16.06.2015

Knowledge Worker: Die neuen Mitarbeitenden

Das Normalarbeitsverhältnis ist auf dem Rückzug. Schon bald wird ein grösserer Teil der arbeitenden Bevölkerung in zeitlich befristeter Form bei einem Unternehmen mitarbeiten. Man umgibt sich mit den jeweils besten Leuten für einen bestimmten Job, den sogenannten Knowledge Worker.

Von: Anne M. Schüller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Anne M. Schüller

Anne M. Schüller ist Managementdenker, Keynote-Speaker, zehnfache Buch- und Bestsellerautorin und Businesscoach. Die Diplom-Betriebswirtin gilt als Europas führende Expertin für Loyalitätsmarketing und ein kundenfokussiertes Management. Sie zählt zu den gefragtesten Referenten im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gastdozentin an mehreren Hochschulen. Wenn es um das Thema Kunde geht, gehört sie zu den meistzitierten Experten. Zu ihrem Kundenkreis zählt die Elite der deutschen, österreichischen und schweizerischen Wirtschaft.

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Knowledge Worker

Neben einer Kernbelegschaft in herkömmlichen Arbeitsverhältnissen gibt es in vielen Unternehmen zunehmend eine Zusammenarbeit ohne klassischen Arbeitsvertrag: in Projekten, mit Freelancern, mit Zeitarbeitsfirmen, mit Interimsmanagern. Es gibt mehr befristete Arbeitsverträge, mehr outgesourcte Bereiche wie auch eine grössere Zahl an mitarbeitenden Spezialisten. So werden Unternehmen zu Drehkreuzen, zu Oasen für digitale Nomaden und von „Kollaborateur-Satelliten“ umkreist.  

Meist handelt es sich dabei um Experten auf hohem Niveau. Sie jonglieren zwischen Projekten, Auftraggebern und Arbeitsorten. Phasen intensiven Eingebundenseins wechseln mit Phasen ganz ohne Arbeit ab. Man organisiert sich über eigens dafür geschaffene Plattformen, in Netzwerken oder mithilfe von Agenturen. Virtuelle Agenten und Stellvertreter-Avatare werden Ihnen dabei schon bald zur Seite stehen.

Eine neue Aufgabenstellung: Knowledge Worker führen  

Im Zuge dessen kommen auf die Unternehmen ganz neue Management- und Führungsaufgaben zu. Sie werden lernen müssen, diese freien Mitarbeiter auf Zeit einzubinden, zu motivieren und so zügig wie möglich auf ein Performance-Hoch zu bringen. Dabei spielen ein gutes Briefing sowie fest installierte Feedbackprozesse eine ganz entscheidende Rolle.  

Für all das werden die Unternehmen bewertet werden. Wer bei Bezahlung, Fairness und Arbeitsatmosphäre nicht punkten kann, wird die Spitzengarde der global agierenden Projektarbeiter gar nicht erst anlocken können. Die mangelnde Redlichkeit, die viele Unternehmen heute zum Beispiel im Umgang mit kreativen Zulieferern zeigen, wird damit wohl (hoffentlich) so langsam ein Ende haben. Denn alles wird in Zukunft öffentlich sichtbar gemacht.

Die Top drei Entscheidungskriterien der Projektarbeiter  

Die Top drei Entscheidungskriterien der Projektarbeiter für oder gegen einen Auftraggeber, so Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky, sind diese:  

  • Ist das Projekt eine persönliche Herausforderung?
  • Hat das Projekt einen größeren Sinn für die Welt?
  • Arbeite ich dort mit exzellenten Menschen zusammen?  

Die Patchwork-Biografien guter Knowledge Worker sind der sicherste Weg, inhaltliche Brillanz zu entwickeln. Und Unternehmen, die solches Wissen auf Zeit zukaufen, sind ein idealer Zufluchtsort für all diejenigen, die sich den unfruchtbaren Machtspielen in klassischen Organisationen entziehen und ihre PS voll auf die Strasse bringen wollen.

