen haben zwei unterschiedli­che Aufgaben: Das Unternehmen muss die Rahmenbedin­gungen schaffen, damit die Mitarbeiter mitwachsen, ihre Talente erkennen und richtig einsetzen können. Dafür ver­langt der Unternehmer vollen Einsatz, Begeisterung und bewirkt Identifikation und den Stolz der Mitarbeiter. Der Mitarbeiter hat die Aufgabe, sich in den Dienst des Unternehmens zu stellen, damit das Unternehmen die ge­meinsamen Ziele erreichen kann. Unternehmen und Mit­arbeiter müssen sich in den Dienst des jeweils anderen stellen. Dienen kommt vor dem Verdienen.

Braucht es eigentlich Führung? Was halten Sie von Systemen, die sich selbst führen und steuern?

Jeder Mensch sollte sich die Frage stellen: Was will ich wirklich? Auch eine Führungskraft muss diese Frage an sich selbst und seine Mitarbeiter stellen. Meiner Ansicht nach funktioniert Selbststeuerung in Systemen nicht. Es braucht Klarheit über die Unternehmensausrichtung, Klarheit über die Vision, die Unternehmenskultur. Eine Führungskraft ist der Wächter der Unternehmensausrich­tung und letztlich verantwortlich für die Erreichung der Ziele. Führungskräfte helfen ihren Mitarbeitern sich zu entwickeln und sich dort einzubringen, wo sie ihre Fähig­keiten ausspielen können und es ihnen Spass macht und Begeisterung entfacht.

Führung ohne «technische» Fachkompetenz – ist das möglich?

Eine Führungskraft braucht vorrangig einen gesunden Hausverstand – und der ist nicht erlernbar. Schauen Sie, wie machen Menschen typischerweise Karriere: Beförde­rung bis zur Stufe der Inkompetenz. Der beste Verkäufer wird Verkaufsleiter, der beste Buchhalter Finanzchef usw. Aber als Führungskraft habe ich zusätzlich zu den «tech­nischen» Aufgaben auch Führungsaufgaben. Die Füh­rungskraft muss nicht der beste «Techniker» sein, sondern in der Lage sein, Bedingungen zu schaffen, damit seine Leute besser werden als sie selbst.

Wie viele wirklich gute Führungskräfte haben Sie in Ihrem Leben kennengelernt? Welche Eigenschaften hatten diese?

Es gibt patriarchalische und partizipative Führungsstile im Unternehmertum. Beide können sehr erfolgreich sein, aber es gibt einen relevanten Unterschied: im patriarcha­lischen Unternehmen fehlt der Unterbau, das mittlere Ma­nagement. Das Unternehmen ist nach dem Patriarchen führungslos. Patriarchalische Unternehmen sind riskant unterwegs. Unternehmen überleben, wenn sie einen gu­ten, kompetenten Unterbau mit fähigen, guten Führungs­kräften haben. Habe ich viele gute Führungskräfte in meinem Leben ken­nengelernt? Ja, das kann ich sagen. Viele haben nachhaltig erfolgreiche Unternehmen aufgebaut oder mit aufgebaut und setzen auf eine starke Unternehmenskultur, verstan­den als gelebte Werte und Spielregeln, sie entwickeln ein begeisterndes Zukunftsbild und schaffen Energie im Un­ternehmen. Sowohl Patriarchen haben dies erfolgreich ge­schafft, als auch partizipative Führungskräfte. Ich habe gelernt, dass auch ein Patriarch den Sprung schaffen kann, andere Führungskräfte zu entwickeln, sich zurückzuneh­men und frühzeitig den Unterbau für den Erfolg von mor­gen zu schaffen. Letztlich ist der partizipative Führungsstil aber der nachhaltig erfolgreichere.

Was sind die grössten Fehler von Führungskräften?

