01.11.2016

Intuition: Führen mit dem «sechsten Sinn»

Haben Sie schon einmal erlebt, dass eine Bewerberin zur Tür hereinkommt, und Sie spüren gleich: «Die ist es» oder: «Der wird es nicht»? Oder dass ein Projekt gescheitert ist, bei dem Sie schon lange «ein ungutes Gefühl» gehabt haben? Die meisten Führungskräfte kennen dieses «Bauchgefühl», das man auch als Intuition bezeichnet.

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Intuition

Was ist «Intuition»?

Sie gibt Ihnen ein Gespür für die Hintergründe einer Situation. Dabei werden alle Sinneseindrücke und Erfahrungen «verknüpft». Erstaunlich dabei ist, dass Sie sogar zukünftige Entwicklungen spüren oder voraussehen können: «Dieser Mitarbeiter kann sich gut entwickeln» ... «Diese Idee wird ein Erfolg».

 

Sie wird als das Zusammenfallen aller menschlichen Fähigkeiten von Empfinden und Erkennen beschrieben. Dies geschieht auf der Grundlage von Wissen, Wahrnehmung und Emotionen, ohne dass sofort eine rationale Begründung vorhanden sein muss.

Mit Hilfe der Intuition werden in kurzer Zeit viele Detailinformationen aus der Ratio und den Emotionen zu einem Gesamtbild zusammengefasst. Eine Entscheidung aufgrund einer Intuition kann zwar oft nicht mit Worten beschrieben werden, zeigt sich jedoch in den darauffolgenden Handlungen.

Für Führungskräfte lohnt es sich, der Intuition etwas näherzurücken, um ihr den Stellenwert zu geben, der ihr gebührt. Ausserdem gewinnen sie an Sicherheit für die eigene Legitimation von intuitiv getroffenen Entscheidungen durch die Auseinandersetzung mit der Intuition.

Der praktische Nutzen der Intuition für Führungskräfte:

  • Sie erhalten mehr Sicherheit in unklaren Situationen.
  • Sie entwickeln und nutzen Ihren Instinkt für zukunftsträchtige Projekte.
  • Sie haben ein besseres Gespür für das Wesentliche.

Praxis-Tipp

  • Nehmen Sie Ihr «erstes Bauchgefühl» bei Projekten und Entscheidungen ernst. Prüfen Sie genau, ob es rationale Hinweise für diese inneren Eindrücke gibt.
  • Reagieren Sie aufmerksam und rechtzeitig, wenn eine «innere Stimme» Ihnen sagt, dass etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Meist hat sie Recht.

Eine intuitiv getroffene Entscheidung kann meist nicht begründet werden, und Sie wissen nicht, wie sie zustande gekommen ist. Intuition zeigt sich als eine Idee, die plötzlich da ist, oder als ein Körpergefühl mit begleitenden Emotionen, die sich gut oder weniger gut anfühlen.

Führen mit dem «sechsten Sinn»

Der Existenzanalytiker Alfried Längle bezeichnet die Intuition als angeborene emotionale Fähigkeit von Menschen, als Gespür für die Ganzheit einer Realität, für das Hintergründige einer Situation, für das Wesen einer Sache. Das Entscheiden gründet nicht auf dem «Nachdenken», sondern auf dem gefühlsmässigen Erfassen einer aktuellen Situation. Sinneseindrücke werden mit der Erfahrung verknüpft, Entwicklungen oft sogar vorausgesehen und vorhergespürt. Wer intuitiv wahrnehmen kann, was Menschen bewegt, findet spontan bessere Lösungen, kann besser auf MitarbeiterInnen eingehen und sie fördern, reagiert rechtzeitig auf Spannungen im Team oder auf Probleme in Projekten.

Intuitive Kompetenzen von Führungskräften

Intuition wird wahrgenommen durch Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, die einem Menschen oder einer Situation entgegengebracht werden. Hier zwei wesentliche Einsatzgebiete:

  • Reduzieren von Komplexität: Führungskräfte müssen in der Lage sein, grosse Informationspakete in Empfang zu nehmen, sie auszupacken, die Informationen zu unterscheiden und «richtig» zu verstehen. Dann gilt es, vorausschauend zu entscheiden und die Aufgaben in arbeitsgerechte Portionen zerlegen zu können. Dies ist auf der rein rationalen Verstandesebene oft nicht mehr lösbar. Daher ist das Verknüpfen des rationalen Denkens – für die Analyse und Systematik – mit dem intuitiven Denken – für das Erfassen der Gesamtheit – empfohlen. Anders ausgedrückt: Das rationale Denken ist wie ein Scheinwerferlicht, das nur spezielle Plätze ausleuchtet. Das intuitive Denken hingegen ähnelt dagegen einem schwachen Flutlicht, das die Umrisse des Ganzen erkennen lässt, nicht jedoch die Details ausleuchtet.
  • Intuitiv entscheiden: Wie können Sie Dinge entscheiden, wenn wichtige Daten und Fakten fehlen und die Informationslage nicht ausreichend ist? Dazu kommen Zeit- und Erfolgsdruck, die Ihnen in der Regel das Leben nicht gerade leicht machen. Die Quelle «Intuition» können Sie für solche Entscheidungen nutzen. Die Fähigkeit, «aus dem Bauch heraus» zu entscheiden, ist bei den meisten Menschen vorhanden. Eine intuitiv getroffene Entscheidung muss dann allerdings als solche auch legitimiert werden. Intuitive Entscheidungen werden noch nicht von allen Unternehmenskulturen unterstützt.

Weiterentwicklung der Intuition

Die erste Voraussetzung, um der eigenen Intuition mehr Raum zu geben, ist sich selbst zu gestatten, etwas unrealistisch zu denken. Eine weitere Voraussetzung ist, sich zu erlauben, subjektiv zu sein und nicht ausschliesslich alles mit Fakten begründen zu müssen. Die Intuition kann nicht «gemacht» werden. Sie ist ein hoch kreativer Prozess, der in seinen Stadien nicht wirklich erfassbar ist.

  • Der innere Autopilot übernimmt scheinbar das Steuer und wird dabei nicht kontrolliert.
  • Das gute oder schlechte Bauchgefühl gibt Hinweise.
  • Der Geistesblitz zeigt sich abseits des Problems plötzlich und ohne dass aktiv nachgedacht wird.

Die Signale einer Intuition nach aussen können selbst oder von anderen wahrgenommen werden. Sie zeigen sich...

  • ...als Zufriedenheit in ausgedrückter Fröhlichkeit oder im Lachen,
  • ...als Erleichterung, die einem «ins Gesicht geschrieben» ist,
  • ...in der Körperhaltung, die plötzlich entspannt und nicht mehr angespannt ist,
  • ...in der Atmung, die nicht mehr flach, sondern wieder tief ist,
  • ...im Gesicht, das wieder eine «gesunde Farbe» hat.

Um die Intuition weiterzuentwickeln, heisst es, aufmerksam und achtsam zu sein für das, was sich nach aussen und nach innen abspielt und sich zeigt. Diese Beobachtungen gilt es zu verfeinern und sie vom unbewussten Ablauf in das Bewusst-Sein zu holen.

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