Fest oder frei: Der Weg der Knowledge Worker  

Freelancer und selbstständige Knowledge Worker arbeiten vornehmlich in der IT-Wirtschaft, als Software-Entwickler, im Online-Business sowie in kreativen und beratenden Berufen. Viele von ihnen haben das Innenleben eines Unternehmens über Praktikantenverträge oder kurze Festanstellungen kennengelernt.  

Und oft haben sie während ihres Studiums ein erstes kleines Startup gegründet. So haben sie an beiden Seiten der Medaille geschnuppert und sich dann für die Selbstständigkeit entschieden. Auch im Laufe ihres Arbeitslebens können sie sich immer mal wieder in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis begeben, doch ihr Herz schlägt für Vielfalt, Freiraum und berufliche Autonomie.

Flucht vor der Härte männerlastiger Führungsetagen

Unter den Freelancern finden wir zunehmend auch weibliche Professionals, die der Härte männerlastiger Managementetagen entfliehen. Diese Frauen sind (sich) viel zu schade, um im ‚Menschenschach‘ verheizt zu werden. Und sie machen es nicht um den Preis von 70-Stundenwochen, Burnout, Mobbing und schlechterer Bezahlung.

Bestens ausgebildet können sie sich als Selbstständige endlich entfalten und auf hohem Niveau unternehmerisch tätig sein. Noch viel mehr Frauen als heute werden dies, unterstützt durch schlagkräftige Netzwerke, in Zukunft sehr erfolgreich tun. Dieser selbstverschuldete Aderlass wird allzu männlich dominierte Organisationen nachhaltig schwächen. Denn das, was gute Frauen einbringen können, wird in einer modernen Arbeits- und Businesswelt mit am meisten gebraucht.

Im Parallel-Universum am Arbeitsmarkt  

Egal, ob männlich oder weiblich: Knowledge Worker, die hochqualifizierten Wissensarbeiter unserer fortschreitenden Netzwerkökonomie, erschaffen gerade ein Parallel-Universum am Arbeitsmarkt. Es gibt sie in zwei Varianten: Auf der einen Seite die technologieaffinen „Nerds“, die sich eher isoliert in seriellen Projekten bewegen. Auf der anderen Seite die kollaborativen Teamworker, die als spezialisierte Experten ihre Talente mit bedürftigen Unternehmen für eine gewisse Zeit verknüpfen.

„Sie sind Träger, Verbreiter und Vermehrer von Wissen, Mittler zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“, schreibt das Zukunftsinstitut. Im Zentrum ihrer Motivation „steht die Idee der Selbstverwirklichung im kreativen Prozess, wofür ein hohes Mass an Zukunftsunsicherheit und eine große Volatilität beim Einkommen bewusst in Kauf genommen werden.“ Auch Selbstausbeutung ist eine Gefahr, der die freiberufliche Wissenselite ausgesetzt ist.

Wie sich Knowledge Worker organisieren

Knowledge Worker organisieren sich - zusammen mit Mentoren, Investoren und Inkubatoren - in virtuellen Netzwerken und an CoWorking-Orten. Kollaboration statt Wettbewerb, also miteinander statt gegeneinander, heisst ihr Erfolgsprinzip. Die zunehmende ‚Projektifizierung‘ der Arbeit verspricht den Guten unter ihnen eine rosige Zukunft.  

Anbieter und Nachfrager kommen auf den unterschiedlichsten Freelancer-Plattformen zusammen, auf denen es vor Angeboten geradezu wimmelt. Hier entstehen auch neue Bewertungsverfahren, die der innerbetrieblichen Mitarbeiter-Evaluierung als Vorlage dienen können: Sterne, Punkte, Siegel und Rankings für erfolgreich durchgeführte Projekte.

Der geschönte Lebenslauf von einst und das aufgehübschte Profil auf einschlägigen Portalen werden abgelöst durch ein öffentlich sichtbares Portfolio mit mehr oder weniger positiven Projektreferenzen. Denn der Aufbau einer exzellenten Reputation ist ein unabdingbares Kernelement, um in einem solchen Umfeld erfolgreich zu sein.

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