Überheblichkeit und Arroganz, nach dem Motto «Ich bin der Beste» und damit verbunden die Botschaft: «Du schaffst es nicht, deshalb muss ich es tun – ich kann alles besser.» Missbrauch der Macht im Sinne von fehlender Wertschät­zung und Anerkennung, keinem Respekt und Manipula­tion; unter anderem auch durch Geld: «Tue dies, dann be­kommst du das». Fehlender Respekt vor der Persönlichkeit des anderen und der Irrglaube, dass eine Führungskraft eine Erziehungs­aufgabe hat, nach der Überzeugung: «Wenn du ein biss­chen mehr wärst wie ich, wärst du besser.» Das ist anmas­send und zutiefst beleidigend.

Worin liegen die Unterschiede zwischen Führungskräften und Unternehmern?

Der Unternehmer setzt sein materielles Vermögen ein und geht damit voll ins Risiko. Die Führungskraft bringt ihr immaterielles Vermögen – Wille, Einsatz, Fähigkeiten – ein, und ist nicht unmittelbar «Opfer» von Fehlentscheidungen. Der Unternehmer wird getrieben von seinem Drang nach Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Freiheit und ist bereit dafür den Preis – seinen materiellen und immate­riellen Einsatz für das Unternehmen – zu zahlen. Die Füh­rungskraft sucht die Erfüllung ihrer persönlichen Ziele und Träume, will aber von unternehmerischen Sorgen frei sein. Erfolgreiche Unternehmer haben einen Traum, ein starkes Bild ihres Lebens. Ich kann nur sagen: Lebe deinen Traum! Unternehmerisches Denken und Handeln ist «Wettbe­werb», mit dem Ziel immer besser zu sein.

Sind Unternehmer die besseren Führungskräfte?

Das kann ich so nicht beantworten. Es gibt auch Unterneh­mer, deren Erfolg vorrangig durch geniale Führungskräfte ermöglicht wurde. Die Unternehmer ihrerseits waren ebenso genial, im Sinne, dass sie ihren guten Führungs­kräften den notwendigen Raum gelassen haben.

Wie viel Führung kann man eigentlich lernen und wie viel ist Persönlichkeit?

Eine Persönlichkeit ist nicht so stark veränderbar, dass aus einer lausigen Führungspersönlichkeit eine gute wird. Führung hat viel mit persönlichen Werten zu tun, mit Ein­stellungen und Prinzipien. Gute Führungskräfte bilden sich weiter, um immer besser zu werden, sie haben eine gewisse Sensibilität für das Thema Führung. Gute Füh­rungskräfte halten zu starke Persönlichkeitsausprägungen im Zaum und können sich steuern. Dazu lassen sie sich auch von extern helfen.

Gibt es so etwas wie die «goldenen Führungsregeln von Siegfried Zwick»?

  • Stelle Leute ein, die besser sind als du.
  • Die echten Werttreiber im Unternehmen sind nur die Menschen.
  • Ich muss als Führungskraft nützlich sein, ich muss einen nützlichen Beitrag leisten.
  • Respekt, Anerkennung, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Zufriedenheit sind zentrale Werte von guten Führungs­kräften.
  • Beantworte dir die Frage: Was will ich wirklich?
  • Stelle dich in den Dienst deiner Mitarbeiter. Entwickle eine Beziehung, die Geben und Nehmen ausbalanciert.
  • Sei klar in den Zielen, persönlich und unternehmerisch.

Über Siegfried Zwick

Der gebürtige Südtiroler Siegfried Zwick (72) gründete 1980 Maico GmbH, als Tochter der Salzburger Maco Gruppe, die auf die Entwicklung, Produktion und den Ver­kauf von Beschlägen für Fenster, Türen und Fensterläden spezialisiert ist. Bis 2010 stand er dem Unternehmen als geschäftsführender Gesellschafter vor. Mit einem ausseror­dentlichen, wertebetonten Management hat Zwick aus Maico ein einzigartiges Unternehmen geschaffen, das über die Branche hinaus Standards setzte, sowohl finanz-und betriebswirtschaftlich, als auch durch die aussergewöhn­lich starke Unternehmenskultur.

Dieses Interview wurde von Weissman Suisse geführt.

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